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Peter Paic, Deskriptive Ergebnisse zur Gründungsaktivität in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 197 - 217

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 197 „nicht Gründer“ beispielhaft für eine Welle aus dem korrigierten SOEP- Datensatz wieder: DO IF (jp4802=2) . RECODE ip4802 (MISSING=SYSMIS) (-2=1) (2=0) (ELSE=1) INTO Xfbg92 . END IF . EXECUTE . DO IF (jp4802 ~= 2) . RECODE jp4802 (MISSING=Copy) (ELSE=0) INTO Xfbg92 . END IF . EXECUTE . Die Gründungsvariablen wurden mit diesem Programmcode über alle Wellen von 1992 bis 2002 erstellt, so dass Informationen über eine freiberufliche Gründung für die Jahrgänge 1992 bis 2001 zur Verfügung stehen. Die neu kreierten Variablen, im Beispiel die Variable „xfbg92“, enthält Informationen über alle „freiberuflichen Gründer“ und „nicht Gründer“. Die so über alle Wellen im Untersuchungszeitraum konstruierten Gründungsvariablen werden dem Zeitpunkt t0 zugeordnet, d.h. die Informationen über eine freiberufliche Gründung sind dem Jahr vor der Gründung zugewiesen. 4.3.2 Deskriptive Ergebnisse zur Gründungsaktivität Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Ergebnisse zur Gründungsaktivität in den Freien Berufen. Die zeitliche Struktur der Ergebnisdarstellung wurde wie im vorhergehenden Kapitel zu den Freien Berufen beibehalten. Grundlage der Auswertungen ist die im SOEP neu kreierte freiberufliche Gründungsvariable (vgl. Kap. 4.3.1). Damit ist es möglich die Besonderheiten und Charakteristika der freiberuflichen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung zu analysieren und Rückschlüsse auf das freiberufliche Gründungsgeschehen zu ziehen. Die Daten beziehen sich auf das Jahr vor der freiberuflichen Gründung. Das Kapitel gliedert sich in folgende Abschnitte der Ergebnisdarstellung: personenbezogen, mikro-soziales Umfeld, betriebsbezogen, umfeldbezogen und das Humankapital. Soweit neue oder auch fehlerhafte Variablen umkodiert oder berichtigt wurden, wird darüber berichtet. Da die Gründungsvariable Informationen aus zwei Wellen bezieht, liegt der Untersuchungshorizont zwischen 1992 und 2001. So wurden alle freiberuflichen Gründer im Untersuchungszeitraum zwischen 1993 und 2002 auf ihre Merkmale und Charakteristika im Vorjahr (1992-2001) untersucht. Lagen die Fallzahlen bei den Freien Berufen insgesamt in den einzelnen Wellen zum Teil schon knapp an der 100er Grenze, so reduzieren sich naturgemäß die Fallzahlen der Gründer nochmals. So stehen innerhalb der einzelnen Wellen lediglich zwischen 22 und 37 Beobachtungen zur Verfügung. Aufgrund der relativ geringen Fallzahlen in den einzelnen Wellen wird in der Interpretation der 198 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Ergebnisse verstärkt auf das gepoolte Modell zurückgegriffen. Hier stehen zwischen 1992 bis 2002 insgesamt 232 Beobachtungen zur Verfügung. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse mit den Merkmalen und Charakteristika der freiberuflichen Gründer sowie ein Vergleich der freiberuflichen Gründer mit den freiberuflich Tätigen schließt den deskriptiven Teil dieses dieses Kapitels ab. Zunächst werden die personenbezogenen Ergebnisse der freiberuflichen Gründer anhand ihres Alters, dem Geschlecht, der Nationalität und der Gesundheitszufriedenheit im Jahr vor ihrer freiberuflichen Gründung vorgestellt. Die Tabelle 30 zeigt die Ergebnisse der personenbezogenen Auswertungen über die Wellen 1993, 1996, 1999 und 2002 sowie die von 1993 bis 2002 gepoolten Ergebnisse über den Untersuchungszeitraum. Tabelle 30: Personenbezogene Ergebnisse der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und der gepoolten Daten 1993-2002 Personenbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Alter bis 