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Peter Paic, Deskriptive Ergebnisse zum Einkommenserfolg in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 301 - 323

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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Onlineerhebung zu den Freien Berufen 301 bene Berufsstruktur Freier Berufe. Nach der Bildung drei etwa gleich großer Altersklassen (1. „bis 39 Jahre“; 2. „40 bis 49 Jahre“; 3. „ab 50 Jahre“) unter der Brücksichtigung vier zentraler freier Berufsgruppen (Freie Heilberufe; Freie rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe; Freie technische und naturwissenschaftliche Berufe; Freie künstlerische, publizistische und pädagogische Berufe) ergibt sich folgendes Bild mit den Ergebnissen des Mikrozensus 2003 und der FFB-Onlineumfrage in der Kreuztabelle (Tab. 59). Deutlich wird, dass die FFB-Onlineumfrage die jüngeren in den Freien Heilberufen und Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen sowie in der breiten Gruppe der Künstler etc. überrepräsentiert. Die mittlere Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren ist bei den Heil- sowie wirtschafts- und rechtsberatenden Berufen fast übereinstimmend. Abweichungen sind in allen anderen Fällen gegeben. Die Hochrechnung passt nun unsere Datenbasis an die insgesamt 12 Tabellenwerte als zu erreichende Rahmendaten an und „repariert“ sozusagen die vorliegende Struktur. Mit den neuen Hochrechnungsverfahren ist somit die Struktur hinsichtlich der Altersgruppen jeweils für alle vier Gruppen Freier Berufe übereinstimmend mit den Ergebnissen des Mikrozensus 2003. Der Gewichtungsfaktor der Ausgangssituation hat mit jeweils 100 eine gleiche Gewichtung vorgenommen. Durch die Hochrechnung mit dem Programmpaket ADJUST (Merz, Stolze und Imme 2001) wurden die gewünschten Aggregate erreicht. Insgesamt zeigt die Hochrechnung mit relativ geringer Spreizung der neuen Hochrechnungsfaktoren, dass die ungewichtete Struktur der FFB-Onlineumfrage Freie Berufe der Struktur des Mikrozensus doch recht ähnlich ist. Mit den neuen Hochrechnungsfaktoren gelingt es nun, repräsentative Ergebnisse für Deutschland anzunähern. „Anzunähern“ deshalb, da die relativ geringe Fallzahl der auch insgesamt relativ kleinen Gruppe der Freien Berufe (ca. 2 Prozent der Erwerbstätigen) zwar Hinweise erlaubt, aber weitere Erhebungen notwendig macht. 5.4 Freiberuflicher Einkommenserfolg Nach der Datengenerierung und Hochrechnung werden in den folgenden Kapiteln die hochgerechneten Ergebnisse zum freiberuflichen Einkommenserfolg aus der FFB-Onlineumfrage 2003 vorgestellt. Zuerst werden die Kriterien zur Messung des Gründungserfolges sowie die Konstruktion der Erfolgsvariablen vorgestellt. Dem folgt die Präsentation der deskriptiven Ergebnisse auf Grundlage der hochgerechneten Onlineumfrage (Kap. 5.4.1). Daran schließt sich die Vorstellung des Untersuchungsmodells mit seinen endogenen und exogenen Größen an (5.4.2). Auf Grundlage der Modelle werden die multivariaten Ergebnisse zu dem Ordered-Probit-Modell und multinomialen Logit-Modell berichtet (5.4.3). Ein Zwischenfazit (5.5.4) mit den Hypothesentests schließt den Abschnitt der Onlineuntersuchung ab. 302 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Datenbasis der folgenden Untersuchung zum freiberuflichen Gründungserfolg ist die FFB-Onlineerhebung. Als Messkriterium für den freiberuflichen Erfolg gilt die Höhe des Einkommens aus freiberuflicher Tätigkeit (vgl. Kap. 3.5). Die deskriptiven Ergebnisse zum jährlichen Bruttoeinkommen der Freiberufler werden analog zu den multivariaten Ergebnissen auf Grundlage von drei ordinalskalierten Einkommensklassen präsentiert. Vor dem Hintergrund einer möglichen Antwortverweigerung wurden im Onlinefragebogen den befragten Personen zehn abgestufte Einkommensklassen über das persönliche jährliche Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit zur Antwort vorgegeben. Da sich die Einkommensangaben der 123 Personen auf insgesamt 10 Einkommensklassen verteilen, fällt die Besetzung der Klassen in ihrem Ursprung recht dünn aus. Für die weiteren Auswertungen werden die zehn Einkommensklassen zu drei Einkommensklassen (niedrige, mittlere und hohe Einkommen) zusammengefasst. Zur neuen Klasse der „niedrigen Einkommen“ zählen die drei ursprünglichen Klassen „1 bis 12.499 €“; „12.500 bis 24.999 €“ und „25.000 bis 37.499 €“ aus der Onlineumfrage (vgl. Kap. 7, S. 442 u. 453). Die neue Klasse der „niedrigen Einkommen“ (1 bis 37.499 €) setzt sich aus den Angaben von 50 Probanten zusammen. Die neue Klasse der „mittleren Einkommen“ setzt sich aus den Freiberuflern mit einem Einkommen von „37.500 bis 74.999 €“ zusammen. Die mittlere Einkommensklasse umfasst die ursprünglich vierte, fünfte und sechste Einkommensklasse der Onlineerhebung („37.500 bis 49.999 €“; „50.000 bis 62.499 €“ und „62.500 bis 74.999 €“). Die neue Klasse der „mittleren Einkommen“ enthält Angaben von 50 befragten Freiberuflern. Die dritte neue Einkommensklasse fasst die freiberufliche Gruppe „hohe Einkommen“ zusammen. Dazu zählen Freiberufler mit einem Einkommen „ab 75.000 €“. Für die Klasse „hohe Einkommen“ wurde die siebte bis zehnte Klasse aus der Onlineerhebung zusammengefasst („75.000 bis 99.999 €“; „100.000 bis 124.999 €“; „125.000 bis 150.000 €“ und „über 150.000 €“). Die neue Klasse „hohe Einkommen“ enthält die Angaben von 23 Personen der Onlineumfrage. Als Kriterium für den Erfolg einer freiberuflichen Tätigkeit wird ein jährliches Einkommen ab 37.500 € (mittlere Einkommensklasse) gewertet. Da die freiberuflichen Einkommen sehr großen Spannweiten unterliegen wird der Begriff des Einkommenserfolges weiter Differenziert. So gilt eine freiberufliche Tätigkeit mit einem Einkommen von 75.000 und mehr Euro im Jahr als besonders erfolgreich. Diese Differenzierung des Einkommenserfolges hilft eine wirklichkeitsnahe Abbildung der freiberuflichen Einkommensverhältnisse darzustellen sowie Merkmale und Besonderheiten besser herauszuarbeiten. Sowohl die deskriptiven als auch die multivariaten Auswertungen stützen sich auf diese ordinale Klasseneinteilung. Die Ergebnisdarstellung richtet sich nach der Struktur der verschiedenen Theorieansätze und den daraus abgeleiteten Hypothesen (vgl. Kap. 3.6). Die empirische Relevanz der Hypothesen wird mit den multivariaten Ergebnissen getestet. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 303 5.4.1 Deskriptive Ergebnisse zum Einkommenserfolg Zu Beginn der Onlineumfrage wurde die allgemeine aktuelle politische und wirtschaftliche Einschätzung der freiberuflich Tätigen abgefragt. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Einschätzung zur derzeitigen und zukünftigen Entwicklung der wirtschaftlichen Lage auf einer fünfstufigen Skala sowie in einer offenen Fragestellung anzugeben. Gefragt wurde: „Was bewegt Sie im Besonderen an der aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Diskussion im Rahmen ihrer freiberuflichen Tätigkeiten?“ Die Möglichkeit der Meinungsäußerung in der offenen Fragestellung wurde rege von den Befragungsteilnehmern genutzt. Insgesamt machten knapp 120 der befragten Freiberufler davon Gebrauch. Für eine geeignete Darstellung der Ergebnisse werden die unterschiedlichen Antwortbereiche in gemeinsame Themenbereiche gruppiert. Insgesamt zeichnen sich vier große Schwerpunkte bei den Antworten ab. Dies sind im Einzelnen die Bereiche zu der Steuerpolitik, der Gesundheitsreform, der politischen Reformdiskussion sowie zur wirtschaftlichen Lage der Freien Berufe. Zunächst werden die Ergebnisse zur Steuerpolitik vorgestellt. Steuerpolitik Rund 50 Antworten der Freiberufler bezogen sich aus der offenen Fragestellung auf die Steuerpolitik. Im Mittelpunkt stand dabei die Einführung der Gewerbssteuer in den Freien Berufen. Die Schwerpunktsetzung ist auch vor dem Hintergrund der über mehrere Wochen anhaltenden öffentlichen Diskussion in den Medien in der zweiten Jahreshälfte 2003 zu sehen. Einen zweiten, kleineren Schwerpunkt bildete die generelle Steuerpolitik. Die mögliche Einführung und Diskussion der Gewerbssteuer für die Freien Berufe bewegte die befragten Freiberufler im Besonderen. Geäußert wurde eine große Sorge, Beunruhigung, Unsicherheit und ein großes Unverständnis über deren Einführung und der daraus weiter resultierenden ansteigenden Abgabebelastung. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung der freiberuflich Tätigen. So wären vor allem die Heilmittelberufe durch die Einführung der Gewerbesteuer bei gleichzeitig anhaltenden Kürzungen im Gesundheitssystem doppelt betroffen. So äußerten sich die Befragten geschlossen kritisch ablehnend zur diskutierten Einführung: „...keine Gewerbesteuer für Freiberufler als zusätzliche Belastung neben den seit Jahren sinkenden Honoraren sowie den ständig steigenden Lohnneben- und Praxiskosten...“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Darüber hinaus wurden auch betriebliche Auswirkungen durch die Einführung der Gewerbesteuer befürchtet: „...eine Einbeziehung der Freien Berufe in die Gewerbesteuerpflicht ... wäre das Ende manchen Freiberuflers sowie die damit in Verbindung stehende Freisetzung von Personal...“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Insgesamt wurde die Diskussion um die Gewerbesteuer und dem dabei in der Öffentlichkeit vermittelten Bild der Freien Berufe von den Freiberuflern als 304 Onlineerhebung zu den Freien Berufen falsch und ungerecht empfunden: „...trotz extremer finanzieller Einbußen der letzten Jahre immer noch als Abzocker gebranntmarkt“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Reformdiskussion Zur Thematik der gesellschaftlichen Reformdiskussionen der Bundesrepublik Deutschland äußerten sich 56 der befragten Freiberufler. Der Schwerpunkt lag auf den Reformbemühungen der politischen Parteien im Gesundheits- und Sozialsystem. Im Mittelpunkt standen dabei die politischen Reformbemühungen generell, das Ausbleiben langfristig angelegter Reformbemühungen sowie der Einfluss von Lobbyisten auf die Reformen. Kritisiert wurden insbesondere die politischen Eliten hinsichtlich der Reformbemühungen im Sozialwesen. Die Kritik bezog sich zum überwiegenden Teil auf die Regierungskoalition, aber auch auf die Oppositionsparteien. Kritikpunkte an den Reformbemühungen waren unter anderen das Verschleiern des tatsächlichen Zustands der Gesundheits- und Sozialsysteme und fehlende problembezogene langfristige Lösungsansätze. Kritisiert wurde insbesondere eine unzureichende Auseinandersetzung der Politik mit den Sachargumenten: „...bei Reformen wollen Politik und Politiker sich nicht mit den Sachargumenten der Betroffenen auseinander setzten“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Der Regierung wird eine untätige oder zögerliche Haltung bei den nötigen zentralen Reformen vorgeworfen. Dies führe zu einer ansteigenden Unsicherheit und Unzufriedenheit bei den betroffenen Berufsgruppen. Die Kritik an der Reformdiskussion reicht von einer fehlenden Sachkenntnis über mangelnde Qualifikationen zur einfachen Überforderung der politisch Verantwortlichen im Reformprozess: „...Diskussionsbeiträge und Vorschläge von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern überbieten sich in Dilettantismus und Unsinnigkeit“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Den zweiten Schwerpunkt bildete die Kritik bezüglich des Fehlens langfristig angelegter Reformbemühungen. So wird den politischen Entscheidungsträgern ein zielgerichteter und langfristig angelegter Reformwille abgesprochen. Die Kritik zielt dabei auf die Beliebigkeit und Wechselhaftigkeit bei den Reformvorhaben ab: „...keine wenigstens mittelfristige Planbarkeit der deutschen Wirtschafts- und Steuerpolitik, statt dessen Agieren nach Beliebigkeit“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Dieser Umstand blockiert zudem Investitionen, die im freiberuflichen Umfeld eine mittel- bis langfristige Planung erfordern: „...darüber hinaus ist die Realisierung mittel- bis langfristiger Planungsvorhaben durch die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen durch die Politik nicht mehr möglich“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Insbesondere bei den Meinungsäußerungen zu den Reformprozessen schwingt bei einem Großteil der Befragungsteilnehmer eine latente Unsicherheit über die künftige politische Onlineerhebung zu den Freien Berufen 305 Entwicklung und der damit möglicherweise einhergehenden negativen Änderung der Rahmenbedingungen für ihre freiberufliche Tätigkeit mit. Dritter Schwerpunkt zur Thematik der gesellschaftlichen Reformdiskussionen ist die Einflussnahme der Lobbyisten auf den Reformprozess. Konkret wird kritisiert, dass die größten Kostenverursacher im Gesundheitssystem finanziell dazu in der Lage sind, einen effektiven Apparat von Lobbyisten zu unterhalten, welcher effizient Einfluss auf die Reformvorhaben des Gesundheitssystems nimmt: „...diejenigen, die die größte Lobby haben und die meisten Kosten verursachen, dürfen auch weiterhin ungehindert enorme Summen verdienen“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Zielführende politische Ideen zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems werden vom Lobbyismus aufgezerrt, da die politisch Verantwortlichen dem Druck der Interessensgruppen regelmäßig nachgeben. Gesundheitsreform Zum Themenbereich der Gesundheitsreform gab es 57 Mitteilungen aus der offenen