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Stefan Fritz, Finanzexpertise bei Gründung und in Stiftungsgremien in:

Stefan Fritz

Stifterwille und Stiftungsvermögen, page 62 - 64

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4166-6, ISBN online: 978-3-8452-1999-8 https://doi.org/10.5771/9783845219998

Series: Schriftenreihe zum Stiftungswesen, vol. 41

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62 tattet, während lediglich rund 23 Prozent208 im Bereich bei 500.000 Euro und darüber liegen. Allerdings wollen 53 Prozent der befragten Stifter die von ihnen gegründete Stiftung noch lebzeitig mit weiterem Vermögen dotieren, 44 Prozent geben an, sie durch eine Zuwendung von Todes wegen weiter aufstocken zu wollen.209 Daneben hoffen viele Stifter unabhängig von der Größe der Stiftung auch auf Zuwendungen Dritter. 42 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass sich auch andere in Form von Zustiftungen zum Grundstockvermögen beteiligen, sechs Prozent sähen (auch) die Errichtung unselbstständiger Unterstiftungen unter dem Dach ihrer Stiftung gern.210 b) Interpretation der Ergebnisse Die ursprüngliche Vermögensausstattung hat aus Sicht zahlreicher Stifter also nur vorläufigen Charakter. In der Praxis werden Stiftungen teilweise nur mit den zur Anerkennung erforderlichen Minimalbeträgen ausgestattet, um während einer Anfangsphase ohne allzu großen Kapitaleinsatz das Stiftungskonzept testen zu können. Ein fünfstelliger Anlagebetrag, wie er in nahezu der Hälfte aller Fälle anfänglich nur zur Verfügung steht, bietet weniger Anlagemöglichkeiten als eine sechs- oder siebenstellige Summe. Unter 100.000 Euro werden Anlagen in einzelne Aktien- oder Rentenwerte regelmäßig ebenso ausscheiden wie die Beimischung alternativer Investments. Jenseits der Millionengrenze können Stiftungen hingegen ähnlich wie institutionelle Kapitalanleger agieren.211 Daher liegt es nahe, dass Stifter gerade am Anfang wenig Energie auf die Kapitalanlage und ihre Gestaltung verwenden, sondern sich etwa mit der Anlage in Termingelder oder Investmentfonds zufrieden geben. Vor diesem Hintergrund mag eine ausgefeilte Anlagestrategie aus Sicht des Stifters zunächst überflüssig erscheinen. Wird das Vermögen aber später durch ihn selbst oder durch dritte weiter aufgestockt, stellt sich die Frage nach der idealen Verwendung des so gewachsenen Vermögens umso vehementer. Dann obliegt es allein den Stiftungsgremien und ihrer Expertise, geeignete Anlageformen zu finden. 2. Finanzexpertise bei Gründung und in Stiftungsgremien a) Ergebnisse der StifterStudie und der Umfrage des Bundesverbands (2008) Aus der StifterStudie der Bertelsmann Stiftung geht unter anderem hervor, mit welchen Fragen sich die Stifter bei der Gründung besonders beschäftigt haben. Der mit 208 Eine Rundungsdifferenz wurde aus der Studie übernommen. 209 Timmer, StifterStudie, S.90 f. 210 Timmer, StifterStudie, S.93 f. 211 Vgl. Heissmann Stiftungs-Studie 2005, S.5. 63 52 Prozent am häufigsten genannte Gegenstand der besonderen stifterischen Aufmerksamkeit war die juristisch einwandfreie Satzungsgestaltung. Die Vermögensanlage hingegen folgt gemessen an der Häufigkeit der Nennungen mit 34 Prozent erst auf Rang 10 von 15.212 Diese eher untergeordnete Bedeutung der Vermögensfragen für die Stifter spiegelt sich auch bei der Auswahl der in den Gründungsprozess involvierten Akteure wieder. Auf die Frage, wer sie bei der Gründung der Stiftung aktiv unterstützt habe, nannten nur elf Prozent einen Bankberater. Rechtsanwälte und Steuerberater waren in 25 Prozent der Fälle beteiligt.213 Insgesamt zieht die Studie das Fazit, dass professionelle Berater bei der Stiftungsgründung eine »erstaunlich marginale Rolle spielen«.214 Die anfängliche Zurückhaltung bei der Klärung der Vermögensfragen wird offenbar auch im späteren Management der Stiftung nicht allzu häufig durch Einbeziehung diesbezüglich qualifizierter Gremienmitglieder kompensiert. Auf die Frage, wen die Stifter in die Gremien berufen haben, nennen lediglich 17 Prozent der Befragten einen Bank- oder Vermögensberater.215 Ein anderes Bild ergibt sich diesbezüglich aus der Selbsteinschätzung der Stiftungsvertreter, die im Rahmen der Umfrage des Bundesverbands, Stiftungen und ihre Banken, erfasst wurde. Über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) hält die eigenen Kenntnisse in puncto Vermögensanlage für »gut«, rund ein Drittel (34 Prozent) für »mittel«. Lediglich sechs Prozent gehen von geringen eigenen Kenntnissen aus, der Rest enthielt sich einer Selbsteinschätzung.216 b) Interpretation der Ergebnisse Nimmt man diese Aussagen zusammen, dann ergibt sich folgendes Bild: Wie bereits eingangs vermutet, spielt die konkrete Vermögensanlage und vermutlich auch deren abstrakte Regelung in der Stiftungsverfassung eine deutlich untergeordnete Rolle gegenüber dem Stiftungszweck und seiner Verwirklichung. Zahlreiche Stifter scheinen sich weder selbst mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, noch wenigstens qualifizierte Berater hinzuzuziehen. Der Verfasser der Bertelsmann-Studie kommt zum Ergebnis, diese geringe Konsultation von Beratern gebe angesichts der hohen Bedeutung und Komplexität der Vermögensanlage Anlass zur Besorgnis.217 Auch die Auswahlkriterien für die Besetzung der Stiftungsgremien sprechen nicht dafür, dass die fachkundige Regelung der Vermögensangelegenheiten bei den Stiftern einen hohen Stellenwert besitzt. Diese Erkenntnis stützt die eingangs geäußerte Vermutung, 212 Timmer, StifterStudie, S.119. 213 Timmer, StifterStudie, S.126. 214 Timmer, StifterStudie, S.125. 215 Timmer, StifterStudie, S.99; zum Vergleich: „Freunde und Bekannte“ machen mit 38 Prozent mehr als das Doppelte aus. – Natürlich können sich auch hierunter solche befinden, denen der Stifter eine gewisse Expertise in Finanzfragen zutraut. 216 Stiftungsreport 2008/09, S.23. 217 Timmer, StifterStudie, S.127. 64 dass die Mehrheit der Stifter von einem etwa zur Verfügung stehenden Regelungsspielraum bezüglich der Vermögensanlage keinen Gebrauch macht.218 Überraschend positiv fällt demgegenüber die Selbsteinschätzung der Stiftungsvertreter hinsichtlich der eigenen Anlagekenntnisse in der Umfrage des Bundesverbands (2008) aus. Dies gilt umso mehr angesichts des hohen Anteils kleinerer Stiftungen bis 500.000 Euro Grundstockvermögen unter den Befragten. Sie dürften in den seltensten Fällen über ein professionelles Management verfügen. Mangels tragfähiger Kennzahlen über die Anlageerfolge der Stiftungen ist diese Aussage kaum überprüfbar. 3. Aufteilung in Anlageformen a) Ergebnisse dreier Studien Aussagen zur Asset-Allokation, also der Aufteilung des Grundstockvermögens in verschiedene Anlageformen, enthalten mehrere der oben genannten Studien. Ein exakter Vergleich der Ergebnisse ist nicht möglich, da alle drei Untersuchungen die Assetklassen unterschiedlich strukturieren. Die Heissmann Stiftungs-Studie bezieht sich im Gegensatz zu den beiden anderen nicht auf einen Querschnitt durch den gesamten Stiftungsbestand, sondern beschränkt sich auf größere Stiftungen ab 100.000 Euro Gesamtausgaben pro Jahr, beziehungsweise einem Stiftungsvermögen ab einer Million Euro. Zudem unterscheidet sie in der Auswertung nach dem Mittel der befragten Stiftungen (ungewichtet) und deren jeweiligem Anteil am Gesamtkapital der befragen Stiftungen (gewichtet). Die Umfrage des Bundesverbands (2008) zielt nur auf alternative Anlageklassen und lässt die »konventionellen« außen vor. Sie ist daher in der folgenden Aufstellung nicht enthalten. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse führt zu folgendem Bild. 218 Vgl. oben, S.14.

