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Bernadette Bord, Die Kanalinseln unter den Königen von England, von König Johann ohne Land bis zu Richard II, dem letzten der Plantagenêts in:

Bernadette Bord

Das Erbrecht der Kanalinseln von den normannischen Wurzeln bis zum heutigen Rechtszustand, page 32 - 36

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4219-9, ISBN online: 978-3-8452-1602-7 https://doi.org/10.5771/9783845216027

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32 reich gegen England an, der über den englischen Besitz in Frankreich herfi el. Nach seiner Befreiung gewann Richard Löwenherz das gesamte Gebiet, das ihm Philipp II. abgenommen hatte, eingeschlossen die Kanalinseln64, zurück.65 Nach seiner Versöhnung mit Johann übertrug ihm Richard 1195 Jersey und Guernsey mit dem Titel des Lord of the Islands.66 IV. Die Kanalinseln unter den Königen von England, von König Johann ohne Land bis zu Richard II, dem letzten der Plantagenêts Als Richard Löwenherz 1199 kinderlos verstarb, bestieg sein Bruder Johann (ohne Land) (1199 – 1216) den Thron. Die Franzosen unterstützten allerdings Richards Neffen Arthur, der nach dem strengen Erstgeborenenrecht als Sohn von Richards verstorbenem älteren Bruder Gottfried von der Bretagne hätte nachfolgen müssen.67 Als die Grafen von Poitou Johann bezichtigten, ihnen willkürlich die Besitzungen entzogen und Übergriffe gegen die Kirche von Tours, die mit all ihrem weltlichen Besitz vom französischen König abhing, begangen zu haben, ließ der französische König Philipp II. Johann 1202 zur Klärung der Vorwürfe vor ein französisches Lehnsgericht laden und forderte ihn als Lehnsherr auf, Arthur alle seine Besitzungen auf dem Kontinent abzutreten.68 Aufgrund der Treueide, die noch auf die Abtretung der Normandie an Rollo zurückgingen, erkannten die Grundherren von Frankreich auch in den zu England gehörigen Gebieten den französischen König als ihren obersten Lehnsherren an, und nach Feudalrecht war Johann als Herzog der Normandie Lehnsmann des Königs von Frankreich.69 Weil Johann als Souverän aber nicht bereit war, vor einen anderen König als Angeklagter zu treten, und nicht erschien, wurde er in Abwesenheit wegen Missachtung seiner Lehnspfl icht und Widerstand gegen seinen Lehnsherrn zum Verlust aller französischen Ländereien verurteilt.70 Im darauf folgenden Kampf konnte Johann nur einen kleinen Teil seines Herzogtums Normandie (die Gascogne und einen 64 Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 21. 65 Helmolt, Weltgeschichte, Bd. 5, S. 421; Helmolt, Weltgeschichte, Bd. 6, S. 362 – 364. 66 Uttley, The story of the Channel Islands, S. 46. 67 Johann hielt dem entgegen, dass im Recht der Normandie gerade kein Eintrittsrecht des Neffen hinsichtlich der Bestimmung des Haupterben bestand. Vgl. hierzu Besnier, La représentation en droit normand, S. 144 – 156; Ourliac/Malafosse, Histoire du droit privé, Bd. 3, S. 396; Villers, R. H. D. 1949, 562 (564 – 574); Le Geyt, La Constitution, Bd. 4, S. (815). Siehe zum Eintrittsrecht (représentation) auf Jersey allgemein unten 2. Teil Kapitel 1 B.III.5.; 2. Teil Kapitel 1 B.V.2.a(2)(b); 2. Teil Kapitel 1 B.V.2.b(2)(b) und insbesondere zum Eintrittsrecht hinsichtlich der Bestimmung des Haupterben 2. Teil Kapitel 1 B.VI.1.a. (Fn. 699). 68 Lehmann, Johann ohne Land, S. 224 – 226. 69 Curry, The Hundred Years War, S. 33 – 34; Hutton, Philip Augustus, S. 65 – 67; Warren, King John, S. 74 – 75. 70 Hutton, Philip Augustus, S. 65 – 67; Lehmann, Johann ohne Land, S. 226; Warren, King John, S. 71 – 76. 