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Sebastian Messer, Lokalitäten in:

Sebastian Messer

Die polizeiliche Registrierung von Widerstandshandlungen, page 117 - 118

Eine kriminalsoziologische Untersuchung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4143-7, ISBN online: 978-3-8452-1650-8 https://doi.org/10.5771/9783845216508

Series: Studien zum Strafrecht, vol. 26

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117 Es ist festzuhalten, dass es bezüglich der Einsatzanlässe keine regional unterschiedlichen Einschätzungen gibt und insoweit die Vergleichbarkeit der Städte gegeben ist. IV. Lokalitäten Die Polizeibeamten sollten angeben, an welchen Orten es nach ihrer Einschätzung häufig zu Widerstandshandlungen kommt. Der Fragebogen sah neun Antwortvorgaben vor, die auf einer Likert-Skala sechsfach gegliedert waren (Abbildung 19). Mit einer maximalen Abweichung von 0,6 Bewertungspunkten zeigen sich auch hier keine regionalen Unterschiede. Nahezu alle Befragten sind sich einig, dass es in Polizeidiensträumen häufig, in Laden- und Geschäftsräumen nur teilweise, in Dienstfahrzeugen häufig bis teilweise, auf Privatgrundstücken teilweise und in Krankenhäusern und Arzträumen selten zu Widerstandshandlungen kommt. Geringe Einschätzungsunterschiede bestehen bezüglich folgender Orte: Diskotheken und Bars, öffentliche Bereiche, Volksfeste und solche Orte, die zuvor als ungefährlich galten. Es finden sich für Mannheim mit einer Bewertung von sehr häufig bis häufig Höchstwerte für die Lokalitäten Diskotheken und Bars. Auch scheint es in Mannheim etwas häufiger als in Kiel und Lübeck in öffentlichen Bereichen zu Widerständen zu kommen. Widerstandshandlungen sind nach polizeilicher Einschätzung in Lübeck auf Volksfesten offenbar etwas seltener relevant als in Kiel und Mannheim. Widerstandshandlungen an Orten, die zuvor als ungefährlich galten, wurden in Lübeck etwas häufiger genannt als in den zwei anderen Vergleichsstädten. dem für ihr besonnenes Verhalten. Einige haben im Vorfeld schon kritisiert, dass es zu viel Polizei in Rostock gebe und dass möglichst lange nicht eingeschritten werden sollte.(…).“. Im Rahmen einer polizeiinternen Umfrage von Korbmacher (1989, S. 124) konnte herausgefunden werden, dass mehr als 80 Prozent der befragten Polizeibeamten (N = 572) grundsätzlich für eine Verminderung von Gewaltanwendung bei Großeinsätzen stimmten. Andererseits konnten Willems/Eckert Goldbach/Loosen (1998, S. 164) in Gesprächen mit Polizeibeamten herausfinden, dass eine große Mehrzahl von ihnen überzeugt war, „dass die Eskalation von Konflikten allein im Verhalten der Demonstranten begründet sei. Diese grundlegende Annahme über die Ursache von gewaltsamen Auseinandersetzungen wurde selbst kaum in Frage gestellt oder angezweifelt. Ein Bewusstsein der möglichen Einseitigkeit und Perspektivität der eigenen Einschätzung war kaum vorhanden.“ 118 Abbildung 19: Widerstandsrelevanz von Orten Es lässt sich die Tendenz erkennen, dass häufig belastete Lokalitäten solche sind, an denen viele Personen gleichzeitig zusammenkommen bzw. an denen der Freizeitgestaltung und vergnüglichen Aktivitäten nachgegangen wird. Krankenhäuser und Arzträume sind als Tatörtlichkeiten eher zu vernachlässigen. Dies ist auch kein Widerspruch zu dem Befund, dass es bei Blutproben zumindest teilweise zu Widerstandshandlungen kommt, da diese oft auf dem Polizeirevier in dafür vorgesehenen Sanitätsräumen von einem Arzt durchgeführt werden. V. Zeiten Schließlich waren noch die Zeiten von Interesse, zu denen es nach polizeilicher Einschätzung häufig zu Widerstandshandlungen kommt. Die vorgegebenen Antworten untergliederten sich in Tageszeit, Wochentag und Monat. Auch hier gab es wieder eine sechsteilige Likert-Skala von sehr häufig bis nie (Abbildung 20). 0 1 2 3 4 5 6 in Diskotheken/ Bars in öffentl. Bereichen in Polizeidiensträumen in Laden-/ Geschäftsräumen auf Volksfesten in Dienstfahrzeugen auf Privatgrundstücken in Krankenhäusern/ Arzträumen an Orten, die zuvor als ungefährlich galten sehr häufig - häufig- teilweise - selten - sehr selten - nie Mannheim (n = 100) Lübeck (n = 100) Kiel (n = 100)

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Zusammenfassung

Die Arbeit knüpft an das irritierende Faktum an, dass in der Hansestadt Lübeck zumindest in den Jahren 1999 bis 2004, aber auch noch aktuell, deutlich mehr Delikte wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte nach § 113 StGB registriert worden sind als in Kiel. Dennoch ist die Zahl der Verurteilten nahezu gleich. Es liegt die Vermutung nahe, dass nur mehr Widerstände thematisiert werden als verurteilt.

Bisher vorhandene Studien zum Thema Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gehen zumeist ätiologisch vor. Sie liefern keine Erklärung für das unterschiedliche Registrierungsverhalten, aber wichtige Vorerkenntnisse über die zu erwartenden Konflikte und sozialen Besonderheiten der „widerständigen“ Personen.

Die Arbeit knüpft an diese Erkenntnisse an, überprüft sie bezüglich ihrer Aktualität und stellt einen eigenen vollständigen theoretischen Ansatz auf. Dieser kriminalsoziologische Ansatz unterscheidet zwischen Wahrnehmung eines Konfliktes, Thematisierung des Konfliktes und Mobilisierung des Widerstandsparagrafen. Die Datenerhebung erfolgte per schriftlicher Befragung mit Interviews bei 300 Polizeibeamtinnen und -beamten. Einbezogen wurden Kiel, Lübeck und – des regionalen Vergleichs wegen – die sozialstrukturell vergleichbare Stadt Mannheim. Abgefragt wurden zahlreiche Konfliktkonstellationen und Einflussfaktoren, solche wie Geschlecht, Diensterfahrung und Dienstgrad. Die Arbeit wertet die Daten umfangreich auf unterschiedliche Reaktionsmuster hin aus.