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Peter Paic, Vorteile einer Onlineumfrage in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 279 - 284

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
5. Onlineerhebung zu den Freien Berufen Freiberufliche Tätigkeiten im Mittelalter: Künstlerische Darstellung der Geometrie Onlineerhebung zu den Freien Berufen 281 Im direkten Vergleich zu anderen Datenbasen erwies sich der Informationsgehalt des SOEP zu den Freien Berufen, und hier insbesondere zum freiberuflichen Gründungsgeschehen als die umfassendste Informationsbasis für eine empirisch gestützte Untersuchung (vgl. Kap. 2.4.1). Dennoch ist die Erhebung des SOEP nicht primär auf die Fragestellung des freiberuflichen Gründungsgeschehens ausgerichtet. Dadurch ist es beispielsweise nicht möglich, zwischen den verschiedenen Gründungsformen hinsichtlich ihrer Strukturexistenz zu differenzieren oder auf betriebsbezogene Gründungsinformationen zurückzugreifen. Ebenso eignet sich das SOEP nur sehr eingeschränkt zur Eruierung aktueller politischer Strömungen und wirtschaftlicher Befindlichkeiten in der Gruppe der Freien Berufe. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Abgrenzungs- und Erhebungsproblematik der freiberuflichen Tätigkeiten im SOEP (vgl. Kap. 4.3) ist eine zweite Datenbasis wünschenswert. Zentrale Anforderung an eine solche alternative Datenbasis ist zum einen die primäre Ausrichtung auf das freiberufliche Gründungsgeschehen und zum anderen die Bereitstellung einer Datengrundlage die u.a. auch dafür geeignet ist, die gewonnenen Ergebnisse aus dem SOEP zu ergänzen. Da keine der derzeit verfügbaren Datenbasen diese Informationstiefe bereitstellen kann, wurde eine eigene, speziell auf die Erfordernisse der Fragestellung abgestimmte Onlineerhebung zu den Freien Berufen durchgeführt. Ziele dieser erstmaligen bundesweiten Onlineerhebung zu den Freien Berufen: ‚ Erkenntnisse zur Einschätzung der aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen und politischen Lage der Freien Berufe. ‚ Erkenntnisse über die geografische Herkunft und Zusammensetzung der Berufsbilder in den Freien Berufen. ‚ Erkenntnisse zur Gründungsaktivität der Freien Berufe. Wer gründet eine freiberufliche Existenz? Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen eine freiberufliche Gründung (Bildungsstand, berufliche Erfahrungen und Entwicklungen)? In welcher Form finden freiberufliche Gründungen statt (Übernahmen oder Neugründungen)? ‚ Erkenntnisse zum Gründungserfolg (Was kennzeichnet eine erfolgreiche freiberufliche Gründung? Wie viele Mitarbeiter werden beschäftigt? Wie hoch ist die Arbeitsbelastung? Welche Problemfelder gab es nach der Gründung zu überwinden? Die durch die Onlineerhebung gewonnenen Daten sollen, analog zu den Auswertungsmethoden der SOEP-Datenbasis, mittels deskriptiver und multivariater statistischer Verfahren ausgewertet werden, um Rückschlüsse auf den Erfolg freiberuflicher Gründer zu ziehen. Unter dem Erfolgsaspekt stehen nun weniger die Merkmale zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Gründungen hinsichtlich ihres Überlebens über einen fest definierten Beobachtungshorizont. Vielmehr soll die Onlineerhebung Informationen liefern, die eine retrospektive Analyse der Freiberufler seit ihrer Gründung ermöglichen. Darüber hinaus sollen vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Freien Berufe (Ge- 282 Onlineerhebung zu den Freien Berufen werbesteuer, Deregulierung des Wettbewerbs, Sozialversicherungssysteme) die subjektiv empfundene politische und wirtschaftliche Einschätzung der Freiberufler erhoben werden. Nicht zuletzt kann eine zweite, primär auf den Untersuchungsgegenstand ausgerichtete Datenbasis helfen, die gewonnenen Erkenntnisse aus den SOEP-Analysen in ihrer Allgemeingültigkeit zu überprüfen und Abweichungen zu lokalisieren. Zweifelsfrei ist eine auf den Untersuchungsgegenstand konzipierte Erhebung von Vorteil, dennoch ergeben sich aus der Struktur einer einmaligen Onlineerhebung Probleme, die einen direkten Vergleich der aus den Datenbasen gewonnen Ergebnisse einschränken. Zum einen handelt es sich bei der Onlineerhebung, im Gegensatz zum