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Peter Paic, Schlussbetrachtung in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 337 - 346

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
6. Schlussbetrachtung Freiberufliche Tätigkeiten im Mittelalter: Künstlerische Darstellung der Astronomie Schlussbetrachtung 339 Die vorliegende Arbeit hat das freiberufliche Gründungsgeschehen innerhalb unterschiedlicher Lebensphasen untersucht. Das Spektrum reicht vom Jahr vor der Gründung über die Frühphase der ersten drei Jahre bis zu einem Untersuchungshorizont von der Gründung bis zur reifen Phase. Somit deckt die Untersuchung drei wichtige Lebenszyklen des freiberuflichen Gründungsgeschehens ab. Auf der Datengrundlage des berichtigten SOEP und der FFB-Onlineerhebung konnten mit multivariaten Schätzverfahren zentrale Einflussgrößen auf die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg identifiziert werden. Die Schlussbetrachtung greift nun die gesetzten Forschungsziele zu Beginn dieser Arbeit auf. Dazu gehören neben den beiden zentralen Fragestellungen nach den Einflussfaktoren freiberuflicher Gründungsaktivität und des freiberuflichen Gründungserfolges auch der theoretische und praktische Erkenntnisgewinn. Im Laufe dieser Arbeit offenbarten sich weitere noch unerschlossene Forschungsfelder, die im Rahmen dieser Schlussbetrachtung aufgezeigt werden. Dies betrifft insbesondere die Bereiche der Theorien aus der Gründungsforschung, die verfügbaren Datenbasen, die statistischen Auswertungsverfahren sowie zukünftig noch zu erschließende Fragestellungen innerhalb der freiberuflichen Gründungsforschung. Grundlagenforschung „Begrifflichkeiten und Klassifikation“ Zu den Zielen der Grundlagenforschung gehörte im Rahmen dieser Arbeit die Klärung der Begrifflichkeiten der „freiberuflichen Gründungsaktivität“ und des „freiberuflichen Gründungserfolges“. Wie sich dabei gezeigt hat, ist der Versuch an sich, eine zu den Selbständigen klar abgegrenzte Begrifflichkeit der Freien Berufe vorzunehmen, nicht möglich. Vor dem Hintergrund einer fehlenden allgemeingültigen Legaldefinition der Freien Berufe ist der Begriff selbst soziologisch geprägt und auf seine Anwendung im Einzelfall anhand einer Fülle von Kriterien zu überprüfen. Dadurch ist es nicht möglich, den Begriff klar und eindeutig einzugrenzen und insbesondere gegenüber den Selbständigen abzugrenzen. Diese generelle Problematik der Begriffsbestimmung zieht sich weiter fort bis zur Erfassung empirischen Datenmaterials. Unterschiedliche Begriffsbestimmungen und Auffassungen zur Frage „freiberuflicher Tätigkeiten“ führen wie im deskriptiven Vergleich des Mikrozensus, SOEP und dem IFB deutlich wurde - zu großen Abweichungen in der Gesamtzahl der freiberuflichen Population im Datenmaterial. Die vorgenommene Definition einer freiberuflichen Tätigkeit hat sich an einer praxisbezogenen Vorgehensweise orientiert, welche in der unvermeidlichen Enumeration der einzelnen Tätigkeiten endete (vgl. Kap.2 und Anhang 2). Darauf aufbauend wurde eine neue Klassifizierung der Freien Berufe innerhalb der Selbständigengruppe vorgenommen. Der neue Terminus, der die Selbständigen in Freiberufler und Unternehmer unterteilt, hat sich dabei insbesondere für die empirischen Arbeiten und Analysen als sehr fruchtbar erwiesen. Dies äußerte sich insbesondere bei der Generierung empirischen Materials zu den Freien 340 Schlussbetrachtung Berufen. Im Gegensatz zu den originären SOEP-Daten konnte die praxisbezogene Klassifizierung und Abgrenzung den