29 Jahre 5 17,9% 6 27,3% 3 12,0% 5 13,5% 29 12,5% ab 30 bis 39 Jahre 12 42,9% 8 36,4% 13 52,0% 11 29,7% 100 43,1% ab 40 bis 49 Jahre 4 14,3% 4 18,2% 7 28,0% 9 24,3% 57 24,6% ab 50 bis 59 Jahre 4 14,3% 3 13,6% 0 0,0% 7 18,9% 23 9,9% ab 60 Jahre 3 10,7% 1 4,5% 2 8,0% 5 13,5% 23 9,9% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Geschlecht Männlich 17 60,7% 13 59,1% 15 60,0% 23 62,2% 138 59,5% Weiblich 11 39,3% 9 40,9% 10 40,0% 14 37,8% 94 40,5% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Nation Ausländer 1 3,6% 1 4,5% 2 8,0% 3 8,1% 10 4,3% Deutsch 27 96,4% 21 95,5% 23 92,0% 34 91,9% 222 95,7% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Gesundheitszufriedenheit eher unzufrieden 6 21,4% 7 31,8% 6 24,0% 7 18,9% 52 22,5% eher zufrieden 22 78,6% 15 68,2% 19 76,0% 30 81,1% 179 77,5% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 231 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Rund zwei Drittel aller Freiberufler im Jahr vor ihrer Gründung liegen im gepoolten Modell in der zweiten und dritten Altersklasse zwischen 30 bis 49 Jahren. Fast 13 Prozent der Gründer sind unter 30 Jahre alt und beachtliche 10 Prozent sind älter als 60 Jahre. Aufgrund der geringen Fallzahlen und der Klassenbreite weisen die Werte zum Alter in den einzelnen Wellen teils erhebliche Schwankungen auf. Interessant ist der relativ hohe Anteil der über 60-Jährigen Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 199 Gründer, der, wenn auch mit geringen Fallzahlen, relativ konstant über die einzelnen Wellen in 1993, 1996, 1999 und 2002 vertreten ist. Eine freiberufliche Gründung muss nicht unbedingt mit einem jüngeren Alter einhergehen, wie die fast 10-prozentigen Anteile der über 60-Jährigen im gepoolten Modell zeigen. Die Tabelle 31 zeigt die gepoolten Ergebnisse mit den Lage- und Streuungsma- ßen zum Alter der freiberuflichen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung. Tabelle 31: Lage- und Streuungsmaße zum Alter der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung, unterteilt nach Geschlecht und Gesamtzahl, gepooltes Modell 1993-2002 Alter 1992-2002 Alle Gründer Männer Frauen Freiberufler im Jahr vor Mittelwert 40,6 41,8 38,8 ihrer Gründung Median 38,0 39,0 38,0 Standardabweichung 11,9 12,7 10,6 Minimum 21 22 21 Maximum 83 83 69 Fallzahl 232 138 94 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Das Durchschnittsalter aller freiberuflichen Gründer liegt bei fast 41 Jahren im gepoolten Modell und damit 4 Jahre unter dem der bereits freiberuflich Tätigen im selben Vergleichszeitraum (vgl. Tab. 31). Dabei wird das Durchschnittsalter insbesondere durch einige Ausreißer bei den „älteren männlichen“ Gründern beeinflusst. Dies wird besonders deutlich beim direkten Vergleich des Durchschnittsalters der Gründer nach Männern (41,8 Jahre) und Frauen (38,8 Jahre). So liegt der von den Extremwerten unbeeinflusste und in diesem Falle aussagekräftigere Median für alle freiberuflichen Gründer deutlich niedriger bei 38 Jahren. Mit einem Altersmedian von 39 Jahren bzw. 38 Jahren liegen auch die Werte der männlichen und weiblichen freiberuflichen Gründer recht nahe beieinander. Zwei Drittel aller untersuchten Gründer sind in einem Alter zwischen 29 und 53 Jahre. Im Jahr vor der Gründung sind über 40 Prozent der Freiberufler im gepoolten Modell weiblichen Geschlechts. Wie der Tabelle 30 zu entnehmen ist, zeigt sich dieser Anteil relativ konstant über den Untersuchungszeitraum, mit Ausnahme des Jahres 2002. Dabei weist der Anteil der weiblichen Gründer seit 1996 eine leicht stagnierende bzw. in 2002 eine rückläufige Tendenz auf. Vor dem Hintergrund extrem niedriger Fallzahlen liegt der Ausländeranteil der freiberuflichen Gründer im gepoolten Modell mit 4,3 Prozent kaum höher als der Ausländeranteil