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Bernadette Bord, Gesetzliche Erbfolge in:

Bernadette Bord

Das Erbrecht der Kanalinseln von den normannischen Wurzeln bis zum heutigen Rechtszustand, page 284 - 294

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4219-9, ISBN online: 978-3-8452-1602-7 https://doi.org/10.5771/9783845216027

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284 B. Gesetzliche Erbfolge I. Propres und acquêts Die Regelungen zur Bestimmung, wann unbewegliches Vermögen propre und wann es acquêt ist, entsprechen denen Jerseys.1565 Insbesondere gilt auch auf Guernsey und Alderney, dass unbewegliches Vermögen, das durch ein Stückvermächtnis an eine Person übertragen wurde, die das Vermögen ohne Testament im Wege der gesetzlichen Erbfolge geerbt hätte, also an einen gesetzlichen Erben, als acquêt eingeordnet wird.1566 Auch auf Guernsey wird diese Einordnung als unlogisch kritisiert.1567 Vielleicht im Hinblick auf solche Kritik wurde in dem neuen Erbrechtsgesetz Sarks dieser Fall anders geregelt, so dass dort in einem solchen Fall das Vermögen zu einem propre wird.1568 II. Bestimmung der Erben 1. Guernsey a. Unbewegliches Vermögen Auf Guernsey wurden mit s. 1 des Law of Inheritance 1954 einige gewohnheitsrechtliche Rechtsinstitute, das droit de préciput1569, das droit d’aînesse1570, das droit de 1565 Vgl. Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 143. 1566 Re Norris, Plaids de Meubles, Urt. v. 7.4.1995, 19 GLJ 55; vgl. auch Rowswell v. Thoume, Plaids de Meubles, Urt. v. 23.6.1874; siehe auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 2.3. Die entsprechende Entscheidung auf Jersey ist Harden (tuteur) v. Harden (tutrice) (1918) 12 C.R. 136, vgl. oben 2. Teil Kapitel 1 B.III.4.a(2). 1567 Dawes, Laws of Guernsey, S. 173. 1568 S. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 13 (1) iVm (2) (b); vgl. auch Dawes, Laws of Guernsey, S. 194. 1569 Das droit de préciput war das Recht des ältesten Sohnes, einen Anteil zwischen 14 bis 22 perches (carrées) (17 in Alderney, s. 5 Loi sur les Successions en l’île d’Auregny (1841) (Ordres en Conseil, Bd. I, S. 77 – 85), vgl. auch die Präambel zu diesem Gesetz) des Landes als eine Art gesetzliches Vorausvermächtnis zu wählen (eine perche (carrée) entspricht ungefähr 42,2 m2), siehe zu den Regelungen im Einzelnen Art. 5 – 7 Loi sur les Successions (1840) (Ordres en Conseil, Bd. I, S. 51 – 53; Bd. II, S. 59); Dawes, Laws of Guernsey, S. 179 – 180; Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 9 – 19; vgl. auch Berry, The history of the Island of Guernsey, S. 180; Boucraut Mele, Le droit des îles anglo-normandes, S. 126; Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 147. Vgl. zu der früher auf Jersey geltenden Regelung oben 2. Teil Kapitel 1 E.I.1.a. 1570 Das Recht des Ältesten, den Nachlass während des partage zu verwalten, siehe hierzu Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 143 – 144; Dawes, Laws of Guernsey, S. 180. Das zusätzlich Recht auf das vingtième war bereits durch Art. 1 Loi sur les Successions (1840) abgeschafft worden, vgl. auch Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 2 – 4. Hierbei hatte es sich um einen bestimmten Anteil am unbewegli- Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark 285 douaire (oder dower)1571 und das droit de franc veuvage1572 abgeschafft, die es auch auf Jersey nicht mehr gibt. Anstelle der letztgenannten Rechte steht dem überlebenden Ehegatte aber ein bis zu einer Wiederheirat bestehendes1573 Nutzungsrecht an der Hälfte des unbeweglichen Vermögens des Verstorbenen (das nach Zahlung der Erblasserschulden und der Beerdigungskosten, die nicht aus dem beweglichen Vermögen beglichen werden konnten, verbleibt) zu, wobei der Ehegatte die freie Wahl hat, welche Hälfte er nutzen möchte.1574 Da es sich hierbei aber nur um ein Nutzungsrecht handelt, geht das Eigentum an dem Vermögen mit dem Erbfall auf die gesetzlichen Erben über.1575 Hinsichtlich der Bestimmung der gesetzlichen Erben entsprechen die Einteilung nach den Abstammungsregeln und die Berufung zum Erben nach dem normannischen Parentelsystem an sich denen auf Jersey.1576 Allerdings wird der Ehegatte (anders als seit 1993 auf Jersey) nicht gesetzlicher Erbe, ihm steht lediglich das soeben beschriebene Nutzungsrecht zu. Weiterhin sind bislang im Gegensatz zu Jersey1577 nichteheliche Kinder auf Guernsey von der gesetzlichen Erbfolge (sowohl hinsichtlich unbeweglichen als auch hinsichtlich beweglichen Vermögens) noch immer ausgeschlossen.1578 Dies soll sich allerdings, wie bereits ausgeführt, durch die Gesetzesreform in Gestalt einer erbrechtlichen Gleichstellung ändern, da diese Regelung heute als nicht mehr tragbar angesehen wird.1579 chen außerhalb von St Peter-Port belegenen Vermögen gehandelt, auf den die Söhne immer dann einen Anspruch hatten, wenn die Anzahl der Söhne nicht mehr als das Doppelte der Anzahl der Töchter betrug, vgl. Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 185 – 186; vgl. auch Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 2 – 4, der allerdings etwas missverständlich formuliert. 1571 Auf Guernsey stand der Frau das dower bezüglich eines Drittels des unbeweglichen Vermögens zu, das der Ehemann zum Zeitpunkt der Eheschließung besaß oder später während der Ehe erwarb oder das er kraft Erbrechts in gerader Linie oder (anders als nach der normannischen Coutume) auch in der Seitenlinie geerbt hätte, wenn er nicht vorverstorben wäre, vgl. Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 132 – 133; Poingdestre, Les Lois et Coutumes de l‘Ile de Jersey, S. 329. Vgl. zu den Einzelheiten des dower Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 132 – 138. 1572 Vgl. hierzu Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 140. 1573 Es wird allgemein angenommen, dass hierunter ein lebenslanges Recht zu verstehen ist, das durch eine Wiederheirat vorzeitig beendet wird, auch wenn sich dies dem Gesetzeswortlaut nicht ausdrücklich entnehmen lässt, Dawes, Laws of Guernsey, S. 180. 1574 S. 3 (1) und (2) Law of Inheritance 1954. 1575 Vgl. auch Dawes, Laws of Guernsey, S. 182. 1576 Vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.III.2. und 2. Teil Kapitel 1 B.V. vor 1. 1577 Vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.VII.2. 1578 Dawes, Laws of Guernsey, S. 182. 1579 Bislang im Entwurf cls. 1 – 3 Law Reform (Inheritance and Miscellaneous Provisions) (Guernsey) Law 2006, für die gesetzliche Erbfolge insbesondere cl. 1 (1) (a), (2). Vgl. auch Inheritance Law Review Committee, Consultation Document, S. 35. B. Gesetzliche Erbfolge 286 Die absolute Grenze des Verwandtenerbrechts liegt auch auf Guernsey beim 7. Grad.1580 Bei einer Erbfolge in gerader Linie wird nach den bereits für Jersey für eine Erbfolge ohne überlebenden Ehegatten ausgeführten Prinzipien1581 nicht zwischen propres und acquêts unterschieden und die Abkömmlinge erben nach Stämmen mit représentation à l’infi ni.1582 Heute wird auch auf Guernsey keine Unterscheidung mehr zwischen männlichen und weiblichen Abkömmlingen getroffen.1583 Anders als auf Jersey1584 gibt es allerdings bei Zusammentreffen von voll- und halbbürtigen Geschwistern keinen doppelten Anteil für die vollbürtigen Geschwister, sondern alle erhalten einen gleichen Anteil.1585 Bei einer Erbfolge in der Seitenlinie muss auch auf Guernsey zwischen propres und acquêts unterschieden werden.1586 Bei propres gilt auch auf Guernsey die Regelung paterna paternis, materna maternis. Weiterhin erfolgt bei propres eine Aufteilung nach Stämmen unter Zulassung von représentation à l’infi ni.1587 Acquêts fallen auch auf Guernsey an den nächsten Blutsverwandten unabhängig von der Linie, wo- 1580 Wobei wie auf Jersey (vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.V.2.a(2)(b)) streitig ist, ob dies inklusive oder exklusive des 7. Grades zu verstehen ist und wobei die Zählung nach kanonischer Methode erfolgt, vgl. Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 2.6 – 2.7, 4.1.5 (d); Dawes, Laws of Guernsey, S. 169; Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 40; Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 183. 1581 Vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.V.1. 1582 Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 148; Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.1.3; Dawes, Laws of Guernsey, S. 183; Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 167. 1583 Dawes, Laws of Guernsey, S. 183. 