Fragestellung. Schwerpunkte bilden dabei die generelle Unsicherheit für die Freien Berufe, ein Ansteigen der Kosten sowie möglicherweise anstehende Einnahmeverluste durch die Reform für Freiberufler sowie die reformbedingte Zunahme von Regulierungen in den Freien Berufen. Zur Verunsicherung der befragten Freiberufler trägt die generelle Diskussionsrichtung gegen die freiberuflich Tätigen und ihre Leistungen bei. Viele fühlen sich durch die Diskussionen in ihrer bisherigen Existenz als Freiberufler gefährdet und sehen die generelle Entwicklung im Gesundheitssystem als bedenklich an: „...Gesundheitspolitik in Hinblick auf die Leistungen der Krankenkassen und Ärzte ist bedenklich“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Kritisiert wird eine anhaltend negative, zum Teil unsachgemäße Diskussion sowie das Ausbleiben notwendiger zukunftsgerichteter Entscheidungen. Aufgrund der anhaltenden Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Gesundheitsreformen sehen viele Freiberufler keine verlässlichen Rahmenbedingungen für ihre weitere berufliche Tätigkeit. Einzelne befürchten zuweilen die Abschaffung der Gesundheitsberufe als Freien Beruf. Neben der Unsicherheit in den Freien Heilberufen bildeten sich zwei weitere Schwerpunkte zu den Themen „Kürzungen im Gesundheitssystem“ und „Regulierung des Gesundheitssystems“. Die befragten Freiberufler befürchten auf der einen Seite ein weiteres Ansteigen der laufenden Betriebskosten ihrer freiberuflichen Tätigkeit und auf der anderen Seite weitere Kürzungen und Einschränkungen in ihrer Leistungserbringung. Dadurch fühlen sich insbesondere die von den Reformvorhaben betroffenen Heilberufe an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz gedrängt: „...die Gesundheitsreform, die die dort tätigen Berufsgruppen an den Rand der wirtschaftlichen Existent treibt...“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei auch das Reformvorhaben um die 306 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Gruppenverträge: „...die Idee,... Einzelverträge im Heilmittelbereich über die Gruppenverträge zu stellen ... Preisdumping zu Lasten der Patienten mit fraglichen Einspareffekten“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Befürchtet wird der Umstand, dass zukünftig nur noch größere Betriebseinheiten im Gesundheitswesen überleben können und kleinere klassische Praxen absterben werden. Im dritten Themenfeld zur Gesundheitsreform sehen sich die Freien Heilberufe zunehmend einer Einschränkung ihrer freiheitlichen Berufsausübung sowie einer anwachsenden Regulierung gegenübergestellt. Kritisiert wird die zunehmende Beschneidung der Kompetenzen durch die Kassen sowie eine generelle Tendenz zur Entmündigung von Patient und freiem Heilberuf: „...Bevormundung der Dienstleistungserbringer und der Dienstleistungsempfänger“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Befürchtet wird eine schleichende Abschaffung der freiheitlichen Berufsausübung und die Etablierung einer Staatsmedizin: „Staatsmedizin wird verordnet...“ (Onlineumfrage Freie Berufe 2003). Gleichzeitig sehen sich die befragten Teilnehmer einer ansteigenden Regulierungsdichte durch die tiefreichenden Reformvorhaben ausgesetzt. Die Ergebnisse aus der offenen Fragestellung spiegeln sich auch in den Ergebnissen der vorgegebenen fünfstufigen Skala zur Einschätzung der politischen und wirtschaftlichen Lage und Zukunft wieder. Die Abbildung 41 gibt eine Übersicht der Ergebnisse. Abbildung 41: Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung der wirtschaftlichen Lage für die Freien Berufe 2,1 20,0 40,0 27,9 10,0 4,3 12,9 38,6 35,7 8,6 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 sehr gut gut befriedigend schlecht sehr schlecht wirtschaftliche Lage Heute wirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Rund 40 Prozent der befragten Freiberufler geben ihre wirtschaftliche Lage zum Zeitpunkt der Befragung mit „befriedigend“ an. Knapp über 22 Prozent schätzen Onlineerhebung zu den Freien Berufen 307 die Lage „gut“ bis „sehr gut“ ein, während fast 38 Prozent die wirtschaftliche Lage ihrer freiberuflichen Tätigkeit als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ einstufen. Bei der Einschätzung zur Entwicklung der wirtschaftlichen Aussichten in den kommenden 12 Monaten gibt es eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu den Einschätzungen der Gegenwart. Mit etwas über 17 Prozent bei den „guten“ bis „sehr guten“ wirtschaftlichen Aussichten nimmt die Zahl der Freiberufler, welche eine Verschlechterung der Situation zur Gegenwart annehmen, um 5 Prozentpunkte zu. Ein ähnliches Bild zeichnet sich hinsichtlich der negativen Einschätzung der Wirtschaftsaussichten ab. Fast 45 Prozent der Freiberufler schätzen diese „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ein. Im Vergleich zur Gegenwart nimmt ihr Anteil um fast 5 Prozentpunkte zu. Auffällig ist, dass mit 4,3 Prozent der befragten Freiberufler fast doppelt so viele im Vergleich zur Gegenwart die wirtschaftliche Zukunft mit „sehr gut“ einschätzen. Analog zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage wurden die Teilnehmer nach ihrer derzeitigen und zukünftigen Einschätzung der politischen Lage für ihre freiberufliche Tätigkeit befragt. Die Abbildung 42 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen. Abbildung 42: Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung der politischen Lage für die Freien Berufe 2,9 3 22,4 48,8 22,9 2,2 4,4 18,6 53,1 21,7 0 10 20 30 40 50 60 sehr gut gut befriedigend schlecht sehr schlecht politische Lage Heute politische Entwicklung Zukunft Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Deutlich zu erkennen ist aus der Abbildung 42 die vorherrschende Unzufriedenheit über die politische Lage für die freiberuflich Tätigen. Dies betrifft sowohl 308 Onlineerhebung zu den Freien Berufen die gegenwärtige Einschätzung zum Befragungszeitpunkt als auch die zukünftige Einschätzung über die kommenden 12 Monate. Über 70 Prozent der befragten Freiberufler schätzen die politische Lage als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ein und weit über 70 Prozent geben eine gleichlautende zukünftige Einschätzung ab. Die im Jahre 2003 anhaltenden politischen Diskussionen um verschlechterte Rahmenbedingungen für die Freien Berufe - beispielhaft genannt seien hierfür, neben einer Anzahl weiterer politisch motivierter struktureller Änderungen u.a. die Diskussion um die Einführung der Gewerbesteuer für die Freien Berufe sowie die Auswirkungen möglicher weiterer Änderungen im Gesundheitssystem, spiegeln sich in den Ergebnissen zur aktuellen und zukünftigen politischen Einschätzung wieder. Dabei beurteilen die Freiberufler ihre politische Situation