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Lina Barbara Böcker, Computerprogramme als Informationsgüter in:

Lina Barbara Böcker

Computerprogramme zwischen Werk und Erfindung, page 71 - 71

Eine wettbewerbsorientierte Analyse des immaterialgüterrechtlichen Schutzes von Computerprogrammen unter besonderer Berücksichtigung von Open Source-Software

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4188-8, ISBN online: 978-3-8452-1950-9 https://doi.org/10.5771/9783845219509

Series: Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspolitik, vol. 229

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71 dem Modell einhergehen. Darüber hinaus wird keine eigene IT-Infrastruktur mehr benötigt. C. Ökonomische Eigenschaften von Computerprogrammen Computerprogramme weisen ökonomische Besonderheiten auf, die beim immaterialgüterrechtlichen Schutz berücksichtigt werden müssen. Dies gilt vor allem in Bezug auf eine wettbewerbs- und freihandelskonforme Ausgestaltung des Schutzes, vgl. Drittes Kapitel, A.232 I. Computerprogramme als Informationsgüter Computerprogramme sind Informationsgüter,233 d. h. die gehören zu den Gütern die „digitalisiert werden können“.234 Sie zeichnen sich durch die in den folgenden Abschnitten beschriebenen Besonderheiten aus. II. Netzwerkeffekte und Standardisierungstendenzen Zu den wesentlichen Besonderheiten auf Märkten für Computerprogramme gehören die starken Netzwerkeffekte auf der Nachfrageseite („demand-side economies of scale“, „Netzwerkexternalitäten“). Mit ihnen einher gehen ebenso starke Konzentrationstendenzen auf der Angebotsseite des Marktes. Netzwerkeffekte äußern sich in einem Anstieg des Nutzens des Gutes, je weiter es verbreitet ist. Mit zunehmender Nutzeranzahl steigt sein Wert für den Einzelnen („positive feedback“).235 Derartige Netzwerkeffekte sind ein entscheidendes Merkmal digitaler Informationsgüter.236 Die Käuferentscheidung richtet sich bei solchen Produkten nicht nur nach der Qualität der Ware (sog. Basisnutzen237), sondern auch und häufig sogar in erster Linie 232 Vgl. Ullrich, GRUR Int. 1996, 555, insb. 564ff. 233 Wörtlich übersetzt bedeutet Information „in eine Form oder Gestalt bringen“. Diese Bedeutung gilt allerdings nur in der Biologie. 234 Shapiro/Varian, Information rules, 1999, S. 3. 235 „Products for which the utility that a user derives from consumption of the good increases with the number of other agents consuming the good.” Katz/Shapiro, American Economic Review 75 (1985), Nr 3, S. 424. Vgl. a. v. Westernhagen, Zugang zu geistigem Eigentum nach europäischem Kartellrecht, 2006, S. 62. 236 Fichert, Wettbewerbspolitik im digitalen Zeitalter, 2002, S. 2. 237 Mit der Bezeichnung „Basisnutzen“ wird teilweise auch der so genannte Stand-alone-Nutzen bezeichnet, also der Nutzen, den das Produkt für den Anwender hat, wenn er es als einziger nutzt, vgl. v. Engelhardt, Die ökonomischen Eigenschaften von Software, 2006, S. 4. Dieser Alleinstellungsnutzen kann bei bestimmten Computerprogrammen Null betragen, etwa bei Messengerprogrammen oder Emailclients.

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Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit will langjährige Missverständnisse und Schwierigkeiten des immaterialgüterrechtlichen Schutzes von Computerprogrammen endgültig ausräumen. Die Betrachtung aus wettbewerbsorientiertem Blickwinkel auf der Grundlage der technischen und ökonomischen Besonderheiten ist – soweit ersichtlich – die erste Untersuchung, die sowohl das Urheber- als auch das Patentrecht einbezieht und dabei eine umfassende Neuregelung vorschlägt.

Dr. Lina Barbara Böcker befasst sich im Rahmen ihrer Tätigkeit am Institut für Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Regulierungsrecht an der Freien Universität Berlin in erster Linie mit wettbewerbsrechtlichen Problemen des Immaterialgüterrechtsschutzes und allgemeinem Zivilrecht.