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Bernadette Bord, Die privatschriftlichen Coutumiers des 13. Jahrhunderts in:

Bernadette Bord

Das Erbrecht der Kanalinseln von den normannischen Wurzeln bis zum heutigen Rechtszustand, page 47 - 51

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4219-9, ISBN online: 978-3-8452-1602-7 https://doi.org/10.5771/9783845216027

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47 III. Die privatschriftlichen Coutumiers des 13. Jahrhunderts 1. Die Établissements et Coutumes de Normandie Seit Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden zahlreiche private Aufzeichnungen, sogenannte Coutumiers, die als Nachschlagewerke benutzt wurden und faktisch das Ansehen amtlicher Aufzeichnungen erlangten.155 Die älteste schriftliche Zusammenstellung des normannischen Gewohnheitsrechts ist in den Établissements et Coutumes de Normandie (Statuta et Consuetudines Normanniae) enthalten.156 Diese bestehen aus zwei ursprünglich wohl getrennten Haupttextmassen, dem Très Ancien Coutumier de Normandie und dem Tractatus de brevibus et recognitionibus (in der französischen Fassung Traité de Briés et de Requenoissanz), die im Wesentlichen dieselben Themen behandeln.157 Der Très Ancien Coutumier zerfällt wiederum in zwei Hauptmassen – Satzungen zum einen und Ausführungen über das Gewohnheitsrecht zum anderen –, er stammt von einem unbekannten Juristen, möglicherweise einem amtlich beschäftigten Clerk, und ist um 1200 zu datieren. Der Tractatus de brevibus et recognitionibus schildert einen offenbar jüngeren Rechtszustand158 und muss von einem unbekannten Autor kurz nach 1218 verfasst worden sein.159 Unklar ist, ob die Établissements et Coutumes de Normandie auf den Kanalinseln Anwendung fanden. Im Rahmen der Quo Warranto-Untersuchungen160 beriefen sich die Inselbewohner nur auf eine spätere Sammlung.161 155 Bart, Histoire du droit privé, S. 119 – 120; Esmein, Cours élémentaire d‘histoire du droit fran- çais, S. 722 – 723. 156 Abgedruckt z. B. bei Warnkönig/Warnkönig, Französische Staats- und Rechtsgeschichte, Bd. 2, Urkundenbuch, S. 1 – 47, die französische Fassung bei Marnier, Etablissements et coutumes, assises et arrêts de l‘échiquier de Normandie au XIII siècle: 1207 à 1245. Die französischen Texte sind anerkanntermaßen Übersetzungen der lateinischen Version und erschienen gegen Ende des ersten Drittels des 13. Jahrhunderts. Fast ausschließlich wird, wie bei Tardif, Coutumiers de Normandie, Bd. 1.1, ders., Coutumiers de Normandie, Bd.1.2 das Gesamtwerk der Statuta et Consuetudines Normanniae auch als Très Ancien Coutumier de Normandie bezeichnet; obwohl es, wie Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 67 ausführt, strenggenommen korrekter wäre, den Titel des Très Ancien Coutumier de Normandie nur für den ersten Teil der Statuta et Consuetudines Normanniae zu verwenden, hat sich diese Unterscheidung nicht durchgesetzt, weshalb, um ein Arbeiten mit den verwendeten weiteren Quellen zu erleichtern, im 2. Teil dieser Arbeit die Bezeichnung Très Ancien Coutumier auch für die Statuta insgesamt verwendet wird. 157 Brunner in Rauch, Abhandlungen zur Rechtsgeschichte, S. 3 (40 – 47); anders noch Warnkönig/ Warnkönig, Französische Staats- und Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 46. 158 Er enthält eine Abhandlung über das normannische Rekognitionsverfahren, ein Weistum über die Rechte des Herzogs sowie zwei Konstitutionen Heinrichs I. und Richards. 159 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 50 – 55; Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 66 – 67; Brunner in Rauch, Abhandlungen zur Rechtsgeschichte, S. 3 (39 – 56); Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 52; Ourliac/Gazzaniga, Histoire du droit privé français, S. 103 – 104. 