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Lukas Novotny, Forschungsstand in:

Lukas Novotny

Vergangenheitsdiskurse zwischen Deutschen und Tschechen, page 16 - 20

Untersuchung zur Perzeption der Geschichte nach 1945

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4248-9, ISBN online: 978-3-8452-1727-7 https://doi.org/10.5771/9783845217277

Series: Extremismus und Demokratie, vol. 19

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16 Um dieser Fragestellung gerecht zu werden, wurde die Thematik interdisziplinär mit Methoden der historischen und politikwissenschaftlichen Analyse sowie der empirischen Sozialforschung bearbeitet. Die explorative Vorgehensweise soll dabei eine Forschungslücke schließen helfen, da bisher kein qualitatives Datenmaterial erhoben wurde, das geeignet wäre, die erwähnten Diskurse im Allgemeinen und aus dem bayerisch-böhmischen Grenzgebiet im Besonderen zu beschreiben und zu untersuchen. 1.2 Forschungsstand Untersuchungen der historischen Ereignisse zwischen Deutschen und Tschechen sind Thema vieler Historiker und Politologen. Zu den meistbehandelten Zeitabschnitten gehören die Jahre der so genannten Ersten Tschechoslowakischen Republik5, das Münchner Abkommen von 19386, das Dritte Reich, das Protektorat Böhmen und Mähren7, die Genese und Durchführung der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Krieg sowie die Dekrete des Staatspräsidenten Edvard Beneš.8 Zwischen den vielen Publikationen zu den bilateralen geschichtlichen Beziehungen beobachten wir qualitative Unterschiede je nach Forschungsstand des jeweiligen Landes und dessen historischer Identität. 5 Vgl. Jan Ken: Die Kon? iktgemeinschaft. Tschechen und Deutsche 1780-1918. München 1996 – Václav Kural: Tschechen und Deutsche im tschechoslowakischen Staat (1918-1938). Prag 2001. – Eugen Lemberg/Gotthold Rhode: Das deutsch-tschechische Verhältnis seit 1918. Stuttgart 1969. – Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918–1938. München 1974. 6 Vgl. Miloslav John: Záí 1938. Role a postoje spojenc? ?SR [September 1938. Rolle und Haltung der Verbündeten der ?SR]. Olomouc 2000 – Karl Merz: Deutsch-tschechische Tragödie: das Münchener Abkommen des Jahres 1938. Ursachen, Zustandekommen, Folgen, völkerrechtliche Aspekte und Kritik. Hamburg 1972. – Boris ?elovsky: Das Münchner Abkommen 1938. München 1974. 7 Vgl. Detlef Brandes: Die Tschechen unter deutschem Protektorat, 2 Bände, München u.a. 1969; 1975. – Václav Kural: Statt Gemeinschaft ein Auseinandergehen. Tschechen und Deutsche im Großdeutschen Reich und der Weg zum Abschub (1938-1945). Prag 2002 – Volker Zimmermann: Die Sudetendeutschen im NS-Staat. Politik und Stimmung der Bevölkerung im Reichsgau Sudetenland (1938-1945). Essen 1999 – Miroslav Kárný (Hrsg.): Deutsche Politik in Protektorat Böhmen und Mähren unter Reinhard Heydrich: 1941-1942. Eine Dokumentation. Berlin 1997 – Václav Kural/Zden?k Radvanovský u.a.: „Sudety“ pod hákovým kížem [Sudetenland unterm Hakenkreuz]. Ústí nad Labem 2002. 8 Vgl. Tomáš Stan?k: Odsun N?mc? z ?eskoslovenska [Abschub der Deutschen aus der Tschechoslowakei], Prag 1991. – ders.: Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945-1948, in: Jörg K. Hoensch/Hans Lemberg (Hrsg.): Begegnung und Kon? ikt. Schlaglichter auf das Verhältnis von Tschechen, Slowaken und Deutschen. Essen 2001, S. 207- 230. – Jaroslav Ku?era: Odsun nebo vyhnání? Sudetští N?mci v ?SR v letech 1945-1947 [Abschub oder Vertreibung? Sudetendeutsche in der ?SR in den Jahren 1945-1947]. Prag 1992. – Václav Pavlí?ek u.a. (Hrsg.): Benešovy dekrety. Sborník text? [Die Beneš-Dekrete. Eine Textsammlung]. Prag 2002. – Niklas Perzi: Die Beneš-Dekrete. Eine europäische Tragödie. St. Pölten 2003. 