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Patricia Wiater, Titelei/Inhaltsverzeichnis in:

Patricia Wiater

Kulturpluralismus als Herausforderung für Rechtstheorie und Rechtspraxis, page 2 - 14

Eine völkerrechtsdogmatische und ethnologische Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung des EGMR

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4134-5, ISBN online: 978-3-8452-1837-3 https://doi.org/10.5771/9783845218373

Series: Leipziger Schriften zum Völkerrecht, Europarecht und ausländischen öffentlichen Recht, vol. 15

Bibliographic information
Leipziger Schriften zum Völkerrecht, Europarecht und ausländischen öffentlichen Recht Herausgegeben von Prof. Dr. Helmut Goerlich Prof. Dr. Franz Häuser Prof. Dr. Markus Kotzur Institut für Völkerrecht, Europarecht und ausländisches öffentliches Recht der Universität Leipzig Band 15 Patricia Wiater Kulturpluralismus als Herausforderung für Rechtstheorie und Rechtspraxis Eine völkerrechtsdogmatische und ethnologische Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung des EGMR Eine vergleichende Untersuchung der Rechtsprechung zu den ökologischen Menschenrechten auf europäischer und verfassungsrechtlicher Ebene Nomos 1. Auflage 2009 © Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2009. Printed in Germany. Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar. Zugl.: Leipzig, Univ., Diss., 2008 Zugl.: Straßburg, Univ., Diss., 2008 ISBN 978-3-8329-4134-5 Gedruckt mit Unterstützung des Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft der VG WORT 5 Meinen Eltern 6 7 Inhalt Geleitwort von Christian Giordano 15 Geleitwort von Constance Grewe 19 Vorwort 23 Einleitung 25 A. Universalität und kulturelle Relativität der Menschenrechte im Diskurs 25 I. Der Rekurs auf die Universalität der Menschenrechte 25 1. Universalität der Menschenrechte im politikwissenschaftlichen Diskurs 25 2. Universalität der Menschenrechte im völkerrechtlichen Diskurs 28 a) Universalität der Menschenrechte aus rechtshistorischer und rechtstheoretischer Perspektive 28 b) Universalität der Menschenrechte im rechtsdogmatischen und rechtspraktischen Diskurs 31 II. Der Rekurs auf die kulturelle Relativität der Menschenrechte 35 1. Kulturbezogene Einwände gegen die Universalität der Menschenrechte 35 a) Kulturelle Relativität aus rechtstheoretischer und rechtsphilosophischer Perspektive 36 b) Kulturelle Relativität in der Menschenrechtspraxis 41 2. Wissenschaftliche Würdigung kulturbezogener Einwände im Menschenrechtsdiskurs 43 III. Die Debatte um Universalität und kulturelle Relativität der Menschenrechte – Hinführung zur Thematik des Forschungsprojekts 47 1. Offene Fragen im Diskurs um Universalität und kulturelle Relativität 47 2. Re? exionen zur kulturellen Diversität im Rahmen des Europarats: Europäischer Menschenrechtsschutz als Fundament eines interkulturellen Dialogs 49 B. Thema des Forschungsprojekts und methodische Vorgehensweise 52 I. Fragestellung des Forschungsprojekts 52 II. Praxeologischer Ansatz – Zur Interdependenz von Theorie und Praxis 53 III. Methodisches Vorgehen und Gang der Analyse 54 8 1. Teil – Das Verhältnis von Kultur und Menschenrechten aus ethnologischer Perspektive 59 A. Einführung 59 I. Grundlegung zur (rechts-)ethnologischen Forschung – Gegenstand und Methoden 59 1. Ethnologie und Kulturforschung im 21. Jahrhundert 59 a) Forschungsgegenstand der Ethnologie 59 b) Theoriebildung und Methodik in der ethnologischen Forschung 62 c) Forschungsgegenstand der Rechtsethnologie 63 2. Kulturtheorien im historischen Wandel 64 a) Evolutionismus im 19. Jahrhundert 65 b) Kritik am Evolutionismus im 20. Jahrhundert 67 II. Anfänge der ethnologischen Haltung zum internationalen Menschenrechtsschutz 70 1. Stellungnahme der American Anthropological Association zur Allgemeinen Menschenrechtserklärung 70 2. Einwände gegen die Stellungnahme der American Anthropological Association 73 B. Das Verhältnis von Kultur und Menschenrechten aus gegenwärtiger ethnologischer Perspektive 76 I. Empirische Dimensionen 76 1. Interdependenzen von Individuum, Gesellschaft, Kultur und Recht – empirische Dimensionen des Kulturrelativismus 76 a) Kulturrelativismus, Enkulturation und internationaler Menschenrechtsschutz 76 b) Prozess der Enkulturation 79 2. Individuum und Gesellschaft im Spannungsfeld 84 3. Kultur im Spannungsfeld 87 a) Inhalte des Kulturkonzepts 87 b) Kennzeichen des Kulturkonzepts 91 4. Recht im Spannungsfeld 95 a) Inhalte des Rechtskonzepts – Rechtspluralismus 95 b) Kennzeichen des Rechtskonzepts 100 5. Internationaler Menschenrechtsschutz im Spannungsfeld 107 a) Gegenstand des internationalen Menschenrechtssystems 107 b) Internationaler Menschenrechtsschutz im kulturellen Kontext 108 9 II. Normative Dimensionen 114 1. Interdependenzen von Individuum, Gesellschaft, Kultur und Recht – normative Dimensionen des Kulturrelativismus 114 2. Negative Schlussfolgerungen aus den Interdependenzen von (Menschen-)Rechtssystem und Kultursystem 116 3. Positive Schlussfolgerungen aus den Interdependenzen von (Menschen-)Rechtssystem und Kultursystem 122 a) Herausforderungen bei der Normbegründung 122 b) Herausforderungen bei der staatlichen Rechtsetzung und Rechtspraxis 125 c) Herausforderungen in der Praxis internationaler Gerichte zum Schutz der Menschenrechte 132 III. Fazit zur ethnologischen Perspektive auf das Verhältnis von Kultur und Menschenrechten – ein Beitrag zum Diskurs um Universalität und kulturelle Relativität der Menschenrechte 136 2. Teil – Kultur- und Rechtspluralismus in der Rechtsprechung des EGMR 141 A. Einführung 141 I. Zusammenspiel von Ethnologie und Völkerrecht bei der Rechtsprechungsanalyse 141 II. Ethnologische Parameter für die Rechtsprechungsanalyse 142 1. Erkenntnisinteresse bei der Rechtsprechungsanalyse 142 2. Herleitung und Begründung der Fallauswahl 144 3. Aufbau und Methodik der Fallanalyse – zur Durchführung einer „Kulturdiskursanalyse“ 146 B. Kultur- und rechtspluralistische Kon? ikte im Verfahren vor dem EGMR 149 I. Einbringen von Kultur- und Rechtspluralismus durch den Antragsteller 149 1. Religiöse Normativität als Ausdruck gesellschaftlicher Normativität im Kon? ikt mit staatlicher Legalität 151 a) Systematische Darstellung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext religiöser Normativität 151 aa) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 151 bb) Art. 9 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 152 cc) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 158 dd) Art. 11 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 159 10 ee) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 161 b) Auswertung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext religiöser Normativität 163 2. Traditions- und gewohnheitsrechtliche Normativität als Ausdruck gesellschaftlicher Normativität im Kon? ikt mit staatlicher Legalität 