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Peter Paic, Methodischer Ansatz in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 286 - 287

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
286 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Merkmale der freiberuflich Tätigen. Demnach sind die typischen berufstätigen Freiberufler meistens männlich, von hoher Bildung und von mittlerem Alter. Letztlich eignet sich die Onlineumfrage für die Freien Berufe, da diese Gruppe im Gegensatz zur Deutschen Bevölkerung mit einem überdurchschnittlichen Anteil unter den Nutzern des Internets vertreten ist. Dieser Anteil dürfte zum Zeitpunkt der Umfrage bei ca. 80 Prozent liegen. Einschränkend für die wirklichkeitsnahe Abbildung ist die Methode der passiven Befragung. Hier kann es durch die Selbstrekrutierung der Befragten zu Effekten der Selbstselektion kommen, auf die im folgenden Kapitel (Kap. 5.1.5) gesondert eingegangen wird. Insgesamt kann die unter den beschriebenen Voraussetzungen generierte Stichprobe dem realen Bild der freiberuflichen Gesamtpopulation relativ nahe kommen. Insbesondere sollte sie Aufschlüsse über die eingangs gestellten Fragen liefern. Man kann zwar nicht von einer repräsentativen Umfrage sprechen, aber von einer Befragung, welche annäherungsweise die Realität wiedergibt. 5.1.4 Methodischer Ansatz Ein entscheidender Aspekt für den Gehalt der durch eine Onlineerhebung gewonnenen Daten ist die Auswahl des methodischen Ansatzes zur Teilnehmerrekrutierung. Hierbei kann grundsätzlich zwischen drei methodische Ansätzen einer Onlineerhebung unterschieden werden: (1) personalisierte Umfragen, bei denen die Anzahl der Befragten feststeht, (2) selbstrekrutierende Umfragen, für die auf verschiedenen Internetpräsenzen geworben wird, (3) selbstrekrutierende Umfragen, die den Nutzer einer Webseite ansprechen (vgl. Gräf 2002, 55). Der Ansatz der personalisierten Umfrage findet Anwendung, wenn die befragten Personen für die Umfrage feststehen und bekannt sind. Im vorliegenden Erhebungsfall der freiberuflichen Onlineerhebung liegen uns keine personalisierten Daten über die zu befragenden Personen aus der Gruppe der Freien Berufe vor. Daher ist der methodische Ansatz einer personalisierten Umfrage zwar wünschenswert, aber nicht realisierbar. Bei den selbstrekrutierenden Umfragen (self-administered survey) wird nach Gräf (2002) zwischen zwei Gruppen differenziert. Zum einen gibt es Umfragen, die den Nutzer über Werbung auf mehreren Internetpräsenzen zu erreichen suchen und zum anderen Umfragen, die den Nutzer einer einzigen Website ansprechen sollen (vgl. Gräf 2002, 55). Für die Onlineumfrage zu den Freien Berufen wurde eine selbstrekrutierende Umfrage auf Basis einer einzigen Website, der Internetpräsenz des Onlinefragebogens auf dem Server des Forschungsinstituts Freie Berufe (FFB) der Universität Lüneburg (http://ffb.unilueneburg.de) ausgewählt. Mittels des instituteigenen Servers und personellen Know-hows bestand hier die Möglichkeit, innerhalb der zur Verfügung stehenden Ressourcen eine datenbankgestützte Onlineerhebung durchzuführen. Dies hat gegenüber den Umfragen, bei denen auf verschiedenen Internetpräsenzen geworben wird, hinsichtlich der Kosten Vorteile zur Teilnehmergewinnung. Onlineerhebung zu den Freien Berufen 287 So entfallen beispielsweise die nicht unerheblichen Kosten, die zur Teilnehmergewinnung durch das Einblenden von Werbebannern entstehen14. Die Abbildung 36 gibt eine Übersicht der methodischen Ansätze für Onlineumfragen. Abbildung 36: Übersicht der methodischen Ansätze einer Onlineumfrage Onlineumfrage Personalisierte Umfragen Selbstrekrutierende Umfragen Umfragen, für die auf verschiedenen Internetpräsenzen geworben wird Umfragen, die den Nutzer einer einzigen Website ansprechen Quelle: Eigene Abbildung. Vorteil einer solchen Onlineerhebung ist, im Hinblick auf die Untersuchungsgruppe der Freiberufler, insbesondere die Flexibilität. Neben der zeitlichen Flexibilität für die Befragten ist der Aufwand für das Ausfüllen und das Zurücksenden für sie minimiert. Zudem bieten Onlineerhebungen im Vergleich zu den klassischen Erhebungsinstrumenten sowie eine Reliabilität als auch Validität von vergleichbarer Qualität (vgl. Scheffler 2003, 37; Hauptmann 1999). Bei allen Vorteilen gilt es für eine erfolgreiche Onlineerhebung, ein Augenmerk auf mögliche Schwachpunkte zu legen. Diese können beispielsweise bis zu einer systematischen Verzerrung der Ergebnisse führen und werden im folgenden Abschnitt behandelt. 5.1.5 Probleme selbstrekrutierender Onlineumfragen Probleme selbstrekrutierender Onlineumfragen können in unterschiedlichen Facetten auftreten und reichen von den hohen Kosten einer Anfangsrekrutierung über methodische Probleme bis hin zu einer möglichen Selbstselektion der Befragungsteilnehmer (vgl. Wiegand 2003, 68 f. und Gräf 2002, 56). 14 Aus den Erfahrungen bisheriger Umfragen sind für jede Person, die den Fragebogen ausfüllt ca. 1000 Einblendungen eines Werbebanners notwendig. Die Kosten für das Einblenden von 1000 Bannern belaufen sich je nach ausgewählter Internetseite auf ca. 15-35 Euro (vgl. Gräf 2002, 56).

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.