1. Teil: Einführung in das Rechtssystem der Kanalinseln 33 Teil von Poitou) retten.71 Die Kanalinseln wurden in den Verhandlungen nicht erwähnt.72 Der übrige Teil der Normandie war, abgesehen von der Zeitspanne 1417/18 – 1449, als sich die Normandie während des Hundertjährigen Krieges noch einmal in englischem Besitz befand, seit 1204 französisch.73 Das Jahr 1204 wird häufi g als Zeitpunkt der Loslösung der Kanalinseln von der Normandie bezeichnet. Obwohl dies, sieht man von dem gerade angesprochenen Zeitraum während des Hundertjährigen Krieges ab, geschichtlich zutrifft, ist im Hinblick auf das Recht der Inseln kein solch gravierender Einschnitt zu sehen. Tatsächlich wurden viele Entwicklungen des normannischen Rechts, teils modifi ziert, in das Recht der Inseln übernommen.74 In den Jahren 1204 bis 1206 verwalteten sich die Kanalinseln, da weder der englische Souverän als Lehnsherr noch der französische Souverän kraft Konfi skation Herrschaftsakte vornahm, selbst. Die Bewohner der Inseln konnten sich jedoch nicht selbst verteidigen und trafen, als England und Frankreich schließlich gleichzeitig ihre Rechte geltend machten, eine eigene Entscheidung: Aufgrund ihrer Erfahrungen unter der französischen Herrschaft blieben sie dem englischen König treu.75 Im Gegenzug erhielten sie von Johann weitgehende Zusicherungen ihrer Rechte und Freiheiten, insbesondere das Versprechen, die Inseln nach ihren normannischen Traditionen zu verwalten.76 Nach heutigem Stand in der geschichtlichen Forschung erfolgte diese Anerkennung jedoch nicht dadurch, dass Johann, wie im 18. Jahrhundert angenommen, den Inselbewohnern eine Verfassung aufoktroyierte. Lange Zeit wurden die so genannten Constitutions of King John, die anerkanntermaßen die bestehenden Privilegien der Kanalinseln aufl isten und den Staatsaufbau der Inseln darstellen, als konstitutive Charter König Johanns angesehen; es handelt sich jedoch vermutlich um einen Teil einer Petition, die 1333 von den Bewohnern Jerseys und Guernseys an König Eduard III. 71 Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 21; Peyroux, RIDC 1972, 367 (378); Warren, King John, S. 93 – 99. Der Name Johann ohne Land stammt jedoch nicht von diesem Verlust der Besitzungen, sondern bezieht sich darauf, dass Johanns Vater ihm ursprünglich keine Besitzungen hinterlassen wollte, Warren, Henry II, S. 594; Warren, King John, S. 28. Teilweise wurde angenommen, dass Johann seinen Neffen Arthur habe ermorden lassen, was der Auslöser für die erneuten Feindseligkeiten zwischen Johann und Philipp II. August von Frankreich 1203 gewesen sei; Johann sei auch wegen des Todes Arthurs verurteilt worden. Tatsächlich lässt sich weder ein Zusammenhang zwischen Johann und Arthurs Tod noch eine Verurteilung nachweisen; auch waren die Kämpfe zwischen Johann und Philipp II. August von Frankreich nie unterbrochen, Hutton, Philip Augustus, S. 65 – 67; Lehmann, Johann ohne Land, S. 244 – 246; Villers, R. H. D. 1949, 562 (563). 72 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 253; Dicks-Mireaux, Les principes du droit successoral ab intestat dans les Iles Anglo-Normandes et leur évolution, S. 29. 73 Kluxen, Geschichte Englands, S. 69; Le Patourel, La Société Guernesiaise, Report and Transactions 1974, XIX (1975), 435 (453 – 454); Sieburg, Geschichte Frankreichs, S. 47 – 49. 74 Nicolle, The Origin and Development of Jersey Law, Abschnitt 2.2. 75 Besnier, La Coutume de Normandie, S. 253 – 254. 76 Bois, A constitutional history of Jersey, Abschnitt 4/7; Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 74 – 76; Le Patourel, The Medieval Administration of the Channel Islands 1199 - 1399, S. 36; Uttley, The story of the Channel Islands, S. 49. A. Geschichte 34 gerichtet wurde, um die schon seit der Zeit vor 1204 existierenden Institutionen zu schildern.77 Dennoch kann Johann als Begründer der Autonomie der Kanalinseln angesehen werden. 