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Michael Schröder, Henry Schäfer, SRI im Anlagemanagement der DBU in:

Henry Schäfer, Michael Schröder

Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen, page 28 - 32

Aktuelle Entwicklungen und Bewertung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4250-2, ISBN online: 978-3-8452-1617-1 https://doi.org/10.5771/9783845216171

Series: ZEW Wirtschaftsanalysen - Schriftenreihe des ZEW, vol. 92

Bibliographic information
28 Soc. Générale Telecom Italia Telefónica Total Unicredit Unilever Vinci Vivendi VW Anmerkung: weiß = im Index enthalten, schraffiert = nicht im Index enthalten. Stand: 06.112008. 2.3 SRI im Anlagemanagement der DBU Die DBU wurde bei der Gründung 1990 mit einem Stiftungskapital von etwa 1.288 Mio. € ausgestattet, zum 31. Dezember 2007 betrug das Stiftungskapital 1.792 Mio. €. Die Substanzerhaltungsrechnung der Stiftung zeigt, dass bei einer inflationsbereinigten Betrachtung das Stiftungskapital – bezogen auf den Zeitpunkt der Übertragung des Stiftungskapitals im Dezember 1990 – zum 31. Dezember 2007 etwa 1.263 Mio. € betrug; also bei einer inflationsbereinigten Betrachtung von Dezember 1990 bis Dezember 2007 ein Substanzerhaltungsdefizit von 25 Mio. € entstanden ist. Gleichzeitig hat die Stiftung von 1991–2007 1.207 Mio. € in circa 6.900 Projekte zum innovativen Umweltschutz in den Bereichen Umwelttechnik, Naturschutz, Umweltkommunikation und den Schutz national wertvoller Kulturgüter vor Umweltschäden investiert. Die grobe Asset Allocation der DBU nach Buchwerten hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert und stellt sich in Abbildung 1 dar. Die Vermögensanlage der DBU ist in ihrem Schwerpunkt auf Deutschland und Europa ausgerichtet. In den internen Anlagerichtlinien der DBU hat sich die Stiftung selbst auferlegt, dass 80% aller Aktien und Corporate Bonds in mindestens einem der vier beobachteten Nachhaltigkeitsindizes gelistet sein sollen. Dabei ist eine temporäre Unterschreitung um 5% möglich. Small und Mid Caps, die nicht im Fokus der genannten Nachhaltigkeitsindizes stehen, werden derzeit nicht gesondert bewertet. Im Bereich der Bonds liegt der Anlageschwerpunkt bei deutschen und europäischen Staatsanleihen sowie Pfandbriefen. Diese werden nach allgemeiner Meinung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit als weitgehend unkritisch eingeschätzt, so dass keine näheren Betrachtungen und Auswertungen notwendig sind. Im Übrigen wird bei der Selektion von Einzeltiteln auch im Bereich der Bonds auf das Thema Nachhaltigkeit geachtet. So wurde zum Beispiel in eine Anleihe der Weltbank zur Finanzierung von Projekten der Nachhaltigkeit investiert, die mit kapitalmarktgerechten Konditionen ausgestattet ist. Die DBU hat das Thema Microfinance im Jahr 2007 neu in das Anlageuniversum auf- 29 genommen. Microfinance-Produkte basieren auf Kleinstkrediten von 1 € bis in der Regel etwa 1.000 €, die an Kleingewerbebetreibende überwiegend in Schwellen- und Entwicklungsländern vergeben werden. Bekannt wurde das Thema durch den Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus, Gründer der Grameen Bank in Bangladesch. Mit kleinen Krediten sollen möglichst viele Menschen erreicht werden, die sich so eine wirtschaftliche Existenz aufbauen und aus Armut und Abhängigkeit befreien können. Ursprünglich ein klassisches Instrument der Entwicklungshilfe kann Microfinance künftig auch für private Anleger interessant sein, da der weltweite Bedarf an Mikrokrediten sehr hoch ist. Die Ausfallraten waren in der Vergangenheit vergleichsweise niedrig. Abbildung 1: Asset Allocation der DBU (nach Buchwerten) Anmerkung: Stand September 2008. Die DBU investiert daneben auch in Themenprodukte wie zum Beispiel „Wasser“. Dieses Thema wird eines der zentralen Zukunftsfelder für nachhaltige Entwicklungen sein, die weltweite Nachfrage nach Technologien zur Wasserreinhaltung und Wasseraufbereitung steigt. Für Märkte, die die Vermögensverwaltung der DBU nicht selbst unter Beobachtung hat, wurden drei identisch ausgerichtete gemischte Spezialfonds aufgelegt, von denen einer unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gemanagt wird. Im Bereich Immobilien investiert die DBU in geschlossene Immobilienfonds überwiegend in Deutschland und zu geringen Teilen auch an anderen europäischen Standorten. Vereinzelt werden in diesem Segment auch Anlageobjekte angeboten, die unter besonderer Berücksichtigung von Aspekten der Nachhaltigkeit errichtet