Längsschnittdatensatz des SOEP, um einen Querschnittsdatensatz. Ein direkter Vergleich von Ergebnissen aus den Panelansätzen entfällt damit. Zum anderen ist die Onlineerhebung von der Problematik des Survivor Bias betroffen, d.h., es ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich nur Freiberufler an der Umfrage beteiligen, deren Existenzgründung erfolgreich verlaufen ist. Der Verlauf gescheiterter freiberuflicher Existenzen bleibt somit außen vor. Insgesamt gibt es also strukturelle Unterschiede zwischen dem SOEP und der Onlineumfrage, welche einen direkten Vergleich der Ergebnisse ausschließen. Vor dem Hintergrund der für wissenschaftliche Zwecke überaus unbefriedigende Datenlage zu den Freien Berufen sowie der Aussicht auf die erstmalige Gewinnung neuer zentraler Daten zum freiberuflichen Gründungsgeschehen sind die strukturellen Einschränkungen allerdings eher von zu vernachlässigender Natur. Vielmehr ist dies ein Kennzeichen für den explorativen Charakter dieser empirischen Untersuchung Im Kontext der an die Umfrage gestellten Anforderungen und vorhandenen Ressourcen für eine bundesweite Onlineerhebung zu den Freien Berufen gliedert sich das folgende Kapitel in drei Abschnitte. Zu Beginn werden die Vorteile und Methoden onlinebasierender Erhebungen vorgestellt. Ebenso werden zentrale Aspekte einer Onlineerhebung, wie der aktuelle Verbreitungsgrad des Mediums Internet in der Bevölkerung und in den Freien Berufen sowie die Repräsentativität online erhobener Stichproben, dargestellt. Dem schließen sich die Auswahl eines geeigneten Erhebungsinstrumentes sowie die methodische Vorgehensweise und Probleme beim Einsatz von selbstrekrutierenden Umfragen an. Im zweiten Abschnitt werden die Entwicklung und Konstruktion des Onlinefragebogens behandelt. Begleitend zur Entwicklung des Onlinefragebogens werden Fragen zum Layout, der Fragestellungen und dem Skalenniveau vorgestellt. Dem folgen der Test des Fragebogens durch ein Expertenteam sowie die Anschreiben und Ansprachen zur Teilnehmergewinnung. Eine Übersicht zu den Eckdaten der Online-Umfrage schließt den zweiten Abschnitt ab. Im dritten Abschnitt werden die Daten der Onlineerhebung auf Grundlage des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes mit dem Programm Adjust hochgerechnet. Die deskriptiven Ergebnisse werden im vierten Abschnitt vorgestellt. Dem folgen im fünften Teil das Untersuchungsmodell sowie die verwendeten multivariaten Onlineerhebung zu den Freien Berufen 283 Schätzverfahren. Dies sind neben dem Ordered Probit das Multinomiales Logit Modell (MNL) und ein OLS-Schätzer. Dem schließen sich die multivariaten Ergebnisse der Schätzer zum Gründungserfolg an. Ein Zwischenfazit mit den Hypothesentests schließt das Kapitel. 5.1 Eignung und Methoden von Onlineerhebungen Im Zuge der technischen Fortentwicklung und der allgemeinen Verbreitung des Mediums Internet erfreuen sich online generierte Daten einer immer größeren Beliebtheit in der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschung (vgl. Ehling 2003, 11; Gräf 2002, 56). In diesem Abschnitt werden zunächst die Vorund Nachteile einer Onlineerhebung behandelt und anschließend die unterschiedlichen methodischen Grundlagen dargelegt. Neben den Vorzügen einer Onlineerhebung wird im Einzelnen auf die Verbreitung des Mediums Internet in der Bevölkerung und bei den Freien Berufen eingegangen. Dem folgt der wichtige Aspekt der Repräsentativität von online generierten Stichproben. Der zweite Teil widmet sich der Auswahl eines geeigneten methodischen Ansatzes, den Problemen selbstrekrutierender Onlineumfragen sowie den Rekrutierungsmaßnahmen zur Teilnehmergewinnung. Einleitend werden die definitorischen Aspekte einer Internetumfrage erläutert. 