1254 übertrug Heinrich III. (1216 – 1272) die Inseln annexed to the Crown auf seinen ältesten Sohn, den späteren Eduard I. (1272 – 1307), so dass, wer immer rechtmä- ßiger König von England war, allein aufgrund dieser Tatsache rechtmäßiger Herrscher der Kanalinseln war, ohne dass diese in das United Kingdom integriert waren.78 1259 verzichtete Heinrich III. im Vertrag von Paris auf seinen Titel als Herzog der Normandie.79 Er war jedoch weiterhin durch die französische Krone mit den Inseln belehnt. Hierdurch blieben sie in gewisser Weise Teil des Königreichs Frankreich, was möglicherweise für das auf den Inseln zu beachtende Recht Bedeutung hatte.80 Der Status der Kanalinseln änderte sich an sich nicht; seit diesem Zeitpunkt war jedoch ihr Herrscher der „König von England“, nicht mehr der „Herzog der Normandie“.81 Während weltliches Oberhaupt der englische König war, unterstanden die Inseln seit dem 4./8. bis ins 16. Jahrhundert geistlich der Diözese Coutances auf dem normannischen Festland.82 Diese Trennung zwischen politischer und kirchlicher Zugehörigkeit äußerte sich zwangsläufi g in Loyalitätskonfl ikten, insbesondere in Kriegszeiten, und die Tatsache, dass die bischöfl iche Rechtsprechungsgewalt an die Deans auf Jersey und Guernsey (die beiden Oberhäupter der Kirche in den zwei Bezirken) delegiert wurde, mag auf diese Problematik zurückzuführen sein.83 Als der englische König, um seinen Einfl uss auf den Inseln zu stärken, von den Bewohnern einen urkundlichen Beweis für ihre Rechte forderte, verwiesen die Inselbe- 77 Balleine‘s History of Jersey, S. 28; Besnier, La Coutume de Normandie, S. 254 – 255; Havet, Les Cours Royales des Iles Normandes, S. 3 – 6; (72); Southwell, JLRev 1997, 221 (221). 78 Loveridge, The constitution and law of Guernsey, Kap. 1; Powicke, The thirteenth century, S. 318; Studd in Saul, England in Europe, S. 97 (104) 79 Curry, The Hundred Years War, S. 36 – 37; Studd in Saul, England in Europe, S. 97 (102). Sein Sohn Eduard I. wiederholte dies im Vertrag von Amiens 1279, sein Urenkel Eduard III. 1360 im Vertrag von Brétigny, Curry, The Hundred Years War, S. 39, 66 – 67. 80 Dawes, A brief history of Guernsey law, S. 7 – 8. 81 Powicke, The thirteenth century, S. 318; a.A. Mautalent-Reboul, Le droit privé jersiais, S. 32 – 33. 82 Jacqueline in Société d‘Histoire de Droit et des Institutions des Pays de l‘Ouest de la France, Droit privé et institutions régionales, 401; Le Patourel, The Medieval Administration of the Channel Islands 1199 – 1399, S. 28; 32 – 34; Le Patourel, La Société Guernesiaise, Report and Transactions 1974, XIX (1975), 435 (456 – 457); Uttley, The story of the Channel Islands, S. 28. Zwar hatte Papst Alexander Borgia 1496 und 1499 Bullen erlassen, wonach die Kanalinseln vom Bistum von Coutances gelöst und dem von Salisbury bzw. Winchester zugeordnet werden sollten; diese Bullen wurden aber von den Bewohnern missachtet und der Bischof sowohl Salisburys als auch Winchesters vermochte sich nicht gegen den Bischof von Coutances durchzusetzen, vgl. auch unten Fn. 105, Balleine‘s History of Jersey, S. 69; Jacqueline in Société d‘Histoire de Droit et des Institutions des Pays de l‘Ouest de la France, Droit privé et institutions régionales, 401 (403 – 404); Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 202; Loveridge, The constitution and law of Guernsey, Kap. 6; Uttley, The story of the Channel Islands, S. 81. 83 Le Patourel, La Société Guernesiaise, Report and Transactions 1974, XIX (1975), 435 (456 – 457). 