17 Die Zahl der Publikationen zur Entwicklung der Situation nach 1945 ist wesentlich geringer.9 Bis 1989 bestand auf Grund der unterschiedlichen politischen Regime auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs kaum ein wissenschaftliches Interesse am Nachbarn. Der Kalte Krieg hatte die Verbindungen, kulturellen Kontakte und grenzüberschreitenden Aktivitäten unterbrochen respektive gar nicht aufkommen lassen. Erst die politische Wende und der Fall des kommunistischen Regimes ermöglichen die intensive wissenschaftliche Diskussion über die umstrittenen Vergangenheitsfragen wie über die Gründung verschiedener deutsch-tschechischer Wissenschaftsgremien. Im Jahre 1990 entstand die Deutsch-tschechische Historikerkommission, die Stellungnahmen zu den Ereignissen der Geschichte herausgibt. Seit der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung im Jahre 1997 besteht in Prag auch der Deutschtschechische Zukunftsfonds zur ? nanziellen Unterstützung bilateraler kultureller Programme. Mit aktuellen Problemen sowie Unterschiedlichkeiten bei der Interpretation der strittigen Fragen setzt sich das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum auseinander. Die angeführten Beispiele zeugen davon, welche Rolle gerade die Vergangenheit für die wechselseitigen Beziehungen spielt. Der Forschungsstand zur Vergangenheitsbewältigung und zum Geschichtsbewusstsein ist in Deutschland wesentlich dichter als in Tschechien.10 Die Auseinandersetzung der Deutschen mit der nationalsozialistischen Diktatur ? ndet intensiver statt als – um ein Beispiel zu nennen – die „Bewältigung“ auf der tschechischen Seite. Der Grund dafür liegt in der größeren zeitlichen Distanz11 und auch im Druck bei den Betroffenen, das Vergangene in Ordnung bringen zu wollen, damit die Erinnerungen nicht mehr auf der Gegenwart lasten.12 Während der Nationalsozialismus und seine Gewaltverbrechen seit mehr als einem halben Jahrhundert ein zentrales und dauerhaft kon- 9 Vgl. Christoph Cornelißen/Roman Holec/Jií Pešek (Hrsg.): Diktatur-Krieg-Vertreibung. Erinnerungskulturen in Tschechien, der Slowakei und Deutschland seit 1945. Essen 2005. – Miroslav Kunštát: Germany and the Czech Republic, in: Vladimír Handl/ Jan Hon/Otto Pick u.a. (Hrsg.): Germany and East Central Europa since 1990. Prag 1999, S. 233-252. – Vladimír Handl: Zum Verhältnis von Innen- und Außenpolitik: die tschechoslowakisch-deutschen Beziehungen seit 1945, in: Detlef Brandes u.a. (Hrsg.): Tschechen, Slowaken und Deutsche. Nachbarn in Europa. Hannover 1995, S. 67-84. 10 Für alle erwähne ich Publikationen aus der letzten Zeit, in denen empirisch vorgegangen wurde. Harald Welzer/Sabine Moller/Karoline Tschuggnall: Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. Frankfurt a.M. 2002. – Klaus Ahlheim/Bardo Heger: Die unbequeme Vergangenheit. NS-Vergangenheit, Holocaust und die Schwierigkeiten des Erinnerns. Schwalbach 2003. 11 Vgl. Peter Reichel: Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Die politisch-justitielle Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur nach 1945. Bonn 2003, S. 20. 12 Vgl. Bernhard Schlink: Die Bewältigung der Vergangenheit durch Recht, in: Helmut König/Michael Kohlstruck/Andreas Wöll (Hrsg.): Vergangenheitsbewältigung am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaften, Sonderheft 18. Opladen 1998, S. 433-451. 