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Volker Hoppenbrock, Einzelwirtschaftliche Perspektive in:

Volker Hoppenbrock

Finanzierung der nuklearen Entsorgung und der Stilllegung von Kernkraftwerken, page 35 - 36

Ein Vergleich zwischen der Rechtslage in Deutschland und der Schweiz

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4238-0, ISBN online: 978-3-8452-1722-2 https://doi.org/10.5771/9783845217222

Series: Veröffentlichungen zum deutschen und europäischen Energierecht, vol. 144

Bibliographic information
35 schaftlicher Sicht alle mit der Stilllegung und Entsorgung zusammenhängenden Kosten in den Produktionskosten der Kernenergie Berücksichtigung finden. Für die Stilllegung und Entsorgung bedeutet dies, dass den Kernkraftwerkbetreiber die Verantwortung für die Bereitstellung der finanziellen Mittel auferlegt werden muss. Da sie die Kernkraftwerke gebaut haben und betreiben, können nur sie die Stilllegungs- und Beseitigungskosten während der Betriebsdauer erwirtschaften. Ein Finanzierungssystem sollte daher gewährleisten, dass die Kernkraftwerkbetreiber als Nutznießer der Kernenergie auch tatsächlich für die Kosten der Stilllegung und Entsorgung aufkommen und diese Kosten nicht auf die Allgemeinheit oder zukünftige Generationen überwälzt werden. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung ist daneben die Transparenz des Finanzierungssystems. Die auf die Kernkraftwerkbetreiber zukommenden Kosten und Risiken sollten offen gelegt werden, damit Investoren alle Kosten und Risiken im Zusammenhang mit der Stilllegung und Entsorgung einschätzen und ihre Investitionen hiernach ausrichten können. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive ist ein Finanzierungssystem daher unter folgenden Kriterien zu untersuchen: 1. Inwieweit legt das jeweilige Finanzierungssystem die tatsächlich anfallenden Kosten den Verursachern auf? 2. Führt das Finanzierungssystem zu Wettbewerbsverzerrungen? 3. Wie transparent ist das jeweilige Finanzierungssystem? III. Einzelwirtschaftliche Perspektive Aus einzelwirtschaftlicher, unternehmensbezogener Sicht sollten die Finanzierungsaktivitäten für die Stilllegung und Entsorgung so gestaltet werden, dass die erwarteten Gesamtkosten für die beteiligten Unternehmen minimiert werden. Die für die Finanzierung verantwortlichen Unternehmen haben zudem ein großes Interesse daran, dass das Finanzierungssystem ihnen einen möglichst großen Gestaltungsspielraum für die zweckbezogene Beschaffung und Bereitstellung des Finanzkapitals lässt. Aus einzelwirtschaftlicher Blickrichtung stellen sich demnach insbesondere folgende Fragen: 1. Wie hoch sind die mit dem Finanzierungssystem verbundenen Gesamtkosten für die Stilllegung und Entsorgung? 2. Wie werden die Gesamtkosten verteilt? 3. Wie flexibel ist das Finanzierungssystem bezüglich der Beschaffung und Bereitstellung des Finanzkapitals? Hierbei sind insbesondere folgende Fragen von großem Interesse: Wie und wann müssen diese finanziellen Mittel bereitgestellt werden? Und inwieweit können die Unternehmen über die finanziellen Mittel bis zum Anfall der Kosten frei verfügen? 36 IV. Rechtliche Perspektive Zudem muss jedes Finanzierungssystem einer Prüfung seiner rechtlichen Zulässigkeit standhalten. Hierbei stellen sich vor allem die Fragen: 1. Ist das Finanzierungssystem mit dem nationalen Verfassungsrecht vereinbar? 2. Ist das Finanzierungssystem europarechtskonform ausgestaltet? V. Schwerpunkte der Untersuchung Bevor die Bewertung der beiden unterschiedlichen Finanzierungssysteme anhand der oben dargestellten vier Ebenen erfolgt, sollen die Regelungen zur Stilllegung und Entsorgung zunächst dargestellt und die wichtigsten Bereiche untersucht werden. Hierfür ist der Prozess der Stilllegungs- und Entsorgung in mehrere Bestandteile aufgeteilt. ‚ Der erste Bestandteil beschäftigt sich mit der Frage, wer die Stilllegung und Entsorgung nach dem jeweiligen Recht vornehmen muss und wie der Prozess kontrolliert und überwacht wird. ‚ Der zweite Bestandteil ist die Frage, wer finanziell für die Stilllegung und Entsorgung verantwortlich ist. ‚ Der dritte und letzte Bestandteil befasst sich mit der Frage, wie Vorsorge für die erst in ferner Zukunft anfallenden Kosten getroffen wird und welche rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen diese Finanzierungsvorsorge hat. Erst nach Untersuchung der jeweiligen Finanzierungssysteme anhand dieser Bestandteile erfolgen im fünften Kapitel ein Vergleich und eine Bewertung der jeweiligen Finanzierungssysteme mit Hilfe der oben aufgestellten Bewertungsebenen.

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Zusammenfassung

Die nukleare Entsorgung und die Stilllegung von Kernkraftwerken ist nicht nur eine technische, sondern auch eine finanzielle Herausforderung. Die hohen Kosten und der lange Zeitraum, über den sich die notwendigen Stilllegungs- und Entsorgungsmaßnahmen erstrecken, stellen besondere Anforderungen an die finanzielle Vorsorge.

Dieses Buch analysiert die gesetzlichen Vorschriften, nach denen in Deutschland und der Schweiz finanzielle Vorsorge für die Stilllegung und Entsorgung betrieben wird, da diese beiden Länder unterschiedliche Wege gewählt haben, die weltweit exemplarisch für die unterschiedliche Herangehensweise an dieses Problem sind. In Deutschland basiert die Finanzierungsvorsorge auf einer unternehmensinternen Lösung durch die Bildung von Rückstellungen bei den kernkraftwerkbetreibenden Unternehmen. Diese Art der Finanzierungsvorsorge führt zu erheblichen Wettbewerbsvorteilen zugunsten der Kernkraftwerkbetreiber. Inwieweit diese mit dem nationalen und dem europäischen Recht vereinbar sind, bildet ein Schwerpunkt dieses Buchs. Ein anderer Schwerpunkt ist der Vergleich mit dem unternehmensexternen Finanzierungssystem, das die Schweiz zur Finanzierungsvorsorge gewählt hat.