1584 Vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.V.3.b.: Auf Jersey erhalten gemäß Art. 4 (2) Wills and Successions (Jersey) Law 1993 in Erbfolgen in der Seitenlinie bezüglich unbeweglichen Vermögens halbbürtige Verwandte (consanguin oder utérin) einen halben Anteil und vollbürtige Verwandte einen ganzen Anteil. 1585 Vgl. Art. 2 Loi sur les Successions (1840); Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 6. 1586 Allerdings ist mittlerweile auf Guernsey erwogen worden, diese – ohnehin nur in den wenigen Fällen, in denen der Erblasser weder Verwandte in gerader Linie hinterlässt, noch testamentarisch verfügt hat, relevante – Unterscheidung aufzugeben, um die Rechtslage zu vereinfachen. Dieses Vorhaben hat aber bislang noch keine konkretere Gestalt angenommen, vgl. States Advisory and Finance Committe, Policy Letter, S. 824; Inheritance Law Review Committee, Supplementary Report, Rn. 29 (i). 1587 Art. 11 Loi sur les Successions (1840). Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.1.5 (a); Dawes, Laws of Guernsey, S. 183; Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 43 – 46. Dies galt auch schon vor Inkrafttreten der Loi sur les Successions (1840), vgl. Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 156; Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 167. Eine Neuerung brachte das Gesetz von 1840 insofern, als weibliche Verwandte und deren Abkömmlinge bei Gradgleichheit nicht mehr durch männliche Verwandte und deren Abkömmlinge ausgeschlossen werden, vgl. Jeremie, aaO. Vgl. zur vorherigen Rechtslage Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 169 – 171, 176. Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark 287 bei die väterliche die mütterliche Linie bei Gradgleichheit nicht mehr ausschließt.1588 Für acquêts (und movables)1589 greift allerdings eine représentation nur ein, sofern die Abkömmlinge von vorverstorbenen Geschwistern des Erblassers zusammen mit anderen Geschwistern des Erblassers als Erben berufen werden.1590 Ansonsten erfolgt eine Aufteilung nach Köpfen, nicht nach Stämmen.1591 Das Deszendentenprivileg gilt auch auf Guernsey, so dass Aszendenten erst Erben werden können, wenn keiner ihrer Abkömmlinge mehr am Leben ist.1592 Während für propres auch bei den Aszendenten die Regel paterna paternis, materna maternis gilt, schließt bei acquêts die väterliche die mütterliche Linie der Aszendenten bei Gradgleichheit im Gegensatz zum Recht Jerseys1593 auch heute noch aus.1594 Allerdings wird auch auf Guernsey erwartet, dass diese Regelung abgeschafft wird.1595 Gibt es keine Erben innerhalb der absoluten Verwandtschaftsgrenze, fällt das unbewegliche Vermögen als bona vacantia an die Krone.1596 b. Bewegliches Vermögen Wiederum zwar grundsätzlich mit der Jerseys1597 vergleichbar, jedoch in den Details variierend, ist die Regelung hinsichtlich beweglichen Vermögens: Hinterlässt der Erb- 1588 Art. 12 Loi sur les Successions (1840) in der Fassung gemäß dem Amendement de l’article XII de la Loi des successions (1890) (Ordres en Conseil, Bd. II, S. 323 – 326). Vgl. zur vor Inkrafttreten der Loi sur les Successions (1840) geltenden Rechtslage Carey, Essai sur les institutions, lois et coûtumes de l‘île de Guernesey, S. 156; Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 169, 171, 176, 179 – 180. 1589 Siehe hierzu unten 2. Teil Kapitel 2 B.II.1.b. 1590 Vgl. hierzu im Unterschied die Regelung Jerseys, nach der bei einer Erbfolge in der Seitenlinie hinsichtlich acquêts und movables eine représentation insoweit erlaubt ist, dass jeder überlebende (voll- oder halbbürtige) Abkömmling eines/r verstorbenen Bruders, Schwester, Onkels oder Tante an die Stelle dieses/r Bruders, Schwester, Onkels oder Tante treten kann, siehe Art. 2 Wills and Successions (Jersey) Law 1993 sowie oben 2. Teil Kapitel 1 B.V.2.b(2)(b). 1591 Art. 12 Loi sur les Successions (1840) in der Fassung gemäß dem Amendement de l’article XII de la Loi des successions (1890). Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 2.6, 4.1.5 (a); Dawes, Laws of Guernsey, S. 183. Vgl. zur Fassung von 1840, nach der eine représentation nur eingriff, sofern es um die Neffen und Nichten des Erblassers bei Zusammentreffen mit den anderen Geschwistern des Erblassers ging, Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 48 – 50. Vor 1840 gab es bei einer Erbfolge in der Seitenlinie hinsichtlich acquêts überhaupt keine représentation, vgl. Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 167 – 168. 1592 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.1.5 (b); Dawes, Laws of Guernsey, S. 173 – 174; Le Marchant, Remarques et Animadversions, S. 165 – 167. 1593 Vgl. oben 2. Teil Kapitel 1 B.III.2. 1594 Art. 13 Loi sur les Successions (1840). Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.1.5 (b); Dawes, Laws of Guernsey, S. 174, 185; Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 64 – 75. 1595 Vgl. Dawes, Laws of Guernsey, S. 174. 1596 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.1.6; Dawes, Laws of Guernsey, S. 185. 1597 Vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 1 B.IV.2.b. sowie 2. Teil Kapitel 1 B.V.2.b. B. Gesetzliche Erbfolge 288 lasser eheliche – oder, sobald die Gesetzesreform durchgeführt worden ist, auch nichteheliche1598 – Kinder, werden diese gesetzliche Erben des beweglichen Nachlasses in Höhe von zwei Dritteln neben dem Ehegatten (dem ein Drittel zufällt) beziehungsweise des gesamten beweglichen Nachlasses, wenn kein überlebender Ehegatte vorhanden ist.1599 In jedem Fall erfolgt eine Aufteilung nach Stämmen.1600 Hinterlässt der Erblasser keine ehelichen Kinder, erhält der überlebende Ehegatte die Hälfte des beweglichen Nachlasses, während die andere Hälfte an den nächsten Erben fällt, der nach den Regeln für die Erbfolge bei acquêts zu bestimmen ist.1601 Diese sind für den gesamten Nachlass heranzuziehen, wenn der Erblasser weder Abkömmlinge noch einen Ehegatten hinterlässt.1602 Auch bewegliches Vermögen, für das kein gesetzlicher Erbe vorhanden ist, fällt an die Krone.1603 2. Alderney a. Unbewegliches Vermögen Die Regelungen zur Bestimmung der gesetzlichen Erben auf Alderney sind eng mit dem speziellen Verteilungsverfahren, das auf dieser Insel stattfi ndet, verknüpft, weshalb dieses hier bereits im Zusammenhang mit der Erbberechtigung erläutert wird. Wie sich zeigen wird, gibt es in dem System Alderneys seit der Reform des gesamten Rechts- und Verfassungswesens nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einige Unterschiede zu den Regelungen der anderen Kanalinseln, die es insgesamt als „moderner“ erscheinen lassen: So fällt auf Alderney im Falle einer Intestaterbfolge das unbewegliche Vermögen zunächst an den Clerk, der es bis zur Veräußerung als trustee hält; während dieser Zeit 1598 Bislang im Entwurf cls. 1 – 3 Law Reform (Inheritance and Miscellaneous Provisions) (Guernsey) Law 2006, insbesondere cl. 1 (1) (a), (2). 1599 Auf Guernsey wird dies so dargestellt, als würde hinsichtlich der Rechte des überlebenden Ehegatten und der – ehelichen – Kinder an dem beweglichen Nachlass nicht zwischen gesetzlicher und testamentarischer Erbfolge unterschieden, d. h. als stünde ihnen derselbe Anteil entweder als gesetzlicher Erbe oder als Pfl ichtteilsberechtigter (siehe hierzu unten 2. Teil Kapitel 2 C. II.1.b.) zu, wobei das disponible Drittel, da der Erblasser bei der gesetzlichen Erbfolge denknotwendig hierüber nicht (wirksam) verfügt hat, noch den ehelichen Kindern zugeschlagen wird, vgl. Dawes, Laws of Guernsey, S. 185 – 186. 1600 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.2.1 (a) – (b); Dawes, Laws of Guernsey, S. 186; Langlois, Guernsey, para. 1 g). 1601 Vgl. Art. 12 Loi sur les Successions (1840) in der Fassung gemäß dem Amendement de l’article XII de la Loi des successions (1890); Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.2.1 (c); Dawes, Laws of Guernsey, S. 186; Langlois, Guernsey, para. 1 g). 1602 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.2.1 (c). 1603 Dawes, Laws of Guernsey, S. 186. Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark 289 hat er die Befugnis, das Land gemäß den Anweisungen des Gerichts zu verwalten.1604 Grundsätzlich soll der Clerk, sofern das Gericht nicht ein anderes bestimmt, das unbewegliche Vermögen innerhalb von 12 Monaten seit dem Tod des Erblassers veräu- ßern.1605 Allerdings kann ein gesetzlicher Erbe den Antrag stellen, dass ein Grundstück nicht veräußert, sondern auf ihn übertragen wird.1606 Führt der Clerk eine Ver- äußerung durch, ist der Veräußerungserlös nach einer bestimmten Reihenfolge an die (gesetzlichen) Erben zu verteilen:1607 Hinterlässt der Erblasser nur einen Ehegatten und keinen nach ss. 58 – 62 Alderney