18 troverses Thema in Deutschland sind13, ist der öffentliche Diskurs über die kommunistische Diktatur in der Tschechischen Republik geringer.14 Da die vorliegende Arbeit vor allem das Ziel verfolgt, empirisch vorzugehen, emp- ? ehlt es sich, mit den entsprechenden bereits durchgeführten Befragungen zur Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Geschichte näher bekannt zu machen. Die meisten wurden mit Hilfe quantitativer Methoden bewältigt. Die Ergebnisse werden im Folgenden kritisch beurteilt. Sie bilden die Basis für die eigene qualitative Erhebung im bayerisch-böhmischen Grenzraum. In Deutschland wurde diesem regionalen Thema im Gegensatz zu den allgemeinen Vergangenheitsdiskursen über den Nationalsozialismus bislang keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Noch bevor im Dezember 2005 das Haus der deutschen Geschichte in Bonn die Ausstellung „Flucht und Vertreibung“ eröffnete, startete das Institut für Demoskopie Allensbach eine entsprechende Untersuchung in der bundesdeutschen Gesellschaft, um ein festes wissenschaftliches Fundament zu gewinnen. Die Resultate der bereits 2002 abgeschlossenen repräsentativen Erhebung erschienen 2005 als Publikation des Hauses der Geschichte und bestätigten das Interesse der deutschen Öffentlichkeit am gegebenen Thema.15 Insgesamt geht daraus hervor, dass Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs das Selbstverständnis und die Biographien vieler Deutschen zu prägen begannen und dass sehr oft auch die Angehörigen der jungen Generation einen engen persönlichen Bezug zu diesen Fragen haben. Die erwähnte Publikation gibt einen Überblick über die bisherigen Erlebnisse des demoskopischen Instituts zum Thema Flucht und Vertreibung. Es wird dort ebenfalls auf die vorausgehenden Befragungen hingewiesen, die zum Teil noch vom Bundesministerium für Vertriebene initiiert worden sind. Im Jahre 2003 führte dann die Arbeitsgemeinschaft Vertriebene der Oldenburgschen Landschaft eine Untersuchung unter ihren Mitgliedern zu den Ursachen der eigenen Vertreibung, zu ihren Erlebnissen, zur Einstellung gegenüber Polen und Tschechien und zur Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft durch.16 Die Vertriebenen sehen sich hier in einer Doppelrolle: einerseits als Opfer der Geschichte, andererseits als Mitverantwortliche für die Ungeheuerlichkeiten des NS-Regimes. 13 Vgl. Helmut Dubiel: Niemand ist frei von der Geschichte. Die nationalsozialistische Herrschaft in den Debatten des Deutschen Bundestags. München/Wien 1999. – Peter Steinbach: Nationalsozialistische Gewaltverbrechen. Die Diskussion in der deutschen Öffentlichkeit nach 1945. Berlin 1981. 14 Vgl. Lukáš Novotný: Länderporträt: Tschechien, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Bd. 16. Baden-Baden, S. 204-220. – Petr Fiala: Komunismus v ?eské republice [Der Kommunismus in der Tschechischen Republik]. Brno 1999. 15 Vgl. Thomas Petersen: Flucht und Vertreibung aus Sicht der deutschen, polnischen und tschechischen Bevölkerung. Bonn 2005. Die Publikation gibt einen Überblick über die bisherigen Erhebungen des Instituts für Demoskopie in Allensbach zum Thema Flucht und Vertreibung. 16 Vgl. Hans-Ulrich Minke/Stefan Wenskat: Zuhause sind wir jetzt im Oldenburger Land. Auswertung der Umfrage zur Situation der Heimatvertriebenen 60 Jahre nach der Vertreibung. Oldenburg 2005. 