durchgehend schlechter als ihre wirtschaftliche. Nach den offenen Fragestellungen werden nun die Ergebnisse zu den geschlossenen Fragestellungen aus der FFB-Onlineumfrage präsentiert. Neben der tabellarischen Darstellung der Ergebnisse werden insbesondere die Klassen der hohen und niedrigen Einkommen eingehender behandelt um die Merkmale des freiberuflichen Einkommenserfolges herauszuarbeiten. Zuerst werden die personenbezogenen Ergebnisse der Onlineumfrage vorgestellt. Abgefragt wurden die demografischen Angaben zu dem Alter, dem Geschlecht und der geografischen Herkunft. Die Tabelle 60 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen insgesamt sowie zur Verteilung innerhalb der drei Einkommensklassen. Tabelle 60: Personenbezogene Ergebnisse zum freiberuflichen Erfolg. Hochgerechnete Daten der FFB-Onlineumfrage 2003. N=1000 Insgesamt bis 37.499€ von 37.500€ bis 74.999€ ab 75.000€ N % N % N % N % Altersgruppen bis 29 Jahre 306 29% 172 38% 65 19% 69 28% 30 - 49 Jahre 347 33% 156 35% 133 38% 58 24% über 50 Jahre 390 38% 122 27% 152 43% 116 48% Geschlecht Frau 276 26% 178 40% 89 25% 9 4% Mann 767 74% 272 60% 261 75% 234 96% Region Ost 131 13% 60 13% 51 15% 20 8% West 912 87% 390 87% 299 85% 223 92% Gesamt 1043 100% 450 100% 350 100% 243 100% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N=1.043.000. Von den 1,043 Mio. Freiberuflern im Jahre 2003 gehören 29 Prozent zur Altersklasse der „bis 29-Jährigen“. Der Klasse der den „30-49-Jährigen“ belegen 33 Onlineerhebung zu den Freien Berufen 309 Prozent der Freiberufler und die Klasse der „über 50-Jährigen“ stellt mit 38 Prozent die größte Altersklasse in den Freien Berufen. Die onlinebefragten Freiberufler kommen nach dem arithmetischen Mittel auf ein Durchschnittsalter von 43,4 Jahren. Rund zwei Drittel aller befragten Personen sind zwischen 34 und 52 Jahre alt. Der Median zum Alter aller Befragten liegt bei 41 Jahren. Die Spanne der Altersangaben zieht sich über 44 Jahre von 23 Jahren bei den jüngsten bis zu 67 Jahren bei dem ältesten Freiberufler (FFB-Onlineumfrage 2003). Mit einem Anteil von 38 Prozent stellen die „über 50-Jährigen“ Freiberufler die größte Altersklasse, gefolgt von den „30-49-Jährigen“ mit 33 Prozent und den „bis 29-Jährigen“ mit 29 Prozent. Dabei stellen die „bis 29-Jährigen“ mit einem Anteil von 38 Prozent die größte Klasse bei den niedrigen Einkommen und die „über 50-Jährigen“ mit einem Anteil von 48 Prozent die größte Klasse bei den hohen Einkommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die niedrigen Einkommen stärker von den jüngeren und die hohen Einkommen stärker von den älteren Freiberuflern geprägt sind. Die Abbildung 43 stellt die prozentualen Altersklassenanteile der Freiberufler aus der niedrigen und aus der hohen Einkommensklasse grafisch aufbereitet gegenüber. Abbildung 43: Prozentuale Anteile der Altersklassen am niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 38% 35% 27%28% 24% 48% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% bis 29 Jahre 30 - 49 Jahre über 50 Jahre bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Die Abbildung verdeutlicht den hohen Anteil der „über 50jährigen“ in der höchsten Einkommensklasse während die niedrigen und mittleren Einkommensklassen insbesondere von den „bis 29jährigen“ und den „30-49jährigen“ Freiberuflern besetzt sind. Von den 1,043 Mio. Freiberuflern sind 767.000 Personen 310 Onlineerhebung zu den Freien Berufen männlichen Geschlechtes, d.h. der Anteil der Frauen unter den Freiberuflern insgesamt liegt bei lediglich 26 Prozent. Dabei sind die Frauen in den Freien Berufen überproportional stark in der niedrigsten Einkommensklasse vertreten. Die Abbildung 44 gibt eine prozentuale Übersicht zur Besetzung der niedrigsten und höchsten freiberuflichen Einkommensklasse zwischen Frauen und Männer. Abbildung 44: Prozentuale Anteile der Geschlechter an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 40% 4% 60% 96% 0% 20% 40% 60% 80% 100% bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Frau Mann Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. In der niedrigsten Einkommensklasse „bis zu 37.499 €“ liegt der Anteil der Frauen bei 40 Prozent. Die höchste Klasse mit einem freiberuflichen Einkommen „ab 75.000 €“ wird mit einem Anteil von 96 Prozent der Männer gegenüber von 4 Prozent bei den Frauen deutlich von den männlichen Freiberuflern dominiert. Insbesondere in der Klasse der hohen Einkommen sind freiberufliche Frauen eher selten anzutreffen, während sie in der Klasse der niedrigen Einkommen überproportional stark vertreten sind. Aus der geografischen Perspektive mit der Unterscheidung zwischen West- und Ostdeutschland zeigen sich insbesondere die westdeutschen Freiberufler in der höheren Einkommensklasse überproportional stark vertreten. Aus Ostdeutschland stammen 13 Prozent der 1,043 Mio. freiberuflich Tätigen in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. Tabelle 60). Ihr Anteil liegt in der höheren Einkommensklasse „ab 75.000 €“ mit einem Anteil von 8 Prozent rund 5 Prozentpunkte unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Relativ am stärksten vertreten sind die ostdeutschen Freiberufler mit einem Anteil von 15 Prozent in der mittleren Einkommensklasse. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 311 Den personenbezogenen deskriptiven Ergebnissen zur Demographie und Geografie folgen nun die Ergebnisse zum allgemeinen Humankapital. Dies sind im Einzelnen die Ausbildungsdauer und die Hochschulausbildung. Die Tabelle 61 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen des Humankapitals beruflichen Erfolges insgesamt und differenziert nach den drei Einkommensklassen. Tabelle 61: Ergebnisse zum Humankapital des freiberuflichen Erfolges. Hochgerechnete Daten der FFB-Onlineumfrage 2003. N=1000 Insgesamt bis 37.499€ von 37.500€ bis 74.999€ ab 75.000€ N % N % N % N % Schuljahre 9 Jahre 86 8% 46 10% 40 11% 0 0% 10 Jahre 155 15% 39 9% 69 20% 47 19% 12 Jahre 25 2% 13 3% 12 3% 0 0% 13 Jahre 777 75% 352 78% 229 65% 196 81% Hochschulabschluss kein Hochschulabschluss 387 37% 177 39% 190 54% 20 8% Hochschulabschluss 656 63% 273 61% 160 46% 223 92% Gesamt 1043 100% 450 100% 350 100% 243 100% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N=1.043.000. Bei den Schulabschlüssen dominiert mit deutlichem Abstand das Abitur. Von den befragten Teilnehmern verfügen hochgerechnet 75 Prozent der Freiberufler über eine Schulausbildung von mindestens 13 Jahren (Abitur). Dem folgt mit großem Abstand eine Schulausbildung von 10 Jahren mit 15 Prozent gefolgt von 9 Schuljahren und einem Anteil von 8 Prozent. Sind die vier Klassen zur Dauer der Schulausbildung in der niedrigsten und mittleren Einkommensklasse alle besetzt, so finden sich in der höchsten Einkommensklasse ausschließlich Abschlüsse nach 10 bzw. 13 Schuljahren. Eine Ursache hierfür liegt in der mit 123 Teilnehmern geringen Stichprobengrö- ße, die sich insbesondere in der numerisch am schwächsten besetzten Klasse (hohe Einkommen) niederschlägt, so dass nicht alle Klassenbreiten besetzt werden können. In der Einkommensklasse „ab 75.000 €“ ist eine 10-Jährige und 13- Jährige Schulausbildungsdauer überproportional stark vertreten. In der mittleren Einkommensklasse sticht die 10-Jährige Schulausbildungsdauer relativ zur Gesamtverteilung mit einem Anteil von 20 Prozent hervor. Insgesamt bleibt eine leichte aber nicht einheitliche Tendenz zu den höheren und mittleren Einkommensklassen bei einer längeren Schulausbildung in den Freien Berufen festzuhalten. 