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Christoph Wolf, Öffentliche Güter, Marktversagen und „Property Rights“ in:

Christoph Wolf

Vertikale Kontrolle durch Immaterialgüterrechte, page 31 - 36

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4170-3, ISBN online: 978-3-8452-1768-0 https://doi.org/10.5771/9783845217680

Series: Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspolitik, vol. 230

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31 rechtliche Schutz verloren. Erkennt man dem Immaterialgüterrecht etwa keine vertikale Kontrolle zu, sondern hält nur die Nutzung im Horizontalverhältnis für schützenswert, schafft man das Eigentumsrecht zu Gunsten eines reinen wettbewerblichen Leistungsschutzes ab.86 Andererseits ist der durch subjektive Rechte gewährte Freiheitsbereich notwendig durch andere Freiheitsbereiche begrenzt. Dies kann etwa der möglicherweise ebenfalls durch ein subjektives Recht gleicher Art geschützte Freiheitsbereich sein, etwa das Recht eines Erfinders einer Verbesserung im Verhältnis zur Grunderfindung. Dies kann aber auch die „einfache“ wirtschaftliche Freiheit von anderen Marktteilnehmern sein, irgendeine Leistung in Bezug auf ein Immaterialgut anzubieten, etwa es gebraucht zu verkaufen. Die Kritik an der „Eigentumslogik“ ist daher keine Kritik am System der Eigentumsrechte selbst. Sie will das offene System der Eigentumsrechte nicht durch eine Zuweisung konkreter Nutzungsbefugnisse an Immaterialgütern ersetzen. Vielmehr will sie eine genauere Untersuchung und Abgrenzung von Freiheitsbereichen, im Bewusstsein, dass die durch das subjektive Recht gewährte Freiheit nicht alleine steht, sondern gegebenenfalls auch hinter anderen Freiheitsbereichen oder gar der kompletten Offenhaltung eines Bereichs wirtschaftlicher Betätigung zurücktreten muss.87 Aus utilitaristischer Sicht kann dies als Beschränkung eines individuellen Interesses zugunsten eines überindividuellen Interesses gerechtfertigt sein. Doch auch aus deontologischer Perspektive ist eine „Eigentumslogik“ nicht zwingend hinzunehmen; schließlich soll ein System gleicher Freiheiten geschaffen werden. Eine „Eigentumslogik“ birgt aber die Gefahr in sich, dass die konkret – nämlich in Bezug auf den Leistungsgegenstand – geschützte Freiheit eines Schutzrechtsinhabers und die „einfache“ Freiheit anderer Marktteilnehmer gegeneinander ausgespielt werden. Diesem Problem kann nur begegnet werden, wenn anerkannt wird, dass Schutzrechten kein prinzipieller Vorrang vor anderen Freiheitsbereichen zukommt. Es geht vielmehr stets darum, zu ermitteln, wo der absolute Schutz von Rechtspositionen aufhört und der relative, vor allem der lauterkeitsrechtliche, Schutz beginnt. II. Öffentliche Güter, Marktversagen und „Property Rights“ Das Verhältnis von Freiheit und Schutzrecht erhellt sich weiter, wenn man die zugrunde liegende Regelungsproblematik aus ökonomischer Sicht betrachtet. Dabei ergibt sich das Regelungsproblem im Immaterialgüterschutz aus den Eigenschaften von Immaterialgütern. Ungeschützte Immaterialgüter, wie Erfindungen oder Werke, nicht jedoch Marken,88 haben die Eigenschaften öffentlicher Güter.89 Öffentliche 86 Vgl. zu einem solchen Schutz Schricker in: Schricker (Hrsg.), Einl. Rdnrn. 