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Stefan Fritz, Vermögensausstattung in:

Stefan Fritz

Stifterwille und Stiftungsvermögen, page 60 - 62

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4166-6, ISBN online: 978-3-8452-1999-8 https://doi.org/10.5771/9783845219998

Series: Schriftenreihe zum Stiftungswesen, vol. 41

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60 D. Teil II: Stiftungsvermögen I. Statistisches zum Anlageverhalten von Stiftungen Die tatsächliche Anlagepolitik von Stiftungen ist empirisch nicht erschöpfend untersucht.199 Zwar existieren verschiedene Studien, die Stiftungsvermögen zum Gegenstand haben. Sie unterscheiden sich aber hinsichtlich Aktualität, inhaltlicher Schwerpunktsetzung und statistischer Aussagekraft erheblich voneinander. Die vom Bundesverband Deutscher Stiftungen in unregelmäßigen Abständen, zuletzt im Jahr 2005 durchgeführte Befragung von Stiftungen200 gehört hinsichtlich ihrer Datenbasis zu den aussagekräftigsten Untersuchungen, da der Bundesverband nach eigenen Angaben über den größten Stiftungs-Adressbestand verfügt. So nahmen insgesamt über 7.000 Stiftungen an der Befragung teil. Allerdings stellt das Stiftungsvermögen nicht ihre primäre Zielrichtung dar. Entsprechend pauschal ist die Aufteilung der Anlagen auf einzelne Klassen in der Auswertung. So unterscheidet die Befragung bei Finanzwerten lediglich zwischen Finanzanlagen201 und Bankguthaben. Sie kann damit beispielsweise keinen Aufschluss darüber geben, inwieweit sich die Finanzanlagen auf Aktien und Renten verteilen, oder welche Art von Bankguthaben Stiftungen bevorzugen. Der Informationsgehalt des Stiftungsverzeichnisses bleibt hinsichtlich der Anlagepolitik folglich relativ gering. Ergänzt wurde die allgemeine statistische Erhebung durch die im Februar 2008 vom Bundesverband durchgeführte Umfrage "Stiftungen und ihre Banken".202 Sie führte zwar nicht zu repräsentativen Ergebnissen, kann aber für sich beanspruchen, das bislang vollständigste Bild über die Anlagepolitik gerade kleiner und mittlerer Stiftungen zu liefern. Mit 54,7 % verfügte mehr als die Hälfte der befragten Stiftungen über ein Kapital von bis zu 500.000 Euro. Darüber hinaus finden sich interessante Details zu den verwendeten Anlageklassen und zu den strategischen Planungen. Die Heissmann Stiftungs-Studie der Unternehmensberatung Dr. Dr. Heissmann GmbH widmete sich in den Jahren 2003 bis 2005 schwerpunktmäßig dem Stiftungsvermögen und seiner Anlage. Ab 2004 fand die Befragung mit Unterstützung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen statt.203 Sie richtete sich gezielt an größere Stiftungen ab einem jährlichen Ausgabevolumen von 100.000 Euro oder einem Grundstockvermögen von mindestens einer Million Euro. Diese Studie enthält die 199 So auch Schäfer/ Gülle/ Ramp/ Redel, S.61. 200 Bundesverband Deutscher Stiftungen, Verzeichnis Deutscher Stiftungen, Berlin 2005. 201 Unter Finanzanlagen sind in Abgrenzung zu Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten üblicherweise monetäre Objekte, insbesondere Wertpapiere zu verstehen, vgl. Krumnow/Gramlich/Lange/Dewner, S.509. 202 Veröffentlicht im vom Bundesverband herausgegebenen StiftungsReport 2008/09, Berlin 2008. 203 Heissmann Stiftungs-Studie 2004, Wiesbaden 2004. 61 genauesten Angaben zur Allokation größerer Stiftungsvermögen. Sie führt neben dem ungewichteten Mittel auch die nach Anteil am Gesamtkapital der befragten Stiftungen gewichteten Ergebnisse auf. So lassen sich besser Rückschlüsse auf das unterschiedliche Verhalten durchschnittlicher und größerer Stiftungen ziehen. Die von der Bertelsmann Stiftung organisierte StifterStudie aus dem Jahr 2005204 hat nicht primär die Stiftungen zum Gegenstand, sondern die Stifter als Persönlichkeiten hinter der Institution. Da für die Studie die Befragung lebender Stifter essenziell war, finden sich darin nur jüngere Stiftungen, die seit 1990 gegründet wurden. Eine im Jahr 2001 durchgeführte Studie des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart205 schließlich untersuchte im Rahmen des Forschungsprojekts Sustainability & Finance das Anlageverhalten der Stiftungen in Bezug auf nichtfinanzielle Anlagemotive. Neben der grundsätzlichen Haltung der Stiftungsverantwortlichen zu diesem Thema wurden die teilnehmenden Stiftungen dazu befragt, ob ethische oder ökologische Kriterien bereits in Anlageentscheidungsprozesse einbezogen wurden oder ob Überlegungen bestanden, diese zukünftig zu berücksichtigen. Dabei ging die Studie von der Vermutung aus, dass bei steuerbegünstigten Stiftungen aufgrund der von ihnen verfolgten Aufgaben und Ziele eine hohe Affinität gegenüber der Thematik »ethische Kapitalanlage« bestehe.206 Eine systematisch vergleichende Auswertung erscheint nach alledem nicht möglich und sinnvoll. Die Auswahlkriterien der jeweils befragten Studienteilnehmer sind zu unterschiedlich, als dass sich die Ergebnisse der einzelnen Studien zu tragfähigen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden ließen. Die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich daher darauf, jeweils die Teilergebnisse herauszugreifen, die für die vorliegende Untersuchung relevant sein können. Im geringen inhaltlichen Überschneidungsbereich der Studien ist nach Parallelen und Widersprüchen zu suchen, um zu wissenschaftlich haltbaren Aussagen zu kommen. 1. Vermögensausstattung a) Ergebnisse der Bertelsmann StifterStudie Die Bertelsmann StifterStudie befragte die teilnehmenden Stifter, mit welchem Vermögen sie ihre Stiftung bei der Gründung ausgestattet hatten. Sie kommt zum Ergebnis, dass mit 43 Prozent ein relativ großer Anteil der Stiftungen unmittelbar nach der Gründung mit einem Grundstockvermögen von weniger als 100.000 Euro wirtschaften muss.207 35 Prozent werden mit 100.000 bis unter 500.000 Euro ausges- 204 Timmer, Stiften in Deutschland, Gütersloh 2005. 205 Schäfer/Gülle/Ramp/Redel, Das Anlageverhalten von Stiftungen im Umfeld ethischer Determinanten – eine empirische Untersuchung, Stuttgart 2002. 206 „Missions-Hypothese“, Schäfer/Gülle/Ramp/Redel, Kap. 4.3, S.27. 207 Timmer, StifterStudie, S.89 f. 62 tattet, während lediglich rund 23 Prozent208 im Bereich bei 500.000 Euro und darüber liegen. Allerdings wollen 53 Prozent der befragten Stifter die von ihnen gegründete Stiftung noch lebzeitig mit weiterem Vermögen dotieren, 44 Prozent geben an, sie durch eine Zuwendung von Todes wegen weiter aufstocken zu wollen.209 Daneben hoffen viele Stifter unabhängig von der Größe der Stiftung auch auf Zuwendungen Dritter. 42 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass sich auch andere in Form von Zustiftungen zum Grundstockvermögen beteiligen, sechs Prozent sähen (auch) die Errichtung unselbstständiger Unterstiftungen unter dem Dach ihrer Stiftung gern.210 b) Interpretation der Ergebnisse Die ursprüngliche Vermögensausstattung hat aus Sicht zahlreicher Stifter also nur vorläufigen Charakter. In der Praxis werden Stiftungen teilweise nur mit den zur Anerkennung erforderlichen Minimalbeträgen ausgestattet, um während einer Anfangsphase ohne allzu großen Kapitaleinsatz das Stiftungskonzept testen zu können. Ein fünfstelliger Anlagebetrag, wie er in nahezu der Hälfte aller Fälle anfänglich nur zur Verfügung steht, bietet weniger Anlagemöglichkeiten als eine sechs- oder siebenstellige Summe. Unter 100.000 Euro werden Anlagen in einzelne Aktien- oder Rentenwerte regelmäßig ebenso ausscheiden wie die Beimischung alternativer Investments. Jenseits der Millionengrenze können Stiftungen hingegen ähnlich wie institutionelle Kapitalanleger agieren.211 Daher liegt es nahe, dass Stifter gerade am Anfang wenig Energie auf die Kapitalanlage und ihre Gestaltung verwenden, sondern sich etwa mit der Anlage in Termingelder oder Investmentfonds zufrieden geben. Vor diesem Hintergrund mag eine ausgefeilte Anlagestrategie aus Sicht des Stifters zunächst überflüssig erscheinen. Wird das Vermögen aber später durch ihn selbst oder durch dritte weiter aufgestockt, stellt sich die Frage nach der idealen Verwendung des so gewachsenen Vermögens umso vehementer. Dann obliegt es allein den Stiftungsgremien und ihrer Expertise, geeignete Anlageformen zu finden. 2. Finanzexpertise bei Gründung und in Stiftungsgremien a) Ergebnisse der StifterStudie und der Umfrage des Bundesverbands (2008) Aus der StifterStudie der Bertelsmann Stiftung geht unter anderem hervor, mit welchen Fragen sich die Stifter bei der Gründung besonders beschäftigt haben. Der mit 208 Eine Rundungsdifferenz wurde aus der Studie übernommen. 209 Timmer, StifterStudie, S.90 f. 210 Timmer, StifterStudie, S.93 f. 211 Vgl. Heissmann Stiftungs-Studie 2005, S.5.

