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Fabian Sösemann, Ergebnis – direkte Umweltauswirkungen von Stromleitern in:

Fabian Sösemann

Umweltverträgliche Energienetze, page 96 - 97

Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Zweckbestimmung des EnWG

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4142-0, ISBN online: 978-3-8452-1469-6 https://doi.org/10.5771/9783845214696

Series: Schriftenreihe Institut für Energie- und Wettbewerbsrecht in der Kommunalen Wirtschaft e.V. (EWeRK) an der Humboldt-Universität zu Berlin, vol. 33

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IV. Akustische Auswirkungen Bei feuchtem Wetter entstehen bei Freileitungen sogenannte Koronationsgeräusche, weil sich an der Leitung Strom entlädt.15 Bei 380 kV-Freileitungen können die Geräusche beeinträchtigend wirken, bei 110 kV-Freileitungen sind sie vor dem Hintergrundgeräusch der Umwelt nicht mehr wahrnehmbar.16 Erdkabel emittieren keine vergleichbaren Geräusche. V. Ergebnis – direkte Umweltauswirkungen von Stromleitern Wie gezeigt, emittiert eine Freileitung ein größeres elektrisches Feld, mehr Geräusche und greift stärker in das Landschaftsbild ein als andere Leiter. Die Auswirkungen des elektrischen Feldes wie auch die akustischen Emissionen sind jedoch innerhalb der zugelassenen Grenzwerte so gering, dass sie vernachlässigt werden können. Ein Erdkabel greift weniger in das Landschaftsbild ein und verbraucht weniger Fläche. Jedoch sind die Kosten einer Erdverkabelung höher als die der Freileitung. Die Gesamtkosten eines GIL sind am höchsten, aber auch die Kosten eines Erdkabels überschreiten die einer Freileitung deutlich. Das Kostenverhältnis unterscheidet sich je nach Betrachter. Spricht die dena von 4 bis 10 mal so hohen Kosten für Kabel, rechnen Oswald/Müller/Krämer für ein konkretes Projekt mit Mehrkostenfaktoren von 2,15 (Kabel) und 4,66 (GIL).17 Auch ist die Lebensdauer eines Kabels gegen- über GIL und Freileitung deutlich geringer. Außerdem ist ein Kabel thermisch weniger belastbar als GIL und Freileitungen, so dass Kabel einen „thermischen Engpass“ im Übertragungsnetz darstellen können.18 Zu bemerken ist, dass die Erfahrungen im Verlegen von Freileitungen ungleich größer sind. Denn Freileitungen haben einen einfachen Aufbau und lassen sich schnell und einfach reparieren.19 Allerdings ist anzunehmen, dass bei stärkerer Nachfrage die Kosten für Erdkabel und GIL sinken würden. Jenseits der Mehrkosten bleibt jedoch festzuhalten, dass Erdkabel oder GIL meist umweltverträglicher sind als eine Freileitung.20 15 Oeding/Oswald, Elektrische Kraftwerke und Netze, S. 320 ff. 16 Brakelmann, Netzverstärkungs-Trassen zur Übertragung von Windenergie, S. 42. 17 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 28; Hoppe-Kilpper/Tiedemann, Ausbau des Stromtransportnetzes, dena Faltblatt, S. 2. 18 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 28. 19 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 23. 20 So auch Hagenmeyer, Umweltauswirkungen von Strom- und Gasnetzen; Jarass/Obermair, Netzeinbindung von Windenergie, ET 2006, S. 398, 402. 96 B. Gasnetze I. Emissionen Die Emissionen eines Gasnetzes beschränken sich auf ungewollt austretendes Gas und sind vor allem auf das Alter bestimmter Bauteile wie Muffenverbindungen zurückzuführen. 1989 betrugen die Netzverluste 160.000 t, was vor allem auf die schlechte Qualität des Leitungssystems in den Neuen Bundesländern zurückzuführen war.21 Gasleitungen sind entweder aus Kunststoff, Stahl oder Grauguss (ältere Verbindungen).22 Kunststoffrohre sind zwar gegenüber Stahlrohren mechanisch weniger beanspruchbar und weniger alterungsbeständig. Dafür sind Kunststoffrohre kostengünstiger, korrosionsbeständiger und isolieren besser. II. Flächenverbrauch Gasleitungen können unter oder über der Erde geführt werden. Die Freilegung beziehungsweise das Freihalten eines Sicherheitsstreifen ist bei Gasleitungen Stand der Technik.23 Damit ist der Flächenverbrauch auch bei unterirdisch verlegten Leitungen gegeben. Allerdings ist wie bei Freileitungen die Zerschneidung der Landschaft bei oberirdisch geführten und damit sichtbaren Gasleitungen wesentlich spürbarer. Wie beim Erdkabel dürfen auch bei unterirdisch geführten Leitungen in bestimmter Trassenbreite über der Leitung keine tiefwurzelnden Pflanzen wachsen und die landwirtschaftliche Nutzung ist nur eingeschränkt möglich. III. Ergebnis – direkte Umwelteinwirkungen von Gasnetzen Wird auf die Dichtigkeit der Leitungen geachtet, beeinträchtigen Gasnetze das Landschaftsbild durch die Trassenführung. Der Eingriff wird minimiert, wenn die Leitungen unterirdisch verlegt werden. 21 FNR, Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz, S. 50; Hagenmeyer, Umweltauswirkungen von Strom- und Gasnetzen. 22 FNR, Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz, S. 50. 23 VG Dessau, NuR 9/2004, S. 615. 97

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Zusammenfassung

Das Werk befasst sich mit dem Gesetzesziel „Umweltverträglichkeit“ des Energiewirtschaftsgesetzes. Der Autor reduziert das Gesetzesziel auf eine Definition mit wenigen Kriterien. Ferner wird die Rechtsqualität von Ziel- und Zweckbestimmungen untersucht. Umwelteinwirkungen der Energieversorgung werden aufgezeigt – insbesondere in welchem Umfang Netztechnik, Struktur und Steuerung der Netze Auswirkungen auf die Umwelt haben. Umweltverträglicher Netzbetrieb bedeutet so beispielsweise die möglichst weitgehende Einbindung dezentraler Erzeuger und eine effiziente Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Schließlich werden Beispiele gebildet, um zu zeigen, inwieweit „Umweltverträglichkeit“ in Abwägung mit den anderen Zielbestimmungen des EnWG Auswirkung bei der Auslegung des Energiewirtschaftsrechts haben kann. So wird unter anderem deutlich, dass „Netzausbau“ unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit nicht nur den Bau neuer Leitungen, sondern auch das Überwachen der Temperatur der bestehenden Leitung bedeuten kann.