wurden (Green Buildings). Die DBU hat 2007 erstmals auch in ein solches Objekt investiert. Problematisch aus Sicht des Investors ist derzeit die – aufgrund der höheren Kosten – im Vergleich zu konventionellen Objekten niedrigere laufende Ausschüttungsquote. Dem gegenüber steht die Erwartung, dass ein solches Objekt aufgrund seiner geringeren Energiekosten sowie umwelt- 21,50% 5,00% 73,50% Verzinsliche Werte Aktien Immobilien 30 verträglichen Baumaterialien langfristig attraktiver ist und zum Beispiel geringere Leerstände aufweisen wird als vergleichbare Objekte. Zurzeit ist eine Bereitschaft, für den Vorteil geringerer Energiekosten eine höhere als die ortsübliche Kaltmiete zu zahlen, im Markt noch nicht erkennbar. Bei weiter stark steigenden Energiepreisen könnte sich dies jedoch in der Zukunft ändern. Dabei ist besonders zu berücksichtigen, dass Immobilieninvestitionen im Regelfall langfristige Investitionen sind. Problematisch für den Kapitalanleger ist dabei, dass der Investor das Gebäude finanziert und der Mieter in der Regel die Kosten für Heizung, Kühlung und Stromverbrauch trägt. In der Regel misst der Mieter dem Aspekt der langfristigen Bewirtschaftungskosten nur eine untergeordnete Bedeutung bei der Auswahl eines Objektes zu. Interessant wird sein, ob eine Änderung aufgrund der rasant ansteigenden Energiekosten in den nächsten Jahren stattfinden wird. Betrug der Preis für einen Liter Heizöl im Zeitraum 1990–1995 noch 0,20 € bis 0,25 €, pendelt der Preis im Frühjahr 2008 zwischen 0,90 € und 0,95 €. Bei der aktuellen Entwicklung besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Markt dieses Problem regelt und über die höheren Preise eine erhöhte Nachfrage nach Gebäuden mit einem geringeren Energieverbrauch entstehen wird. Abbildung 2: Szenarios zur Entwicklung der Heizölkosten Quelle: DBU. Wichtig ist, dass die dargestellten Aspekte einer nachhaltigen Geldanlage kein Selbstzweck sind. Es geht im Ergebnis darum, dass auch der Finanzsektor seinen Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten für künftige Generationen leistet. Wer sich mit den Erkenntnissen der weltweit 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 1970 1980 1990 2000 2010 2020 2030 2040Jahr 6 % 5 % 4 % 3 % Heizölkosten 1970 - 2006 nach BMWi (2007) Preissteigerungsrate ab 1970 31 führenden Klimaforscher zum globalen Klimawandel befasst, wird feststellen, dass die Menschen vor einer großen Herausforderung stehen. Nach den Erkenntnissen des IPCC hat die Konzentration von Methan und Kohlendioxid in der Atmosphäre alle Bandbreiten der letzten 420.000 Jahre verlassen und wird nach den Prognosen weiter ansteigen. Die überwiegende Mehrheit der renommierten Klimaforscher ist sich in der Einschätzung einig, dass der Anteil des Menschen an dieser Entwicklung sehr hoch zu veranschlagen ist. Unabhängig von dieser Diskussion besteht die dringende Notwendigkeit, dass sich alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft intensiv mit den Folgen auseinandersetzen und ihre Beiträge leisten, um die nachteiligen Auswirkungen für die besonders betroffenen Teile der Menschheit wenigstens abzumildern. Abbildung 3: Der menschliche Einfluss auf die Atmosphäre Quelle: WDPC/IPCC. 32

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Zusammenfassung

In den letzten Jahren ist der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Europa signifikant gewachsen. Besonders für Stiftungen können Kapitalanlagen, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt werden interessant sein, weil dadurch der Stiftungszweck auch im Rahmen der Vermögensanlage berücksichtigt werden kann. Im April 2008 wurde zur Analyse dieses Themas eine Konferenz unter dem Titel „Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen: Aktuelle Entwicklungen“ in Osnabrück bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchgeführt. Ziel der Konferenz war es, einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt für nachhaltige Kapitalanlagen zu geben und eine Bewertung, speziell aus der Perspektive von Stiftungen, durchzuführen.

Der vorliegende Konferenzband enthält als zentrales Kapitel die Studie „Nachhaltige Vermögensanlagen für Stiftungen“, die das ZEW zusammen mit der Universität Stuttgart durchgeführt hat. Die weiteren Beiträge befassen sich unter anderem mit dem noch relativ jungen Markt der Microfinance-Anlageprodukte, die als Teilgebiet der nachhaltigen Kapitalanlagen in Zukunft für Stiftungen eine ansteigende Bedeutung erlangen könnten.