312 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Mit 63 Prozent verfügt die Mehrheit der Freiberufler in der Bundesrepublik Deutschland über einen Hochschulabschluss gegenüber 37 Prozent ohne Hochschulabschluss. Diese Verteilung spiegelt sich auch mit einer Differenz von jeweils zwei Prozentpunkten in der niedrigen Einkommensklasse „bis 37.499 €“ wieder. So liegt hier der Anteil der Freiberufler ohne einen Hochschulabschluss bei 39 Prozent und mit einem Hochschulabschluss bei 61 Prozent. Deutliche Unterschiede in den Einkommensklassen zeigen sich auf Grundlage der Hochschulabschlüsse bei den mittleren und höheren Einkommensklassen. Die mittlere Einkommensklasse „von 37.500 bis 74.999 €“ wird mit einem Anteil von 54 Prozent überproportional von den Freiberuflern ohne einen Hochschulabschluss besetzt. Dagegen dominiert in der hohen Einkommensklasse „ab 75.000 €“ mit 92 Prozent eindeutig die Freiberufler mit einem Hochschulabschluss. Die Abbildung 45 stellt die prozentualen Anteile zum Hochschulabschluss der Freiberufler in der niedrigen und höheren Einkommensklasse grafisch dar. Abbildung 45: Prozentuale Anteile zum Hochschulabschluss an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 39% 8% 61% 92% 0% 20% 40% 60% 80% 100% bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro kein Hochschulabschluss Hochschulabschluss Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Die höhere Einkommensklasse wird deutlich von den Freiberuflern mit einem Hochschulabschluss geprägt. Lediglich 8 Prozent der Freiberufler ohne einen Hochschulanschluss verfügen über ein freiberufliches Einkommen von mehr als 74.500 € jährlich. Werden die 656.000 freiberuflich tätigen Hochschulabsolventen separat betrachtet, besetzen fast 42 Prozent die niedrigste, 24 Prozent die mittlere und 34 Prozent die höchste Einkommensklasse. Dies zeigt, dass ein Hochschulabschluss zwar eine wichtige Voraussetzung für die Zugehörigkeit in Onlineerhebung zu den Freien Berufen 313 der höheren Einkommensklasse ist, aber diese Zugehörigkeit nicht zwangsläufig mit einem Hochschulabschluss gegeben ist. Im Gegenteil mit einem Anteil von 42 Prozent sind die meisten Hochschulabsolventen in der niedrigsten Einkommensklasse vertreten. Den Ergebnissen zum allgemeinen Humankapital schließen sich die Ergebnisse zum spezifischen Humankapital der FFB-Onlineumfrage an. Im Mittelpunkt stehen hier die gesammelte Berufserfahrung vor der freiberuflichen Gründung sowie die aktuelle Erfahrung im Freien Beruf und ihre Auswirkungen auf die drei Einkommensklassen. Die Tabelle 62 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen aus der Untersuchung zum spezifischen Humankapital der Freiberufler. Tabelle 62: Ergebnisse zum spezifischen Humankapital des freiberuflichen Erfolges. Hochgerechnete Daten der FFB-Onlineumfrage 2003. N=1000 Insgesamt bis 37.499€ von 37.500€ bis 74.999€ ab 75.000€ N % N % N % N % Jetzige Berufserfahrung Keine Erfahrung 238 23% 145 32% 64 18% 29 12% bis 3 Jahre Erfahrung 192 18% 120 27% 18 5% 54 22% 4 - 7 Jahre Erfahrung 186 18% 99 22% 43 12% 44 18% über 7 Jahre Erfahrung 426 41% 85 19% 225 64% 116 48% Berufserfahrung erfahrener Angestellter 684 66% 219 49% 282 81% 188 77% erfahrener Beamter 20 2% 13 3% 8 2% 0 0% erfahrener Unternehmer 35 3% 14 3% 22 6% 0 0% erfahrener Freiberufler 50 5% 21 5% 9 3% 21 9% vorher Ausbildung 123 12% 79 18% 12 3% 34 14% vorher nicht erwerbstätig 118 11% 103 23% 17 5% 0 0% Gesamt 1043 100% 449 100% 350 99% 243 100% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N=1.043.000. Von den befragten Freiberuflern verfügen 41 Prozent über eine Erfahrung im aktuell ausgeübten Beruf (jetzige Berufserfahrung) von über 7 Jahren. Eine Berufserfahrung von weniger als einem Jahr gaben 23 Prozent an. Die gesammelte Berufserfahrung in der aktuell ausgeführten Tätigkeit spiegelt sich deutlich in der Verteilung der einzelnen Einkommensklassen wieder. So sind die Freiberufler mit einer Berufserfahrung von weniger als einem Jahr am stärksten in der unteren Einkommensklasse „bis 37.499 €“ vertreten. Mit 19 Prozent verbuchen dagegen die Freiberufler mit einer Berufserfahrung von mehr als 7 Jahren den geringsten Anteil in der unteren Einkommensklasse. Die Abbildung 46 gibt eine Übersicht zur prozentualen Verteilung der Berufserfahrung im aktuell ausgeübten Beruf in den niedrigen und hohen Einkommensklassen. 314 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Mit einem Anteil von 64 Prozent, bzw. 48 Prozent sind die Freiberufler mit der längsten Berufserfahrung am stärksten in der mittleren und höchsten Einkommensklasse anzutreffen. Insgesamt zeigt sich, dass die niedrigere Einkommensklasse überproportional von den Freiberuflern mit weniger Berufserfahrung besetzt ist und die mittlere und höhere Einkommensklasse stärker von den Freiberuflern mit einer länger anhaltenden Berufserfahrung besetzt ist. Abbildung 46: Prozentuale Anteile zur Berufserfahrung an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 32% 27% 22% 19% 12% 22% 18% 48% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% keine Erfahrung bis 3 Jahre Erfahrung 4 - 7 Jahre Erfahrung über 7 Jahre Erfahrung bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Relativ selten, im unteren einstelligen Prozentbereich, wurden berufliche Erfahrungen als Beamter (2 Prozent), Unternehmer (3 Prozent) oder eine andere freiberufliche Tätigkeit (5 Prozent) gesammelt. Nicht Erwerbstätig waren zuvor 11 Prozent und in Ausbildung 12 Prozent der Freiberufler. Die numerische Dominanz einer vorgehenden Angestelltentätigkeit spiegelt sich auch in der Besetzung der Einkommensklassen wieder. Hier stellen die zuvor Angestellten Freiberufler mit 49 Prozent, 81 Prozent und 77 Prozent in allen Klassen die stärkste Gruppe. Allerdings ist Ihr relativer Anteil mit 49 Prozent in der Einkommensklasse „bis 37.499 €“ am geringsten. Vor dem Hintergrund