Probanden helfen, ihre Tätigkeiten besser einzuordnen. Dadurch konnte die Validität des erhobenen Datenmaterials erheblich gesteigert werden. Letztlich wurden aufbauend auf den Definitions- und Klassifizierungsarbeiten freiberufliche Formen der Gründung gebildet. Auf Basis des unternehmensspezifischen Ansatzes der Gründungsformen konnten diese unter Berücksichtigung der freiberuflichen Begebenheiten in ihrer Strukturexistenz und den freiberuflich institutionellen Strukturen differenziert werden. Über die praxisorientierte Zielerreichung zu den freiberuflichen Begriffen und Definitionen hinaus hat sich insbesondere die neue Klassifizierung der Freien Berufe als Fundament empirisch validen Materials bewährt. Grundlagenforschung „Theorieansätze“ Das zweite grundlagenbezogene Forschungsziel dieser Arbeit umfasste die kritische Analyse allgemeiner und spezieller Theorieansätze aus der Gründungsforschung im Kontext der Freien Berufe. Nach der Analyse des „Status Quo“ zum derzeitigen Stand der Gründungsforschung wurde vor dem Hintergrund eines generell fehlenden einheitlichen Forschungsansatzes ein aus den zentralen Fragestellungen dieser Untersuchung abgeleiteter Kriterienkatalog zur Identifizierung zielführender Theorieansätze für das freiberufliche Gründungsgeschehen entwickelt. Aus diesem Diskurs konnten sowohl für die freiberufliche Gründungsaktivität als auch für den freiberuflichen Gründungserfolg systematisch zielführende Theoriemodelle identifiziert werden. Dies ist spezifisch, auf das freiberufliche Umfeld abgestimmt, für die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg der Ansatz des allgemeinen und spezifischen Humankapitals. Darüber hinaus erwiesen sich der Ansatz des unvollständigen Wettbewerbs aus der Industrieökonomie und die Organisationsökologie als sinnvolle theoretische Konstrukte für die Untersuchung des freiberuflichen Gründungserfolges. Als besonders ergiebig erwies sich die Zusammenführung einzelner Theorieansätze zu einem gemeinsamen Theoriemodell. Konnten die psychologischen Theorieansätze für sich allein stehend keine befriedigende und valide Erklärung für die Aktivität und den Erfolg von Gründungen liefern, überzeugten sie als Ergänzung humankapitaltheoretischer Annahmen. Durch die Verknüpfung der Selektions- und Produktivitätseffekte mit den Annahmen der Push- und Pull- Faktoren konnten beide Ansätze in eine sinnvolle Perspektive gebracht werden und die Erklärungskraft durch eine wesentlich umfassendere und gezieltere Abbildung der Wirklichkeit deutlich gesteigert werden. Hier zeigt sich als praktischer Erkenntnisgewinn ein Feld für zukünftige Forschungsaufgaben. Hat sich das Lösen von einer isolierten Betrachtung einzelner Determinanten wie beispielsweise dem Alter einer Person schon in der Vergangenheit durch die Schlussbetrachtung 341 Verknüpfung mit humankapitaltheoretischen Annahmen als sehr erfolgreich erwiesen, so zeigt sich auch die Zusammenführung einzelner Erklärungsansätze in eine gemeinsame Perspektive von einer durchschlagskräftigeren Erklärungsgüte als die einzelne isolierte Betrachtung der Ansätze. Grundlagenforschung „bisherige empirische Studien und daraus abgeleitete Annahmen und Erkenntnisse“ Neben der rein theoretischen Ausrichtung der verschiedenen Ansätze wurde insbesondere deren empirischer Gehalt in zurückliegenden Forschungsarbeiten überprüft. Dabei zeigte sich im Kontext der Freien Berufe eine nur geringe Anzahl von wissenschaftlichen Abhandlungen, die sich mit dem feiberuflichen Gründungsgeschehen auseinandersetzten. Für