40 ff. m.w.N. 87 Vgl. zu den betroffenen Freiheitsbereichen vor allem die Debatte um die enge oder weite Auslegung der Schranken im Urheberrecht, hierzu vor allem Geiger, GRUR Int. 2004, 815 ff.; Hoeren, MMR 2000, 3 ff.; Kröger, MMR 2002, 18 ff. 88 Zu den hiervon abweichenden ökonomischen Eigenschaften der Marke s. Teil 1 B. V. 32 Güter zeichnen sich, im Gegensatz zu privaten Gütern, durch Nicht-Rivalität im Konsum und Nicht-Exklusivität im Angebot aus.90 Nicht-Rivalität bedeutet, dass der Nutzen, den eine Person durch den Konsum des Gutes hat, nicht durch den Konsum durch eine andere Person verringert wird. Immaterielle Güter, wie Wissen oder reine Informationen, sind daher nicht knapp, da sie nicht verbraucht werden können.91 Nicht-Exklusivität bedeutet, dass es faktisch nicht möglich ist, andere Personen von der Nutzung des Gutes auszuschließen bzw. dass die Kosten für einen solchen Ausschluss prohibitiv hoch sind.92 Unter Annahme individueller Nutzenmaximierung93 führen diese Eigenschaften zu Trittbrettfahrerverhalten: Es besteht der Anreiz entsprechende Güter zu nutzen ohne sich an den Kosten ihrer Bereitstellung zu beteiligen.94 Abweichungen ergeben sich bei der Marke: Die Marke ist kein öffentliches, sondern ein rivalisierendes Gut.95 Sie erfüllt ihre Funktion nur, wenn sie ein einziges Angebot auf dem Markt identifiziert. Daher wird ihr sozialer Wert beeinträchtigt, wenn sie von einem weiteren Anbieter genutzt wird. Der soziale Wert der anderen immateriellen Güter bleibt bei der gleichzeitigen Nutzung durch andere jedoch bestehen. Gemindert wird bei ihnen nur der private Wert. Die Nicht-Exklusivität führt bei Immaterialgütern dazu, dass Dritte als Anbieter von Kopien96 zum Erfinder oder Urheber in Konkurrenz treten können. Welche Folgen dies hat, ergibt sich aus der Nicht-Rivalität in der Nutzung eines öffentlichen Gutes. Diese bewirkt, dass die Nutzung des Gutes gar keine oder nur unerhebliche Grenzkosten verursacht.97 Dies trifft auch auf immaterielle Güter, z.B. Informatio- 89 Benkler, Int’l Rev. L. & Econ. 22 (2002), 81, 83; Heinemann, S. 16; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 72; Landes/Posner, 18 J. Legal Stud. 325, 326 (1989); Lemley, 83 Tex. L. Rev. 1031, 1050 f. (2005); Merges/Menell/Lemley, S. 12; Mestmäcker/Schweitzer, § 28 Rdnr. 2; Ullrich/Heinemann in: Immenga/Mestmäcker (Hrsg.), EG, GRUR B. Rdnr. 22; Peukert in: Hilty/Peukert (Hrsg.), S. 11, 12 ff. Dagegen kritisiert Yoo, 155 U. Pa. L. Rev. 635 ff. (2007) die Einordnung von Immaterialgütern als öffentliche Güter im Bereich des Copyrights. Treffender sei eine Einordnung als „impure public goods“, s. hierzu auch Fn. 117. Zur einer noch differenzierteren Einordnung geistiger Werke in das Güterspektrum s. Walterscheid in Fechner (Hrsg.), S. 96, 111 ff. 90 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 284; Blankart, S. 59 f.; Fehl/Oberender, S. 512 f. 91 Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 72 f. 92 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 284 f. Fn. 1483; Blankart, S. 59; Fehl/Oberender, S. 513 f. 93 Vgl. zu dieser Annahme und ihren Implikationen für die Rechtsanwendung Schäfer/Ott, S. 3 und 57 ff. 94 Blankart, S. 61; Fehl/Oberender, S. 514. 95 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 91, Fn. 375; Landes/Posner, S. 172. Im Folgenden soll auf die speziellen Eigenschaften der Marke als rivalisierendes Gut nur eingegangen werden, wenn sich Abweichendes zum öffentlichen Gut bzw. zum Urheber- und Patentrecht ergibt. 96 Der Begriff Kopien soll hier umfassend für Nachbildungen eines immateriellen Gutes und nicht nur für solche urheberrechtlich relevanter Güter verwendet werden. 97 Fritsch/Wein/Ewers, S. 365; Blankart, S. 60. 