bei den freiberuflich Tätigen im selben Vergleichszeitraum (vgl. Tab. 30). Genau 77,5 Prozent der freiberuflichen Gründer sind im Jahr vor ihrer Gründung „eher zufrieden“ mit ihrer Gesundheit gegenüber 22,5 Prozent, die „eher unzufrieden“ mit ihrer Gesundheit sind. Im Vergleich zu den freiberuflich Tätigen 200 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) liegt der Anteil der freiberuflichen Gründer, die „eher zufrieden“ mit ihrer Gesundheit sind, um über 3 Prozentpunkte höher. Die Tabelle 32 präsentiert die Ergebnisse der freiberuflichen Gründer und ihrem mikro-sozialen Umfeld. Tabelle 32: Ergebnisse zu dem mikro-sozialen Umfeld der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1993-2002 Mikro-soziales Umfeld 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Familienstand verheiratet zusammen 16 57,1% 12 54,5% 15 60,0% 21 56,8% 122 52,6% verheiratet getrennt 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 2 5,4% 9 3,9% ledig 10 35,7% 9 40,9% 8 32,0% 10 27,0% 83 35,8% geschieden 0 0,0% 1 4,5% 1 4,0% 3 8,1% 14 6,0% verwitwet 2 7,1% 0 0,0% 1 4,0% 1 2,7% 4 1,7% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Anzahl der Kinder HH ohne Kinder 15 53,6% 9 40,9% 12 48,0% 21 56,8% 127 54,7% ein Kind 7 25,0% 8 36,4% 1 4,0% 4 10,8% 42 18,1% zwei Kinder 5 17,9% 5 22,7% 7 28,0% 5 13,5% 44 19,0% drei Kinder 1 3,6% 0 0,0% 2 8,0% 5 13,5% 12 5,2% mehr als drei Kinder 0 0,0% 0 0,0% 3 12,0% 2 5,4% 7 3,0% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Bruttojahreseinkommen bis 25 T€ 11 40,7% 7 31,8% 9 36,0% 6 16,2% 73 31,7% über 25 - 50 T€ 6 22,2% 3 13,6% 7 28,0% 8 21,6% 54 23,5% über 50 - 75 T€ 7 26,0% 6 27,3% 4 16,0% 14 37,8% 54 23,5% über 75 - 100 T€ 3 11,1% 4 18,2% 4 16,0% 5 13,5% 33 14,3% über 100 T€ 0 0,0% 2 9,1% 1 4,0% 4 10,8% 16 7,0% Gesamt 27 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 230 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Die Ergebnisse aus dem mikro-sozialen Umfeld der freiberuflichen Gründer beziehen sich auf den Familienstand, die Kinderanzahl im Haushalt sowie das jährliche Bruttohaushaltseinkommen im Jahr vor der Gründung. Im Jahr vor ihrer freiberuflichen Gründung sind über die Hälfte der untersuchten Personen im gepoolten Modell verheiratet. Ihnen folgen mit einem Anteil von fast 36 Prozent die Ledigen und die Geschiedenen mit 6 Prozent. Der Familienstand „verheiratet getrennt lebend“ und „verwitwet“ spielt bei den freiberuflichen Gründern mit 3,9 Prozent bzw. 1,7 Prozent nur eine untergeordnete Rolle (vgl. Tab. 32). Im direkten Vergleich zu den freiberuflich Tätigen sind die Gründer im gepoolten Modell seltener verheiratet und der Anteil der ledigen Gründer ist fast doppelt so hoch. Sowohl der Anteil der verheirateten als auch der Anteil der ledigen Gründer findet sich über die einzelnen Wellen des Beobachtungshorizontes wieder. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 201 Fast 55 Prozent der Gründerhaushalte sind im Jahr vor der Gründung kinderlos. Rund 37 Prozent der Haushalte haben bis zu zwei Kinder und 8,2 Prozent der Haushalte haben mehr als drei Kinder (vgl. Tab. 32). Die Klassenverteilung der jährlichen Bruttohaushaltseinkommen ist bei den freiberuflichen Gründern im Jahr vor ihrer Gründung sehr ungleich verteilt. Den größten Anteil hat die kleinste Einkommensklasse mit fast 32 Prozent der Gründer im gepoolten Modell mit einem Haushaltseinkommen bis 25 T€, gefolgt von den Klassen „25-50 T€“ und „50-75“ T€ mit einem Anteil von je 24 Prozent. Den kleinsten Anteil hat die höchste Einkommensklasse „über 100 T€“ mit fast 7 Prozent. Die Anteile in den einzelnen Wellen schwanken dabei erheblich. Die Tabelle 33 zeigt die Lage- und Streuungsparameter des gepoolten Modells der jährlichen Bruttohaushaltseinkommen