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Linda-Martina Apel, Gang der Untersuchung in:

Linda-Martina Apel

Verfahren und Institutionen zum Umgang mit Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, page 27 - 29

Rechtsvergleichende Untersuchung zwischen Deutschland, Dänemark und den USA

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4240-3, ISBN online: 978-3-8452-2087-1 https://doi.org/10.5771/9783845220871

Series: Interdisziplinäre Schriften zur Wissenschaftsforschung, vol. 7

Bibliographic information
27 Ziel der Arbeit ist es die konträren Rahmenbedingungen, Regelungs- und Koordinierungsansätze für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten und die Entwicklung wissenschaftlicher Verhaltensstandards in den drei Vergleichsländern USA, Dänemark und Deutschland zu untersuchen, diese zu ordnen und für die deutsche Debatte um die Ordnung teils staatlich teils gesellschaftlich beeinflusster Teilsysteme sowie die daraus resultierenden Legitimationsfragen fruchtbar zu machen. Damit soll zugleich ein Beitrag zur Fortentwicklung des Wissenschaftsrechts als Referenzgebiet des allgemeinen Verwaltungsrechts geschaffen werden. Insbesondere die gemeinwohlsichernde Bildung und Implementation von teilweise verrechtlichten teilweise außerrechtlichen Standards wissenschaftlicher Praxis in dem zum Teil verfassungsrechtlich gestützten wissenschaftlichen Autonomiebereich und die Verzahnung von öffentlichen und privaten Regelungs- und Organisationsformen stehen im Mittelpunkt der Ausarbeitung. C. Gang der Untersuchung Zunächst werden die Maßstäbe und Verfahrensmechanismen zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten in den Vergleichsländern USA (2. Teil), Dänemark (3. Teil) und Deutschland (4. Teil) in drei entsprechend der Chronologie der Entwicklungen aufeinander folgenden Länderteilen erörtert. Dabei werden die Verfahrensmodelle der Länder jeweils anhand des nachstehenden Grobrasters analysiert: Zum Einstieg erfolgt eine konzentrierte Darstellung der Forschungslandschaft der betroffenen Länder (jeweils Gliederungspunkt A.) sowie der verfassungsrechtlichen Vorgaben des dänischen, US-amerikanischen bzw. deutschen Rechts (jeweils Gliederungspunkt B.). Ohne die Kenntnis der institutionellen Rahmenbedingungen und des jeweiligen staatlichen Einflusses auf die Forschungsförderung und die Forschungsinstitutionen ist eine vergleichende Betrachtung kaum möglich.11 Der verfassungsrechtliche Hintergrund beeinflusst maßgeblich Reichweite und Stellenwert von wissenschaftlicher Selbstverwaltung auf der einen und staatlicher Determinierung auf der anderen Seite. In einem nächsten Schritt wird die historische Entwicklung der landesspezifischen Mechanismen skizziert (jeweils Gliederungspunkt C.), um einen Eindruck von den Einflüssen zu erhalten, die zur Ausprägung des jeweiligen Verfahrensmodells geführt haben. Anschließend werden jeweils die zuständigen Institutionen und Gremien zur Aufklärung und Ahndung wissenschaftlichen Fehlverhaltens und deren Funktion und Arbeitsweise behandelt (jeweils Gliederungspunkt D.). Besondere Aufmerksamkeit gilt an dieser Stelle sowohl der regulativen – insbesondere normativen Einbettung – 11 Vgl. zur Bedeutung der verfassungsrechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen Stegemann-Boehl, Fehlverhalten von Forschern, S. 29 ff. 28 der Verfahrensmodelle als auch dem Verhältnis bzw. der Verantwortungsteilung zwischen einrichtungsinternen und zentralisierten Verfahren. Wichtige Ansatzpunkte sind in diesem Zusammenhang die Betrachtung von Status, Einrichtung und Besetzung der Gremien sowie deren wesentlicher Verfahrens- und Aufsichtsbefugnisse. Sodann werden die Kataloge und Definitionen derjenigen Verhaltensweisen, die in Abgrenzung zu guter wissenschaftlicher Praxis als wissenschaftliches Fehlverhalten anzusehen sind, als