19 Im Unterschied zu Deutschland besteht in der Tschechischen Republik wiederum deutlich mehr Interesse an der Erforschung der historischen Dimension der deutschtschechischen Beziehungen. Der Stand der Literatur zum deutsch-tschechischen Grenzraum und die Zahl der Aufsätze in Fachzeitschriften, Jahrbüchern, Sammelbänden wie in regionalen Publikationen kann als befriedigend gelten. Die Häu? gkeit von Untersuchungen in beiden Sprachen entspricht der sich ständig vertiefenden Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern; sie nehmen sogar noch zu. Über den deutschtschechischen Grenzabschnitt und das jeweilige Hinterland wird dabei meistens aus einem ethnologischen17, geographischen18, historischen19 und soziologischen20 Blickwinkel geschrieben. Umfangreiches Datenmaterial zur Auseinandersetzung mit der neuesten Geschichte in der tschechischen Grenzregion bieten die Erhebungen der Forschungsstelle „Tschechisches Grenzland“ des Soziologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Ústí nad Labem. In den Jahren 1996-1999 wurde dort das Projekt „Die Betrachtung der sudetendeutschen Frage und die Haltung der Bewohner des tschechischen Grenzgebiets gegenüber Deutschland“ durchgeführt.21 Aus den Beobachtungen geht hervor, dass die Bewohner die Vertreibung (im Projekt als Abschub/odsun eingeführt) sowie die Geltung der sog. Beneš-Dekrete in der absoluten Mehrheit für gerechtfertigt halten, dass also die historische Belastung durch die gegenseitigen Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen für die Menschen im tschechischen Grenzland weiterhin ein emotionales Potential und ein Mittel zur politischen Instrumentalisierung bleibt. Ansonsten betrachten die meisten die aktuelle Situation als gut. Nach dem Jahr 1989 in der öffentlichen Diskussion 17 Vgl. Katharina Eisch: Grenze. Eine Ethnographie des bayerisch-böhmischen Grenzraums, Bayerische Schriften zur Volkskunde 5. München 1996. – Dies.: Leben auf der Grenze. Zur Selbstverortung der Deutschen im Böhmerwald, in: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 38 (1995), S. 169-186. 18 Vgl. Milan Jeábek (Hrsg.): Re? exe regionálního rozvoje pohrani?í ?eské republiky [Re? exion der regionalen Entwicklung des Grenzraums der Tschechischen Republik], Ústí nad Labem 2001. – Peter Jurczek: Regionale Entwicklung über die Staatsgrenzen (Das Beispiel der Euregio Egrensis), Kommunal- und Regionalstudien 23. Kronach u.a. 1997. – Jörg Maier: Staatsgrenzen und ihr Ein? uss auf Raumstrukturen und Verhaltensmuster. Arbeitsmaterial für Raumordnung und Raumplanung. Bayreuth 1990. – Bernd Stallhofer: Grenzenloser Böhmerwald? Landschaftsnamen, Regionen und regionale Identitäten. Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald, Šumava, ?eský les und Mühlviertel im geographisch-empirischen Vergleich. Regensburg 2000. 19 Vgl. Klaus Roth (Hrsg.): Nachbarschaft – interkulturelle Beziehungen zwischen Deutschen, Polen und Tschechen. Münster u.a. 2001. – Miroslav Kunštát: Czech-German Relations after the Fall of the Iron Curtain, in: Czech Sociological Review 2 (1998), S. 149-172. 20 Vgl. František Zich: Vytváení peshrani?ního spole?enství na ?esko-n?mecké hranici [Schaffung einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft an der tschechisch-deutschen Grenze]. Prag 2000. – Ders.: The Bearers of Development of the Cross-Border Community on Czech-German Border. Sociological Papers 4, Prag 2001. 21 Vgl. Václav Houžvi?ka: Die Betrachtung der sudetendeutschen Frage und die Haltung der Bevölkerung im tschechischen Grenzgebiet gegenüber Deutschland. Ústí nad Labem 1997. 