1. Teil: Einführung in das Rechtssystem der Kanalinseln 35 wohner auf ihr Gewohnheitsrecht. Der König hatte sich hierbei des Mittels der Quo Warranto-Untersuchungen bedient, in denen zwischen 1274 und 1331 erforscht werden sollte, kraft wessen Vollmacht (quo warrento) die jeweiligen Lords ihre Gerichtsrechte ausübten, d. h. ob die Ausübung der Rechtsprechung vom König legalisiert war; konnte von den örtlichen Geschworenen die Berechtigung nicht hinreichend erklärt werden, wurde die Gerichtsbarkeit entzogen.84 Die Inselbewohner beriefen sich auf das normannische, wenn auch durch einige seit Menschengedenken bestehende lokale Gebräuche veränderte, Recht sowie auf ihre Privilegien.85 Als Eduard III. (1327 – 1377) trotz eines Berichts seiner Kommissare, der die Rechte der Inselbewohner 1331 bestätigt hatte, eine erneute Untersuchung einleiten ließ, forderten die Bewohner Jerseys und Guernseys 1333 in einer gemeinsamen Petition86 an das englische Parlament das Ende dieser Untersuchungen.87 Zwar wurden die Privilegien von einem daraufhin einberufenen englischen Gericht teilweise für abgeschafft erklärt, aber der englische König konnte dies aufgrund des Ausbruchs des Hundertjährigen Krieges nicht mehr zur Ausführung bringen. In diesem Krieg bemühte sich der englische König wieder vermehrt um die Zuneigung der Inselbewohner.88 84 Lyon in Bautier/Bretscher-Gisiger, LMA, Bd. 7, Spalten 377 – 378; Havet, Les Cours Royales des Iles Normandes, S. 9 – 10; Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 76 – 78; Loveridge, The constitution and law of Guernsey, Kap. 22; Mautalent-Reboul, Le droit privé jersiais, S. 45; Tardif, N. R. D. 1885, 155 (172 – 177); Uttley, The story of the Channel Islands, S. 57 – 58; White, A short history of England, S. 85. 85 Société Jersiaise, Rolls of the Assizes 1309, S. 69 – 74. 86 Der Ursprung dieser Art von Petitionen liegt wahrscheinlich in dem Clameur d’Haro, einem normannischen Rechtsbehelf gegen Eigentumsverletzungen, Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 123 – 124; Le Geyt, La Constitution, Bd. 1, S. 294 – 296; umfassend hierzu Pissard, La Clameur de Haro dans le droit normand. Dieser Rechtsbehelf existiert bis heute auf allen Kanalinseln, wenn auch hinsichtlich der Formalitäten geringfügige lokale Unterschiede bestehen. Grundprinzip ist das folgende: Mit dem rituellen Ruf „Haro, Haro, Haro! A l’aide mon prince! On me fait tort!“, der kniend in Anwesenheit zweier Zeugen erfolgen und dem ein Vaterunser (auf Alderney und Guernsey in französischer Sprache) angefügt werden muss, kann sich ein (vermeintlich) Angegriffener quasi selbst eine einstweilige Verfügung schaffen, Ewen/ de Carteret, The Fief of Sark, S. 181; Le Gros, Traité du Droit Coutumier de l‘Ile de Jersey, S. 28 – 35; Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 63; Lemprière, Customs, Ceremonies and Traditions of the Channel Islands, S. 51 – 53; Peyroux, RIDC 1972, 367 (380 – 381); Poingdestre, Les Commentaires sur l‘Ancienne Coutume de Normandie, S. 30 – 31; Uttley, The story of the Channel Islands, S. 40 – 41. Der Angreifer muss seine Handlung einstellen und der Royal Court entscheidet in einem Eilverfahren über die Streitigkeit (vgl. für Jersey r. 10/4 Royal Court Rules 2004 (R. & O. No 161-2004)). Sprachwissenschaftlich liegt in dem Cri d’Haro vermutlich eine abgekürzte Anrufung des normannischen Herzogs Rollo, „Ha Rou“ oder „Ha Rollon“ zugrunde, Balleine‘s History of Jersey, S. 21; Berry, The history of the Island of Guernsey, S. 48. 87 Bois, A constitutional history of Jersey, Abschnitt 4/16; Havet, Les Cours Royales des Iles Normandes, S. 9 – 12, ein Abdruck der Petition fi ndet sich auf S. 228 – 233; Tardif, N. R. D. 1885, 155 (181 – 184). Noch heute werden Petitionen, zwar seltener an die Königin, jedoch regelmä- ßig an das jeweilige Inselparlament adressiert, Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 264 – 265. 