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Zusammenfassung

Die jüngste Finanzkrise hat in zahlreichen Stiftungsdepots deutliche Spuren hinterlassen und die Diskussion über die konkreten Anforderungen an das Vermögensmanagement von Stiftungen neu entfacht. Dabei zeigt sich, dass zentrale Begriffe wie Vermögenserhaltung, ertragbringende Anlage oder Wirtschaftlichkeit in der Praxis nach wie vor unterschiedlich interpretiert werden.

Das Werk untersucht zunächst die bundes- und landesgesetzlichen Vorgaben zum Stiftungsvermögen, um anschließend den Gestaltungsspielraum des Stifters und des Stiftungsmanagements herauszuarbeiten. Ihnen obliegt es, die Art der Vermögensverwendung festzulegen – einschließlich des Erhaltungskonzepts. An den Anlagezielen Wert, Ertrag, Risiko und vor allem Zweck hat sich jede einzelne Anlage- und Umschichtungsentscheidung zu orientieren.

Dieses Buch enthält das rechtliche und ökonomische Basiswissen für alle Praktiker, die selbst Verantwortung für Stiftungsfinanzen tragen oder Stiftungen in Vermögensfragen beraten.

Der Autor ist im gehobenen Privatkundensegment einer großen Geschäftsbank für die Beratung von Stiftern und Stiftungen verantwortlich und verfügt über langjährige Praxiserfahrung in diesem Segment.