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Peter Paic, Zwischenfazit in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 333 - 336

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Onlineerhebung zu den Freien Berufen 333 5.4.6 Zwischenfazit Für die Untersuchung der Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit stand mit der FFB-Onlineumfrage 2003 eine primär auf die Situation der Freien Berufe ausgerichtete Datenbasis zur Verfügung. Neben neuen deskriptiven Ergebnissen aus den offenen und geschlossen Fragestellungen wurde mit einem Ordered-Probit Ansatz- und vergleichend mit einem OLS-Schätzer und einem MNL-Ansatz die Wahrscheinlichkeit von Determinanten eines höheren Einkommens aus freiberuflicher Tätigkeit quantifiziert. Mit diesen Ergebnissen konnten letztlich die aus den theoretischen Ansätzen entwickelten Hypothesen über die Determinanten höherer freiberuflicher Einkommen überprüft werden. Die Ergebnisse der mikroökonometrischen multivariaten Analysen zeigen die Signifikanz der konkurrierenden Einflussgrößen und Hypothesen auf. Zu den signifikant positiven Einflussgrößen konnten die hypothetisch abgeleiteten Annahmen zum Geschlecht, zu den spezifischen beruflichen Erfahrungen sowie zu den freiberuflich-institutionelle Gegebenheiten bestätigt werden. Ohne Bestätigung, teils mit gegensätzlichen Ergebnissen, blieben die hypothetischen Annahmen zur Schulausbildung, der Berufsgruppen, der vorhergehenden Branchen und Selbständigkeitserfahrung und der Mitarbeiter zum Gründungszeitpunkt. Keine Bestätigung durch das Ordered Probit Modell, aber tendenzielle Hinweise zu den hypothetischen Annahmen, gab das MNL-Modell zum Hochschulabschluss, der Gründungsform und der Mitarbeiterzahl. Aus den Ergebnissen des von seiner Ordnungsstruktur maßgebenden Ordered Probit Modells stechen insbesondere vier Einflussgrößen hervor, welche die Wahrscheinlichkeit eines höheren Einkommens aus freiberuflicher Tätigkeit signifikant oder hoch signifikant beeinflussen. Dies sind im Einzelnen die Berufserfahrung, das Geschlecht, die Berufsgruppe und die Kammerberufe. Bei der geschlechtsspezifischen Betrachtung konnte insbesondere bei den Frauen ein hoch signifikant negativer Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines höheren Einkommens festgestellt werden. Dies bestätigt die Annahmen aus der ersten Hypothese. So hatte Heil (1999) in seiner Studie ein geringeres Wachstum bei Gründungen von Frauen festgestellt, welches auch zu einem geringeren Einkommen führte. Insofern sagt es nicht zwangsweise etwas über eine Diskriminierung aus, wenn Frauen signifikant weniger verdienen. Vor dem Hintergrund der freiberuflichen Situation muss auch die Berufsgruppenzugehörigkeit beachtet werden. So gibt es verschiedene unterschiedlich entlohnte Berufe (z.B. Heilberufe: Ärzte und Physiotherapeuten). So sind für das Ergebnis zwei Ursachen möglich. Im Gegensatz zu den Männern legen Frauen nach der Gründung weniger Wert auf ein stärkeres Wachstum. Hinzu kommt offensichtlich die bevorzugte Berufswahl von Frauen in weniger gut dotierten freiberuflichen Tätigkeiten (z.B.: Hebammen). Wie sich schon in den deskriptiven Ergebnissen deutlich abzeichnete, hat eine langanhaltende Berufserfahrung einen deutlichen positiven Effekt auf die freibe- 334 Onlineerhebung zu den Freien Berufen rufliche Einkommenshöhe. Offensichtlich sind Kenntnisse und Erfahrungen im ausgeübten Beruf von besonderer Bedeutung für die Einkommenshöhe. Dies scheint auch Plausibel vor dem Hintergrund der Marktdurchdringung wie zum Beispiel eines festen Kundenstammes. Das Sammeln spezifischen Humankapitals im ausgeübten Beruf dürfte helfen den Markt besser einzuschätzen und somit vor wirtschaftlichen Fehlentscheidungen schützen. Als dritte zentrale Einflussgröße auf die freiberufliche Einkommenshöhe erwies sich die Berufsgruppenzugehörigkeit. Dabei musste die hypothetische Annahme die Freien künstlerischen, pädagogischen und publizistischen Berufe hätten einen negativen Einfluss auf die Höhe der Einkommen verworfen werden. Zwar wies die Berufsgruppe ein negatives Vorzeichen in allen Schätzmodellen auf, doch sind die Werte weit entfernt jeglicher Signifikanz. Dagegen zeigt sich bei den Freien Heilberufen ein positiver Einfluss auf ein höheres Einkommen. Der signifikante Einfluss wird im Ordered Probit Modell und dem OLS-Schätzer auf einem fünf Prozentniveau angegeben. Die Ergebnisse überraschen auf den ersten Blick, da sich innerhalb der deskriptiven Ergebnisse die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe sowie die Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe als proportional stärkste Gruppen in den höheren Einkommensklassen zu finden waren. Allerdings zeigten sich schon die Freien Heilberufe in der Deskription als dominierende