33 nen, zu.98 Allerdings muss nun zwischen dem Informationsgut und dem Informationsträger unterschieden werden.99 Die Kosten für die Vervielfältigung des Informations- oder Immaterialguts bestehen aus den Kosten für den Informationsträger und aus den Kosten für die Ablösung des Informationsgutes vom alten Träger und die Kombination mit dem neuen Träger.100 Im Extremfall kann ein Dritter also Kopien zu diesen Kosten, also zu seinen Grenzkosten, anbieten.101 Der ursprüngliche Produzent des immateriellen Gutes hat jedoch auch Forschungs- und Entwicklungskosten für das Gut zu tragen.102 Wenn die Konkurrenten zu Grenzkosten verkaufen, wird er diese jedoch nicht wieder einspielen können, da er diese Kosten im Wettbewerb mit den Konkurrenten nicht auf den Preis umlegen kann.103 Aus Sicht des nutzenmaximierenden Unternehmers sinkt daher der Anreiz zur Produktion von Gütern mit diesen Eigenschaften.104 Diese Situation lässt sich als Marktversagen deuten.105 Der Produzent des immateriellen Gutes kann seine Entwicklungskosten bei einem Verkauf zu Grenzkosten nicht wieder einspielen. Sein Preis liegt damit über den Grenzkosten. Der Konsument kann das Gut aber zumindest von den Nachahmern zu Vervielfältigungskosten bzw. Grenzkosten beziehen. Damit bezahlt er nur die Vervielfältigung. Sein Preis für das immaterielle Gut selbst ist dann aber Null. In dieser Situation versagt der Markt, weil sich Anbieter und Nachfrage wegen unterschiedli- 98 Boyle, 53 Vand. L. Rev. 2007, 2013 (2000); Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 72 f.; Lemley, 83 Tex. L. Rev. 1031, 1053 f. (2005). 99 Pethig, JITE 144 (1988), 462, 463; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 72. 100 Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 74. Die Kombination mit einem neuen Informationsträger und die entsprechenden Kosten entfallen, wenn das Gut ohne Träger verbreitet wird, wie es etwa bei digitalen Gütern über das Internet möglich ist. 101 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 286; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 73 f.; Landes/Posner, 18 J. Legal Stud. 325, 326 (1989); dies. 2003, S. 40. Ob die Grenzkosten, für den Kopisten konstant sind oder mit der Stückzahl ansteigen, wurde im Rahmen der ökonomischen Analyse des Urheberrechts diskutiert. Hinsichtlich dieser Annahme unterschiedliche Modelle liefern Landes/Posner, 18 J. Legal Stud. 325, 333 f. (1989) (steigende Grenzkosten) und Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 81 f. (konstante Grenzkosten). Vgl. zu diesem Problem und seinen Auswirkungen Reich, S. 157 ff. Kitch, 53 Vand. L. Rev. 1727, 1736 f. (2000) weist zudem darauf hin, dass die Grenzkosten höher sind, wenn sämtliche Kosten miteinbezogen werden, die anfallen, um die Kopie auf den Markt zu bringen. 102 Diese Kosten sind versunkene oder verlorene Kosten, da sie nicht zurückgewonnen werden können, Harabi in: Harabi, S. 61, 86; Varian, S. 430. Im technologischen Bereich beinhalten diese Kosten auch die Ausgaben für fehlgeschlagene Forschungsprojekte, Bishop/Lofaro/Rosato/Young, S. 59, Fn. 119. 103 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 287; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 74 f.; Lemley, 83 Tex. L. Rev. 1031, 1054 f. (2005); Posner, Economic Analysis of Law, S. 38; Schäfer/Ott, S. 617. 104 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 287; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 74 f.; Lemley, 75 Texas Law Review 989, 994 (1997); Mestmäcker/Schweitzer, § 28 Rdnr. 10; Posner, Economic Analysis of Law, S. 38. 