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Christian Becker, »Additive Mittäterschaft« im Besonderen nach Schild in:

Christian Becker

Das gemeinschaftliche Begehen und die sogenannte additive Mittäterschaft, page 73 - 73

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4174-1, ISBN online: 978-3-8452-1326-2 https://doi.org/10.5771/9783845213262

Series: Nomos Universitätsschriften - Recht, vol. 612

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73 gründung neuen Gewahrsams teilbar sei, sowie die Verwirklichung eines Tötungsdeliktes durch mehrere Giftgaben.202 3. »Additive Mittäterschaft« im Besonderen nach Schild Schild lehnt die Figur der »additiven Mittäterschaft« generell ab.203 Er schließt die Unzulässigkeit diese Rechtsfigur als Form der Mittäterschaft daraus, dass es bei der Mittäterschaft, ebenso wie bei anderen Täterschaftsformen, stets um ein das Handlungsprogramm jedes Einzelnen betreffendes Handlungsunrechtsproblem gehe, womit eine nachträgliche Zusammenfügung der einzelnen Tatbeiträge zu einer »Kollektivtat« ausscheide.204 Bei der »additiven Mittäterschaft« sei zwar ein Tatentschluss hinsichtlich eines gemeinschaftlichen Attentats gegeben, nicht aber hinsichtlich eines gemeinschaftlichen Tötens, da vielmehr jeder Einzelne die Tötungshandlung alleine vornehmen solle.205 Für das als »Gesamtprojekt« vorhandene, gemeinschaftliche Attentat fehle es an einem Straftatbestand.206 Das Abstellen der herrschenden Lehre auf die Risikoerhöhung sei unzulässig, da auch der Teilnehmer grundsätzlich das Risiko erhöhe und darüber hinaus, nähme man alleine die Risikoerhöhung als maßgeblich an, bereits unmittelbare Alleintäterschaft bejaht werden müsste.207 Außerdem ist nach der Auffassung von Schild die Risikoerhöhung keine Voraussetzung von Mittäterschaft. Vielmehr sei auch derjenige Mittäter, der von der Bande nur zu Lernzwecken mitgenommen werde und aufgrund seiner Unerfahrenheit das Risiko eines Gelingens der Tat eher vermindere.208 4. Kritik Die Ausführungen von Schild zu den §§ 25 ff. sind sehrt umfangreich und konnten hier nur in ihren Grundzügen dargestellt werden. Gleichwohl sollte die vorstehende Darstellung genügen, um eine Auseinandersetzung mit der von Schild entwickelten Auffassung zur »additiven Mittäterschaft« zu ermöglichen. Es soll dabei nicht unerwähnt bleiben, dass zum einen in Teilaspekten erhebliche Übereinstimmungen mit der von Schild vertretenen Auffassung und dem hier noch zu Entwickelnden bestehen, dass aber zum anderen die Zusammenhänge und die Sy- 202 NK – Schild Vorbem §§ 25 Rn. 347. 203 Vgl. NK – Schild Vorbem §§ 25 Rn. 247 und 303; sowie § 25 Rn. 85. und 94. 204 A.a.o. Rn. 163. 205 A.a.o. Rn. 247. 206 NK – Schild § 25 Rn. 94. 207 NK – Schild Vorbem §§ 25 ff. Rn. 247; zur Frage der Risikoerhöhung eingehend oben A. II. 2. 208 NK – Schild § 25 Rn. 85.

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Zusammenfassung

Das Werk behandelt die Abgrenzung von Mittäterschaft und Teilnahme, eine angesichts der Verbreitung des Tatherrschaftsgedankens rückläufige Diskussion. Losgelöst vom Begriff „Tatherrschaft“ wird die Mittäterschaft – anhand der sog. „additiven Mittäterschaft“ – konsequent auf ihre gesetzliche Regelung in § 25 Abs. 2 StGB zurückgeführt. Die entwickelte Lösung, eine teilweise Renaissance der formal-objektiven Theorie, mag dem Einwand fehlender argumentativer Flexibilität und somit mangelnder Praxistauglichkeit ausgesetzt sein. Demgegenüber steht die Rückbesinnung auf eine echte Tatbestandsbezogenheit, die den dahinterstehenden verfassungsrechtlichen Garantien die notwendige Geltung verschafft.