5.1.1 Vorteile einer Onlineumfrage Kennzeichnendes Charakteristikum einer Onlineerhebung ist nach der Definition des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM), dass die Teilnehmer einer Befragung den Fragebogen auf einem Server über das Internet online ausfüllen (vgl. ADM 2000, 1). Gegenüber den klassischen Erhebungsinstrumenten, wie dem schriftlichen Fragebogen oder dem persönlichen Interview, kann der Einsatz einer Onlineerhebung eine Reihe von Vorteilen mit sich bringen. Zum einen bietet die Erhebung über das Internet eine umfassende Zugänglichkeit zu allen Personengruppen12 und damit eine größtmöglichste Abdeckung der zu befragenden Einheit an, da es nicht von der geografischen Lage des Befragten abhängt. Andererseits bietet das Internet eine sehr hohe Flexibilität in Bezug auf den zeitlichen Rahmen. Der Befragte muss nicht zu einem fixen Termin an der Umfrage teilnehmen, vielmehr kann er sich frei und individuell über den Zeitpunkt seiner Teilnahme an der Befragung entscheiden. Darüber hinaus bietet eine Onlineerhebung im Vergleich zu den klassischen Methoden der empirischen Sozialforschung technische Vorteile. Diese resultieren aus einer direkten digitalen Erfassung und Analyse der gewonnenen Daten, wodurch eine langwierige und arbeitsintensive Dateneingabe entfällt. Die digital erhobenen Informationen werden direkt in statistische 12 Unter der Vorraussetzung, dass sie über einen Internetzugang verfügen. Eingehender wird die Verbreitung des Internets in dem folgenden Kapitel behandelt. 284 Onlineerhebung zu den Freien Berufen Anwendungsprogramme, wie beispielsweise SPSS, exportiert und eingespeist. Damit entfallen mögliche Eingabefehler, welche meist unbemerkt die Datenqualität verzerren. Schließlich kann eine Onlineerhebung auch mit einer Zeit- und Kostenersparnis verbunden sein. Im Regelfall ist die schriftliche Befragung u.a. mit hohen Porto- und Fotokopierkosten auf der einen Seite sowie mit einem hohen Zeitaufwand (Personalkosten) für die Eingabe der Daten auf der anderen Seite verbunden. Diese Art von Kosten fallen bei einer Onlineerhebung nicht an. Hier stehen Kosten im Mittelpunkt, welche für die Erstellung der Onlineumfrage anfallen, z.B. Serverkosten oder Kosten für die Erstellung der Homepage. Letztlich wird ein Teil der Kosten auf den Probanden übertragen, da dieser die Onlinegebühren zahlt. In der Praxis ergeben sich daraus meist identische Kosten für die Online- und die klassische Erhebung (vgl. Gadeib 1999, 109). Für eine bundesweite Erhebung zu den Freien Berufen sprechen insbesondere zwei Argumente für das Instrument der Onlineerhebung. Zum einen die relativ einfache und schnelle digitale Erfassung und Weiterverarbeitung der Daten und zum anderen der Vorteil der geografischen Unabhängigkeit einer Onlineerhebung, die eine bundesweite Erhebung der Freien Berufe erlaubt. 5.1.2 Verbreitung des Internets Die Verbreitung des Mediums Internet nahm in den letzten Jahren sehr stark zu und ist innerhalb der Bevölkerung mittlerweile sehr weit verbreitet. Dies belegen zwei Pilotstudien des Statistischen Bundesamtes in zehn Bundesländern vom April und Mai 2002 über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten und Unternehmen (Statistisches Bundesamt 2003a und 2003b). Nach der Pilotstudie verfügen über 43 Prozent der privaten Haushalte über einen Internetanschluss. Der Anteil der Internetnutzer liegt mit 52 Prozent bei den Männern deutlich höher als bei den Frauen mit 41 Prozent der Bevölkerung im Alter ab 10 Jahren. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Nutzung divergieren jedoch teilweise erheblich je nach Altersgruppe. Im Vergleich zur Bevölkerungsstruktur nutzen Personen mit höherem Bildungsstand (63 Prozent) gegenüber Personen mit niedrigerem Bildungsstand (37 Prozent) verstärkt das Internet. Besonders bei jungen Personen kommt es zu einer nahezu völligen Verbreitung der Internetnutzung. Hingegen bei älteren Personen ist die Internet-Durchdringung noch sehr gering (vgl. Statistisches Bundesamt 2003a). Zusammenfassend ist der durchschnittliche Internetnutzer jung, männlich, berufstätig oder in Ausbildung und besitzt eine höhere Bildung. Jedoch ist erkennbar, dass sich diese Unterschiede mit der Zeit nivellieren werden. Insgesamt ist von einer weiter anhaltenden Verbreitung der Internetnutzung in den deutschen Haushalten für die kommenden Jahre auszugehen. Von den in der zweiten Pilotstudie untersuchten Unternehmen nutzen 62 Prozent das Internet. Befragt wurden über 1,2 Mio. Unternehmen im Jahr 2002 (vgl. Statistisches Bundesamt 2003b).

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.