160 Siehe hierzu oben 1. Teil A.IV. 161 Balleine‘s History of Jersey, S. 37 – 38; Besnier, La Coutume de Normandie, S. 257 – 264; 4/14 – 4/17. Für das Erbrecht bieten die Statuta et Consuetudines ohnehin eine geringe Ausbeute. B. Rechtsquellen: Das normannische Recht 48 2. Der Grand Coutumier du Pays et Duché de Normandie a. Entstehung des Grand Coutumier Im Laufe der Zeit passten sich die Coutumes den sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten an. Dieses Recht fi ndet sich in einer lateinischen Sammlung, der Summa de Legibus Consuetudinum Normanniae, quibus regitur ducatus Normanniae oder Somma de Legibus in Curia Laicali, in den französischen Texten Le Grand Coutumier du Pays et Duché de Normandie162 genannt.163 Dieser Sammlung wurde nachgesagt, auch Gesetze und Gewohnheiten zu enthalten, die schon vor der Herrschaft Rollos in der Normandie gegolten hatten.164 Hinsichtlich der Entstehungszeit des Grand Coutumier du Pays et Duché de Normandie gehen die Ansichten auseinander, am wahrscheinlichsten ist jedoch ein Entstehungszeitraum von 1254 – 1258.165 Hinsichtlich der Urheberschaft des Grand Coutumier de Normandie wird seit langem gerätselt. In Betracht gezogen wurde zunächst die Herausgabe durch einen Herrscher (Eduard [der Bekenner] oder Philipp II. August), später die Zusammenstellung durch einen Privatmann (Pierre de Fontaines, Philippe de Beaumanoir166 oder einen gewissen Monsieur Robert [der Normanne]).167 Der Text selbst gibt keinen Aufschluss über die Identität des Autors, er wurde wahrscheinlich aber im Cotentin im westlichen Teil der Norman- 162 Vgl. z. B. Tardif, Coutumiers de Normandie, Bd. 2. Die für die Kanalinseln bedeutendsten Kommentatoren des Grand Coutumier du Pays et Duché de Normandie waren Guillaume Rouillé oder Le Rouillé (d’Alençon) mit seinem Kommentar von 1534 (2. Aufl age 1539) sowie Guillaume Terrien, dessen Kommentar 1574 (2. Aufl age 1578) erschien, vgl. zu ihrer Bedeutung für Jersey Report of the Commissioners 1861, S. iii; La Cloche v. La Cloche (1870) LR 3 P.C. 125, VI Moo P.C.C.N.S. 382 (399); Dyson v. Godfray (1884) IX App. Cas. 726 (731). 163 Nunmehr im Grunde unstreitig ist, dass der lateinische Text der ursprüngliche ist, Besnier, La Coutume de Normandie, S. 103 – 104; Brunner in Rauch, Abhandlungen zur Rechtsgeschichte, S. 3 (57 – 58), Tardif, N. R. D. 1885, 155 (191); diskutiert wird weiterhin, ob der Autor des Grand Coutumier die Statuta et Consuetudines als Vorlage herangezogen hat, ablehnend Brunner in Rauch, Abhandlungen zur Rechtsgeschichte, S. 3 (64 – 67). 164 Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 70. 165 Anex-Cabanis in Bautier/Bretscher-Gisiger, LMA, Bd. 3, Spalten 325; Besnier, La Coutume de Normandie, S. 104 – 105, der allerdings einen Zeitrahmen von 1235 bis 1258 zieht; Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 68 – 69; Le Patourel, EHR 1941, 292 (294); Tardif, Coutumiers de Normandie, Bd. 2, S. CLXXV – CXCIV; ders., N. R. D. 1885, 155 (191). A. A. Esmein, Cours élémentaire d‘histoire du droit français, S. 728 Fn. 2, der als (zu Beginn des 20. Jahrhunderts) herrschende Meinung die Zeitspanne zwischen 1270 und 1275 (so z. B. noch Brunner in Rauch, Abhandlungen zur Rechtsgeschichte, S. 3 (58 – 63)) nennt, die Entstehung selbst aber kurz nach 1234 ansetzen will, sowie Yver, R. H. D. 1952, 18 (70), der von einer Entstehung im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts spricht. Wiederum a. A. noch Warnkönig/Warnkönig, Französische Staats- und Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 44 – 47, der eine Entstehung zwischen 1205 und 1207 vermutet. 166 Philippe de Beaumanoir ist der Verfasser der Coutumes du comté de Clermont-en-Beauvoisis von 1283, einem Hauptwerk unter den französischen Coutumiers. 