der relativ kleinen Stichprobe mit 123 Teilnehmern konnten nicht alle Klassen bei den höheren Einkommen „ab 75.000 €“ besetzt werden. Auffällig ist der hohe Anteil der zuvor nicht erwerbstätigen Freiberufler in der niedrigen Einkommensklasse mit einem Anteil von 23 Prozent. Die mitt- Onlineerhebung zu den Freien Berufen 315 lere und hohe Einkommensklasse wird klar von den zuvor angestellten Freiberuflern beherrscht. Nach dem spezifischen Humankapital folgen die Ergebnisse zum betrieblichen Umfeld der FFB-Onlineumfrage. Dabei wird zwischen den aktuellen Angaben der Befragten im Jahr 2002 und den retrospektiven Angaben zum Zeitpunkt der freiberuflichen Gründung unterschieden. Tabelle 63: Betriebsbezogene Ergebnisse zum freiberuflichen Erfolg. Hochgerechnete Daten der FFB-Onlineumfrage 2003. N=1000 Insgesamt bis 37.499€ von 37.500€ bis 74.999€ ab 75.000€ N % N % N % N % Berufsgruppe Heilberufe 318 30% 83 18% 167 48% 68 28% Recht u. Wirtschaft 250 24% 115 26% 35 10% 100 41% Technische 154 15% 31 7% 72 21% 51 21% Künstler u. Pädagog. 321 31% 221 49% 76 22% 24 10% Gründungsform Originär 806 77% 353 78% 273 78% 180 74% Derivativ 237 23% 97 22% 77 22% 63 26% Soz.-vers. Mitarb. jetzt keine Mitarbeiter 600 58% 349 78% 156 45% 95 39% 1-3 Mitarbeiter 230 22% 94 21% 90 26% 47 19% über 3 Mitarbeiter 213 20% 7 2% 104 30% 101 42% Soz.-vers. Mitarb. Gründung keine Mitarbeiter 684 66% 401 89% 208 59% 75 31% 1-3 Mitarbeiter 188 18% 29 6% 80 23% 79 33% über 3 Mitarbeiter 171 16% 20 4% 62 18% 89 37% Kammerberufe Kammerberuf 267 26% 43 10% 88 25% 136 56% kein Kammerberuf 776 74% 407 90% 262 75% 107 44% Gesamt 1043 100% 450 100% 350 100% 243 100% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N=1.043.000. Zu den aktuellen Angaben zählen die Berufsgruppenzugehörigkeit, die aktuelle Angabe der beschäftigten sozialversicherten Mitarbeiter sowie die Zugehörigkeit zu einem Kammerberuf. Die Umstände zum Zeitpunkt der Gründung beinhalten die Fragestellungen nach der Gründungsform und die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter zum Gründungszeitpunkt. Die Tabelle 63 gibt eine Übersicht zu den deskriptiven Ergebnissen des betrieblichen Umfeldes der Freiberufler insgesamt, sowie nach den drei Einkommensklassen differenziert. Die beiden größten Berufsgruppen unter den Freien Berufen stellen die Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe mit einem Anteil von 31 Prozent und die Gruppe der Freien Heilberufe mit einem Anteil 316 Onlineerhebung zu den Freien Berufen von 30 Prozent. Dem folgt die Gruppe der Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe mit 24 Prozent. Die kleinste freiberufliche Gruppe wird von den Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufen mit einem Anteil von 15 Prozent an allen Freien Berufen gestellt. In der unteren Einkommensklasse „bis 37.499 €“ ist die Gruppe der Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe mit 49 Prozent am stärksten vertreten. Die größte Berufsgruppe in der mittleren Einkommensklasse stellen mit 48 Prozent die Freien Heilberufe. In der hohen Einkommensklasse „ab 75.000 €“ sind die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe mit einem Anteil von 41 Prozent stärkste Gruppe. Die Abbildung 47 zeigt die prozentualen Anteile der Berufsgruppen in der niedrigen und hohen Einkommensklasse. Abbildung 47: Prozentuale Anteile der Berufsgruppen an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 18% 26% 7% 49% 28% 41% 21% 10% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Heilb eru fe Rech t u. W irtsch aft Tech n./Na turwi sse nsc hftl Küns tler, Päda goge n… bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Die Gruppe der Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe ist mit einem Anteil von 10 Prozent eher selten in der hohen Einkommensklasse vertreten. Die Freien Heilberufe, am stärksten in der mittleren Einkommensklasse vertreten, stellen bei den hohen Einkommen mit einem Anteil von 28 Prozent die zweitstärkste Gruppierung. Die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe haben den größten Anteil in der hohen Einkommensklasse. Dabei stellen sie auch mit einem Anteil von 26 Prozent die zweitgrößte Gruppe in der niedrigen Einkommensklasse. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 317 Insgesamt zeigt sich, dass die Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe besonders häufig in der niedrigsten Einkommensklasse anzutreffen sind, während die Freien Heilberufe die mittlere Einkommensklasse dominieren und die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe die Klasse der hohen Einkommen bestimmen. Darüber hinaus ist die numerisch kleinste Gruppierung, die Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe, mit ihrem relativen Anteil besonders häufig in der hohen Einkommensklasse vertreten. So gehören rund ein Drittel der 154.000 Freiberufler dieser Berufsgruppe zur Klasse der hohen Einkommen. Bevorzugte Form der Gründung ist bei den Freien Berufe mit großem Abstand die originäre Gründung. Von den 1.043 Mio. Freiberuflern wählten 806.000 Personen diese Gründungsform. Lediglich 23 Prozent der Freiberufler nahmen eine derivative Gründung vor. Vor dem Hintergrund der numerischen Überlegenheit der originären Gründungen wird die Verteilung auf die einzelnen Einkommensklassen, entgegen der Angaben in Tabelle 63, für die beiden Gründungsformen separat vorgenommen. Die Abbildung 48 zeigt die prozentualen Anteile der jeweiligen Gründungsform in der niedrigen und hohen Einkommensklasse an. Abbildung 48: Prozentuale Anteile der jeweiligen Gründungsform an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 44% 22% 41% 27% 0% 20% 40% 60% 80% 100% bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Originär Derivativ Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Von den 806.000 originären Gründungen finden sich im Jahre 2002 rund 44 Prozent in der niedrigen, 34 Prozent in der mittleren und 22 Prozent in der hohen Einkommensklasse wieder. Bei den derivativen Gründungen sind es von den 237.000 Gründungen 41 Prozent in der niedrigen, 32 Prozent in der mittle- 318 Onlineerhebung zu den Freien Berufen ren und 27 Prozent in der hohen Einkommensklasse. In der Gesamtschau liegen die beiden Gründungsformen in ihrer Verteilung auf die drei Einkommensklassen recht nahe beieinander. Lediglich in der hohen Einkommensklasse liegen die derivativen Gründungen mit einem Plus von fünf Prozentpunkten vor den originären Gründungen. Mit einem Anteil von 58 Prozent beschäftigt der überwiegende Teil der aktuell freiberuflich Tätigen keine sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter. Rund 22 Prozent der Freiberufler beschäftigen zwischen ein bis drei sozialversicherte