der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung. Tabelle 33: Lage- und Streuungsmaße jährlicher Bruttohaushaltseinkommen freiberuflicher Gründer im Jahr vor der Gründung, gepoolte Daten 1993-2002 Brutto HH Einkom. Alle Gründer Männer Frauen Freiberufler im Jahr vor Mittelwert 49.835 50.294 49.170 ihrer Gründung Median 45.028 44.720 47.245 Standardabweichung 37.948 36.748 39.810 Minimum 102 1.687 102 Maximum 262.034 193.239 262.034 Fallzahl 230 136 94 Quelle: EigeneTabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Der Mittelwert des jährlichen Haushaltseinkommens aller freiberuflichen Gründer liegt im Jahr vor der Gründung bei 50 T€. Dies gilt sowohl für die männlichen als auch die weiblichen Gründer im gepoolten Modell (vgl. Tab 33). Da die Einkommen sehr weit gestreut sind, wie die Standardabweichung sowie die Werte zu Beginn und Ende der Spannweiten zeigen, besitzt der Median eine höhere Aussagekraft. Der Median des jährlichen Bruttohaushaltseinkommens liegt bei allen Gründern bei rund 45 T€. Der Einkommensmedian liegt bei den Frauen über 1 T€ höher als bei den Männern im gepoolten Modell. Die Abbildung 20 zeigt die Verteilung der Haushaltseinkommen bei den freiberuflichen Gründern grafisch aus den gepoolten Daten als Boxplott. Ausreißer sind grafisch durch einen Kreis gekennzeichnet. Extremwerte wurden nicht berücksichtigt. Wie aus der Box in der Grafik zu entnehmen ist, verfügten die Hälfte aller männlichen Gründer in den gepoolten Daten über ein jährliches Bruttohaushaltseinkommen von 21 T€ bis 62 T€ und die Hälfte der weiblichen Gründer von 20 T€ bis 75 T€. Ein Viertel der männlichen Gründerhaushalte verfügt über ein Bruttoeinkommen von über 62 T€ im Jahr, und das untere Viertel 202 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) der männlichen freiberuflichen Gründerhaushalte liegt unter 21 T€ im Jahr. Bei den weiblichen Gründern verfügt über ein Viertel der Haushalte über ein Einkommen von über 75 T€ und ein Viertel unter 20 T€. Demnach starten Frauen gegenüber den Männern ihre freiberufliche Gründung aus einem finanziell etwas besser ausgestatteten Haushalt. Abbildung 20: Jährliche Bruttohaushaltseinkommen freiberuflicher Gründer im Jahr vor der Gründung nach den Geschlechtern, gepoolte Daten 1993-2002 94136N = [2] weiblich[1] maennlich 200000 180000 160000 140000 120000 100000 80000 60000 40000 20000 0 Quelle: Eigene Abbildung und Berechnung. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=230. Nach dem mikro-sozialen Umfeld der freiberuflichen Gründer werden folgend die betriebsbezogenen Ergebnisse vorgestellt. Bei den betriebsbezogenen Ergebnissen steht die letzte ausgeübte Tätigkeit der freiberuflichen Gründer im Mittelpunkt der Beobachtung. Die Ergebnisse werden anhand des Erwerbsstatus und der letzten ausgeübten Tätigkeit sowie der wöchentlichen Arbeitszeit, der Betriebsgröße und der Arbeitszufriedenheit dargestellt. Aufgrund der Klassen- Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 203 einteilungen und der zum Teil geringen Gründerfallzahlen in den einzelnen Wellen werden vornehmlich die Ergebnisse aus dem von 1992 bis 2002 gepoolten Datensatz interpretiert. Zuerst werden die Ergebnisse der freiberuflichen Gründer zu ihrem Erwerbsstatus im Jahr vor der Gründung präsentiert. Die SOEP-Variable zur Erwerbstätigkeit änderte über den Beobachtungszeitraum ihre Klasseneinteilung und wurde angepasst. Demnach führten gut 46 Prozent der Gründer im gepoolten Datensatz vor ihrer Gründung eine Vollerwerbstätigkeit aus. Zweitgrößte Gruppe sind die nicht Erwerbstätigen mit einem Anteil von einem Drittel. Dem folgen die geringfügig Beschäftigten und die Teilzeitbeschäftigten mit jeweils 10,1 Prozent bzw. 9,6 Prozent. Freiberufliche Gründungen nach dem Wehr- oder Zivildienst gab es im