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Sebastian Messer, Einsatzmittel der Widerstandsübenden in:

Sebastian Messer

Die polizeiliche Registrierung von Widerstandshandlungen, page 114 - 115

Eine kriminalsoziologische Untersuchung

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4143-7, ISBN online: 978-3-8452-1650-8 https://doi.org/10.5771/9783845216508

Series: Studien zum Strafrecht, vol. 26

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114 II. Einsatzmittel der Widerstandsübenden Als weiteres Merkmal wurden die Tatmittel der Widerstandsübenden berücksichtigt, wobei verschiedene Antwortmöglichkeiten vorgegeben waren, die von sehr häufig bis nie bewertet werden konnten (Abbildung 17). Abbildung 17: Widerstandsmittel Es liegt eine konstante Verteilung vor. Nach Einschätzung der Befragten aller drei Städte setzen Widerstandsübende sehr häufig körperliche Tatmittel ein, was darauf hindeutet, dass Konflikte oft auch spontan entstehen und spontan ausgetragen werden. Dementsprechend kommen Messer und Schreckschusspistolen nur teilweise bis selten sowie scharfe Schusswaffen nur sehr selten zum Einsatz. Unter die sonstigen Tatmittel, die in der Befragung nicht weiter definiert wurden, fallen insbesondere sämtliche gefährliche Werkzeuge. Solche werden nach Einschätzung der Befragten von widerständigen Bürgern nur teilweise bis selten eingesetzt. Somit steht fest, dass häufig nur körperliche Tatmittel verwendet werden. Diese polizeiliche Einschätzung ist regional nicht abweichend, so dass insoweit eine Vergleichbarkeit der Städte gegeben ist.                 & " &" ' " "   "  !"# $%& !"# '!"# 115 III. Einsatzanlässe Aufschluss über die Tatmodalitäten geben auch die Einsatzanlässe, in deren Verlauf es häufig zu Widerstandshandlungen kommt. Abbildung 18: Widerstandsrelevanz von Einsatzanlässen Es wurden regelmäßig wiederkehrende Anlässe vorgegeben, die wiederum anhand einer sechsteiligen Ratingskala zu bewerten waren (Abbildung 18). Die polizeiliche Einschätzung der Einsatzanlässe ist in den drei untersuchten Städten identisch. Abbildung 18 ist zu entnehmen, dass es bei Blutproben und bei Einsätzen wegen häuslicher Gewalt offenbar häufig zu Widerstandshandlungen kommt. Das hohe Konfliktpotenzial bei häuslicher Gewalt kann damit erklärt werden, dass die Polizeibeamten bei solchen Einsätzen in die Privatsphäre des Bürgers eindringen (müssen) und häufig ein hohes Aggressionspotenzial bei dem gewalttätigen Ehepartner antreffen. Dem Polizeieinsatz gehen zumeist bereits gewaltsame Handlungen, üblicherweise in der Konstellation Ehemann gegen Ehefrau375, voraus. Beim Eintreffen der Beamten hat sich die Lage oft schon zugespitzt, 375 Frommel (2004b), S. 299.      * & +/  : &;   <  >  ?   <  >  ? @ C  $??&   & " &" ' " "   "  !"# $%& !"# '!"#

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Zusammenfassung

Die Arbeit knüpft an das irritierende Faktum an, dass in der Hansestadt Lübeck zumindest in den Jahren 1999 bis 2004, aber auch noch aktuell, deutlich mehr Delikte wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte nach § 113 StGB registriert worden sind als in Kiel. Dennoch ist die Zahl der Verurteilten nahezu gleich. Es liegt die Vermutung nahe, dass nur mehr Widerstände thematisiert werden als verurteilt.

Bisher vorhandene Studien zum Thema Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gehen zumeist ätiologisch vor. Sie liefern keine Erklärung für das unterschiedliche Registrierungsverhalten, aber wichtige Vorerkenntnisse über die zu erwartenden Konflikte und sozialen Besonderheiten der „widerständigen“ Personen.

Die Arbeit knüpft an diese Erkenntnisse an, überprüft sie bezüglich ihrer Aktualität und stellt einen eigenen vollständigen theoretischen Ansatz auf. Dieser kriminalsoziologische Ansatz unterscheidet zwischen Wahrnehmung eines Konfliktes, Thematisierung des Konfliktes und Mobilisierung des Widerstandsparagrafen. Die Datenerhebung erfolgte per schriftlicher Befragung mit Interviews bei 300 Polizeibeamtinnen und -beamten. Einbezogen wurden Kiel, Lübeck und – des regionalen Vergleichs wegen – die sozialstrukturell vergleichbare Stadt Mannheim. Abgefragt wurden zahlreiche Konfliktkonstellationen und Einflussfaktoren, solche wie Geschlecht, Diensterfahrung und Dienstgrad. Die Arbeit wertet die Daten umfangreich auf unterschiedliche Reaktionsmuster hin aus.