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Peter Paic, Untersuchungsmodell in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 323 - 326

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Onlineerhebung zu den Freien Berufen 323 überproportional häufig in der mittleren und höheren Einkommensklasse vertreten während Freiberufler ohne Mitarbeiter bei Gründung häufiger in der untersten Klasse der Einkommen anzufinden sind. Hinsichtlich der institutionellen Begebenheiten sind fast drei Viertel aller Freiberufler in keinem Kammerberuf tätig. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit zur mittleren oder höheren Einkommensklasse zu gehören mit der Ausübung eines Kammerberufes an. Die niedrigere Einkommensklasse ist von den kammerlosen Freiberuflern geprägt. 5.4.2 Multivariate Ergebnisse zum Einkommenserfolg Die multivariaten Ergebnisse und Hypothesentests zum freiberuflichen Einkommenserfolg aus der FFB-Onlineumfrage 2003 stehen im Mittelpunkt des folgenden Abschnitts. Zunächst wird das Untersuchungsmodell zum freiberuflichen Einkommenserfolg vorgestellt. Dies umfasst die endogenen Messgrößen sowie die Modellierung der exogenen Einflussgrößen auf den freiberuflichen Einkommenserfolg (Kap. 5.4.4). Dem Untersuchungsmodell schließt sich die Auswahl und Vorstellung der statistischen Auswertungsverfahren an. Dabei wird in erster Linie auf das Ordered Probit Modell als maßgebendes Untersuchungsmodell eingegangen. Zur Anwendung kommen aber auch ein multinomiales Logit Modell und ein OLS- Schätzer (Kap. 5.4.5). Grundlage der multivariaten Auswertungen sind die nicht hochgerechneten Daten der FFB-Onlineerhebung 2003. In den folgenden Abschnitten werden die Determinanten auf ihren Einfluss auf die Zugehörigkeit einer der drei Einkommensklassen getestet. Die empirische Relevanz der aufgestellten Hypothesen freiberuflicher Gründungsaktivitäten (Kap. 5.4.6) wird mit den multivariaten Analysemethoden zum Abschluss der jeweiligen Unterkapitel überprüft. Das Zwischenfazit schließt den Abschnitt des freiberuflichen Einkommenserfolges mit den Hypothesentests ab (Kap. 5.4.7). 5.4.3 Untersuchungsmodell Grundlage für die Entwicklung des Untersuchungsmodells zum freiberuflichen Einkommenserfolg sind die theoretischen Annahmen und empirisch nachgewiesenen Regelhaftigkeiten aus dem dritten Kapitel (vgl. Kap. 3.4 und 3.5). Eingebettet ist das Untersuchungsmodell sowohl der Struktur als auch im Aufbau in den Bezugsrahmen zur Gründungsforschung (vgl. Kap. 3.2), d.h. die Gründerperson mit ihrem freiberuflichen Einkommen als Forschungsobjekt steht perspektivisch im Mittelpunkt. Der Forschungsperspektive folgend richtet sich die Vorgehensweise an den personen-, betriebs-, und umfeldbezogenen Theorieansätzen aus. Die systematisierte Hypothesenstruktur (vgl. Kap. 3.6) spiegelt sich letztlich auch im Modellaufbau zum freiberuflichen Einkommenserfolg wieder. Die Tabelle 65 gibt auf den folgenden Seiten einen Überblick zum Hintergrund der theoretischen Annahmen sowie den einzelnen Determinanten mit ihren Merkmalsausprägungen und den Referenzkategorien. 324 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Tabelle 65: Untersuchungsmodell zum freiberuflichen Einkommenserfolg Freiberufliche Einkommensklassen Niedrige Einkommen bis 37.499 Euro Mittlere Einkommen ab 37.500 - 74.999 Euro Höhere Einkommen ab 75.000 Euro Allgemeines Humankapital Schuljahre (in Jahren) Hochschulabschluss Referenz kein Hochschulabschluss (0) Hochschulabschluss (1) Spezifisches Humankapital Berufserfahrung (derzeitiger Beruf in Jahren) Berufserfahrung (derzeitiger Beruf in Jahren quadriert) vorherige Branchenerfahrung (in Jahren) vorherige Selbständigkeitserfahrung Referenz: keine Selbständigkeitserfahrung (0) Selbständigkeitserfahrung (1) Geschlecht Geschlecht Referenz: mänlich (0) weiblich (1) Berufsgruppe Berufsgruppen Referenz Freie Technisch. und Naturwissenschftl.(0) Freie Heilberufe (1) Freie Rechts- und Wirt. (1) Freie Künstler, Pädagogen und Publizisten (1) Gründungsform Gründungsform Referenz: originäre Gründungsform (0) derivative Gründungsform (1) Sozialversicherte Mitarbeiter Anzahl der Mitarbeiter aktuell Anzahl der Mitarbeiter zur Gründung Kammerberufe Kammerberufe Referenz nicht kammerfähige Freie Berufe (0) Kammerberufe (1) Region Region Referenz Westdeutschland (0) Ostdeutschland (1) Quelle: Eigene Tabelle. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 325 Grundlage für die multivariaten Tests sind die ungewichteten Daten aus der FFB-Onlineumfrage 2003. Dem berichtigten Datensatz liegen die Antworten von 123 Teilnehmern vor. Abhängige Variable im Untersuchungsmodell der Gründungsaktivität ist das Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit. Das Einkommen wird für die Tests in drei ordinalskalierte Klassen unterteilt. Die unabhängigen Determinanten werden auf ihren Einfluss zur Wahrscheinlichkeit einer der drei Einkommensklassen anzugehören getestet. Untersucht werden die aus den Hypothesen abgeleiteten und dementsprechend operrationalisierten Determinanten. Dazu gehören das Allgemeine Humankapital aus den personenbezogenen Ansätzen mit der Anzahl der Schuljahre sowie der Hochschulabschluss. Die Anzahl der von den Freiberuflern absolvierten Schuljahre fließt metrisch skaliert in das Untersuchungsmodell ein. Die Tabelle 65 gibt eine Übersicht zum Untersuchungsmodell des freiberuflichen Einkommenserfolges. Der Tabelle ist die theoriegeleitete Zuordnung der einzelnen Variablen sowie ihre Kodierung und die Referenzgrößen zu entnehmen. Das Untersuchungsmodell bildet die Grundlage für die folgenden multivariaten Tests. Die Variable des Hochschulabschlusses ist dichotom konstruiert. Als Referenzkategorie dient hier „kein Hochschulabschluss“ gegenüber den Freiberuflern mit einem Hochschulabschluss. Dem folgen die exogenen Einflussgrößen des spezifischen Humankapitals. Dies ist die metrisch erfasste Dauer der Berufserfahrung in der derzeitigen freiberuflichen Tätigkeit (in Jahren), die vor der freiberuflichen Gründung gesammelte Branchenerfahrung (metrisch, in Jahren) sowie eine vor der freiberuflichen Gründung ausgeübte selbständige Tätigkeit. Die Variable „vorherige Selbständigkeitserfahrung“ ist dichotom konstruiert. Als Referenz dient „keine gesammelte Selbständigkeitserfahrung“ gegenüber einer „gesammelten Selbständigkeitserfahrung“. Darüber hinaus findet aus den personenbezogenen Ansätzen das Geschlecht berücksichtigung. Hier bilden in der dichotomen Variablen die freiberuflichen Männer die Referenzkategorie gegenüber den Frauen. Aus den betriebsbezogenen Ansätzen werden die Berufsgruppe, die Gründungsform, die Anzahl der Mitarbeiter heute und zum Gründungszeitpunkt sowie die Kammerberufe getestet. Die Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe dienen als Referenzgruppe bei den Berufsgruppen. Dagegen getestet werden die Freien Heilberufe, die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe sowie die Freien künstlerische, pädagogische und publizistische Berufe. Hinsichtlich der Gründungsformen wird zwischen derivativen und originären Gründungen unterschieden. Die originäre Gründungsform ist hierbei die Referenzkategorie und wird gegen die derivative Form der Gründung getestet. Als metrische Größen wird die Anzahl der sozialversicherten Mitarbeiter sowohl zum aktuellen Befragungszeitpunkt als auch zum Gründungszeitpunkt pro Mitarbeiter miteinbezogen. Letztlich fließt aus den betriebsbezogenen Ansätzen die institutionelle Größe der Kammerberufe mit ein. Die exogene Variable im 326 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Untersuchungsmodell ist dichotom konstruiert. Referenzgröße sind die nicht kammerfähigen Berufe. Diese werden gegenüber den Kammerberufen getestet. Abschließend zu den multivariaten Tests wird aus den umfeldbezogenen Größen der regionale Einfluss dichotom getestet. Referenzkategorie bilden hier die westdeutschen Freiberufler (0) gegenüber den ostdeutschen Freiberuflern. 5.4.4 Statistische Auswertungsverfahren Die Signifikanz der miteinander konkurrierenden Erklärungsfaktoren aus den einzelnen Hypothesen wird mittels der multivariaten Analyse getestet. Um bei den befragten Freiberuflern eine höhere Antwortbereitschaft zu erzielen, wurde die Höhe des freiberuflichen Einkommens im FFB-Onlinefragebogen in insgesamt zehn Klassen abgefragt. Diese zehn Klassen wurden schließlich in drei Einkommensklassen zusammengefasst (vgl. Kap. 5.4). Die erste Klasse (niedrige Einkommen) setzt sich aus dem jährlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit bis 37.499 € zusammen. Die zweite Klasse (mittlere Einkommen) reicht von 37.500 € bis 74.999 €. Die dritte Klasse (hohe Einkommen) ab 75.000 € ist nach oben offen. Damit ist eine ordinale Skala vorgegeben, für die sich als Schätzmodell ein Ordered Probit Ansatz empfiehlt (vgl. Greene 1997, S. 875 ff.; Moosmüller 2004, 203 ff.). Gegenüber einem Schätzansatz mit Klassenmittelwerten bietet der Ordered Probit Ansatz den Vorteil, dass die Klassenmitte der nach oben offenen höchsten Einkommensklasse – da arbiträr – nicht zu spezifizieren ist. Das Ordered Probit Modell geht von einem latenten Modell aus mit: * ' (0,1)i i i iy x verteilt m it Nd g g? - (21) Der Vektor ix enthält die Merkmalsausprägungen der erklärenden Variablen, id ist ein Vektor mit den unbekannten Parametern des Modells und ig ist ein standardnormalverteilter Störterm. Die latente (Einkommens-) Variable wird durch die Klassengrenzen eingegrenzt mit * i 0 * 0 i 1 * J-1 i 0 , fa lls - < y < 1 , fa lls < y < J , fa lls < y < iy o o o o Ê ¢ÍÍ? ËÍÍ ¢Ì 6 (22) Prinzipiell werden im Ordered Probit Modell die Klassengrenzen mit den nur bekannten diskreten Klassennummern geschätzt. Diese sind mit den Antwortklassen aber bereits gegeben. Mit bekannten Klassengrenzen ist es möglich, die

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.