Datensatz keine und auch Gründungen direkt im Anschluss an eine Ausbildung sind eher die Ausnahme (vgl. Tab. 34). Tabelle 34: Ergebnisse zu dem Erwerbsstatus freiberuflicher Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1993-2002 Betriebsbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Erwerbsstatus Vollerwerbstätig 13 50,0% 10 45,5% 6 25,0% 15 40,5% 105 46,1% Teilzeit 4 15,4% 2 9,1% 3 12,5% 5 13,5% 22 9,6% Ausbildung 0 0,0% 2 9,1% 0 0,0% 0 0,0% 2 0,9% geringfügig Beschäftigt 2 7,7% 1 4,5% 3 12,5% 6 16,2% 23 10,1% Wehrdienst und Zivildienst 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Nicht Erwerbstätig 7 26,9% 7 31,8% 12 50,0% 11 29,7% 76 33,3% Gesamt 26 100,0% 22 100,0% 24 100,0% 37 100,0% 228 100,0% Arbeitslos nicht Arbeitslos gemeldet 27 96,4% 20 90,9% 19 76,0% 37 100,0% 209 90,1% Arbeitslos gemeldet 1 3,6% 2 9,1% 6 24,0% 0 0,0% 23 9,9% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Labour Force Status Non-working 4 14,3% 1 4,5% 2 8,0% 3 8,1% 19 8,2% NW-age 65 and older 1 3,6% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 4 1,7% NW in edu.-training 0 0,0% 2 9,1% 1 4,0% 2 5,4% 11 4,7% NW- maternity leave 1 3,6% 0 0,0% 1 4,0% 0 0,0% 3 1,3% NW-military/civil 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% NW-unemployed 1 3,6% 2 9,1% 2 8,0% 0 0,0% 13 5,6% NW-but sec.job 1 3,6% 0 0,0% 3 12,0% 5 13,5% 14 6,0% NW-but reg. sec.job 1 3,6% 2 9,1% 4 16,0% 1 2,7% 16 6,9% Working 19 67,9% 15 68,2% 12 48,0% 26 70,3% 152 65,5% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. 204 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Insgesamt führten rund zwei Drittel der freiberuflichen Gründer eine Tätigkeit im Vollerwerb, in Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte aus und ein Drittel stammt aus der nicht Erwerbstätigkeit. Vor der Gründung waren 9,9 Prozent der Freiberufler bei der Arbeitsagentur als arbeitslos gemeldet. Dabei zeigen sich über die einzelnen Wellen zum Teil erhebliche Abweichungen. Die einzelnen Angaben schwanken zwischen 0 und 24 Prozent und sind auf die geringen Fallzahlen in den Wellen zurückzuführen (vgl. Tab. 34). Eine dem Erwerbsstatus ähnliche Variable ist der „Labour Force Status“. Beide Variablen unterscheiden sich in ihrer Klasseneinteilung. So können aus dem „Labour Force Status“ weitere Einzelheiten zur vorherigen Tätigkeit der freiberuflichen Gründer, insbesondere zur Gruppe der „nicht Erwerbstätigen“, entnommen werden, wie beispielsweise der Anteil der nicht beruflich Tätigen mit einem Alter von über 65 Jahren. Wenn auch die Ergebnisse zwischen dem „Status der Erwerbstätigkeit“ und dem „Labour Force Status“ nicht unmittelbar vergleichbar sind, zeichnet sich insgesamt ein ähnliches Bild ab. Die mit Abstand größte Gruppe beim „Labour Force Status“ ist die Gruppe der Berufstätigen mit einem Anteil von 65,5 Prozent, welche dem Anteil der zusammengefassten Tätigkeiten aus der Variable des „Erwerbsstatus“ mit einem Anteil von 65,8 Prozent sehr nahe kommt. Die einzelnen Ergebnisse zum Erwerbsstatus, der Arbeitslosigkeit und dem „Labour Force Status“ der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung sind der Tabelle 34 zu entnehmen. Insgesamt üben rund zwei Drittel der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung eine „Erwerbstätigkeit“ aus, während rund ein Drittel der Gründer aus der „nicht Erwerbstätigkeit“ stammt. Um die berufliche Herkunft der freiberuflichen Gründer weiter zu spezifizieren, wurde die Variable zum Erwerbstatus auf ihre geschlechtsspezifische Verteilung untersucht. Die Ergebnisse sind im Folgenden der Abbildung 19 zu entnehmen. Da kein freiberuflicher Gründer aus dem Erwerbsstatus des Wehr- oder Zivildienstes stammte und auch nur zwei Gründer an einer Ausbildung im Jahr zuvor teilnahmen, wurde von