20 auftretende neue Themen, vor allem über Kon? ikte der deutsch-tschechischen Geschichte, verlieren offensichtlich ihr negatives Ein? usspotential auf die Gestaltung der gegenseitigen Nachbarschaft. Die Tschechen nehmen immer häu? ger deren positive Effekte wahr, sei es die auf politischen Ausgleich bedachte Orientierung beider Diplomatien, sei es die sich ständig vertiefende grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Das hat eine günstigere Betrachtung der Qualität der Kontakte zur Folge.22 Auf der deutschen Seite liegt die erste Pilotuntersuchung zum Geschichtsbewusstsein der Grenzbewohner Bayerns ebenfalls bereits vor.23 Diese fasst in knapper Form die Ergebnisse einer qualitativen regionalen Erhebung zusammen. Außerdem möchte ich auf das Projekt „Border Identities“24 hinweisen, in dessen Verlauf mit den qualitativen Methoden der Sozialforschung die diskursive Konstruktion von Identitäten in Grenzregionen entlang der Ost- und Südostgrenze der EU sowie die Selbst- und Fremdbilder der Menschen am ehemaligen Eisernen Vorhang untersucht wurden.25 Aus dem oben Angeführten geht einerseits hervor, dass die im zweiten Teil meiner Arbeit dargestellte qualitative Erhebung eine Forschungslücke schließen will, da im bayerisch-böhmischen Grenzraum noch keine umfangreiche Befragung zur Vergangenheit durchgeführt wurde. Andererseits gibt es zwar vor allem aus dem tschechischen Grenzraum ein umfassendes quantitatives Datenmaterial zur Erforschung von Einstellungen der Bürger: jedoch fehlen bisher Erkenntnisse aus der Anwendung qualitativer soziologischer und politikwissenschaftlicher Methoden, die interdisziplinär ausgewertet und interpretiert werden müssten. 1.3 Aufbau Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Teil, der das methodische Gerüst für die späteren Schritte und seine Anwendung auf die Vergangenheitsdiskurse von Deutschen und Tschechen zu den Ereignissen des 20. Jahrhunderts festlegt. Im zweiten Kapitel wird die theoretische Erkundung des Themenkomplexes „Vergangenheitsdiskurs“ vorgestellt. Dabei werden das zugrunde liegende Konzept erörtert und eine erste de? nitorische Annäherung an die Thematik geliefert. Die daran anschließenden ausführlichen theoretischen Überlegungen zu Begriffen „Geschichtsbewusstsein“ und 22 Vgl. Lukáš Novotný: Unsere Deutschen? Einstellungen in den tschechischen Grenzgebieten zur deutsch-tschechischen Vergangenheit, in: Brücken 14. Germanistisches Jahrbuch Tschechien- Slowakei 2006. Prag 2006, S. 161-180. 23 Vgl. Michael Weigl/Michaela Zöhrer: Regionale Selbstverständnisse und gegenseitige Wahrnehmung von Deutschen und Tschechen. München 2005. 24 Vgl. Werner Holly: „You‘re half a Sudeten-German.“ Identity and Social Style in Ethnographic Interviews of Three-generation Families at the German-Czech Border, in: Wolfgang Aschauer/ Ingrid Hudabiunigg (Hrsg.): Alteritätsdiskurse im sächsisch-tschechischen Grenzraum. Chemnitz, S. 65-71. 25 Vgl. Wolfgang Aschauer/Ingrid Hudabiunigg (Hrsg.): Alteritätsdiskurse im sächsisch-tschechischen Grenzraum. Chemnitz 2005.

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References

Zusammenfassung

In den deutsch-tschechischen Beziehungen spielt die Geschichte eine wichtige Rolle. Sie wird zum einen als Argument für die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft benutzt, zum anderen aber auch als Waffe, um die andere Seite möglichst negativ darzustellen.

Die Arbeit untersucht an Hand eines qualitativen Datenmaterials die Funktion der Vergangenheitsdiskurse in der deutsch-tschechischen Nachbarschaft.