Verfahrens- bzw. Entscheidungsgrundlage erfasst (jeweils Gliederungspunkt E.). Die Grunddefinition unterscheidet sich in den behandelten Ländern wenig. Erfasst werden insbesondere das Erfinden und Fälschen von Daten, Plagiat und Sabotage. Dennoch wird der Frage der genauen Definition durchweg hohe Bedeutung beigemessen.12 So gilt es mit ihrer Hilfe Unredlichkeit und Unregelmäßigkeit zu unterscheiden, angesichts einer breiten Grauzone eine oft gar nicht oder nur schwer realisierbare Aufgabe.13 Im Hinblick auf die Verfahrensausgestaltung (jeweils Gliederungspunkt F.) werden die Akzente, die in einzelnen Verfahrensabschnitten der berücksichtigten Länder gesetzt werden, herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk wird auf Verfahrensregeln zur Wahrung von Neutralität, Vertraulichkeit, Fairness und Transparenz sowie den Schutz des Informanten und die Art und Reichweite der verfahrensrechtlichen Umsetzung unter Berücksichtigung des Spannungsverhältnisses zu den Aufklärungsinteressen des Beschuldigten gerichtet. Gleichfalls von Interesse sind die Umsetzung des Schutzes der Betroffenen durch Geheimhaltungs-, Belehrungs- und Anhörungspflichten, das Verhältnis des Beschuldigtenschutzes zum vertrauenssichernden Einbezug der Öffentlichkeit sowie Bestrebungen nach Verfahrensbeschleunigung durch Festlegung von Ermittlungsfristen. Außerdem gehört hierher die Erfassung von Ermittlungsbefugnissen und Beweisregeln, die der förmlichen Sachverhaltsfeststellung dienen, sowie von Anforderungen, welche die Schlichtung, Entscheidungsfindung und Entscheidungsbegründung betreffen. Schließlich werden mögliche Sanktionen und Konsequenzen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten sowie Rechtsbehelfe gegen Entscheidungen der jeweils zuständigen Verfahrensgremien erfasst (jeweils Gliederungspunkt G. bzw. H.). Im Anschluss an die Länderberichte folgt ein nationenübergreifender 5. Teil, der nach einer vergleichende Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Untersuchung der landesspezifischen Verfahrensmodelle die Handlungs- und Kooperationsstrukturen unter Zuhilfenahme der neutralen Governance-Perspektive zu analysieren und abzubilden versucht (Gliederungspunkt A.). Schließlich widmet sich dieser Teil schwerpunktmäßig der Öffnung des Rechts für wissenschaftseigene Standardisie- 12 Axelsen/Korst in: The Danish Committees on Scientific Dishonesty, Annual Report 1996; Commission on Scientific Integrity, Integrity and Misconduct in Research, Report to the Secretary of Health and Human Services, November 1995, S. 6 ff.; allgemein zur Bandbreite der frühen amerikanischen Definitionsansätze sowie dem deutschen Begriff Stegemann-Boehl, Fehlverhalten von Forschern, S. 11 ff. 13 Vgl. die Beispiele von Bleisiegel, Gegenworte. Zeitschrift für Disput über das Wissen, Heft 2 (1998), S. 18 f. 29 rungsprozesse und den Bedingungen der Rezeption von durch Fehlverhaltensverfahren mitbestimmte Standards wissenschaftlicher Praxis unter Legitimationsgesichtspunkten (Gliederungspunkt B.). Dabei soll keine Übertragung deutscher Legitimationsvorstellungen in andere Nationen oder einen supranationalen Kontext folgen. Stattdessen wird die sachgerechte Anpassung und Abstimmung des nationationalen demokratischen Prinzips mit den Besonderheiten der international lussten Bildung und Implementierung von Verhaltensstandards durch Fehlverhaltens-verfahren Gegenstand der Analyse sein.

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Zusammenfassung

Wissenschaftliches Fehlverhalten ist kein neuartiges, aber ein in Deutschland lange unbeachtetes Phänomen. Die Autorin vergleicht verschiedene nationale Standards und Verfahrensmodelle des Umgangs mit wissenschaftlichem Fehlverhalten und erkennt Tendenzen einer allgegenwärtigen zunehmenden Verkomplizierung und zugleich Internationalisierung von Regulierungssystemen in diesem Bereich.