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Christian Becker, Mittäterschaft nach Puppe im Allgemeinen in:

Christian Becker

Das gemeinschaftliche Begehen und die sogenannte additive Mittäterschaft, page 64 - 64

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4174-1, ISBN online: 978-3-8452-1326-2 https://doi.org/10.5771/9783845213262

Series: Nomos Universitätsschriften - Recht, vol. 612

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64 VI. Die »additive Mittäterschaft« bei Puppe Auch bei Puppe finden sich Ausführungen, welche die hier untersuchte Problematik betreffen. Wenngleich sie keine ausführliche Auseinandersetzung mit der »additiven Mittäterschaft« enthalten, sondern diese Fallgruppe eher am Rande streifen, sollen sie hier dargestellt und gewürdigt werden. 1. Mittäterschaft nach Puppe im Allgemeinen Nach Puppe besteht die Rechtfertigung für die täterschaftliche Strafbarkeit jedes Mittäters darin, dass alle Beteiligten zusammen im Verhältnis zueinander als gegenseitige Anstifter anzusehen seien.159 Bei der gemeinsamen Ausführung einer Tat durch mehrere Beteiligte werde jeder Einzelne zumindest auch dadurch motiviert, dass der jeweils andere seinen Tatbeitrag zugesagt habe.160 Die Begehung der Tat durch mehrere gemeinschaftlich sei durch eine erhöhte Gefährlichkeit gekennzeichnet, da mehrere Mittäter physisch mehr ausrichten und sich leichter an veränderte Situationen anpassen könnten.161 Da es in diesem Zusammenhang auf die tatsächlich stattfindende gemeinsame Tatausführung ankomme, sei neben der gegenseitigen Anstiftung eine gleichberechtigte Teilhabe des Einzelnen an der Tatausführung erforderlich.162 Die Möglichkeit einer gegenseitigen Anstiftung ist nach dem ganz herrschenden Begriff der Anstiftung ausgeschlossen. Hiernach ist der Anstifter derjenige, der die erste Anregung zur Tat gibt.163 Bei diesem Verständnis ist die Beziehung zwischen Anstifter und Haupttäter asymmetrisch. Von zwei Personen kann nur einer der Anstifter des anderen sein, nicht aber gleichzeitig umgekehrt.164 Puppe geht jedoch von einem abweichenden Anstiftungsbegriff aus. Hiernach genügt nicht schon das Hervorrufen des Tatentschlusses durch eine einmalige Einwirkung. Vielmehr sei ein den Täter faktisch bindender Unrechtspakt erforderlich, der ihm die Aufgabe des Tatplanes maßgeblich erschwere.165 2. Mittäterschaft nach Puppe und »additive Mittäterschaft« Welche Lösung Puppe für die Fälle der »additiven Mittäterschaft« vertritt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Dies liegt vor allem daran, dass die hier unter- 159 Puppe GA 1984,101 (119) Fn. 58; dies. Spinellis – FS S. 917 ff. 160 A.a.o. S. 919. 161 Puppe ZIS 2007, 234 (236). 162 Puppe Spinellis – FS S. 920. 163 Vgl. etwa Jeschek / Weigend § 64 II. c); Lackner / Kühl § 26 Rn. 2; Tröndle / Fischer § 26 Rn. 2. 164 Vgl. Puppe ZIS 2007, 234 (235). 165 Puppe GA 1984, 101 (112).

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Zusammenfassung

Das Werk behandelt die Abgrenzung von Mittäterschaft und Teilnahme, eine angesichts der Verbreitung des Tatherrschaftsgedankens rückläufige Diskussion. Losgelöst vom Begriff „Tatherrschaft“ wird die Mittäterschaft – anhand der sog. „additiven Mittäterschaft“ – konsequent auf ihre gesetzliche Regelung in § 25 Abs. 2 StGB zurückgeführt. Die entwickelte Lösung, eine teilweise Renaissance der formal-objektiven Theorie, mag dem Einwand fehlender argumentativer Flexibilität und somit mangelnder Praxistauglichkeit ausgesetzt sein. Demgegenüber steht die Rückbesinnung auf eine echte Tatbestandsbezogenheit, die den dahinterstehenden verfassungsrechtlichen Garantien die notwendige Geltung verschafft.