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Stefan Fritz, Formulierungsbeispiel Anlagerichtlinie in:

Stefan Fritz

Stifterwille und Stiftungsvermögen, page 191 - 193

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4166-6, ISBN online: 978-3-8452-1999-8 https://doi.org/10.5771/9783845219998

Series: Schriftenreihe zum Stiftungswesen, vol. 41

Bibliographic information
191 II. Formulierungsbeispiel Anlagerichtlinie Anlagerichtlinie für die Verwaltung des Grundstockvermögens der Xy-Stiftung gemäß § … Abs.6 der Stiftungssatzung § 1 Anlageinstrumente (zu § … Abs.2 Nr.1 der Satzung) Zulässige Anlageinstrumente sind ausschließlich 1. Spar- und Termineinlagen bei Instituten, die einer inländischen Sicherungseinrichtung der privaten Banken, der Sparkassen oder der Volksbanken und Raiffeisenbanken angehören; 2. Deutsche Öffentliche Pfandbriefe, deutsche Hypothekenpfandbriefe mit einer Bonität im Investment Grade-Bereich; 3. Festverzinsliche Anleihen von in- und ausländischen Gebietskörperschaften oder Unternehmen mit einer Bonität im Investment Grade-Bereich; 4. Nationale Aktien, soweit diese im Investitionszeitpunkt in DAX oder MDAX und internationale Aktien, soweit sie in den Indizes S&P 500, Dow-Jones Stoxx 600 oder MSCI Pacific enthalten sind; 5. Indexzertifikate von Emittenten mit einer Bonität im Investment Grade-Bereich auf die vorstehend aufgeführten Instrumente; 6. Anteile von Investmentfonds, die in die vorstehend aufgeführten Instrumente investieren und in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind; 7. Immobilien in Gestalt offener oder geschlossener Immobilienfonds; 8. In Euro oder anderen gängigen, konvertiblen Währungen denominierte Geldmarktinstrumente; 9. Derivative Instrumente nur, soweit sie der Generierung von ausschüttungsfähigen Erträgen oder der Kurssicherung dienen. § 2 Restriktionen zur Risikominimierung (1) Der Anteil • der Aktien einschließlich der in Investmentfonds enthaltenen Aktienanteile • und der auf Aktien basierenden und aktienähnlichen Instrumente (z.B. Zertifikate) am Kapitalvermögen soll 40 Prozent nicht übersteigen. Wird die genannte Marke überschritten, sind geeignete Maßnahmen zur Reduzierung des Aktienanteils zu veranlassen. (2) Die Auswahl der Anlageinstrumente soll sich am Grundsatz der größtmöglichen Risikostreuung orientieren. Der maximale Verlust vom jeweils erreichten Höchststand soll 10 % nicht übersteigen. 192 § 3 Nachhaltigkeit (1) Die Stiftung orientiert sich bei der Auswahl ihrer Anlageinstrumente an der Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen.796 (2) Als zweckkonträr sind folgende Branchen von der Anlage des Stiftungsvermögens ausgeschlossen: • Rüstung • Tabak, Alkohol und Drogen • Pornografie (3) In den übrigen Branchen wird bevorzugt in solche Unternehmen investiert, deren Geschäftspolitik sich in überdurchschnittlichem Maß an ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien orientiert ("Best in Class"). (4) Die Selektion der vorgenannten Anlagen erfolgt auf Basis des Nachhaltigkeits-Research der Xy-AG. (5) Als Mittel zur zweckkonformen Vermögensanlage i.S.d. § … Abs.2 Nr.3 Satz 4 kann die Stiftung in Finanzanlagen im Bereich Mikrokredite investieren. § 4 Berichterstattung Der Vorstand legt dem Kuratorium innerhalb der auf den Schluss jedes Geschäftsjahres folgenden zwei Monate einen Bericht über die Vermögensverwaltung im vorangegangenen Geschäftsjahr vor. Der Bericht enthält • die Summe der geleisteten Ausschüttungen, • eine Vermögensaufstellung – zu Marktpreisen bewertet, • die Wertveränderung des Grundstockvermögens im Vergleich zum Vorjahr, • den Stand der Vermögenserhaltung i.S.d. § … Abs.2 Nr.1 Sätze 4 und 5, • die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele i.S.d. § … Abs.2 Nr.3. Zusätzlich informiert der Vorstand das Kuratorium jeweils zum Ende der übrigen Quartale über die Renditeentwicklung des Kapitalvermögens. 796 Hoffmann / Scherhorn / Busch, Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen, Wuppertal 2004. 193 Das Kuratorium kann auch zwischenzeitlich jederzeit vom Vorstand die Vorlage einer aktuellen Vermögensaufstellung mit Angaben über die eingegangenen und zu erwartenden Erträge verlangen.

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Zusammenfassung

Die jüngste Finanzkrise hat in zahlreichen Stiftungsdepots deutliche Spuren hinterlassen und die Diskussion über die konkreten Anforderungen an das Vermögensmanagement von Stiftungen neu entfacht. Dabei zeigt sich, dass zentrale Begriffe wie Vermögenserhaltung, ertragbringende Anlage oder Wirtschaftlichkeit in der Praxis nach wie vor unterschiedlich interpretiert werden.

Das Werk untersucht zunächst die bundes- und landesgesetzlichen Vorgaben zum Stiftungsvermögen, um anschließend den Gestaltungsspielraum des Stifters und des Stiftungsmanagements herauszuarbeiten. Ihnen obliegt es, die Art der Vermögensverwendung festzulegen – einschließlich des Erhaltungskonzepts. An den Anlagezielen Wert, Ertrag, Risiko und vor allem Zweck hat sich jede einzelne Anlage- und Umschichtungsentscheidung zu orientieren.

Dieses Buch enthält das rechtliche und ökonomische Basiswissen für alle Praktiker, die selbst Verantwortung für Stiftungsfinanzen tragen oder Stiftungen in Vermögensfragen beraten.

Der Autor ist im gehobenen Privatkundensegment einer großen Geschäftsbank für die Beratung von Stiftern und Stiftungen verantwortlich und verfügt über langjährige Praxiserfahrung in diesem Segment.