Content

Fabian Sösemann, Einspeisung von Biomethan in:

Fabian Sösemann

Umweltverträgliche Energienetze, page 109 - 110

Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Zweckbestimmung des EnWG

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4142-0, ISBN online: 978-3-8452-1469-6 https://doi.org/10.5771/9783845214696

Series: Schriftenreihe Institut für Energie- und Wettbewerbsrecht in der Kommunalen Wirtschaft e.V. (EWeRK) an der Humboldt-Universität zu Berlin, vol. 33

Bibliographic information
Verteilernetzen, die das dezentral eigespeiste Gas aufnehmen sollen, die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Einspeisung geschaffen werden. II. Einspeisung von Biomethan Biomethan, also Biogas in Erdgasqualität, wird in das Erdgasnetz in der Praxis vor allem auf Grundlage des § 8 EEG eingespeist.51 Aber auch die GasNZV und das EnWG bieten Anreize.52 Da da die Verwendung von regenerativem Biomethan grundsätzlich umweltverträglicher als die von fossilem Erdgas ist, erhöht die verbesserte Aufnahmefähigkeit des Gasnetz dessen Umweltverträglichkeit. Darüber hinaus wird Biomethan dezentral eingespeist, was Netzausbau vermeiden kann. Wesentlicher Aspekt bei der Biomethaneinspeisung sind die Netzverhältnisse am Einspeisepunkt.53 Die Kapazität der Leitung bestimmt darüber, wieviel Biomethan überhaupt eingespeist werden kann. Zwar haben bei Engpässen die Einspeiser von Biomethan gemäß § 10 Abs. 4 GasNZV das Recht, Transportkapazitäten vorrangig zu nutzen, wenn die Netzkapazität zu 90 Prozent ausgebucht ist. Allerdings besteht kein Recht des Biomethaneinspeisers auf vorrangige Abnahme, wenn die Kapazitäten zu 100 Prozent erschöpft sind. Auch hat der Einspeiser keinen dem § 4 Abs. 2 S. 2 EEG entsprechenden Anspruch gegenüber dem Netzbetreiber auf unverzüglichen Netzausbau, sondern nur den allgemeinen Anspruch auf bedarfsgerechten Netzausbau.54 In örtlichen Verteilernetzen besteht gemäß § 8 Abs. 1 GasNZV eine Vorrangregelung für Biomethan, solange keine bestehenden Verträge dem entgegenstehen. Die Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz ermöglicht die umweltverträgliche Stromerzeugung in größeren Kraftwerken und vor allem die Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung in Verbrauchernähe.55 Denn mit Hilfe des Erdgasnetzes kann das Biomethan von Standorten ohne Anschluss an ein Wärmenetz56 an Kraftwerksstandorte transportiert werden, die elektrische Energie in umweltverträglicher KWK-Technik produzieren. Die Einspeisung von Biomethan in das Gasnetz ermöglicht also eine dezentrale und energieeffiziente Energieversorgung mit Strom und Wärme. Allerdings müssen bei der Biomethaneinspeisung in das Erdgasnetz erst Erfahrungen gesammelt werden. In Deutschland sind erst zwei große Anlagen im Betrieb. 51 Kanngießer, Hürden bei der Biomethan-Einspeisung, E&M 6/2007, S. 6. 52 Dazu: Graßmann, Vorrangige Einspeisung von Biogas in Erdgasnetze, ZNER 2006, S. 12. 53 Kanngießer, Rechtsrahmen für die Einspeisung von Biogas, GWF 2007, S. 408; Longo, Strategische Fragen der Biogaseinspeisung, ZNER 2007, S. 155, 156. 54 Im Rahmen der wirtschaftlichen Zumutbarkeit, § 11 Abs. 1 EnWG. 55 Altrock/Oschmann/Theobald, EEG, § 8 Rn. 37. 56 Biomethan wird häufig in ländlichen Regionen gewonnen, wo die Abwärme der Stromerzeugung nicht genutzt werden kann. So nutzen bisher nur 20 Prozent der Anlagen die KWK-Technik, Scholwin, Biogas im Erdgasnetz, GWF 2007, S. 413. 109 In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie das Gasnetz ausgebaut und anders gesteuert werden muss, um mehr Biomethan aufnehmen zu können. C. Ergebnis – Einfluss von Umweltverträglichkeitsaspekten auf Netze Zur Reduzierung von Umweltauswirkungen durch Netzstruktur und -steuerung sind besonders Anpassungen erforderlich, die die Integration von dezentralen Optionen, insbesondere der Erzeugung von Strom und Gas aus erneuerbaren Energien, in die jeweiligen Energienetze ermöglichen. Im Strombereich haben sich durch den Anstieg der Einspeisung erneuerbarer Energien bereits Probleme, aber auch Lösungsmöglichkeiten ergeben. Bei der Biomethaneinspeisung fehlt noch die Erfahrung im größeren Maßstab. 110

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Das Werk befasst sich mit dem Gesetzesziel „Umweltverträglichkeit“ des Energiewirtschaftsgesetzes. Der Autor reduziert das Gesetzesziel auf eine Definition mit wenigen Kriterien. Ferner wird die Rechtsqualität von Ziel- und Zweckbestimmungen untersucht. Umwelteinwirkungen der Energieversorgung werden aufgezeigt – insbesondere in welchem Umfang Netztechnik, Struktur und Steuerung der Netze Auswirkungen auf die Umwelt haben. Umweltverträglicher Netzbetrieb bedeutet so beispielsweise die möglichst weitgehende Einbindung dezentraler Erzeuger und eine effiziente Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Schließlich werden Beispiele gebildet, um zu zeigen, inwieweit „Umweltverträglichkeit“ in Abwägung mit den anderen Zielbestimmungen des EnWG Auswirkung bei der Auslegung des Energiewirtschaftsrechts haben kann. So wird unter anderem deutlich, dass „Netzausbau“ unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit nicht nur den Bau neuer Leitungen, sondern auch das Überwachen der Temperatur der bestehenden Leitung bedeuten kann.