die Analyse bisheriger Forschungsarbeiten und dem Ableiten von Erkenntnissen und Regelhaftigkeiten wurde das Spektrum auf Gründungsforschung von Selbständigen erweitert. Kennzeichnend für die jüngere Entwicklung der unternehmensspezifischen Gründungsforschungsarbeiten sind eine zunehmend theoriegeleitete Auseinandersetzung, empirische Fundierung und quantitative Analyseverfahren. Durch diese Erweiterung konnten aus einem größeren Fundus an vorliegenden Studien einige zentrale Ergebnisse und Annahmen in den freiberuflichen Kontext übertragen werden. So sind wiederkehrende Erkenntnisse und Regelhaftigkeiten zu der Gründungsaktivität (Selektionseffekte, spezifisches Humankapital, etc.) und dem Gründungserfolg (demografische Merkmale, branchenspezifisches Humankapital etc.) in die Bildung der Hypothesen zu den Annahmen des freiberuflichen Gründungsgeschehens eingeflossen. Mit Hilfe der systematischen theoretischen Auseinandersetzung in Verbindung mit den bisherigen Erfahrungen aus der empirischen Gründungsforschung wurden drei Untersuchungsmodelle entwickelt. Deren Ziel ist es, die aus den theoretischen und praktischen Erkenntnissen abgeleiteten Hypothesen mittels multivariater Verfahren zu testen und deren Gehalt zu überprüfen. Für die Gründungsaktivität konnte ein Untersuchungsmodell entwickelt werden, welches die Determinanten einer dichotom konstruierten Gründung im Jahr vor der Gründung auf ihren Einfluss testet. Für den freiberuflichen Gründungserfolg konnten zwei Untersuchungsmodelle entwickelt werden. Im ersten Modell wird das Überleben freiberuflicher Gründungen in den ersten drei Jahren getestet. Die Determinanten werden auf ihren Einfluss auf dichotome Überlebensvariablen (überlebt/ nicht überlebt) mittels multivariater Analyseverfahren getestet. Im zweiten Modell gilt das freiberufliche Einkommen als Erfolgsmaßstab. Mit einem Ordered Probit-Modell wird der Einfluss der Determinanten auf die Wahrscheinlichkeit eines höheren Einkommens getestet. Für alle drei Modelle flossen die Erkenntnisse aus den untersuchten theoriegeleiteten und empirischen Arbeiten ein. Dazu zählen insbesondere die Validität der personenbezogenen Ansätze wie die Humankapitaltheorie, aber auch in anderen Untersuchungen festgestellte Regelhaftigkeiten. In der Gesamtschau konnten speziell zu den Unternehmensgrün- 342 Schlussbetrachtung dungen entwickelte Ansätze der Forschung (personenbezogene Ansätze wie die allgemeine und spezifische Humankapitaltheorie, die Organisationsökologie, und die Industrieökonomie) auf das freiberufliche Gründungsumfeld übertragen und fortentwickelt werden. Grundlagenforschung „Deskriptive Aussagen zu den Freien Berufen und des freiberuflichen Gründungsgeschehens“ Da im Rahmen dieser Arbeit erstmalig umfangreiches empirisches Material zu den Freien Berufen und ihrem Gründungsverhalten aufbereitet oder erhoben wurde, ist es ein praxisbezogenes Ziel dieser Arbeit, die Merkmale und Charakteristika der Freien Berufe deskriptiv herauszuarbeiten. Dies wurde mit der Auswertung des berichtigten SOEP-Datensatzes und der FFB-Onlineerhebung erreicht. Wenn auch nicht die Ergebnisse aller Auswertungen unmittelbar vergleichbar sind, so zeichnet sich ein deutliches Bild der freiberuflich Tätigen und der freiberuflichen Gründer durch die Auswertungen ab. Als Grundlage dieser Auswertungen konnte der, im Rahmen dieser Arbeit berichtigte und erweiterte SOEP-Datensatz (z.B. um die Kammer- und Gründungsinformation), herangezogen werden. Darüber hinaus stand mit der