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Sascha Ziemann, Vorwort in:

Sascha Ziemann

Neukantianisches Strafrechtsdenken, page 5 - 6

Die Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus und ihre Rezeption in der Strafrechtswissenschaft des frühen 20. Jahrhunderts

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4210-6, ISBN online: 978-3-8452-1595-2 https://doi.org/10.5771/9783845215952

Series: Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie, vol. 53

Bibliographic information
5 Vorwort Die vorliegende Arbeit wurde im Sommersemester 2008 vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main als Dissertationsschrift angenommen. Die Arbeit wurde für die Druckfassung geringfügig überarbeitet. Den ersten Anstoß erhielt die Arbeit durch ein Gemeinschaftsseminar von Prof. Dr. Ulfrid Neumann und Prof. Dr. Klaus Günther über die »Rechtsphilosophie des Neukantianismus« aus dem Wintersemester 2000/01, in dem ich mich mit Max Ernst Mayers Schrift »Rechtsnormen und Kulturnormen« von 1903 zu befassen hatte. Die Entdeckung von Vorlesungsmitschriften Mayers im Handapparat von Prof. Dr. Cornelius Prittwitz, an dessen Lehrstuhl ich damals als Hilfskraft tätig sein durfte, entzündeten bei mir ein tiefes Interesse am Autor Max Ernst Mayer, der – wie sich bald herausstellte – in den frühen 1920er Jahren Professor an der Frankfurter Universität gewesen war und in der Fachwelt so gut wie vergessen war. Die Seminararbeit wuchs sich schnell zu einer Materialsammlung zu Leben und Werk des vergessenen Strafrechslehrers aus. Prof. Dr. Wolfgang Naucke war es dann zu verdanken, dass diese Fülle von Materialien in publizistische Form gegossen wurde und in Gestalt eines biobibliographischen Aufsatzes im Jahrbuch der Juristischen Zeitschichte der Fachöffentlichkeit übergeben werden konnte (»Max Ernst Mayer [1875–1923]. Materialien zu einer Biographie«, Bd. 4, 2002/2003, S. 395–425). Dass die vorliegende Arbeit letzten Endes weit über das biographische Interesse an Max Ernst Mayer hinausging und sich zudem nicht auf eine historische Rekonstruktion der Südwestdeutschen Schule des Neukantianismus beschränkte, sondern diesen auch argumentativ nachzuvollziehen suchte, hat sich erst spät herauskristallisiert. Mein Dank gilt zunächst meinem Doktorvater, Prof. Dr. Ulfrid Neumann, der mich von Anfang an gefördert hat und an dessen Lehrstuhl ich schöne und erfahrungsreiche Jahre verbringen durfte. Die Beschäftigung an seinem Lehrstuhl war condicio sine qua non für die Entstehung der vorliegenden Arbeit. Prof. Dr. Klaus Günther danke ich für die Erstellung des Zweitgutachtens sowie für die langjährige Förderung meiner rechtsphilosophischen Interessen. Prof. Dr. Cornelius Prittwitz und Prof. Dr. Klaus Lüderssen verdanke ich frühe Förderung während meiner Studienzeit. Prof. Dr. Frank Saliger (Hamburg) danke für die vielen wichtigen und ermutigenden Gespräche, die ich mit ihm in der Spätschicht führen durfte. Privatdozent Dr. Jochen Bung, Dr. Jens Dallmeyer und Dr. Lutz Eidam (Hamburg) danke ich für ihre Freundschaft und ihre stets unerschütterliche Bereitschaft zum geistigen Gedankenaustausch. Wichtige Gespräche führte ich zudem mit Prof. Dr. Wolfgang Naucke, Prof. Dr. Stanley L. Paulson (St. Louis und Kiel) und Dr. Friederike Wapler (Göttingen). Für die Vorwort 6 Aufnahme der Arbeit in die Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie danke ich den Herausgebern Prof. Dr. Robert Alexy und Prof. Dr. Ralf Dreier. Wer mich kennt, weiß, dass die vorliegende Arbeit nicht das Produkt einsamen wissenschaftlichen Forschens ist, sondern – im Gegenteil – durchweg im produktiven Lärm des Frankfurter Juridicums entstanden ist. Ich wage es kaum, einzelne Namen aus dem großen Chor der Freunde und Kollegen herauszuheben und entschuldige mich schon im Voraus für ein etwaiges pflichtwidriges Unterlassen. Stellvertretend seien genannt: Vera Backhaus, Dr. Denis Basak, Anna Beckers, Frauke Drews, Dr. Dirk Hartmann, Rechtsanwältin Cordula Heldt, Isabell Hensel, Dr. Malte-Christian Gruber, Nadine Ischdonat, Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano, Rechtsanwalt Andreas Maurer, Anna von Oettingen, Soo-Hyun Oh, Agata Pawlukiewicz, Dr. Lisa Kathrin Sander, Rebecca Schmidt, Rechtsanwältin Anna Izzo-Wagner, Dr. Jörg Ziethen. Gewidmet sei dieses Buch meinen lieben Eltern Wolfgang und Jutta sowie meinen lieben Schwestern Jasmin und Karina. Frankfurt am Main, im Herbst 2008 Sascha Ziemann

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Zusammenfassung

Die Zeit zwischen 1900 und 1933 gilt vielen als eine Glanzperiode strafrechtlicher Begriffs- und Systembildung, die trotz ihres gewaltsamen Endes bis heute den exzellenten Ruf der deutschen Strafrechtsdogmatik in aller Welt nährt. Ein Garant hierfür war die erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fundierung, die nach einem Weg zwischen den Klippen des naiven Naturalismus oder Formalismus suchte und sich vor allem mit der Philosophie des Südwestdeutschen Neukantianismus verbindet. Die Zusammenhänge eines „neukantianischen Strafrechtsdenkens“ liegen jedoch noch immer weitgehend im Dunkeln.

Die Arbeit stößt in diese Forschungslücke. Sie beginnt mit der Rekonstruktion des wertphilosophischen Begründungsprogramms des Neukantianismus. Im Mittelpunkt steht die These, dass Wertungen, obwohl sie auf den ersten Blick subjektiv und relativ erscheinen, doch implizit mit einem Anspruch auf objektive und absolute Geltung auftreten.

Die weiteren Ausführungen widmen sich der strafrechtlichen Umsetzung dieser These, wobei nachgewiesen wird, dass sie mit einer tiefgreifenden Transformation verbunden war, welche die gemeinhin behauptete neukantianische Prägung in einem differenzierteren Licht erscheinen lässt.