Content

Stefan Fritz, Erträge in:

Stefan Fritz

Stifterwille und Stiftungsvermögen, page 180 - 181

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4166-6, ISBN online: 978-3-8452-1999-8 https://doi.org/10.5771/9783845219998

Series: Schriftenreihe zum Stiftungswesen, vol. 41

Bibliographic information
180 1. Vermögenserhaltung Wie oben nachgewiesen, gibt es keine stiftungsrechtlich übergeordnete Pflicht zur Erhaltung des Stiftungsvermögens. Die Vermögenserhaltung ist stets in Bezug zum Stiftungszweck und zur vom Stifter vorgegebenen Art seiner Erfüllung zu setzen. Der mögliche Verzicht auf Rendite oder gar der Verlust von Teilen des Kapitals ist dem Konzept der Investitionsstiftung immanent. Bewusst und legitim tritt das Ziel der Vermögenserhaltung somit hinter das der Zweckerfüllung zurück. • Die Investitionsstiftung setzt ihr Grundstockvermögen ganz oder teilweise direkt zur Zweckverwirklichung ein. Dadurch sind der wirtschaftliche und der ideelle Erfolg der Stiftung eng miteinander verknüpft. Scheitern etwa die Existenzgründungen, an denen die Risikokapitalstiftung beteiligt ist, sind auch die betreffenden Teile des Stiftungsvermögens verloren und die zeitliche Perspektive für den Bestand der Stiftung kann dadurch beeinträchtigt werden. Möchte der Stifter trotz des partiellen Ausfallrisikos mittelund langfristig die Basis für das weitere Engagement als Risikokapitalgeber erhalten, so muss im Erfolgsfalle die gewinnbringende Veräußerung der erworbenen Unternehmensanteile möglich sein. Verbleiben die dabei anfallenden Umschichtungsgewinne im Grundstockvermögen, wird dieses hierdurch erhöht. • Bei der Mikrokreditstiftung hingegen wird es in der Regel an einer Möglichkeit zur direkten Werterhöhung im Grundstockvermögen fehlen, soweit der ausgereichte Nominalbetrag von den Kreditnehmern in der gleichen Höhe getilgt wird. Die von der Stiftung vereinnahmten Zinsen gehören nach der hier verwendeten Terminologie als Rechtsfrüchte im Sinne des § 99 Abs.2 BGB nicht zum Grundstockvermögen, sondern zu den verwendungspflichtigen Mitteln. Möchte der Stifter den Wert des Kapitals auf lange Sicht erhalten, so muss er dafür sorgen, dass die Stiftung bestmöglich Rücklagen bilden und dem Grundstockvermögen zuführen kann. • Die Corporate-Governance-Stiftung dürfte am wenigsten Probleme mit der Werterhaltung ihres Grundstockvermögens haben. Bewahrheitet sich die Annahme, dass die Befolgung der Corporate Governance-Prinzipien die Unternehmensqualität verbessert, sollte sich dies in einer kontinuierlichen Wertsteigerung der Investments niederschlagen. Dennoch kann der Stifter durch Regelungen zur Rücklagenbildung dafür Sorge tragen, dass etwa ausgeschüttete Dividenden über eine freie Rücklage in bestimmtem Umfang dem Grundstockvermögen zugeführt und neu investiert werden. 2. Erträge Im Unterschied zur herkömmlichen Kapitalstiftung, die ihr Vermögen nur als neutrale Dotationsquelle nutzt, erreicht die Investitionsstiftung ihre Zwecke ähnlich der Anstaltsstiftung durch den unmittelbaren Einsatz ihres Grundstockvermögens. Sie 181 ist daher wesentlich weniger auf das Vorhandensein ausschüttungsfähiger Erträge angewiesen. Mangels einer stiftungsrechtlich übergeordneten Pflicht zur ertragbringenden Anlage778 könnte etwa die Risikokapitalstiftung ihren Zweck in legitimer Weise völlig ohne Zins- und Dividendeneinkünfte erfüllen. Die Rendite ihrer Investments besteht ausschließlich in den erhofften Wertsteigerungen der Unternehmensbeteiligungen. Die Mikrokreditstiftung kann ihre Zinseinkünfte neben ihrem Grundstockvermögen ebenfalls zur Zweckverwirklichung