FFB-Onlineumfrage eine primär auf das Untersuchungsziel ausgerichtete Datenbasis zur Verfügung. So konnte das Spektrum von den personenbezogenen Einflussfaktoren insbesondere zu den betriebsbezogenen erweitert werden. Die deskriptiven Ergebnisse der FFB- Onlineumfrage wurden auf Grundlage des Mikrozensus mit dem Programmpaket Adjust hochgerechnet. Die Tabelle 68 gibt einen Überblick zu ausgewählten deskriptiven Ergebnissen über die typischen freiberuflichen Merkmale und Charakteristika im Jahr vor der Gründung, der dreijährig Überlebenden und der Gründer mit einem höheren Einkommen. Wenn auch die Ergebnisse tabellarisch gegenübergestellt sind, so sind sie nicht unmittelbar vergleichbar, da sie auf verschiedenen Konzepten beruhen. Die Tabelle 68 gibt vielmehr einen ersten Überblick zu den spezifischen Merkmalen und Charakteristika freiberuflicher Gründungen aus den einzelnen Modellen. Ein weiteres anwendungsbezogenes Forschungsergebnis stellt die Auswertung der Freien Berufe in Deutschland über den Zeitraum von 1993 bis 2002 dar. Hier zeigten sich zentrale Änderungen der freiberuflichen Charakteristika über den Untersuchungshorizont auf: So ist ein ansteigendes Durchschnittsalter in den Freien Berufen festzustellen (plus 4 Jahre); ein Anstieg des Frauenanteils in den Freien Berufen (plus 10 Prozentpunkte); sowie ein Anstieg der Tätigen in der Berufsgruppe der Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe (plus 8 Prozentpunkte). Ebenfalls deutlich angestiegen ist seit 1993 die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit der vollzeitbeschäftigten Freiberufler (fast 5 Stunden) und die Quote der vollzeitbeschäftigten Freiberufler (plus 7 Prozentpunkte). Schlussbetrachtung 343 Tabelle 68: Übersicht zu den freiberuflichen Merkmalen und Charakteristika aus den deskriptiven Ergebnissen der drei Untersuchungsmodelle Charakteristika und Merkmale Im Jahr vor der Gründung Die ersten drei Jahre überlebt Haben ein höheres Einkommen Personenbezogen Alter 38 Jahre 40 bis 49 Jahre 48% über 50 Jahre Geschlecht 60% Männer 63% Männer 96% Männer Familienstand 53% verheiratet 51% verheiratet Kinder 55% ohne Kinder 51% ohne Kinder Humankapital Schulausbildung 70% mit Abitur 62% mit Abitur 81% mit Abitur Hochschule 38% mit Berufsausbild. 26% mit Berufsausbild. Berufsabschluss 69% mit Hochschulab. 67% mit Hochschulab. 92% mit Hochschulab. spezif. Humankapital vohergehende Tätigkeit 40% Angestellte 51% Angestellte 77% Angestellte 33% nicht Erwerbstätig 13% nicht Erwerbstätig 0% nicht Erwerbstätig 15% Selbständig 12% Selbständig 9% Selbständig 8% Arbeitslos 17% Arbeitslos Berufserfahrung 48% über 7 Jahre Erf. Betriebsbezogen Arbeitzeit wöchentlich 52% über 40 Stunden Freiberufl. Einkommen 74% über 1000€ mon. Berufsgruppe 75% Freie Heilberufe 41% Rechts/Wirtschft. Soz.-vers. Mitarbeiter 42% über drei Mitarb. Mitarbeiter zur Gründung 37% über drei Mitarb. Kammerberuf 56% Kammerberufe Umfeldbezogenen Region 82% Westdeutschland 75% Westdeutschland 92% Westdeutschland Quelle: Eigene Tabelle und Erhebungen. Aus den Analysen konnten ebenfalls erste Rückschlüsse auf den freiberuflichen Erfolg hinsichtlich der Einkommen abgeleitet werden. Demnach verfügen Freiberufler mit folgenden Charakteristika über ein tendenziell höheres monatliches Bruttoeinkommen: ein höheres Alter, sind männlich und verheiratet sowie kinderlos, stammen aus den Freien Heilberufen oder den Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen, vorwiegend Kammerberufen, sind Freiberufler mit Mitarbeitern und vollzeittätig, haben längere Arbeitszeiten und eine höhere Arbeitszufriedenheit, stammen aus Westdeutschland und hatten eine längere Ausbildungsdauer. 