Ulrich Roos, Timo Seidl, Im »Südwesten« nichts Neues? Eine Analyse der deutschen Namibiapolitik als Beitrag zur Rekonstruktion der außenpolitischen Identität des deutschen Nationalstaates in:

ZeFKo Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung , page 182 - 224

ZeFKo Volume 4 (2015) Issue 2 Browse Volumes:  ZeFKo Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung
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Abstract

This article addresses the questions, which basic rules for action are guiding German foreign policy towards Namibia and which conclusions can be drawn from this regarding the ongoing discussions on the relevance of values and interests for German foreign policy. Against the background of the colonial past, the authors are interested in what there is to learn from the way in which the German federal government is dealing with this history and its influence on contemporary Germany’s foreign policy identity. By drawing on methods of reconstructive research in global politics, following Strauss’ Grounded Theory approach, the authors develop the hypothesis that German foreign policy (towards Namibia) cannot be properly understood simply by conceiving it as a civilian power’s policy. Rather, the authors argue that the fundamental feature consists of a continuing prioritization of its interests, although these interests are defined multidimensionally and pursued flexibly.

Zusammenfassung

Der Beitrag widmet sich der Frage, welche grundlegenden Handlungsregeln die deutsche Namibiapolitik anleiten und welche Rückschlüsse sich daraus für die Diskussion um das Verhältnis von Interessen und Werten in der deutschen Außenpolitik ziehen lassen. Vor dem Hintergrund der für deutsche Außenpolitik einzigartigen Gegenwärtigkeit der kolonialen Vergangenheit interessieren wir uns dafür, was sich aus der Art und Weise des Umgangs der Bundesregierung mit dieser Vergangenheit über die gegenwärtige Beschaffenheit der (außen-)politischen Kultur des deutschen Nationalstaates lernen lässt. Dabei greifen wir auf Methoden der rekonstruktiven Weltpolitikforschung in Anlehnung an die Grounded Theory in der Lesart von Anselm Strauss zurück und gelangen zu der These, dass die deutsche Namibiapolitik nicht als Ausdruck einer zivilmächtigen Orientierung verständlich gemacht werden kann. Vielmehr bestätigt diese, dass die grundlegende Eigenschaft deutscher Außenpolitik in der kontinuierlichen Priorität deutscher Interessen besteht, wenngleich diese Interessen durchaus mehrdimensional definiert und flexibel verfolgt werden.