167 a) Systematische Darstellung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext traditions- und gewohnheitsrechtlicher Normativität 167 aa) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 168 bb) Art. 11 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 170 cc) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 175 dd) Art. 3, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 176 b) Auswertung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext traditions- und gewohnheitsrechtlicher Normativität 178 3. Sonstige Formen gesellschaftlicher Normativität im Kon? ikt mit staatlicher Legalität 184 a) Systematische Darstellung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext gesellschaftlicher Normativität i.w.S. 184 aa) Art. 2 und Art. 3 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 185 bb) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 189 cc) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 197 dd) Art. 12 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 200 ee) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 202 b) Auswertung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext gesellschaftlicher Normativität i.w.S. 203 II. Einbringen von Kultur- und Rechtspluralismus durch den Vertragsstaat 210 1. Rechtspluralistische Kon? ikte im Kontext des staatlichen Berufens auf den „Schutz der Moral“ in Art. 8 – 11 Abs. 2 EMRK 213 a) Systematische Darstellung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext des staatlichen „Schutzes der Moral“ 213 aa) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 213 bb) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 216 cc) Art. 11 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 220 b) Auswertung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext des staatlichen „Schutzes der Moral“ 222 11 2. Rechtspluralistische Kon? ikte im Kontext des staatlichen Berufens auf den „Schutz der religiösen Gefühle anderer“ in Art. 8 – 11 Abs. 2 EMRK 226 a) Systematische Darstellung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext des staatlichen „Schutzes der religiösen Gefühle anderer“ 226 aa) Art. 9 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 226 bb) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 227 b) Auswertung rechtspluralistischer Kon? ikte im Kontext des staatlichen „Schutzes der religiösen Gefühle anderer“ 231 III. Fazit zu kultur- und rechtspluralistischen Kon? ikten im Verfahren vor dem EGMR 232 C. Lösungstechniken für kultur- und rechtspluralistische Kon? ikte in der Rechtsprechung des EGMR 236 I. Zur Übersetzung kultur- und rechtspluralistischer Kon? ikte in die Prüfungssystematik der Europäischen Menschenrechtskonvention 236 1. Konventionsrechte und -freiheiten als „ordre public européen“ und als „europäische Kulturordnung“ 236 2. Konstituierungsprozess der „europäischen Kulturordnung“ 239 II. Kon? iktlösung in der Struktur der Konventionsanwendung 242 1. Kon? iktlösung im Kontext der Bestimmung des Schutzbereichs 242 a) Systematische Darstellung der Kon? iktlösung im Einzelfall 242 aa) Art. 2 EMRK und Art. 3 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 242 bb) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 245 cc) Art. 12 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 246 dd) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 247 b) Abstrahierbare Prüfungsparameter und Auswertung der Kon? iktlösung 248 2. Kon? iktlösung im Kontext des Vorliegens eines Eingriffs 254 a) Systematische Darstellung der Kon? iktlösung im Einzelfall 254 aa) Art. 3 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 254 bb) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 255 cc) Art. 9 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 256 dd) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 258 b) Abstrahierbare Prüfungsparameter und Auswertung der Kon? iktlösung 259 12 3. Kon? iktlösung im Kontext des Vorliegens eines legitimen Eingriffsziels 262 a) Systematische Darstellung der Kon? iktlösung im Einzelfall 262 b) Abstrahierbare Prüfungsparameter und Auswertung der Kon? iktlösung 263 4. Kon? iktlösung im Kontext der Verhältnismäßigkeitsprüfung – „Notwendigkeit des Eingriffs in einer demokratischen Gesellschaft“ 264 a) Abstrahierbare Prüfungsparameter 264 aa) Herleitung und Begründung der Kontrollaufgaben von EGMR und Vertragsstaat 265 bb) Gegenstand und Umfang der Kontrollaufgaben des EGMR 272 cc) Normative Parameter des EGMR bei der Ausübung seiner Kontrollaufgaben 277 b) Systematische Darstellung der Kon? iktlösung im Einzelfall 284 aa) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 285 bb) Art. 9 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 293 cc) Art. 10 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 297 dd) Art. 11 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 307 ee) Art. 12 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 315 c) Auswertung der Kon? iktlösung im Kontext der Notwendigkeitsprüfung 315 aa) Auswertung der abstrahierbaren Prüfungsparameter 315 bb) Auswertung der Anwendung im Einzelfall 320 5. Kon? iktlösung im Kontext des Bestehens und Erfüllens staatlicher Gewährleistungsp? ichten („positive obligations“) 324 a) Systematische Darstellung der Kon? iktlösung im Einzelfall 324 aa) Art. 8 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 324 bb) Art. 11 EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 332 cc) Art. 2, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 333 dd) Art. 3, 1. Zusatzprotokoll der EMRK im rechtspluralistischen Spannungsfeld 335 b) Abstrahierbare Prüfungsparameter und Auswertung der Kon? iktlösung 337 III. Fazit zu den Lösungstechniken für kultur- und rechtspluralistische Kon? ikte in der Rechtsprechung des EGMR 341 13 3. Teil – Eine Konfrontation völkerrechtlicher und ethnologischer Grundsatzre? exionen zu Kultur- und Rechtspluralismus 349 A. Ethnologische Anregungen zum Umgang des Vertragsstaats und des EGMR mit kultur- und rechtspluralistischen Kon? ikten 349 B. Völkerrechtliche Parameter für den Umgang von Staat und EGMR mit kultur- und rechtspluralistischen Kon? ikten 351 I. Völkerrechtliche Möglichkeiten und Grenzen eines interdisziplinären Austausches: Staatensouveränität, Subsidiarität und Beweislast 351 II. Staatensouveränität und Subsidiarität des europäischen Menschenrechtsschutzes 353 1. Herleitung des Grundsatzes der Subsidiarität 353 2. Bedeutung des Grundsatzes der Subsidiarität 357 3. Zum Wandel des Souveränitätskonzepts und zur völkerrechtsdogmatischen Integrierbarkeit ethnologischer Anregungen 360 III. Beweislast und Beweismaß im Verfahren vor dem EGMR 368 1. Verfahrensrechtliche Vorgaben im Prozess vor dem EGMR 368 2. Zur völkerprozessrechtlichen Realisierbarkeit ethnologischer Anregungen im Verfahren vor dem EGMR 371 Zusammenfassung 374 Literaturverzeichnis 389 Anhang 405 14