167 Die erste größere wissenschaftliche Studie zu diesem Problem stammt von Tardif, N. R. D. 1885, 155 – 205, die er mit einigen jedoch gewichtigen Modifi kationen seiner lateinischen Ausgabe des Textes des normannischen Gewohnheitsrecht, Summa de legibus Normannie in curia laicali, als Einleitung voranstellte. 1. Teil: Einführung in das Rechtssystem der Kanalinseln 49 die verfasst.168 Die auf Jersey im 14. Jahrhundert verwendete Summa de Maukael, auf die sich die Inselbewohner in den Quo Warranto-Untersuchungen als Quelle des normannischen Rechts beriefen, scheint die lateinische ursprüngliche Fassung der Grand Coutumier zu sein: Ein Bericht des Warden169 John de Roches aus dem Jahr 1328 über das auf Jersey geltende Recht bezieht sich auf den Grand Coutumier170, während andere Aufzeichnungen aus Jersey aus dieser Zeit die Summa de Maukael als Autorität heranziehen171. Es ist somit mit einiger Wahrscheinlichkeit von der Identität dieser beiden Dokumente auszugehen.172 Folglich kann, auch wenn der bloße Name des möglichen Autors des Grand Coutumier letztlich ohne Bedeutung ist, als solcher der eines Normannen namens Maukael zu Valognes173 festgehalten werden. Der Vergleich der genannten Dokumente macht jedenfalls deutlich, dass das seit dem 14. Jahrhundert auf den Kanalinseln geltende Recht trotz der Loslösung der Inseln von der Normandie 1204 normannisches Recht war.174 Soweit die Bewohner der Kanalinseln sich auf die auf Jersey und Guernsey gebräuchlichen Rechte beriefen, die von den Regeln des normannischen Gewohnheitsrechts abwichen, handelt es sich nur um die geringfügig abweichende lokale Anwendung desselben Rechts.175 b. Heranziehung des Grand Coutumier auf den Kanalinseln 1582 entstand im Zusammenhang mit einer Untersuchung bezüglich der Anwendbarkeit des Grand Coutumier auf Guernsey die Approbation des Lois, Coutumes, et Usages de l’Isle de Guernsey (die Billigung der Gesetze, Gewohnheitsrechte und Gebräuche der Insel Guernsey); diese war in ihrer systematischen Darstellung weitgehend an 168 Tardif, N. R. D. 1885, 155 (166 – 172). 169 Eines persönlichen Repräsentanten des englischen Königs auf den Kanalinseln, vgl. hierzu unten 1. Teil C. vor I. 170 Public Record Offi ce, Chancery Miscellanea, bundle 10, no. 9 (11), abgedruckt bei Le Patourel, EHR 1941, 292 (296 – 297). 171 Hierbei handelt es sich zum einen um weitere Petitionen aus den Quo Warrento-Untersuchungen, die vor 1328 datiert sind, abgedruckt bei Société Jersiaise, Rolls of the Assizes 1309, S. 69 – 74, zum anderen um die Petition von 1333, also nach 1328, abgedruckt bei Havet, Les Cours Royales des Iles Normandes, S. 228 – 233. 172 Bois, A constitutional history of Jersey, Abschnitt 4/17; Le Patourel, EHR 1941, 292 (294 – 299); Tardif, N. R. D. 1885, 155 (185 – 191), jedoch ablehnend in seinen einleitenden Worten in Coutumiers de Normandie, Bd. 2, S. CC – CCXXV, in denen Tardif davon ausging, dass der Grand Coutumier ursprünglich Registrum de judiciis Normannie betitelt gewesen sei und es sich bei der Summa de legibus Normannie nur um eine spätere erweiterte Version handelte, weshalb der Bezug in den genannten Dokumenten auf die Summa de Maukael nur auf eine Kopie der späteren Version hinweise; in diesem Sinne auch Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 69. 173 Zu den verschiedenen Personen namens Maukael, die zu jener Zeit in der Normandie lebten, Tardif, N. R. D. 1885, 155 (193 – 199). 174 Le Patourel, The Norman empire, S. 276, Fn. 1; vgl. auch ders., The Medieval Administration of the Channel Islands 1199 – 1399, S. 95. 