einsetzen, soweit sie sie nicht über eine Rücklage dem Grundstockvermögen zuführt. Die Corporate Governance-Stiftung wird ihr Vermögen aufgrund ihrer an Stimmrechten orientierten Anlageziele primär in Aktien investieren. Die Rendite dieser Anlagen drückt sich daher naturgemäß vorwiegend in Kursentwicklungen und nur sekundär im Dividendenertrag aus. Die Zweckverwirklichung erfährt dadurch jedoch keine Beeinträchtigung. Obwohl somit teilweise wenig, teilweise keine Erträge zur Verfügung stehen, ist das Vermögensverwendungskonzept in allen drei Beispielsfällen einer Investitionsstiftung zweckkonform. 3. Risiko Die Instrumentalisierung des Stiftungsvermögens kann mit im Vergleich zu einem optimal diversifizierten Wertpapierportfolio tendenziell höheren Risiken einhergehen. So ist die Risikokapitalstiftung in der beschriebenen Form satzungsmäßig auf eine bestimmte Region oder Branche festgelegt. Nach den Regeln der Portfoliooptimierung würde man sich hingegen um eine möglichst breite Streuung über verschiedene Regionen und Branchen bemühen. Zu reinen Anlagezwecken wird unter Risikogesichtspunkten verschiedentlich eine Beimischung von bis zu zehn Prozent Private Equity empfohlen.779 Im Fall der Risikokapitalstiftung läge dieser Anteil um ein Vielfaches höher. Das Risiko wird bei der Investitionsstiftung daher regelmäßig die kritische Größe darstellen. Die Stiftung könnte bei zu hohem Risiko gegen das Spekulationsverbot verstoßen. Ein solcher Verstoß liegt vor, wenn das Risiko nicht mehr in angemessenem Verhältnis zum Ertrag steht oder sich gar nicht mehr kalkulieren lässt, wenn der Anlage also keine rationale Strategie zu Grunde liegt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Sofern die Anlagestrategie in sich schlüssig ist und realisierbar erscheint, stellt auch ein kalkuliertes hohes Risiko keinen Grund dar, der Stiftung die Anerkennung zu verweigern. Selbst wenn der Ausfall von Teilen des Grundstockvermögens möglich ist, stellt diese Verwendungsform immer noch ein qualitatives Minus im Vergleich zur ebenfalls zulässigen Verbrauchsstiftung780 dar, in der die Vermögensverluste von vorneherein feststehen. 778 Vgl. oben, S.90 ff. Problematisch könnte dieser Punkt freilich unter Gemeinnützigkeits- Aspekten sein, vgl. oben S.172 f. 779 Z.B. Henß, ZSt 2004, 83 (87), neben zehn Prozent Hedgefonds. 780 Hierzu näher oben, S.23.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die jüngste Finanzkrise hat in zahlreichen Stiftungsdepots deutliche Spuren hinterlassen und die Diskussion über die konkreten Anforderungen an das Vermögensmanagement von Stiftungen neu entfacht. Dabei zeigt sich, dass zentrale Begriffe wie Vermögenserhaltung, ertragbringende Anlage oder Wirtschaftlichkeit in der Praxis nach wie vor unterschiedlich interpretiert werden.

Das Werk untersucht zunächst die bundes- und landesgesetzlichen Vorgaben zum Stiftungsvermögen, um anschließend den Gestaltungsspielraum des Stifters und des Stiftungsmanagements herauszuarbeiten. Ihnen obliegt es, die Art der Vermögensverwendung festzulegen – einschließlich des Erhaltungskonzepts. An den Anlagezielen Wert, Ertrag, Risiko und vor allem Zweck hat sich jede einzelne Anlage- und Umschichtungsentscheidung zu orientieren.

Dieses Buch enthält das rechtliche und ökonomische Basiswissen für alle Praktiker, die selbst Verantwortung für Stiftungsfinanzen tragen oder Stiftungen in Vermögensfragen beraten.

Der Autor ist im gehobenen Privatkundensegment einer großen Geschäftsbank für die Beratung von Stiftern und Stiftungen verantwortlich und verfügt über langjährige Praxiserfahrung in diesem Segment.