der Darstellung dieser beiden Klassen in der Abbildung 21 abgesehen. Dadurch ergeben sich Differenzen in der Abbildung bei der Aufsummierung der Anteilswerte. Dies gilt sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Weit über die Hälfte aller männlichen Gründer (59 Prozent) ging im Jahr vor ihrer freiberuflichen Gründung einer Vollerwerbstätigkeit nach. Die zweitgrößte Gruppe bei den männlichen Gründern stammt aus dem Status „nicht Erwerbstätig“ mit 29 Prozent. Den höchsten Anteil hat bei den weiblichen Gründern der Erwerbsstatus „nicht Erwerbstätig“ mit 40 Prozent, gefolgt von den Vollerwerbstätigen mit 27 Prozent. Wie der Abbildung 21 zu entnehmen ist, gründen im Verhältnis mehr als doppelt so viele Männer als Frauen aus einer Vollerwerbstätigkeit heraus. Ein gegenläufiges Bild zeichnet sich bei dem vor der Gründung „Teilzeitbeschäftigten“, „geringfügig Beschäftigten“ und „nicht Erwerbstätigen“ ab. Hier liegt der Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 205 prozentuale Anteil der weiblichen Gründer in ihrer Gesamtzahl deutlich über den Werten der männlichen Gründer. Insbesondere unter den „Teilzeitbeschäftigten“ und den „geringfügig Beschäftigten“ ist der Anteil der weiblichen Gründer zum Teil mehr als doppelt so hoch. Abbildung 21: Anteile der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung in den Berufstätigkeitsklassen nach den Geschlechtern, gepoolter Datensatz 1993-2002 59% 4% 7% 29%27% 18% 14% 40% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% Vollerwerb Teilzeit geringfügig Beschäftigt nicht Erwerbstätig maennliche Gründer weibliche Gründer Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. n=228. Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse zur Frage nach den spezifischen Merkmalen der beruflichen Tätigkeiten vorgestellt. Die Tabelle 35 zeigt die Ergebnisse zur letzten beruflichen Tätigkeit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992- 2002. Untersucht wurde die Art der beruflichen Tätigkeit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung. Die Ergebnisse werden differenziert dargestellt nach den Gruppen der Arbeiter, Angestellten, Beamten und Selbständigen. Beibehalten wurde die im SOEP angewendete Unterteilung der Tätigkeiten nach ihren Qualifikationen. Dies hat den Nachteil, dass die verringerte Fallzahl um die „nicht Berufstätigen“ durch die Klassenaufteilungen weiter zersplittert wird und einzelne Klassen selbst im gepoolten Modell nicht besetzt sind. Dieser Nachteil wurde vor dem Hintergrund des Informationsgewinns, z.B. die Herkunft aus einer bestimmten Berufsgruppe weiter zu differenzieren, in Kauf genommen. 206 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Tabelle 35: Letzte Erwerbstätigkeit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und gepoolte Daten 1993-2002 Betriebsbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Arbeiter Ungelernt 1 100,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 2 66,7% Angelernt 0 0,0% 1 100,0% 0 0,0% 0 0,0% 1 33,3% Facharbeiter 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Vorarbeiter 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Meister/ Polier 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Gesamt 1 100,0% 1 100,0% 0 0,0% 0 0,0% 3 100,0% Angestellte Industrie- Werkmeister 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% ohne Ausbildungsabschluss 1 6,7% 0 0,0% 1 10,0% 2 16,7% 6 6,6% mit Ausbildungsabschluss 0 0,0% 0 0,0% 2 20,0% 0 0,0% 5 5,5% mit qualifizierten Tätigkeiten 3 20,0% 4 50,0% 1 10,0% 1 8,3% 21 23,1% mit hochqualifiziert. Tätigk. 