105 Vgl. zur Theorie des Marktversagens Blankart, S. 58 ff. 34 cher Preisvorstellungen nicht finden, wie es in einem Marktsystem, das auf freiwilligem Tausch beruht, notwendig ist.106 Warum ein potentieller Innovator oder Urheber in dieser Situation von Investitionen abgehalten wird, lässt sich auch spieltheoretisch darstellen.107 Ein entsprechendes Modell hat die Form eines Gefangenendilemmas.108 Man geht von zwei potentiellen Innovatoren109 aus, wobei beide vor der Entscheidung stehen, in Abwesenheit von immaterialgüterrechtlichem Schutz in die Generierung einer Idee oder Innovation zu investieren. Für jeden Spieler ist es dabei besser, wenn nur der andere investiert. In diesem Fall muss der Spieler keinen Aufwand für die Hervorbringung des Gutes betreiben, kann es aber nutzen, nachdem der andere es geschaffen hat. Zwar würde sich jeder Spieler besser stellen, wenn er selbst das Gut hervorbringt und es dann nutzt. Aus Furcht dass der andere jedoch nichts hervorbringt und das jeweils andere Gut nutzt, wird am Ende jedoch keiner der beiden den Aufwand für eine Innovation betreiben.110 Spieltheoretisch ist diese Situation ein Nash-Gleichgewicht. In dieser Situation hat kein Spieler unter Berücksichtigung der Interaktion mit den anderen Spielern den Anreiz, anders zu spielen, um besser gestellt zu werden.111 Das Gleiche gilt im Verhältnis von Innovator zum Abnehmer. Beide wären besser gestellt, wenn die Innovation hervorgebracht und verkauft würde. Aus Furcht vor der Aneignung der Innovation durch den Abnehmer ohne Zahlung wird der Hersteller diese aber nicht realisieren.112 Sowohl unter dem Aspekt des Marktversagens als auch aus spieltheoretischer Sicht lässt sich die beschriebene Problematik durch die Zuweisung von „property rights“ lösen.113 Durch ein Schutzrecht wird das öffentliche Gut zum privaten Gut, 106 Blankart, S. 61; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 74 f. Das gilt jedoch nur für die Hervorbringung neuer immaterieller bzw. öffentlicher Güter. Vorhandene öffentliche Güter werfen dagegen keine Probleme auf, vgl. Blankart, S. 61. 107 Die folgende – nicht-formale – Darstellung des entsprechenden Modells beruht auf Engel, S. 3 ff., der hierzu auch den formalen Nachweis liefert. Eine ähnliche Darstellung liefert Gordon in: Can/Tushnet (Hrsg.), S. 617, 640 f. und Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 859 ff. (1992). Engel nutzt dieses Modell um anhand der spieltheoretischen Modellierung die Grenzen des Anreizarguments aufzuzeigen, s. Engel, S. 8 ff. 108 Die gleiche Situation besteht allgemein vor der Zuweisung von „property rights“ („Tragedy of the commons“), vgl. Behrens, S. 117; Baird/Gertner/Picker, S. 33 f. und S. 188 ff.; Schäfer/Ott, S. 560. 109 Das Modell ist auf patentrechtliche Erfindungen und urheberrechtliche Schöpfungen gleichermaßen anwendbar. Im Folgenden soll einheitlich von einer Innovation gesprochen werden. 110 Engel, S. 6; Gordon in: Can/Tushnet (Hrsg.), S. 617, 640; Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 864 f. (1992). 111 Bühler/Jaeger, S. 77; Baird/Gertner/Picker 1994, S. 21 und 310. 112 Engel, S. 24 f. 113 Nach Gordon in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 328, 329 ist das Marktversagen jedoch nur eine von zwei Bedingungen für die Rechtfertigung von Immaterialgüterschutz. Die andere Bedingung ist danach, dass „nach Einführung des Immaterialgüterschutzes weniger kostspielige Markt- 35 da erst die Möglichkeit des Ausschlusses die Rivalität im Konsum herstellt.114 Die geschützten Güter werden damit künstlich verteuert115 und Knappheitsregeln unterworfen.116 Die Versagung des Zugangs zu diesen Gütern veranlasst die potentiellen Marktteilnehmer, ihre Zahlungsbereitschaft für das Gut zu offenbaren.117 Nur so