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Peter Paic, Multivariate Analysen freiberuflicher Gründungen in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 217 - 218

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 217 was höher ausgeprägt als bei den Gründern in ihrer vorherigen Tätigkeit. Der Anteil der Ostdeutschen ist bei den Freiberuflern mit einem Anteil von 20 Prozent etwa 2 Prozentpunkte höher als bei den freiberuflichen Gründern. Sowohl die meisten Freiberufler arbeiten und gründen in den Bundesländern Nordrhein- Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Den höchsten ostdeutschen Anteil verzeichnet Sachsen, sowohl bei den Tätigen als auch bei den Gründern. Auf der Ebene des Humankapitals verfügen mehr Gründer über das Abitur als die Freiberufler. Ebenfalls höher ist der Anteil der Hochschulabschlüsse bei den freiberuflichen Gründern mit gut 69 Prozent gegenüber rund 60 Prozent bei den Freien Berufen. Dabei liegt der Mittelwert der Ausbildungsdauer bei den Gründern nur um 0,2 Jahre höher als bei den Freien Berufen. Aufgrund der geringen Fallzahlen bei den freiberuflichen Gründern in den einzelnen Wellen ist es schwierig, eine Entwicklung aus dem Beobachtungszeitraum abzuleiten. Dennoch sind auch bei den freiberuflichen Gründern einige zentrale Tendenzen sichtbar geworden. So gibt es seit 1999 einen rückläufigen Trend bei den weiblichen freiberuflichen Gründungen. Ebenfalls rückläufig ist die Tendenz der freiberuflichen Gründungen in Ostdeutschland. Nach diesen ersten Charakteristika der freiberuflichen Gründer und den Vergleichen mit den freiberuflich Tätigen folgen im nächsten Abschnitt die multivariaten Verfahren, welche auch kausale Aussagen über die Zusammenhänge erlauben. Als erstes werden aus den multivariaten Analysen die Ergebnisse der Probit- und Logitschätzung vorgestellt. 4.3.3 Multivariate Analysen freiberuflicher Gründungen Nachdem im vorhergehenden Kapitel über die deskriptiven Ergebnisse berichtet wurde, werden nun die multivariaten Ergebnisse zur freiberuflichen Gründungsaktivität vorgestellt. Zunächst wird im ersten Abschnitt das Modell zur Untersuchung der freiberuflichen Gründungsaktivität behandelt. Dargestellt werden die endogene Messgröße sowie die Modellierung der exogenen Einflussgrößen freiberuflicher Gründungsaktivitäten. Anschließend werden die angewendeten statistischen Auswertungsverfahren vorgestellt. Dazu gehören das Logit-, Probitund Relogit-Modell sowie die panelökonometrischen Auswertungsverfahren mit dem Logit- und Probit-Schätzer des Random-Effects-Modells. Datengrundlage der multivariaten Analysen ist der berichtigte SOEP-Datensatz (vgl. Kap. 4.2) mit der dichotom modellierten abhängigen Variablen einer „freiberuflichen Gründung“ oder „nicht freiberufliche Gründung“. In den folgenden Abschnitten werden die Determinanten auf ihren Einfluss auf eine freiberufliche Gründung im Jahr vor der Gründung untersucht. Die empirische Relevanz der aufgestellten Hypothesen freiberuflicher Gründungsaktivitäten (vgl. Kap. 3.6) wird mit den multivariaten Analysemethoden zum Abschluss der jeweiligen Unterkapitel überprüft. Ein Zwischenfazit zu den Ergebnissen der freiberuflichen Gründungsaktivität schließt diesen Abschnitt ab. 218 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 4.3.4 Untersuchungsmodell Das Untersuchungsmodell der freiberuflichen Gründungsaktivität beruht auf der Grundlage theoretischer Annahmen (vgl. Kap. 3.3) und empirisch nachgewiesenen Regelhaftigkeiten (vgl. Kap. 3.4). Die Struktur und der Aufbau des Untersuchungsmodells richten sich dabei nach dem Bezugsrahmen der Gründungsforschung (vgl. Kap. 3.2), d.h. die Gründerperson steht perspektivisch im Mittelpunkt zur Untersuchung der Gründungsaktivität (Forschungsobjekt). Der Forschungsperspektive folgend, gliedert sich der personenbezogene Theorieansatz in demografische und subjektive Einflüsse, dem mikro-sozialen Umfeld und dem allgemeinen und spezifischen Humankapital der Gründerpersonen. Dieser Modellaufbau ist identisch mit der Hypothesenstruktur zur freiberuflichen Gründungsaktivität. Obwohl die humankapitaltheoretischen Ansätze klar den personenbezogenen Ansätzen zuzuordnen sind, werden sie als spezifischer Theorieansatz (vgl. Brüderl, Preisendörfer, Ziegler 1996) gesondert aufgeführt. Ebenso verbleiben demografische, subjektive und mikro-soziale Annahmen bei den personenbezogenen Ansätzen, auch wenn sie durch einen anderen Theorieansatz unterfüttert wurden, wie z.B. durch die Humankapitaltheorie. Insgesamt liegen der Aufbau und die Strukturierung der Ansätze in den Modellen im Sinne des Betrachters und sind nicht abschließender Natur. Vielmehr wurde mit dieser Strukturierung das Ziel verfolgt, die Inhalte der Studie an der Untersuchung zweckmäßig auszurichten. Grundlage der Auswertungen ist der berichtigte SOEP-Datensatz 1992 bis 2002. Da die einzelnen Variablen über den Untersuchungszeitraum Änderungen in ihren Merkmalsausprägungen erfahren haben, wurden diese in der Regel auf den größten gemeinsamen Nenner angepasst. Darüber hinaus wurden neue Variablen kreiert, wie beispielsweise die freiberufliche Gründungsvariable, oder es wurden Variablen über den Untersuchungszeitraum für die statistischen Auswertungsverfahren dichotomisiert. Da der Großteil dieser Änderungen bereits im Rahmen der deskriptiven Auswertungen zu den Freien Berufen und den freiberuflichen Gründern behandelt wurde, wird ausschließlich über neue Änderungen in diesem Abschnitt berichtet. Das SOEP erfasst zwischen 1992 und 2002 insgesamt 232 freiberufliche Gründer im berichtigten Datensatz. Vor dem Hintergrund der geringen Fallzahlen pro Welle, diese schwanken zwischen 11 und 32 Gründungen, wird das gepoolte Datenmodell für die statistischen Auswertungsverfahren angewendet. Lediglich die panelökonometrischen Verfahren greifen im Längsschnitt auf die einzelnen Wellen zurück. Da, wie im deskriptiven Teil der Auswertungen zu erkennen ist, nicht immer alle Klassen von freiberuflichen Gründern besetzt wurden, fließen nicht alle im deskriptiven Teil vorgestellten Determinanten in das Untersuchungsmodell ein. Darüber hinaus wurde auf Einflussgrößen aufgrund der Mulitikollinearität, wie bei der Dauer der Ausbildung, zugunsten eines Hochschulabschlusses verzichtet.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.