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Fabian Sösemann, Flächenverbrauch in:

Fabian Sösemann

Umweltverträgliche Energienetze, page 95 - 96

Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Zweckbestimmung des EnWG

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4142-0, ISBN online: 978-3-8452-1469-6 https://doi.org/10.5771/9783845214696

Series: Schriftenreihe Institut für Energie- und Wettbewerbsrecht in der Kommunalen Wirtschaft e.V. (EWeRK) an der Humboldt-Universität zu Berlin, vol. 33

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II. Wärmewirkung Das magnetische wie das elektrische Feld führen zur Emission von Wärme. Die Wärmewirkung von Freileitungen wird als grundsätzlich unbedenklich angesehen, da bisher kein Nachweis für Gefährdungen erbracht worden ist. Auch Erdkabel und GIL entwickeln Wärme. Im Boden kann dies zumindest in unmittelbarer Umgebung des Kabels zu Austrocknung führen.10 Allerdings ist der Effekt gering und kann weitgehend vernachlässigt werden.11 III. Flächenverbrauch In § 2 Nr. 11 f. BNatSchG wird bestimmt, dass unbebaute Flächen wegen ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt zu erhalten sind. Ausdrücklich sollen bei der Planung von Energieversorgungsleitungen die Zerschneidung und der Verbrauch von Landschaft so gering wie möglich gehalten werden. Für eine Freileitung müssen Masten aufgestellt werden, die das Landschaftsbild beeinträchtigen. Auch die Leitungen können sichtbar sein. Die Vegetation unter einer Freileitung muss in der Höhe begrenzt werden, damit die Leitungen nicht beeinträchtigt werden. Somit ist die Funktion in der Trassenbreite von 70 Metern eingeschränkt.12 Allerdings ist die landwirtschaftliche Nutzung außer in unmittelbarer Umgebung der Masten möglich. Für Erdkabel ist keine den Erfodernissen für Freileitungen vergleichbare Infrastruktur notwendig. Die Kabel selbst sind nicht sichtbar, da sie unter der Erde liegen. Jedoch dürfen in einer Breite von 11 Metern keine tief wurzelnden Pflanzen wachsen, damit das Kabel nicht beeinträchtigt wird.13 Eine landwirtschaftliche Nutzung ist unter Berücksichtigung einer eingeschränkten Grabtiefe (nicht mehr als ein halber Meter) möglich.14 Im Vergleich zur Freileitung ist die Trasse des Erdkabels weniger breit und au- ßerdem wird keine sichtbare Infrastruktur benötigt. Flächenverbrauch sowie Eingriff in das Landschaftsbild sind somit geringer beim Erdkabel. 10 Brakelmann, Netzverstärkungs-Trassen zur Übertragung von Windenergie, S. 46; Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 25; Steinbrich, Untersuchungen zum frequenzabhängigen Übertragungsverhalten von Energiekabeln, S. 16. 11 Jarass/Apfelstedt/Obermair, in: Storm/Bunge, HdUVP, 4415, S. 21. 12 Jarass/Apfelstedt/Obermair, in: Storm/Bunge, HdUVP, 4415, S. 21; Oswald, Vergleichende Studie zu Stromübertragungstechniken im Höchstspannungsnetz, S. 29. 13 Hoppe-Kilpper/Tiedemann, Ausbau des Stromtransportnetzes, dena Faltblatt, S. 3; Jarass/Apfelstedt/Obermair, in: Storm/Bunge, HdUVP, 4415, S. 21. 14 Brakelmann, Netzverstärkungs-Trassen zur Übertragung von Windenergie, S. 45. 