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Christoph Niemeyer, Inhaber von vorrangig zu befriedigenden Forderungen (crediti prededucibili) in:

Christoph Niemeyer

Gläubigerbeteiligung im Regelinsolvenzverfahren, page 132 - 132

Eine rechtsvergleichende Untersuchung zum deutschen und italienischen Recht

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4216-8, ISBN online: 978-3-8452-1579-2 https://doi.org/10.5771/9783845215792

Series: Schriften zum Insolvenzrecht, vol. 33

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132 Forderungen aus dem Verkauf solcher Sachen beziehen.696 Es genießt nach Art. 46 Abs. 4 t.u. i.V.m. Art. 2777 Abs. 3 Codice civile einen relativ hohen Rang, dem nur die Justizkosten und wenige andere Privilegien vorangestellt sind.697 II. Insolvenzgläubiger (creditori chirografari) Nicht bevorrechtigte Gläubiger (creditori chirografari) sind die Gläubiger, die über keine Sicherungen verfügen. Zu solchen gehören insbesondere die Lieferanten des insolventen Unternehmens.698 III. Inhaber von vorrangig zu befriedigenden Forderungen (crediti prededucibili) Die Inhaber der Forderungen, die nach dem Gesetz vorrangig sind oder die anlässlich des Insolvenzverfahrens entstehen, werden nach Art. 111 Abs. 1 Nr. 1 LF vorrangig vor allen anderen Gläubigern, also grundsätzlich auch vor den gesicherten Gläubigern befriedigt. Zu solchen Forderungen gehören etwa die, die bei Fortführung des Unternehmens entstehen (vgl. Art. 104 Abs. 8 LF), Kosten der von dem Verwalter geführten Rechtsstreitigkeiten und die Verfahrenskosten.699 Nach Art. 111-bis LF müssen auch die crediti prededucibili grundsätzlich nach den Art. 93 ff. LF festgestellt werden. Um die Befriedigung von Inhabern solcher Forderungen auf das Insolvenzverfahren zu konzentrieren, bestimmt Art. 51 LF, dass sie keine Klage oder Vollstreckungshandlung gegenüber der Insolvenzmasse vornehmen dürfen.700 IV. Inhaber von dinglichen Rechten (titolari di diritti reali) Das Gesetz unterscheidet Gläubiger („creditori“) und Inhaber von dinglichen Rechten („titolari di diritti reali bzw. su beni e immobili di proprietà o in possesso del fallito“), vgl. etwa Art. 89 Abs. 1, 93 Abs. 6, 95 Abs. 1 LF.701 Obwohl auch Letztere 696 Zu Einzelheiten vgl. Greving, Der Treuhandgedanke bei Sicherungsübertragungen im italienischen und deutschen Recht, S. 152 ff.; Lo Cascio, Il fallimento 2005, S. 594 (606 ff.). 697 Greving, Der Treuhandgedanke bei Sicherungsübertragungen im italienischen und deutschen Recht, S. 151 f.; vgl. im Einzelnen Grossi, La riforma della legge fallimentare, S. 1536. 698 Minutoli, in: Ferro/Nappi (Hrsg.), Le insinuazioni al passivo, S. 127. 699 Zu weiteren Beispielen vgl. Limitone, in: Ferro/Nappi (Hrsg.), Le insinuazioni al passivo, S. 116; Silvestrini, in: Nigro/Sandulli (Hrsg.), La riforma della legge fallimentare, II, S. 679 f. 700 Vgl. Marelli, in: Jorio/Fabiani (Hrsg.), Il nuovo diritto fallimentare, I, S. 767; Sorci, in: Terranova (Hrsg.), La nuova legge fallimentare,, S. 201; Tiscini, in: Terranova (Hrsg.), La nuova legge fallimentare, S. 94. 701 Siehe auch Kindler, Italienisches Handels- und Wirtschaftsrecht, S. 361.

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Zusammenfassung

Die umfassende Gläubigerbeteiligung hat eine lange Tradition im deutschen Insolvenzrecht. In der Praxis beteiligen sich die Gläubiger jedoch häufig nicht. Dieser Umstand und unausgewogene Entscheidungen der Gläubiger können das Verfahrensziel, die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger, gefährden. Die Untersuchung vergleicht die Gläubigerbeteiligung nach der deutschen Insolvenzordnung mit der durch das decreto legislativo 9 gennaio 2006, n. 5 und das decreto legislativo 12 Settembre 2007, n. 169 reformierten legge fallimentare. Die Arbeit erörtert umfassend aktuelle juristische Fragen. Der rechtsvergleichende Teil bezieht Ansätze der ökonomischen Analyse des Rechts und der Verhaltensökonomik ein, um konkrete Änderungsvorschläge zu erarbeiten.