Gruppe in der mittleren Einkommensklasse mit einem nicht unerheblichen Anteil in der höheren Einkommensklasse. Interessant sind dazu die Ergebnisse des MNL-Schätzers. Hier zeigt sich ein positiver Einfluss auf die Zugehörigkeit der mittleren Einkommensklasse. Der signifikante Einfluss zeigt im Test gegenüber der unteren Einkommensklasse nicht die Zugehörigkeit in die höhere Klasse der Einkommen. Insgesamt bleiben die gro- ßen Einkommensunterschiede innerhalb der einzelnen Berufsgruppen festzuhalten, welche eine Analyse aus Perspektive der Berufsgruppen zu den Einkommen sehr stark einschränken. Hier wären weitere Analysen zum Einkommen mit einer größeren Grundgesamtheit wünschenswert. Als vierte und letzte zentrale Einflussgröße im Orderd Probit Modell erwies sich die Zugehörigkeit zu den Kammerberufen. Bestätigt wurde der positive Einfluss der Kammerberufe auf die Wahrscheinlichkeit eines höheren freiberuflichen Einkommens. Die Ergebnisse sind signifikant auf einem fünf Prozentniveau und stützen die zehnte Hypothese. Als fruchtbar erwiesen sich die theoretischen Annahmen aus dem Modell des unvollständigen Wettbewerbs. Obwohl in den einzelnen Berufsbildern der Markteingriff in einer unterschiedlichen Intensität anzutreffen ist, zeigt sich dessen signifikanter Einfluss auf die freiberufliche Einkommenshöhe. Neben den Einflussgrößen aus dem Ordered Probit Modell konnten die Ergebnisse der beiden anderen Schätzverfahren weitere Anhaltspunkte auf die Einflussgrößen freiberuflicher Einkommen geben. So weist der MNL-Ansatz dem Hochschulabschluss für die höhere Einkommensklasse einen signifikanten Einfluss zu. In diese Richtung wiesen bereits die deskriptiven Ergebnisse. Hier Onlineerhebung zu den Freien Berufen 335 zeichnete sich eine positive Tendenz mit einen Hochschulabschluss für die höhere Klasse der Einkommen ab. Dabei bleibt auch zu beachten, dass eine Vielzahl der freiberuflichen Tätigkeiten einen Hochschulabschluss voraussetzt. Dieses hat natürlich auch unmittelbare Folgen auf die Anzahl der Schuljahre und andere humankapitalbezogene Faktoren der Freiberufler. Zwei weitere signifikante Einflussgrößen im MNL-Modell sind die Gründungsform und die Anzahl der aktuell beschäftigten Mitarbeiter. Konnten die Hypothesen zu diesen zwei Determinanten im Ordered Probit Modell nicht bestätigt werden, so zeigt sich hier ein positiver Einfluss für die mittlere Einkommensklasse. Beide Werte sind auf einem fünf Prozentniveau signifikant. Letztlich zeigt sich aus den umfeldbezogenen Ansätzen ein signifikanter Einfluss der regionalen Herkunft. So haben im MNL-Modell ostdeutsche Freiberufler eine geringere Wahrscheinlichkeit zur Gruppe der höheren Einkommensklasse zu gehören. Dieses Ergebnis entspricht zwar den Erwartungen aus der zwölften Hypothese, doch zeigt sich in den beiden anderen Modellen keine signifikante Bestätigung. Eine mögliche Ursache dafür kann generell in der Anpassung der Lebensverhältnisse zwischen West- und Ostdeutschland liegen. Darüber hinaus ist von einer gewissen Reife des Marktes nach den Jahren der Vereinigung auszugehen. So weisen die Ergebnisse, mit Ausnahme des MNL-Schätzers, keine signifikant negativen Einflüsse mehr aus. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Schätzer und die Hypothesentests zu den freiberuflichen Einkommen den besonderen Einfluss der struktursetzenden Maßnahmen zum Gründungszeitpunkt. Wichtige Entscheidungen der Gründer, welche einen zentralen Einfluss auf den späteren Erfolg der Unternehmung haben (hier der Einkommenserfolg), werden so bereits in der Gründungsphase gelegt. Dazu gehört die Gründungsform, Anzahl der Mitarbeiter sowie die Berufsgruppe. Dies spricht klar dafür bei Einkommens- und Erfolgsanalysen generell Daten aus der Gründungsphase mit einzubeziehen und stärker zu analysieren. Obwohl die Struktur der FFB-Onlineumfrage 2003 der des Mikrozensus recht ähnlich ist, bleibt zur Repräsentativität dieser Analyse festzuhalten, dass bei der relativ geringen Fallzahl eher Hinweise als harte Fakten gewonnen werden konnten. Dennoch konnte mit dieser primär auf die Freien Berufe gezielten Umfrage ein (weiterer) Schritt getan, die Situation der Freien Berufe speziell zu analysieren. Mit den Ergebnissen aus anderen Studien (z.B. Merz und Böhm 2005) hat es sich gezeigt, dass auch die Einkommenssituation der Freien Berufe sich signifikant von der Situation anderer Akteure auf dem Arbeitsmarkt unterscheidet. Insgesamt konnten mit den neuen Daten aus der FFB-Onlineumfrage neue Erkenntnisse für die Bedeutung eines erweiterten Humankapitalansatzes mit signifikanten geschlechtsspezifischen, berufsbezogenen, freiberuflich institutionellen Effekten sowie Effekten aus der Gründungsphase gewonnen werden.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.