Land and Property, etc. Law 1949 zu bestimmenden gesetzlichen Erben, erhält der Ehegatten den gesamten Erlös.1608 Hinterlässt der Erblasser einen überlebenden Ehegatten sowie einen nach den genannten Vorschriften bestimmten Erben, investiert der Clerk, wenn es sich um eine Witwe handelt, ein Drittel des Erlöses, und zahlt ihr hieraus lebenslange Erträge. Die restlichen zwei Drittel kann er sofort an die Erben auszahlen.1609 Handelt es sich um einen Witwer, investiert der Clerk den gesamten Betrag und zahlt ihm hieraus die Erträge, bis der Witwer seinerseits verstirbt oder erneut heiratet.1610 Durch diese Vorgehensweise werden die Rechtsinstitute des dower beziehungsweise franc veuvage ersetzt. Vorbehaltlich der vorgenannten Regelungen wird der Erlös an die ehelichen Kinder1611 des Erblassers verteilt, wobei représentation à l’infi ni erlaubt ist und eine Verteilung nach Stämmen erfolgt.1612 Hinterlässt der Erblasser weder einen Ehegatten noch Abkömmlinge, fällt der Erlös an die Eltern des Erblassers, d.h. diese sind vor den Geschwistern des Erblassers und deren Abkömmlingen berufen, so dass das Deszendentprivileg auf Alderney, im Gegensatz zu allen übrigen Kanalinseln, in der Erbfolge hinsichtlich unbeweglichen Vermögens nicht gilt.1613 Gibt es auch keine überlebenden Eltern, wird der Erlös an die vollbürtigen Geschwister des Erblassers nach Stämmen verteilt; halbbürtige Geschwister sind nur erbberechtigt, wenn es keine vollbürtigen Geschwister gibt.1614 Nach den Geschwistern erben die Großeltern, dann die Urgroß- 1604 S. 57 (1), (4) Alderney Land and Property, etc. Law 1949 (Ordres en Conseil, Bd. XIV, S. 67 – 114; Bd. XV, S. 268; Bd. XVI, S. 202; Bd. XXVIII, S. 576; Bd. XXIX, S. 156; No. VII/1994). Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.3.1; Dawes, Laws of Guernsey, S. 173 Fn. 31, S. 189. 1605 S. 57 (5) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1606 S. 57 (2) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.3.2; Dawes, Laws of Guernsey, S. 189. 1607 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.3.3; Dawes, Laws of Guernsey, S. 173 Fn. 31, S. 189. 1608 S. 58 (1) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1609 S. 58 (2) (a) und (b) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1610 S. 58 (3) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1611 Siehe hierzu s. 54 („child”) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1612 S. 59 (1) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1613 S. 60 Alderney Land and Property, etc. Law 1949. Überleben beide Elternteile, wird der Erlös hälftig geteilt. Vgl. auch Dawes, Laws of Guernsey, S. 173 Fn. 32, 189. 1614 S. 61 (1) und (2) Alderney Land and Property, etc. Law 1949. B. Gesetzliche Erbfolge 290 eltern und schließlich die vollbürtigen und dann die halbbürtigen Geschwister der Eltern des Erblassers.1615 Gibt es hiernach keinen gesetzlichen Erben, fällt der Erlös an die Krone.1616 Bemerkenswert ist, dass nach diesem System eine Unterscheidung zwischen propres und acquêts nicht erforderlich ist. b. Bewegliches Vermögen Die gesetzliche Erbfolge hinsichtlich beweglichen Vermögens auf Alderney entspricht im Wesentlichen der Guernseys, mit der Ausnahme, dass der Ehemann kein gesetzliches Erbrecht hinsichtlich des beweglichen Vermögens seiner Frau hat. Dies beruht darauf, dass der Ehemann auf Alderney keinen Pfl ichtteilsanspruch bezüglich des beweglichen Vermögens hat1617, und dass das gesetzliche Erbrecht als Pfl ichtteil zuzüglich des verteilten disponiblen Teils angesehen wird.1618 Nichteheliche Kinder haben, wie beim unbeweglichen Vermögen, kein gesetzliches Erbrecht. 3. Sark a. Unbewegliches Vermögen Sark war den französischen und englischen Einfl üssen in geringerem Maß ausgesetzt als es auf den anderen Inseln der Fall war, so dass das Erbrecht Sarks seinen normannischen Wurzeln am längsten treu geblieben ist.1619 So konnte bis zum Jahr 20001620 überhaupt kein Testament über auf Sark belegenes unbewegliches Vermögen errichtet werden und die Erbfolge war hier ausschließlich gesetzlich.1621 Die erbrechtlichen Regelungen waren zum Teil deutlich von der Grundidee geprägt, das lehensrechtliche System aufrechtzuerhalten.1622 Die Rechte des dower und des franc veuvage bestanden unverändert in ihrer gewohnheitsrechtlichen Ausprägung fort.1623 Auch die aus 1615 S. 62 Alderney Land and Property, etc. Law 1949. 