344 Schlussbetrachtung In der Gesamtschau führte die Untersuchung für den praktischen Erkenntnisgewinn zu einer wesentlich besseren Kenntnis der freiberuflichen Charakteristika und Merkmale. Dies betrifft das Jahr vor der Gründung, das dreijährige Überleben sowie die Merkmale für Zugehörigkeit in eine mittlere und höhere Einkommensklasse. Grundlagenforschung „multivariate Analysen und Hypothesentests zur freiberuflichen Gründungsaktivität und dem Gründungserfolg“ Fünftes und letztes Forschungsziel des theoretischen Erkenntnisgewinns ist die Ableitung von Regelmäßigkeiten durch multivariate Schätzungen und den Hypothesentests. Die Tabelle 69 zeigt die in den Hypothesen vermutete Einflussrichtung der Determinanten. Dem stehen die Ergebnisse der maßgebenden Schätzer der einzelnen Modelle gegenüber. Dies ist für die Längsschnittanalysen der Gründungsaktivität das Fixed Effects Random Modell sowie für das dreijährige Überlebensmodell das Rare Event Logit Modell aus dem gepoolten Datensatz und abschließend ist für den freiberuflichen Einkommenserfolg das Ordered Probit Modell. Wie den Erläuterungen in den jeweiligen Zwischenfazits (vgl. Kap. 4.3.5, 4.4.5 und 5.4.5) zu entnehmen ist, konnten in den Quer- und Längsschnittanalysen sowie mit Hilfe von unterschiedlichen Schätzverfahren eine Vielzahl von Einflussgrößen auf das freiberufliche Gründungsgeschehen identifiziert werden. Folgend soll in der Schlussbetrachtung ausschließlich auf die durch die Hypothesentests bestätigten Größen eingegangen werden. Als zentrale Einflussgrößen einer freiberuflichen Gründungsaktivität haben sich ein höheres Alter, ein höheres Haushaltseinkommen, eine höhere allgemeine Humankapitalausstattung sowie eine vorhergehende Erfahrung als Selbständiger erwiesen. Bei Personen mit diesen Merkmalen im Jahr vor der Gründung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründungsaktivität. Als negative Einflussfaktoren für eine Gründung zeigten sich ein verheirateter Familienstand, die Herkunft aus Ostdeutschland sowie vorhergehende nicht freiberuflich typische Tätigkeiten wie der Berufsstand der Arbeiter. Im dreijährigen Überlebensmodell des freiberuflichen Gründungserfolges erwiesen sich ein höheres Alter sowie die Gründung in der Gruppe der Freien Heilberufe als positive Einflussgrößen für den Gründungserfolg. Als negative Einflussgrößen erwiesen sich Gründungen durch Frauen, eine zuvor zu den Freien Berufen artfremd ausgeübte Tätigkeit sowie eine vorhergehende nicht Erwerbstätigkeit für das dreijährige Überleben der Gründung. Beim Einkommen als freiberuflichen Erfolgsmaßstab zeigten sich eine längere Berufserfahrung sowie eine Tätigkeit in einem Kammerberuf als vorteilhaft für ein höheres Einkommen. Als negative Einflussgrößen erwiesen sich für ein höheres Einkommen die Frauen sowie eine regionale Herkunft aus Ostdeutschland. Schlussbetrachtung 345 Tabelle 69: Übersicht zu den freiberuflichen Merkmalen und Charakteristika aus den multivariaten Ergebnissen der drei Untersuchungsmodelle Aktivität Erfolg Gründung Überleben Einkommen Hypoth. Schätzer Hypoth. Schätzer Hypoth. Schätzer Alter + +*** + +*** Frauen o -*** - -*** - -*** Nation o -*** Gesundheit o o De m og ra fie Arbeitszufried. o o - o verheiratet - -*** o o Kinder o +*** o o Personen im HH o -*** HH-Einkommen + +*** m ik ro so zia le s Umfel d Ostdeutschland - -*** - o - -* Schulausbildung + +*** + o + o Berufsbildung + +** Hum anka pi ta l Hochschulabschl. + +*** + -** + o Berufserfahrung + +*** Branchenerfahr. + o zuvor Angestellter zuvor Arbeiter - -*** - -* zuvor Selbständig + +*** + -* + o zuvor Arbeitslos - o sp ez ifis ch e s H um an ka pi ta l zuvor nicht Erw. - o - -*** Kammerber. + o + +** freie Künstl. - o freie Heilber. + +** u n vo lls t. W et tbe we rb freie rechts. + o derivative Gründ. + o Anz. der Mitarb. + o O rg an is atio ns - ök ol o gi e Mitarb. zur Gründ. + o Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Die identifizierten Einflussgrößen aller drei Untersuchungsmodelle beruhen auf Auswertungen relativ kleiner Datenbasen. Dies gilt sowohl für die empirischen Analysen mit dem SOEP als auch für die FFB-Onlineumfrage. Bei einer Stichprobengröße zwischen 120 und 220 Personen liefern die Untersuchungen keinen repräsentativen Ergebnisse. Vielmehr geben sie eine Tendenz möglicher Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungsaktivität und den Gründungserfolg. 346 Schlussbetrachtung Hier zeigt sich das zentrale Problem der freiberuflichen Gründungsforschung: die prekäre Datenlage für empirisch gestützte Untersuchungen. Wie das Kapitel zur Auswahl geeigneter Datenbasen gezeigt hat, fehlt eine primär zu den Freien Berufen erhobene repräsentative Datenbasis, welche Informationen zu den Freien Berufen über die Zeit mit einem Kranz an soziodemografischen und betriebsbezogenen Informationen bereithält. Hier kann als einzige Datenbasis, mit der Einschränkung betriebsbezogener Informationen, das SOEP überzeugen (vgl. Kap. 2). Darüber hinaus zeigten sich erhebliche Schwächen im SOEP innerhalb der Selbständigengruppe. Ohne ergiebige Datenbasis lassen sich die Freien Berufe und ihr Gründungsgeschehen nicht empirisch analysieren. Ergo ist auch der relativ dünne Bestand empirisch gestützter Literatur zu diesem Themenkomplex nicht verwunderlich. Für die weitere Entwicklung der freiberuflichen Gründungsforschung sowie generell der Forschungsarbeiten zu den Freien Berufen liegt eine zukünftige Aufgabe in der Erschließung eines besseren Informationszugangs. Dazu empfiehlt sich, als ein erster Schritt die Modifizierung des ZEW-Panel und des SOEP-Panel zugunsten von klein- und kleinstbetrieblichen Gründungen. Für die freiberufliche Gründungsforschung ist insbesondere eine Erweiterung des SOEP-Panels von Bedeutung. Mit kleinen Änderungen im SOEP-Fragebogen und in der Datenaufbereitung lassen sich zentrale Defizite, wie zur Gründungsform oder zur Gründungsvariablen schnell beseitigen. Mit seinen personen- und betriebsbezogenen Verknüpfungsmöglichkeiten bietet das SOEP-Panel gute Voraussetzungen für die empirische Gründungsforschung sowohl für klein- und kleinstbetriebliche Gründungen als auch für freiberufliche Gründungen. Vorschläge, wie die vorliegenden Informationsmängel im SOEP behoben werden können, liefert diese Arbeit. Darüber hinaus wurden konkrete Vorschläge für eine maßvolle Erweiterung betriebsbezogener Fragestellungen im SOEP- Fragebogen unterbreitet. Neben den ersten zentralen Einflussgrößen auf die freiberufliche Gründungsaktivität und den Gründungserfolg zeigt diese Arbeit einen neuen Weg, die Definitions- und Klassifizierungsfragen praxisbezogen umzusetzen sowie Möglichkeiten, um die Qualität der freiberuflichen Daten zu verbessern. Nicht zuletzt erhofft sich der Autor mit dieser Arbeit eine Anregung für Weiterentwicklung des SOEP und der freiberuflichen Gründungsforschung insgesamt.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.