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Michael Schröder, Henry Schäfer, Fazit in:

Henry Schäfer, Michael Schröder

Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen, page 149 - 151

Aktuelle Entwicklungen und Bewertung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4250-2, ISBN online: 978-3-8452-1617-1 https://doi.org/10.5771/9783845216171

Series: ZEW Wirtschaftsanalysen - Schriftenreihe des ZEW, vol. 92

Bibliographic information
149 Da es für die SRI-Indizes noch keine speziell darauf ausgerichteten Put- Optionen gibt, muss ein Investor zur Durchführung von Absicherungsmaßnahmen auf andere geeignete Put-Optionen zurückgreifen. Im Folgenden werden als Alternative Put-Optionen auf den MSCI-Welt-Index verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich durch den Einsatz optimal passender Put-Optionen die risikoadjustierte Performance wesentlich verbessern lässt im Vergleich zur Verwendung von Put-Optionen, die auf den MSCI-Welt-Index definiert sind. Absicherungsmaßnahmen mit den letzteren sind nicht geeignet und stellen für keinen der vier SRI-Aktienindizes eine sinnvolle Maßnahme dar. Selbst für den NAI würde sich die risikoadjustierte Performance (gemäß Perf2 und Perf3) dadurch soweit verschlechtern, dass der MSCI-Welt-Index die bessere Investitionsalternative darstellt. Tabelle 42: Risiko und Performance einer dynamischen Put-Strategie mit SRI- Indizes, Anlagehorizont 1 Jahr, Benchmark = nominale Werterhaltung Risikokennzahlen Performancekennzahlen 100% Aktien Risk1 Risk2 Risk3 Perf1 Perf2 Perf3 Perf4 DJSI vs. Welt (Q1 2000 – Q2 2006) DJSI 0,488 1,724 3,104 2,660 1,477 0,922 0,194 DJSI optimal 0,616 1,221 1,574 3,581 2,779 2,003 0,242 Welt 0,597 1,189 1,557 4,048 3,091 2,328 0,292 Ethical vs. Welt (Q2 2002 – Q2 2006) Ethical 0,551 1,409 2,101 3,337 2,237 1,567 0,266 Ethical optimal 0,569 1,114 1,497 4,210 3,135 2,390 0,310 Welt 0,542 1,081 1,486 4,953 3,603 2,876 0,370 FTSE vs. Welt (Q1 2002 – Q2 2006) FTSE 0,594 3,228 4,605 1,143 0,801 0,100 -0,080 FTSE optimal 0,602 1,213 1,584 2,988 2,287 1,522 0,193 Welt 0,528 1,046 1,459 5,206 3,731 3,015 0,391 NAI vs. Welt (Q2 1998 – Q2 2006) NAI 0,181 1,431 4,241 15,841 5,345 5,008 0,856 NAI optimal 0,357 0,849 1,447 22,497 13,205 12,619 0,730 Welt 0,515 1,023 1,444 8,534 6,047 5,338 0,476 Anmerkung: Anleihegewichtung = 100% Aktiengewichtung; die Risiko- und Performancekennzahlen für die Differenzportfolios verwenden den Zielwert null. 3.6 Fazit Die Studie zeigt, dass nachhaltige Kapitalanlagen aus der Sicht von Stiftungen nicht nur eine zulässige, sondern auch eine sinnvolle Klasse von Anlageprodukten darstellt. Im Vordergrund stehen derzeit vor allem weltweit diversifizierte Aktienanlagen. Stiftungen werden durch die Investition in nachhaltige Kapitalanlagen in die Lage versetzt, mögliche Zielkonflikte zwischen Stiftungssatzung und Ver- 150 mögensverwaltung zu vermeiden. Darüber hinaus zeigen Studien zur Performance, dass in der Regel durch eine Auswahl von Aktien nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien keine systematischen Nachteile im Vergleich zu konventionellen Kapitalanlagen entstehen. Es ist für eine Stiftung ratsam, genau zu prüfen, nach welchen Kriterien die Aktienauswahl konkret erfolgt, denn die Definitionen von Nachhaltigkeit, die Auswahlmethoden und die resultierende Portfoliostruktur können sich je nach Ratingagentur oder Fondsgesellschaft deutlich unterscheiden. Anschließend sollte eine detaillierte Untersuchung der Rendite-Risiko-Struktur der ausgewählten Aktien erfolgen und insbesondere überprüft werden, in welchem Umfang eine Investition im Sinne einer optimalen Struktur des Gesamtportfolios der Stiftung angestrebt werden soll. Prinzipiell können nachhaltige Aktienanlagen genauso für statische und dynamische Anlagestrategien verwendet werden wie konventionell ausgewählte Aktienportfolios. Hinsichtlich des Anlagespektrums gibt es noch einige Einschränkungen. So existiert inzwischen eine große Anzahl aktiv verwalteter Investmentfonds; es gibt jedoch sehr wenige passive Anlageprodukte, die sich auf die inzwischen ebenfalls zahlreichen Nachhaltigkeitsindizes beziehen. Beispielsweise sind derzeit noch keine Put-Optionen auf diese Indizes verfügbar. Für große Stiftungen dürften solche Einschränkungen allerdings kaum spürbar sein, da ihnen entsprechende Produkte von Vermögensverwaltern maßgeschneidert erstellt werden können. 151 Literaturverzeichnis Anheier, H. (2003), Das Stiftungswesen in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme in Zahlen, in: Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.), Handbuch Stiftungen, Wiesbaden, 43-85. Armbruster, C. (2000), Entwicklung ökologieorientierter Fonds: eine Untersuchung im deutschsprachigen Raum und Großbritannien, Köln. Augsten, U. und O. Schmidt (2003), Änderung des Anwendungserlasses zur Abgabenordung, Stiftung & Sponsoring, Rote Seiten 4. Bajeux-Besnainou, I. und K. Ogunc (2006), Spending Rules for Endowment Funds, Review of Quantitative Finance and Accounting 27, 93-107. Balder, S., M. Brandl und A. Mahayni (2009), Effectiveness of CPPI Strategies under Discrete- Time Trading, Journal of Economic Dynamics and Control 33 (1), 204-220. Bauer, R., K. Koedijk und R. 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References

Zusammenfassung

In den letzten Jahren ist der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Europa signifikant gewachsen. Besonders für Stiftungen können Kapitalanlagen, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt werden interessant sein, weil dadurch der Stiftungszweck auch im Rahmen der Vermögensanlage berücksichtigt werden kann. Im April 2008 wurde zur Analyse dieses Themas eine Konferenz unter dem Titel „Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen: Aktuelle Entwicklungen“ in Osnabrück bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchgeführt. Ziel der Konferenz war es, einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt für nachhaltige Kapitalanlagen zu geben und eine Bewertung, speziell aus der Perspektive von Stiftungen, durchzuführen.

Der vorliegende Konferenzband enthält als zentrales Kapitel die Studie „Nachhaltige Vermögensanlagen für Stiftungen“, die das ZEW zusammen mit der Universität Stuttgart durchgeführt hat. Die weiteren Beiträge befassen sich unter anderem mit dem noch relativ jungen Markt der Microfinance-Anlageprodukte, die als Teilgebiet der nachhaltigen Kapitalanlagen in Zukunft für Stiftungen eine ansteigende Bedeutung erlangen könnten.