95 IV. Akustische Auswirkungen Bei feuchtem Wetter entstehen bei Freileitungen sogenannte Koronationsgeräusche, weil sich an der Leitung Strom entlädt.15 Bei 380 kV-Freileitungen können die Geräusche beeinträchtigend wirken, bei 110 kV-Freileitungen sind sie vor dem Hintergrundgeräusch der Umwelt nicht mehr wahrnehmbar.16 Erdkabel emittieren keine vergleichbaren Geräusche. V. Ergebnis – direkte Umweltauswirkungen von Stromleitern Wie gezeigt, emittiert eine Freileitung ein größeres elektrisches Feld, mehr Geräusche und greift stärker in das Landschaftsbild ein als andere Leiter. Die Auswirkungen des elektrischen Feldes wie auch die akustischen Emissionen sind jedoch innerhalb der zugelassenen Grenzwerte so gering, dass sie vernachlässigt werden können. Ein Erdkabel greift weniger in das Landschaftsbild ein und verbraucht weniger Fläche. Jedoch sind die Kosten einer Erdverkabelung höher als die der Freileitung. Die Gesamtkosten eines GIL sind am höchsten, aber auch die Kosten eines Erdkabels überschreiten die einer Freileitung deutlich. Das Kostenverhältnis unterscheidet sich je nach Betrachter. Spricht die dena von 4 bis 10 mal so hohen Kosten für Kabel, rechnen Oswald/Müller/Krämer für ein konkretes Projekt mit Mehrkostenfaktoren von 2,15 (Kabel) und 4,66 (GIL).17 Auch ist die Lebensdauer eines Kabels gegen- über GIL und Freileitung deutlich geringer. Außerdem ist ein Kabel thermisch weniger belastbar als GIL und Freileitungen, so dass Kabel einen „thermischen Engpass“ im Übertragungsnetz darstellen können.18 Zu bemerken ist, dass die Erfahrungen im Verlegen von Freileitungen ungleich größer sind. Denn Freileitungen haben einen einfachen Aufbau und lassen sich schnell und einfach reparieren.19 Allerdings ist anzunehmen, dass bei stärkerer Nachfrage die Kosten für Erdkabel und GIL sinken würden. Jenseits der Mehrkosten bleibt jedoch festzuhalten, dass Erdkabel oder GIL meist umweltverträglicher sind als eine Freileitung.20 15 Oeding/Oswald, Elektrische Kraftwerke und Netze, S. 320 ff. 16 Brakelmann, Netzverstärkungs-Trassen zur Übertragung von Windenergie, S. 42. 17 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 28; Hoppe-Kilpper/Tiedemann, Ausbau des Stromtransportnetzes, dena Faltblatt, S. 2. 18 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 28. 19 Oswald/Müller/Krämer, Übertragungsalternativen im Höchstspannungsnetz, ET 8/2006, S. 22, 23. 20 So auch Hagenmeyer, Umweltauswirkungen von Strom- und Gasnetzen; Jarass/Obermair, Netzeinbindung von Windenergie, ET 2006, S. 398, 402. 96

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Zusammenfassung

Das Werk befasst sich mit dem Gesetzesziel „Umweltverträglichkeit“ des Energiewirtschaftsgesetzes. Der Autor reduziert das Gesetzesziel auf eine Definition mit wenigen Kriterien. Ferner wird die Rechtsqualität von Ziel- und Zweckbestimmungen untersucht. Umwelteinwirkungen der Energieversorgung werden aufgezeigt – insbesondere in welchem Umfang Netztechnik, Struktur und Steuerung der Netze Auswirkungen auf die Umwelt haben. Umweltverträglicher Netzbetrieb bedeutet so beispielsweise die möglichst weitgehende Einbindung dezentraler Erzeuger und eine effiziente Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Schließlich werden Beispiele gebildet, um zu zeigen, inwieweit „Umweltverträglichkeit“ in Abwägung mit den anderen Zielbestimmungen des EnWG Auswirkung bei der Auslegung des Energiewirtschaftsrechts haben kann. So wird unter anderem deutlich, dass „Netzausbau“ unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit nicht nur den Bau neuer Leitungen, sondern auch das Überwachen der Temperatur der bestehenden Leitung bedeuten kann.