können öffentliche Güter Gegenstand von Markttransaktionen werden, die nötig sind, um „die zur Hervorbringung dieser Güter notwendigen Allokationsentscheidungen zu treffen“.118 Ohne Ausschlussbefugnis kann der potentielle Innovator die Nachfrage nach seiner Schöpfung nicht einschätzen und keine Investitionsentscheidung treffen. Gleichzeitig verhindert der Ausschluss von Imitationen die direkte Konkurrenz durch andere Anbieter. Der Innovator kann den Preis für seine Innovation über die Grenzkosten anheben und im Idealfall damit einen Erlös realisieren, der ihm erlaubt seine Fixkosten wieder einzuspielen.119 Aus spieltheoretischer Sicht ändert die Intervention des Rechts durch Schaffung von Eigentumsrechten die Auszahlungen in der Situation des Gefangenendilemmas.120 Ohne Ausschließlichkeitsrecht ist die dominante Strategie für beide Spieler, keine Anstrengungen für eine Innovation zu unternehmen und darauf zu hoffen, dass der jeweils andere Spieler diese hervorbringt, um dann Profite durch den Verkauf von Kopien zu realisieren. Diese Strategie wird durch die Schaffung des Eigentumsrechts ausgeschlossen. Die Kosten erhöhen sich durch die Gefahr, rechtlich belangt zu werden, bzw. durch das Erfordernis der Lizenzierung der vom anderen Spieler geschaffenen Innovation erheblich.121 In diesem Fall werden beide Spieler von Anfang an versuchen selbst eine Innovation hervorzubringen.122 Jedoch müssen eine Reihe von Annahmen erfüllt sein, dass die Situation, der sich potentielle Innovatounvollkommenheiten existieren als vorher“. Neben der Vergabe von Eigentumsrechten gibt es auch andere Lösungen für das Problem des Marktversagens, vgl. hierzu Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 287, Fn. 1504 m.w.N. Auch das Gefangenendilemma zieht nicht notwendig die Schaffung von Eigentumsrechten nach sich, vgl. Frischmann, 89 Minn. L. Rev. 917, 938 (2005) m.w.N. Zu den Grenzen der spieltheoretischen Rechtfertigung geistigen Eigentums vgl. Engel, S. 8 ff. 114 Heinemann, S. 17; Menell/Scotchmer in: Polinsky/Shavell (Hrsg.), S. 1473, 1476 f. 115 Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 75; Kraßer, S. 49. 116 Mestmäcker/Schweitzer, § 28 Rdnr. 9. 117 Vgl. Behrens, S. 118. Yoo, 155 U. Pa. L. Rev. 635, 671 f. (2007) (s. auch Fn. 89) nimmt dagegen an, dass Konsumenten öffentlicher Güter auch bei Herstellung der Ausschließlichkeit ihre wahren Präferenzen nicht offenbaren werden, da die Unteilbarkeit des öffentlichen Gutes dieses nur über den Preis und nicht – wie bei privaten Gütern – über die Menge erlaubt, und hier der Konsument immer den Anreiz hat nur eine niedrigere Zahlungsbereitschaft zu offenbaren. 118 Behrens, S. 183. 119 Bechtold, Vom Urheber- zum Informationsrecht, S. 288; Gordon in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 328, 333 f.; Koboldt in: Ott/Schäfer (Hrsg.), S. 69, 75 f. 120 Engel, S. 6 f.; Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 864 f. (1992). 121 Engel, S. 6 f.; Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 864 f. (1992). 122 Engel, S. 8. Hieran kann sich das Problem eines Patentrennens anschließen, vgl. Engel, S. 25 ff. m.w.N. 36 ren ausgesetzt sehen, wirklich der eines Gefangenendilemmas entspricht und die Vergabe von „property rights“ die passende Antwort darauf ist.123 Die Kopierkosten müssen im Vergleich zu den Entwicklungskosten so gering sein, dass der Kopist dem Innovator in Abwesenheit von Immaterialgüterschutz die gesamte Nachfrage entziehen kann und der Innovator es nicht schafft, seine versunkenen Kosten wieder herein zu bekommen.124 Die Auszahlungen