Mitarbeiter und 20 Prozent beschäftigen mehr als drei Mitarbeiter. Abbildung 49: Prozentuale Anteile nach sozialversicherten Mitarbeitern an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 78% 21% 2% 39% 19% 42% 0% 20% 40% 60% 80% 100% keine Mitarbeiter 1-3 Mitarbeiter über 3 Mitarbeiter bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Die Abbildung 49 stellt die prozentualen Anteile der beschäftigten sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter in der niedrigen und hohen Einkommensklasse gegenüber. Keine Mitarbeiten haben klar dominierend 78 Prozent der Freiberufler in der niedrigen Einkommensklasse „bis 37.499 €“. Lediglich 2 Prozent der Freiberufler beschäftigen in der niedrigen Einkommensklasse mehr als drei sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter. Die hohe Einkommensklasse mit „ab 75.000 €“ wird mit einem Anteil von 42 Prozent von den Freiberuflern mit mehr als drei sozialversicherte Mitarbeiter angeführt. Allerdings mit einem Anteil von 39 Prozent dicht gefolgt von den Freiberuflern ohne sozialversicherte Mitarbeiter. Offenbar fördert die Beschäftigung von sozialversicherten Mitarbeitern eine Zugehörigkeit zur hohen Einkommensklasse. Dies ist aber keine zwingende Voraussetzung wie der hohe Anteil von Freiberuflern ohne Beschäftigte in der hohen Einkommensklasse zeigt. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 319 Neben den aktuell sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wurden die Freiberufler auch nach deren Anzahl zum Zeitpunkt der freiberuflichen Gründung befragt. Gegenüber 66 Prozent der freiberuflichen Gründer ohne sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter zum Gründungszeitpunkt stehen 34 Prozent der Gründer mit mindestens einem Mitarbeiter. Davon verfügten 16 Prozent der Freiberufler schon zum Gründungszeitpunkt über mehr als drei sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die Tabelle 63 vergleicht nun die Anzahl der Mitarbeiter zum Gründungszeitpunkt und ihre Verteilung in den drei Einkommensklassen im Jahr 2002. Trotz der numerischen Überlegenheit von Gründern ohne Mitarbeiter zum Start stellt die Gruppe der freiberuflichen Gründer mit mehr als drei Mitarbeitern zum Gründungszeitpunkt mit einem Anteil von 37 Prozent die größte Gruppe. Dem folgen die Freiberufler mit „ein bis drei Mitarbeitern“ und einem Anteil von 33 Prozent. Dagegen wird die niedrige Einkommensklasse klar von den freiberuflichen Gründern ohne Mitarbeiter mit einem Anteil von 89 Prozent dominiert. Ein ähnliches Bild zeigt sich in abgeschwächter Form bei den mittleren Einkommen. Die Abbildung 50 präsentiert grafisch aufbereitet die prozentualen Anteile nach sozialversicherten Mitarbeitern zum Gründungszeitpunkt in den niedrigen und hohen Einkommen. Abbildung 50: Prozentuale Anteile nach sozialversicherten Mitarbeitern zum Gründungszeitpunkt in der Klasse der niedrigen und hohen Einkommen 89% 6% 4% 31% 33% 37% 0% 20% 40% 60% 80% 100% keine Mitarbeiter 1-3 Mitarbeiter über 3 Mitarbeiter bis 37.499 Euro ab 75.000 Euro Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Deutlich zu erkennen ist der hohe Anteil der Gründer ohne Mitarbeiter in der niedrigen Einkommensklasse. Betrachtet man die Verteilung separat nach der 320 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Mitarbeiterzahl in den drei Einkommensklassen verdeutlichen sich die struktursetzenden Einflüsse einer höheren Mitarbeiterzahl für eine spätere Zugehörigkeit in der hohen Einkommensklasse In Deutschland gehören 74 Prozent der freiberuflich Tätigen keinem Kammerberuf an. Damit liegt der Anteil der Kammerberufe bei knapp einem Viertel aller Freien Berufe. Mit einem Anteil von 90 Prozent beherrschen die kammerfreien Berufe insbesondere die Klasse der niedrigen Einkommen. Aber auch die mittlere Einkommensklasse wird von den kammerfreien Berufen mit einem Anteil von 75 Prozent dominiert. Dagegen stellen die Kammerberufe mit einem Anteil von 56 Prozent die größte Gruppe in der Klasse der hohen Einkommen. Allerdings werden die Ergebnisse durch die numerische Überlegenheit der kammerfreien Berufe verzerrt. So ist auch bei der Differenzierung zwischen Kammerberuf und nicht Kammerberuf die separate Betrachtung aussagekräftiger. Die Abbildung 51 zeigt die Verteilung der Freiberufler in der niedrigen und hohen Einkommensklasse nach Kammer und kammerlosen Berufen. Von den im Jahr 2002 in Deutschland tätigen 267.000 kammergebunden Freiberuflern gehören 16 Prozent der niedrigen Einkommensklasse, 33 Prozent der mittleren Einkommensklasse und 51 Prozent der hohen Einkommensklasse an. Abbildung 51: Prozentuale Anteile nach Kammerberufen an den niedrigen und hohen Einkommen der Freiberufler 16% 51%52% 14% 0% 20% 40% 60% bis 37.499 Euro ab75.000 Euro Kammerberuf kein Kammerberuf Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen in Prozent. FFB-Onlineumfrage Freie Berufe 2003. N = 1.043.000. Von den 776.000 kammerfreien Freiberuflern gehören 52 Prozent der niedrigen Einkommensklasse, 34 Prozent der mittleren Einkommensklasse und 14 Prozent der hohen Einkommensklasse an. Die Verteilung der Freiberufler nach Kammerund kammerlosen Berufen in den drei Klassen zum Einkommen zeigt eine deut- Onlineerhebung zu den Freien Berufen 321 liche Tendenz zugunsten der Kammerberufe in der hohen Einkommensklasse und ein klares Übergewicht der kammerlosen Berufe in der niedrigen Einkommensklasse. Die hochgerechneten deskriptiven Ergebnisse haben Aufschluss über die Anzahl und Verteilung der Freien Berufe innerhalb der personen- und betriebsbezogenen Fragestellungen gegeben, dies sowohl insgesamt als auch innerhalb der drei Einkommensklassen. Insbesondere die Merkmale und Charakteristika freiberuflicher Einkommen konnten deutlich in der pointierten Gegenüberstellung der unteren und höheren Einkommen herausgearbeitet werden. Dabei wurde auch die große Spannweite der Einkommen innerhalb der Freien Berufe deutlich. In der Zusammenfassung ergibt sich folgendes Bild zum freiberuflichen Einkommenserfolg. Finanziell erfolgreiche Freiberufler sind oftmals über 50 Jahre alt und männlichen Geschlechts. Lediglich ein Viertel aller Freiberufler sind Frauen. Dabei sind die Frauen besonders häufig in der niedrigen Einkommensklasse vertreten. Aus Ostdeutschland stammen 13 Prozent der 1.043 Mio. Freiberufler. Erfolgreiche ostdeutsche Freiberufler sind eher in der mittleren Einkommensklasse anzutreffen, während die westdeutschen Kollegen überproportional in der höheren Klasse vertreten sind. Vor dem Hintergrund des Allgemeinen Humankapitalansatzes ist das Abitur der vorherrschende Schulabschluss bei den Freiberuflern in allen Einkommensklassen. Von allen Freiberuflern verfügen 63 Prozent