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Zusammenfassung

Der Kulturpluralismus, der gegenwärtige Gesellschaften prägt, stellt Staat, Individuum und EGMR vor Herausforderungen: Der Staat ist angehalten, das Spannungsfeld, das bisweilen zwischen staatlichem Recht und den Verhaltenspostulaten soziokultureller Normativität (Beispiel muslimisches Kopftuch) besteht, in seinem Rechtssystem zu lösen – ohne allein der ethnischen oder sozialen Mehrheit gerecht zu werden. Das Individuum befindet sich bei einem Widerspruch zwischen staatlichem Recht und „seiner Kultur“ in einem „Kulturkonflikt“, der notwendigerweise die Verletzung einer der anwendbaren Handlungsnormen – staatlicher oder nicht-staatlicher Art – bedingt. Der EGMR ist in derartigen Fällen herausgefordert, über den Konventionsschutz von Antragstellern zu entscheiden, deren Kulturwerte und -praktiken auf nationaler Ebene Restriktionen ausgesetzt sind.

Die Untersuchung zeigt systematisch verschiedene Formen kulturpluralistischer Konflikte nationaler und internationaler Natur auf. Sie erarbeitet, auf welche methodische Art und Weise der EGMR durch die Anwendung der EMRK eine „europäische Kulturordnung“ schafft, die das Zusammenspiel von staatlichem Recht und pluralistischer gesellschaftlicher Kultur auf nationaler Ebene prägt.