175 Le Patourel, EHR 1941, 292 (300). B. Rechtsquellen: Das normannische Recht 50 dem Kommentar Terriens176 orientiert und wurde 1583 durch Elisabeth I. offi ziell als Recht Guernseys gebilligt.177 Noch heute wird auf den Kanalinseln hinsichtlich der Grand Coutumier üblicherweise der Kommentar Terriens oder die Ausgabe von 1539 der lateinischen Kommentierung von Le Rouillé178 zitiert.179 c. Spätere Elemente und Bearbeitungen des Grand Coutumier 1315 erließ Ludwig X. (1314 - 1316) für die Normandie die Charte aux Normans, die insbesondere Zugeständnisse an die gerichtliche Unabhängigkeit des Herzogtums enthielt.180 Die Charte wurde von Le Rouillé in seinen Kommentar des Grand Coutumier aufgenommen, wodurch sie wahrscheinlich zur Kenntnis der Bewohner der Kanalinseln gelangte.181 In Frankreich wurde der Grand Coutumier wie ein Gesetzbuch der normannischen Coutume behandelt, weshalb zunächst keine offi zielle Fassung erfolgte.182 Im 14. bis 16. Jahrhundert folgten mehrere Arbeiten prozessualen Charakters, die Styles de procéder: l’Ancien Style (1386 – 1390), les Instrucions et Ensaignemens (1386 – 1391), le Nouveau Style (1457 – 1462) und le Style de 1515. Die beiden letztgenannten Styles erschienen unter der Bezeichnung Style de procéder au pays de Normandie bei Le Rouillé, wodurch sich ihre Verbreitung auch auf den Kanalinseln erklärt.183 In der Zeit zwischen dem Ancien Style und dem Nouveau Style erschien des Weiteren ein Kommentar des Grand Coutumier, La Glose, die ebenfalls in das Werk Le Rouillés aufgenommen und so auf den Inseln bekannt wurde.184 176 Terrien, Commentaires du Droict Civil tant public que privé, observé au Pays et Duché de Normandie. 177 Berry, The history of the Island of Guernsey, S. 172; Lemprière, History of the Channel Islands, S. 36 – 37; Peyroux, Guernsey, S. 20 – 22. 178 Le Rouillé d‘Alencon, Édition du Grand Coutumier de Normandie et de la Glose, Paris 1534 (2. Aufl age 1539 in Rouen). Le Rouillé versah seinen Text auch mit Verweisungen auf das römische und kanonische Recht. 179 Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 71; Southwell, JLRev 1997, 221 (223). 180 Yver, Caen, Ac. Mém. 1952, 307 (333). 181 Dawes, A brief history of Guernsey law, S. 6; Nicolle, The Origin and Development of Jersey Law, Abschnitt 3.2. Ein Beispiel ist die Geltung der Charte für die Ersitzungsfrist auf Guernsey, Vaudin v. Hamon (1974) A.C. 569 (583 – 584), (1973) 3 WLR 257 (PC). 182 Esmein, Cours élémentaire d‘histoire du droit français, S. 729 – 730. 183 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 111 – 114. Vgl. Le Geyt, La Constitution, Bd. 1, S. 449. Vgl. zu den Instrucions et Ensaignemens Besnier/Génestal, Instrucions et Ensaignemens. 184 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 114 – 116. Vgl. Le Geyt, La Constitution, Bd. 1, S. 3. Die Glose war z. B. eine wichtige Rechtsquelle im Hinblick auf die Entwicklung der Rechte Dritter in Testamenten, Nicolle, The Origin and Development of Jersey Law, Abschnitt 11.8. 1. Teil: Einführung in das Rechtssystem der Kanalinseln 51 IV. Die Coutume Réformée des 16. Jahrhunderts Erst 1583/85 – bizarrerweise 17 Wochen, bevor Elisabeth I. den Grand Coutumier als Recht Guernseys anerkannte185 – wurde, obwohl bereits 1453 von Karl VII. (1422 – 1461) für ganz Frankreich in einer Ordonnance angeordnet, auf Geheiß König Heinrichs III. (1574 – 1589) eine überarbeitete und angepasste Zusammenstellung des mittlerweile auf dem normannischen Festland geltenden Rechts, das sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt hatte und von den Rechten der anderen Gebiete Frankreichs beeinfl usst war, veröffentlicht.186 Diese Coutume Réformée187 stammt somit aus der Zeit nach Beginn der römischrechtlichen Rezeption auch in Nordfrankreich. Die Kanalinseln waren zu diesem Zeitpunkt schon seit 400 Jahren von der Normandie abgespalten. Insofern fragt sich, welche Bedeutung die Coutume Réformée für die Inseln hat. Eine unmittelbare Autorität konnte die Coutume Réformée auf den Inseln aufgrund der Trennung von der Normandie nicht haben188, so dass auch hier kein direktes „Einfallstor“ für das römische Recht entstand. Das Judicial Committee des Privy Council zog in einer Entscheidung gegen ein Berufungsurteil des Royal Court of Jer- 185 Siehe hierzu