88 Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 78. A. Geschichte 36 Die strategische Bedeutung der Kanalinseln lässt sich daran erkennen, dass sie weiterhin von England und Frankreich heftig umkämpft wurden: 1337 begann zwischen England und Frankreich der Hundertjährige Krieg. Ursache für diesen Krieg war der Streit um den englischen Festlandsbesitz in Frankreich. Ausgelöst wurde der Krieg durch den vom englischen König Eduard III. erhobenen Anspruch auf den französischen Thron nach dem Aussterben der Kapetinger in direkter Linie (1328), was zu einem Konfl ikt mit dem französischen König Philipp VI. (1328 – 1350) aus der kapetingischen Nebenlinie Valois führte.89 1338 belagerten und eroberten die Franzosen die Inseln Guernsey, Sark und Alderney.90 Sieben Jahre später gelang den Engländern die Rückeroberung Guernseys. Jedoch schon 1356 ging Guernsey wieder in die Hände der Franzosen über.91 Sark wurde 1340 von den Engländern zurückerobert, jedoch von 1343 bis 1347 wieder von den Franzosen besetzt.92 Jersey hielt trotz seit 1338 anhaltender Übergriffe Frankreichs der englischen Krone die Treue, weshalb Eduard III. in einer Charta 1341 die Gesetze und Privilegien Jerseys erneut anerkannte.93 Seit dieser und der im Jahr 1357 folgenden feierlichen Proklamierung der Privilegien bestätigte jeder englische Herrscher bei seiner Thronbesteigung die Rechte der Kanalinseln.94 Die Bewohner der Kanalinseln litten jedoch nicht nur unter den Kriegswirrungen, sondern auch unter der Schwarzen Pest, die 1347 die Inseln erreichte.95 1360 erhielten die Bewohner der Inseln eine kurze Ruhepause, als die Franzosen im Frieden von Brétigny alle Ansprüche auf die Kanalinseln aufgaben, während die Engländer im Gegenzug die Rechte des Bischofs von Coutances auf den Inseln anerkannten; jedoch schon 1369 nahmen die Franzosen ihre Kriegshandlungen wieder auf.96 V. Die Kanalinseln unter den Häusern Lancaster und York, von Heinrich IV. bis Richard III. Im Krieg zwischen England und Frankreich kam es nach anfänglichen englischen Erfolgen mit dem Eingreifen von Jeanne d’Arc zur kriegsentscheidenden Wende zugunsten Frankreichs (Aufhebung der Belagerung von Orléans und Krönung Karls VII. 89 Curry, The Hundred Years War, S. 32 – 58. 90 Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 23. 91 Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 80 – 81. 92 Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 23. 93 Bois, A constitutional history of Jersey, Abschnitt 8/8; Balleine‘s History of Jersey, S. 44 – 45. 94 Balleine‘s History of Jersey, S. 45; Bois, A constitutional history of Jersey, Abschnitt 8/9 – 8/125; Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 81; Peyroux, RGDIP 1972, 69 (73). 95 Lemprière, History of the Channel Islands, S. 33; Uttley, The story of the Channel Islands, S. 66. 96 Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 24; Lemasurier, Le droit de l‘Ile de Jersey, S. 81; Uttley, The story of the Channel Islands, S. 67. Auf Sark war der zerstörerische Effekt so gewaltig, dass die Insel von 1372 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts unbewohnt war, Ewen/de Carteret, The Fief of Sark, S. 23 – 24. 1. Teil: Einführung in das Rechtssystem der Kanalinseln

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Zusammenfassung

Wer sich für fremde Rechte und ihre Wurzeln interessiert, wird hier genauso auf seine Kosten kommen wie der Praktiker, der als Richter, Rechtsanwalt oder Notar Antworten auf konkrete Fragen über die Erbrechte der Kanalinseln sucht, für die es in Deutschland bislang noch keine systematische Darstellung gab.

Die Arbeit behandelt nach einem historischen Abriss das Erbrecht Jerseys und die Unterschiede in den Rechten des Bailiwick Guernsey (inklusive Alderney und Sark). Mit der systematischen Darstellung erschließen sich die inhaltlichen Regelungen, die sich oftmals von dem im deutschen Recht Gewohnten unterscheiden, von einem ganz anderen Rechtsverständnis ausgehen und bei denen auch die Termini andere sind. Dabei wird auch untersucht, inwieweit normannische Grundzüge heute noch fortwirken und sich in modernen Zeiten bewähren. Für den Rechtsanwender hilfreich sind der Abdruck einer Auswahl grundlegender Gerichtsentscheidungen der Kanalinseln sowie eine Aufzählung der wichtigsten einschlägigen Gesetze.