1616 S. 64 Alderney Land and Property, etc. Law 1949. Vgl. auch Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.3.4; Dawes, Laws of Guernsey, S. 189. 1617 Siehe hierzu unten 2. Teil Kapitel 2 C.II.2.b. 1618 Vgl. bereits oben Fn. 1599. Hinterlässt somit eine Frau ihren Ehemann und einen Sohn, ohne testiert zu haben, erhält der Sohn eine Hälfte des beweglichen Vermögens als Pfl ichtteil und die andere Hälfte als Vertreter der ersten Ordnung der gesetzlichen Erben, vgl. Dawes, Laws of Guernsey, S. 190. 1619 Vgl. Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 5 – 7. 1620 Das Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 trat am 17. Januar 2000 in Kraft, vgl. s. 20 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Order in Council XIII/1999 vom 17.01.2000. 1621 Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 17, 26. 1622 Vgl. Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 5. 1623 Vgl. zu diesem früheren Recht die Ordonnance de la Cour Royale de Noël 1854, Bd. III, S. 309; Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 35 – 38. Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark 291 der normannischen Coutume stammende strikte Bevorzugung der männlichen Erben und der Ausschluss der nichtehelichen Kinder von allen erbrechtlichen Positionen herrschte unverändert.1624 Das Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 reformierte weite Teile des Erbrechts Sarks, indem es einige heute als ungerecht empfundene Regelungen veränderte, auch wenn es insgesamt den normannischen Wurzeln des Erbrechts treu geblieben ist. Abgeschafft wurden die Vorrangstellung des ältesten männlichen Nachkommens, der Ausschluss der nichtehelichen und adoptierten Kinder1625 und die erbrechtliche Ungleichbehandlung der Frauen1626. Auch abgeschafft wurden die bereits erwähnten Rechtsinstitute des dower und des franc veuvage/der viduité.1627 An deren Stelle tritt ein lebenslanges Nutzungsrecht des überlebenden Ehegatten an einem Drittel des unbeweglichen Eigentums des Erblassers.1628 Hinsichtlich der Reihenfolge der berufenen gesetzlichen Erben1629 für das unbewegliche Vermögen ergeben sich keine Unterschiede zu der Regelung auf Guernsey.1630 Innerhalb der verschiedenen Ordnungen erbt der jeweils gradnächste, unab- 1624 Dawes, Laws of Guernsey, S. 190. Vgl. zu den früher geltenden Regelungen im Einzelnen Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.5.1. 1625 S. 3 (1) und (2) Real Property (Succession) (Sark) Law 1999. 1626 S. 2 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999; siehe auch s. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 6. 1627 S. 10 (1) Real Property (Succession) (Sark) Law 1999. Die Abschaffung erfolgte aber nicht rückwirkend für Erbfälle aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des Gesetzes, vgl. s. 10 (2) Real Property (Succession) (Sark) Law 1999. 1628 Vgl. s. 11 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999. Der Nutzungsberechtigte darf dabei das Drittel wählen, s. 11 (2) Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 . Bei einer Wiederheirat verliert auch der Witwer das Nutzungsrecht heute nicht mehr. Insoweit besteht ein Unterschied zum neuen Nutzungsrecht nach dem Recht Alderneys, vgl. hierzu oben 2. Teil Kapitel 2 B.II.2.a . Gemäß s. 12 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 ist das Gericht befugt, Anordnungen für den Fall einer Streitigkeit zwischen dem überlebenden Ehegatten und dem Eigentümer zu treffen. 1629 Ausländer waren nicht automatisch von der Erbnachfolge eines britischen Staatsangehörigen ausgeschlossen, doch ist die britische Staatsangehörigkeit Voraussetzung für den Erwerb eines tenement mit der Folge der Mitgliedschaft in den Chief Pleas, so dass sie diese Stellung nicht erwerben konnten. Ein Ausschluss fi ndet aber grundsätzlich statt, wenn der Erblasser Ausländer war und seine Erben aus der Seitenlinie (nicht aus gerader Linie) auch Ausländer sind. Vgl. Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 30. Allerdings gilt dieser Ausschluss heute gemäß dem Gleichbehandlungsgebot aus Art. 4 des Protocol No. 3 annexed to the Act of Accession of the Kingdom of Denmark, Ireland and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland to the European Economic Community and the European Atomic Energy Community 1972 (BGBl. 1972 II S. 1338) nicht mehr für Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft. Da das Hindernis der Mitgliedschaft in den Chief Pleas aber nicht den freien Verkehr von Personen oder Waren betrifft, besteht diese Einschränkung fort, Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 31. 1630 Vgl. zur Regelung auf Guernsey oben 2. Teil Kapitel 2 B.II.1.a. B. Gesetzliche Erbfolge 292 hängig vom Geschlecht, bei Gradgleichheit der Älteste.1631 Auch auf Sark gilt das Deszendentenprivileg.1632 Die Unterscheidung zwischen propres und acquêts ist nur noch insoweit relevant, als bei Erbfolgen in der Seitenlinie propres zu der Linie zurückkehren müssen, aus der sie gekommen sind.1633 Im Unterschied zu den anderen Kanalinseln ist auf Sark noch das Recht des Seigneur (des Inselherrn)1634 erhalten geblieben, dass im Falle des Fehlens gesetzlicher Erben das unbewegliche Vermögen kraft escheat an ihn fällt.1635 b. Bewegliches Vermögen Hinsichtlich der gesetzlichen Erbfolge bei beweglichem Vermögen entspricht das Recht Sarks1636 grundsätzlich dem Recht Guernseys mit der Ausnahme, dass Erblasser ihre nichtehelichen Kinder und Stiefkindern nicht kraft testamentarischer Anordnung hinsichtlich des Pfl ichtteils wie eheliche Kinder behandeln lassen können.1637 Hinterlässt der Erblasser keine Abkömmlinge, bestimmt sich der gesetzliche Erbe des beweglichen Vermögens wie bei den acquêts, somit ohne Unterscheidung zwischen väterlicher und mütterlicher Linie, vorbehaltlich etwaiger Rechte eines überlebenden Ehegatten;1638 diese Konstellation scheint nicht vollständig mit der Regelung Guernseys übereinzustimmen. Nach einem Aufsatz von Collas1639 scheint es bei beweglichem Vermögen keinerlei Aszendentennachfolge zu geben; weiterhin scheinen halbbürtige Geschwister durch vollbürtige Geschwister von der Erbfolge ausgeschlossen Siehe zur Regelung auf Sark s. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 8 und 10. Hinsichtlich der absoluten Verwandtschaftsgrenze ist für Sark durch das Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 geklärt, dass dies exklusive des 7. Grades zu verstehen ist, vgl. s. 4 iVm Schedule para. 4. 1631 S. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 11. 1632 S. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 12. 1633 S. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 16. 1634 Siehe hierzu oben 1. Teil C.II.3. 1635 S. 4 Real Property (Succession) (Sark) Law 1999 iVm Schedule para. 19. Vgl. schon zur früheren Rechtslage Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 17. 1636 Die relevanten Vorschriften fi nden sich in den folgenden Gesetzen: dem Married Women’s Property (Sark) Law 1975 (No.5/1975, Ordres en Conseil, Bd. XXV, S. 69 – 72), dem Husband and Wife (Joint Accounts) (Sark) Law 1975 und dem Successions (Personal Estates of Married Persons) (Sark) Law 1975 (No.7/1975, Ordres en Conseil, Bd. XXV, S. 75 – 83). Vgl. auch bereits Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 17 – 19. Hinsichtlich der genauen Verteilung der Anteile zwischen den Kindern vor 1975 vgl. die auch für Sark geltende Loi relative à la Portion Disponible des Biens Meubles des Pères et Mères (1872) (Ordres en Conseil, Bd. II, S. 127 – 130) sowie Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 18. Mit Inkrafttreten des Successions (Personal Estates of Married Persons) (Sark) Law 1975 wurde gemäß Art. 11 besagtes Gesetz von 1872 für Sark aufgehoben. 1637 Das Law of Inheritance (Guernsey) Law 1979 fi ndet auf Sark keine Anwendung. 1638 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 4.6.2. 1639 Collas, The Sark intestate succession to personalty, zitiert bei Dawes, Laws of Guernsey, S. 195. Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark 293 zu werden; männliche Verwandte und deren Abkömmlinge schließen weibliche Verwandte und deren Abkömmlinge bei Gradgleichheit aus; Frauen können ihren Vater hinsichtlich des Geschlechts nicht vertreten, wenn der Vater einen männlichen Abkömmling hat; représentation ist bis einschließlich des 6. Grades erlaubt.1640 III. Anspruchshindernisse Anders als nach dem Gewohnheitsrecht Jerseys1641 können Ausländer nach dem Gewohnheitsrecht Guernseys Immobiliareigentum – auch kraft Erbrechts – erwerben, wenn sie mindestens drei Jahre auf der Insel gelebt haben. Die meubles sowie immeubles von Ausländern, die auf Guernsey wohnen, gehen in der gesetzlichen Erbfolge in direkter Linie auf ihre Abkömmlinge über. Hinterlässt ein Ausländer jedoch nur Verwandte in der Seitenlinie, fallen die Güter an die Krone.1642 1640 Vgl. zur Schwierigkeit der Bestimmung der erbrechtlichen Regeln in diesem Bereich auch Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 22. 1641 Vgl. hierzu und zu der gesetzlichen Änderung oben 2. Teil Kapitel 1 B.VII.1. 1642 Approbation des Lois, Coutumes et Usages de l‘Ile de Guernesey, Livre II, Chapitre 12; Boucraut Mele, Le droit des îles anglo-normandes, S. 127. B. Gesetzliche Erbfolge 294 C. Testamentarische Erbfolge I. Testierfähigkeit Die Testierfähigkeit setzt auch im Bailiwick Guernsey ein Mindestalter von 18 Jahren voraus. Weiterhin muss der Testierende fähig sein, seinen testamentarischen Willen zu bilden (sound mind),1643 sich an die Personen zu erinnern, die er bei der Aussetzung der Vermächtnisse berücksichtigen sollte (sound memory), und die testamentarischen Beschränkungen zu verstehen (sound understanding).1644 Gemäß Art. 10 Law on Wills of Realty 18521645 darf aus der Tatsache, dass für eine Person ein guardian (Pfl eger) bestellt wurde, nicht unwiderlegbar geschlossen werden, dass diese Person generell unfähig ist, ein Testament über unbewegliches Vermögen zu errichten.1646 In Re Estate Waterfall1647 wurde diese Regelung auch auf ein Testament über bewegliches Vermögen übertragen. II. Einschränkungen der Testierfreiheit 1. Guernsey Wie auf Jersey werden der überlebende Ehegatte und die Kinder des Erblassers nur durch die Einschränkungen der Testierfreiheit geschützt und es existieren keine dem englischen Recht (Inheritance (Provision for Family and Dependants) Act 1975) entsprechenden Family Provisions.1648 a. Unbewegliches Vermögen Zuwendungen in einem Testament über unbewegliches Vermögen werden zunächst durch einen Anspruch des überlebenden Ehegatten beschränkt, der dem bei gesetzlicher Erbfolge entspricht: Dem überlebenden Ehegatten steht ein bis zu einer Wieder- 1643 Vgl. hierzu Chick and Hayes v. Trump, 1986 Plaids de Meubles 944 , 3 GLJ 82; Chick and Hayes v. Trump, Guernsey Court of Appeal, 7.7.1989, 8 GLJ 103. 1644 Clark, Inheritance, Succession, Guardianship and Probate within the Bailiwick of Guernsey, Rn. 2.9 – 2.10; Dawes, Laws of Guernsey, S. 176 – 177. Hier wird insbesondere auf das englische Fallrecht, z. B. Banks v. Goodfellow (1870) LR 5 QB 549; Boughton v. Knight (1873) LR 3 P&D 64; Richmond v. Richmond (1914) 111 LT 273; Fuller v. Strum (2002) 2 All ER 83, zurückgegriffen. 1645 Ordres en Conseil, Bd. I, S. 212. Das Gesetz ist auch unter der Bezeichnung Ordre des formalités requises pour les testaments d’immeubles (1852) geläufi g. 1646 Vgl. auch Le Jeune, Le droit des successions dans lîle de Sercq, S. 27 – 28; vgl. hierzu inhaltlich weiterhin schon Jeremie, An Essay on the Laws of Real Property in Guernsey, S. 155 – 156. 1647 Plaids de Meubles, Urt. v. 21.12.1995, 20 GLJ 68. 1648 Dawes, Laws of Guernsey, S. 169. Kapitel 2: Guernsey, Alderney und Sark

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Zusammenfassung

Wer sich für fremde Rechte und ihre Wurzeln interessiert, wird hier genauso auf seine Kosten kommen wie der Praktiker, der als Richter, Rechtsanwalt oder Notar Antworten auf konkrete Fragen über die Erbrechte der Kanalinseln sucht, für die es in Deutschland bislang noch keine systematische Darstellung gab.

Die Arbeit behandelt nach einem historischen Abriss das Erbrecht Jerseys und die Unterschiede in den Rechten des Bailiwick Guernsey (inklusive Alderney und Sark). Mit der systematischen Darstellung erschließen sich die inhaltlichen Regelungen, die sich oftmals von dem im deutschen Recht Gewohnten unterscheiden, von einem ganz anderen Rechtsverständnis ausgehen und bei denen auch die Termini andere sind. Dabei wird auch untersucht, inwieweit normannische Grundzüge heute noch fortwirken und sich in modernen Zeiten bewähren. Für den Rechtsanwender hilfreich sind der Abdruck einer Auswahl grundlegender Gerichtsentscheidungen der Kanalinseln sowie eine Aufzählung der wichtigsten einschlägigen Gesetze.