oben 1. Teil B.III.2.b. 186 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 177 – 185; Brunner, Geschichte der englischen Rechtsquellen im Grundriß, S. 73 – 74; Esmein, Cours élémentaire d‘histoire du droit français, S. 729 – 730; Warnkönig/Warnkönig, Französische Staats- und Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 83. Auszugsweise fi ndet sich ein Abdruck bei Warnkönig/Warnkönig, Französische Staats- und Rechtsgeschichte, Bd. 2, Urkundenbuch, S. 159 – 172. Eine revidierte Fassung der Coutume Réformée erschien 1666 unter der Bezeichnung Articles Placités. Die Kommentatoren der Coutume Réformée des späten 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts, die am stärksten ihre Spuren auf den Kanalinseln hinterließen, waren Jacques Bathelier d’Aviron (1599), Josias Bérault (1612), Jacques Godefroy (1626/28) und Henri Basnage (1678), vgl. z. B. Benest v. Pipon (1829) 1 Knapp 60 (65); Re States of Jersey (1853) IX Moo P.C.C. 185; Godfray v. Godfray (1865) III Moo P.C.C.N.S. 316 (338). Von den Kommentatoren des 18. Jahrhunderts sind insbesondere Jean Baptiste Flaust (1781), David Hoüard (1782), N. Pesnelle (1704) und Charles Routier (1742) zu nennen. Auf den Kanalinseln entstanden ab dem 17. Jahrhundert Kommentare des dort geltenden Rechts auf der Basis des Grand Coutumier, insbesondere, um eine Vermischung der Regelungen mit denen der neuen Coutume Réformée zu verhindern: auf Jersey „Les Commentaires sur l‘Ancienne Coutume de Normandie“ (verfasst ca. 1670-1685) sowie „Les Lois et Coutumes de l‘Ile de Jersey“ (verfasst ca. 1676) von Jean Poingdestre; „Les Manuscrits de Philippe Le Geyt, Ecuyer, Lieutenant-Bailli de l‘Ile de Jersey, sur la Constitution, les Lois, et les Usages de cette Ile“ (auch unter der Bezeichnung „La Constitution, les Lois et les Usages“ bekannt) (veröffentlicht 1846 – 1847) sowie „Privilèges, Loix et Coustumes de l‘Isle de Jersey avec un essay pour des reglemens politiques“ (auch „Code Le Geyt“ genannt) (jeweils verfasst um 1700) von Philippe Le Geyt; „L’Ancienne Coutume de Normandie“ (1881) von William Laurence de Gruchy; „Traité du Droit Coutumier de l‘Ile de Jersey“ (1943) von Charles Sydney Le Gros; auf Guernsey „Remarques et Animadversions, sur l‘Approbation des Lois et Coustumier de Normandie usitées es Juridictions de Guernezé et particulèrement en la Cour Royale de la ditte isle“ (1826) von Thomas Le Marchant. 187 Im Gegensatz hierzu wird das Recht aus der Zeit vor 1583/85 häufi g als Ancienne Coutume bezeichnet. 188 Att.Gen. for Jersey v. Turner (Sol.Gen. for Jersey) (1893) A.C. 326; Public Services Committee v. Maynard, C. A., JLR 1996, 343 (350 – 351); Poingdestre, Les Commentaires sur l‘Ancienne Coutume de Normandie, S. 1 – 2. B. Rechtsquellen: Das normannische Recht

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Zusammenfassung

Wer sich für fremde Rechte und ihre Wurzeln interessiert, wird hier genauso auf seine Kosten kommen wie der Praktiker, der als Richter, Rechtsanwalt oder Notar Antworten auf konkrete Fragen über die Erbrechte der Kanalinseln sucht, für die es in Deutschland bislang noch keine systematische Darstellung gab.

Die Arbeit behandelt nach einem historischen Abriss das Erbrecht Jerseys und die Unterschiede in den Rechten des Bailiwick Guernsey (inklusive Alderney und Sark). Mit der systematischen Darstellung erschließen sich die inhaltlichen Regelungen, die sich oftmals von dem im deutschen Recht Gewohnten unterscheiden, von einem ganz anderen Rechtsverständnis ausgehen und bei denen auch die Termini andere sind. Dabei wird auch untersucht, inwieweit normannische Grundzüge heute noch fortwirken und sich in modernen Zeiten bewähren. Für den Rechtsanwender hilfreich sind der Abdruck einer Auswahl grundlegender Gerichtsentscheidungen der Kanalinseln sowie eine Aufzählung der wichtigsten einschlägigen Gesetze.