nach Einführung des Immaterialgüterschutzes müssen es dem Innovator aber ermöglichen, seine Investitionen wieder voll einzuspielen.125 III. Internalisierung externer Effekte Das ökonomische Regelungsproblem wird rechtlich durch die Einführung einer „künstlichen“ Ausschlussbefugnis gelöst. Diese Herstellung der Ausschlussmöglichkeit für eine Innovation in ihrer Eigenschaft als öffentliches Gut ermöglicht die Einbeziehung in den Marktmechanismus. Dabei ordnet das Eigentumsrecht dem Innovator seine Arbeitsergebnisse zur alleinigen Nutzung zu. Diese Arbeitsergebnisse können vor der Zuweisung als Externalitäten beschrieben werden. Externalitäten treten auf, wenn „die wirtschaftliche Situation einer Person durch Konsum- oder Produktionstätigkeit anderer Personen berührt wird“,126 sich dies aber nicht im Marktpreis zeigt.127 Sie können positiv oder negativ sein.128 Immaterielle Güter wie Innovationen oder Wissen erzeugen positive externe Effekte.129 Die Vergabe des Eigentumsrechts internalisiert diese externen Effekte.130 Dies ermöglicht Tauschhandlungen, da Nutzungswillige nun ihre konkrete Zahlungsbereitschaft offenbaren müssen. Aber nicht nur die erstmalige Zuweisung, sondern auch die Veränderung des Schutzbereichs eines Eigentumsrechts verändert die Ausgangsposition bei diesen Tauschhandlungen. 123 Engel, S. 8 ff.; Gordon in: Can/Tushnet (Hrsg.), S. 617, 641. Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 863 (1992). Diese Annahmen finden sich implizit in der Präferenzordnung der Auszahlungen im Gefangenendilemma wieder, vgl. Engel, S. 5 und 8. 124 Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 863 (1992). 125 Gordon, 17 U. Dayton L. Rev. 853, 863 (1992). 126 Richter/Furubotn, S. 109. 127 Allein relevant sind hier sogenannte „technologische Externalitäten“, die vorliegen, wenn der geschilderte Zusammenhang direkt und physisch wirkt. Hiervon abzugrenzen sind „pekuniäre externe Effekte“, die nur Knappheitsrelationen anzeigen, und „psychologische externe Effekte“, die Dritte beeinflussen, ohne dass ein physischer Zusammenhang vorliegt, vgl. Fritsch/Wein/Ewers, S. 91 f.; Frischmann/Lemley, 107 Columbia Law Review 257, 262 ff. (2007). 128 Richter/Furubotn, S, 110. 129 Heinemann, S. 22; Peukert in: Hilty/Peukert (Hrsg.), S. 11, 19. 130 Vgl. Richter/Furubotn, S. 109 ff.

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Zusammenfassung

Das Immaterialgüterrecht soll die Imitation von geistigen Leistungen verhindern. Damit wirkt es zunächst horizontal gegen direkte Konkurrenz. Es verleiht jedoch auch Schutz gegenüber Dritten, die das geschützte Gut als Input auf anderen Märkten nutzen. Dies kann als vertikale Schutzrichtung bezeichnet werden. Obwohl diese Schutzrichtungen verschiedene Auswirkungen auf die Produktion immaterieller Güter haben, wird im Immaterialgüterrecht nicht zwischen ihnen differenziert.

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand dieser Unterscheidung die schutzrechtsinternen Grenzen des Immaterialgüterrechts. In einer ökonomischen Analyse werden zunächst die Wirkungen der vertikalen Kontrollbefugnisse dargestellt. Anschließend wird analysiert, inwieweit die ökonomischen Erkenntnisse ins Recht Einzug gefunden haben und welche Hebel es zur Justierung vertikaler Kontrolle gibt. Diese Betrachtungsweise schärft das Verständnis des Immaterialgüterrechts als Marktorganisationsrecht und schafft eine tragfähigere Grundlage für die Bewertung und Justierung der schutzrechtsexternen Grenzen. Darüber hinaus trägt sie zu einem „more economic approach“ im Immaterialgüterrecht bei.