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Zusammenfassung

Die jüngste Finanzkrise hat in zahlreichen Stiftungsdepots deutliche Spuren hinterlassen und die Diskussion über die konkreten Anforderungen an das Vermögensmanagement von Stiftungen neu entfacht. Dabei zeigt sich, dass zentrale Begriffe wie Vermögenserhaltung, ertragbringende Anlage oder Wirtschaftlichkeit in der Praxis nach wie vor unterschiedlich interpretiert werden.

Das Werk untersucht zunächst die bundes- und landesgesetzlichen Vorgaben zum Stiftungsvermögen, um anschließend den Gestaltungsspielraum des Stifters und des Stiftungsmanagements herauszuarbeiten. Ihnen obliegt es, die Art der Vermögensverwendung festzulegen – einschließlich des Erhaltungskonzepts. An den Anlagezielen Wert, Ertrag, Risiko und vor allem Zweck hat sich jede einzelne Anlage- und Umschichtungsentscheidung zu orientieren.

Dieses Buch enthält das rechtliche und ökonomische Basiswissen für alle Praktiker, die selbst Verantwortung für Stiftungsfinanzen tragen oder Stiftungen in Vermögensfragen beraten.

Der Autor ist im gehobenen Privatkundensegment einer großen Geschäftsbank für die Beratung von Stiftern und Stiftungen verantwortlich und verfügt über langjährige Praxiserfahrung in diesem Segment.