über einen Hochschulabschluss. Hochschulabsolventen gehören häufiger zur höheren Klasse der Einkommen, während Freiberufler ohne Hochschulabschluss vermehrt in der niedrigeren Einkommensklasse anzutreffen sind. Allerdings geht ein Hochschulabschluss nicht zwangsläufig mit einer mittleren oder höheren Klasse des Einkommens einher. Die Tabelle 64 gibt einen Überblick zu den zentralen deskriptiven Ergebnissen. Gegenübergestellt sind die Merkmale und Charakteristika der Freiberufler in der niedrigen und höheren Klasse freiberuflicher Einkommen. Beim spezifischen Humankapital zeigt sich eine länger anhaltende Berufserfahrung im derzeitig ausgeübten Beruf von deutlichem Vorteil für ein höheres Einkommen. Sowohl die mittlere, als auch die höhere Einkommensklasse sind durch Freiberufler mit einer lang anhaltenden Berufserfahrung geprägt. Von Vorteil erweist sich für die Zugehörigkeit in der mittleren und höheren Einkommensklasse für die Freiberufler eine vorhergehende Erfahrung als Angestellter. Personen, die vor ihrer freiberuflichen Gründung nicht erwerbstätig waren, sind häufiger in der niedrigen Einkommensklasse anzutreffen. Aus den betriebsbezogenen Ergebnissen zeigt sich, dass die Spitzenverdiener in den Freien Berufen häufig aus den Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen stammen, während die mittlere Einkommensklasse durch die Freien Heilberufe gekennzeichnet sind. Besonders häufig gehören die Freien künstlerischen, pädagogischen und publizistischen Berufe zur Klasse der niedrigen Einkommen. Die mit einem Anteil von 15 Prozent kleinste Gruppierung unter den Berufsgruppen sind die Freien technischen 322 Onlineerhebung zu den Freien Berufen und naturwissenschaftlichen Berufe. Allerdings sind diese überproportional oft in der höchsten Einkommensklasse vertreten. Dominierende Gründungsform unter den Freiberuflern ist die originäre Gründung. Lediglich 23 Prozent gründen derivativ, sind aber in Relation zu den originären Gründungen etwas häufiger in der höheren Einkommensklasse anzufinden. Tabelle 64: Überblick der zentralen Merkmale und Charakteristika erfolgreicher freiberuflicher Gründer aus den mittleren und höheren Einkommensklassen Charakteristika und Merkmale niedrige Einkommensklasse (bis 37.499 €) höhere Einkommensklasse (ab 75.000 €) Personenbezogen vermehrt über 50 Jahre alt oftmals Frauen mehrheitlich Männer Humankapital häufiger ohne Hochschulabschluss mehrheitlich aber nicht zwingend mit einem Hochschulabschluss keine oder geringe Berufserfahrung im aktuellen Beruf lange Berufserfahrung im aktuellen Beruf eine vorhergehende nicht Erwerbstätigkeit zuvor als Angestellte tätig Betriebsbezogen Freie künstlerische, pädagogische und publizistische Berufe Freie rechts- und wirtschaftsberaten de sowie technische und naturwissenschaftliche Berufe eher die originäre Gründungsform öfter die derivative Gründungsform häufiger ohne sozialversicherte Mitarbeiter häufig mit mehr als drei sozialversicherte Mitarbeitern Zum Gründungszeitpunkt ohne sozi alversicherte Mitarbeiter Bereits zur Gründung sozialversicherte Mitarbeitern beschäftigt vermehrt kammerlose Berufe öfter Kammerberufe Umfeldbezogenen überwiegend aus Westdeutschland Quelle: Eigene Tabelle. Keinen sozialversicherten Mitarbeiter beschäftigen insgesamt 58 Prozent der Freiberufler. Freiberufler mit sozialversicherten Mitarbeiter sind häufiger in der mittleren und höheren Klasse der Einkommen vertreten wogegen Freiberufler ohne Mitarbeiter häufiger in der niedrigen Einkommensklasse vertreten sind. Ihre freiberufliche Tätigkeit mit sozialversicherten Mitarbeitern haben 34 Prozent der Freiberufler gestartet. Gründer mit sozialversichert Beschäftigten sind Onlineerhebung zu den Freien Berufen 323 überproportional häufig in der mittleren und höheren Einkommensklasse vertreten während Freiberufler ohne Mitarbeiter bei Gründung häufiger in der untersten Klasse der Einkommen anzufinden sind. Hinsichtlich der institutionellen Begebenheiten sind fast drei Viertel aller Freiberufler in keinem Kammerberuf tätig. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit zur mittleren oder höheren Einkommensklasse zu gehören mit der Ausübung eines Kammerberufes an. Die niedrigere Einkommensklasse ist von den kammerlosen Freiberuflern geprägt. 5.4.2 Multivariate Ergebnisse zum Einkommenserfolg Die multivariaten Ergebnisse und Hypothesentests zum freiberuflichen Einkommenserfolg aus der FFB-Onlineumfrage 2003 stehen im Mittelpunkt des folgenden Abschnitts. Zunächst wird das Untersuchungsmodell zum freiberuflichen Einkommenserfolg vorgestellt. Dies umfasst die endogenen Messgrößen sowie die Modellierung der exogenen Einflussgrößen auf den freiberuflichen Einkommenserfolg (Kap. 5.4.4). Dem Untersuchungsmodell schließt sich die Auswahl und Vorstellung der statistischen Auswertungsverfahren an. Dabei wird in erster Linie auf das Ordered Probit Modell als maßgebendes Untersuchungsmodell eingegangen. Zur Anwendung kommen aber auch ein multinomiales Logit Modell und ein OLS- Schätzer (Kap. 5.4.5). Grundlage der multivariaten Auswertungen sind die nicht hochgerechneten Daten der FFB-Onlineerhebung 2003. In den folgenden Abschnitten werden die Determinanten auf ihren Einfluss auf die Zugehörigkeit einer der drei Einkommensklassen getestet. Die empirische Relevanz der aufgestellten Hypothesen freiberuflicher Gründungsaktivitäten (Kap. 5.4.6) wird mit den multivariaten Analysemethoden zum Abschluss der jeweiligen Unterkapitel überprüft. Das Zwischenfazit schließt den Abschnitt des freiberuflichen Einkommenserfolges mit den Hypothesentests ab (Kap. 5.4.7). 5.4.3 Untersuchungsmodell Grundlage für die Entwicklung des Untersuchungsmodells zum freiberuflichen Einkommenserfolg sind die theoretischen Annahmen und empirisch nachgewiesenen Regelhaftigkeiten aus dem dritten Kapitel (vgl. Kap. 3.4 und 3.5). Eingebettet ist das Untersuchungsmodell sowohl der Struktur als auch im Aufbau in den Bezugsrahmen zur Gründungsforschung (vgl. Kap. 3.2), d.h. die Gründerperson mit ihrem freiberuflichen Einkommen als Forschungsobjekt steht perspektivisch im Mittelpunkt. Der Forschungsperspektive folgend richtet sich die Vorgehensweise an den personen-, betriebs-, und umfeldbezogenen Theorieansätzen aus. Die systematisierte Hypothesenstruktur (vgl. Kap. 3.6) spiegelt sich letztlich auch im Modellaufbau zum freiberuflichen Einkommenserfolg wieder. Die Tabelle 65 gibt auf den folgenden Seiten einen Überblick zum Hintergrund der theoretischen Annahmen sowie den einzelnen Determinanten mit ihren Merkmalsausprägungen und den Referenzkategorien.

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References

Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.