10 66,7% 4 50,0% 6 60,0% 9 75,0% 55 60,4% mit Führungsaufgaben 1 6,7% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 4 4,4% Gesamt 15 100,0% 8 100,0% 10 100,0% 12 100,0% 91 100,0% Beamte einfacher Dienst 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% mittlerer Dienst 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% gehobener Dienst 0 0,0% 1 50,0% 0 0,0% 0 0,0% 2 25,0% höherer Dienst 0 0,0% 1 50,0% 0 0,0% 1 100,0% 6 75,0% Gesamt 0 0,0% 2 100,0% 0 0,0% 1 100,0% 8 100,0% Selbständige Landwirte 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Freie Berufe 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% Unternehmer 3 100,0% 1 100,0% 0 0,0% 11 100,0% 34 97,1% Mithelfende Familienangeh. 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 1 2,9% Gesamt 3 100,0% 1 100,0% 0 0,0% 11 100,0% 35 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Mit 91 Personen stammt die größte Gruppe der 232 freiberuflichen Gründer aus der Berufsgruppe der Angestellten, wie der Tabelle 35 zu entnehmen ist. Dem folgt an zweiter Stelle die Gruppe der Selbständigen. Lediglich drei Gründer waren im Jahr vor der Gründung als Arbeiter bzw. acht Gründer als Beamte tätig. Trotz der geringen Fallzahlen in den einzelnen Wellen zeigt sich insbesondere bei den Angestellten, dass die Gründer vornehmlich qualifizierte bis hochqualifizierte Tätigkeiten ausführten. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Beamten, wenngleich die Fallzahl mit acht Beobachtungen äußerst gering ist. Hier stammen die Gründer ausschließlich aus dem gehobenen oder höheren Dienst. Eine zusammenfassende Darstellung über den Erwerbsstatus der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung gibt die Abbildung 22. Neben den zuvor berufstätigen Gründern wurden auch die Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 207 zuvor nicht Erwerbstätigen und Arbeitslosen berücksichtigt. Grundlage der Auswertung sind die über den Beobachtungszeitraum 1993-2002 gepoolten Daten des SOEP. Abbildung 22: Tätigkeit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung, gepoolte Daten 1993-2002 in Prozent Selbständige 15% nicht Erwerbstätige 33% Angestellte 40% Arbeiter 1% Beamte 3% Arbeitslose 8% Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. n=232. Mit einem Anteil von 40 Prozent an allen freiberuflichen Gründern im gepoolten Datensatz ist die Gruppe der „Angestellten“ die größte. Ihr folgen mit einem Anteil von 33 Prozent die Gruppe der zuvor „nicht Erwerbstätigen“ und die Gruppe der „Selbständigen“ mit 15 Prozent. Rund 8 Prozent der freiberuflichen Gründer waren zuvor „Arbeitslos“ gemeldet. Die Gruppen der „Beamten“ und „Arbeiter“ spielen mit 1 Prozent bzw. 3 Prozent nur eine untergeordnete Rolle bei den zuvor ausgeübten Tätigkeiten der Gründer. Insgesamt stammen über 70 Prozent der Gründer entweder aus einem Angestelltenverhältnis mit höher qualifizierten Tätigkeiten oder waren zuvor nicht erwerbstätig. Zum Abschluss der betriebsbezogenen Ergebnisse freiberuflicher Gründer werden die Ergebnisse zur Arbeitszeit, der Betriebsgröße und der Arbeitszufriedenheit im Jahr vor der freiberuflichen Gründung vorgestellt. Die Tabelle 36 gibt eine Übersicht zu den Ergebnissen über die Jahre 1993, 1996, 1999, 2002 sowie des gepoolten Datensatz 1992-2002. Aus den Anteilen in den einzelnen Klassen zur tatsächlichen Wochenarbeitszeit zeichnen sich bei den freiberuflichen Gründern im Jahr vor ihrer Gründung zwei größere Gruppen ab: zum einen die Gruppe mit einer Arbeitszeit von unter 20 nicht Erwerbstätig 33% 208 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Stunden die Woche und zum anderen die Gruppe mit einer Arbeitszeit von über 30 Stunden die Woche. Tabelle 36: Betriebsbezogene Ergebnisse der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und gepoolte Daten 1993-2002 Betriebsbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Arbeitszeit pro Woche bis 10 Stunden 9 32,1% 8 36,4% 16 64,0% 20 54,1% 66 28,4% über 10 bis 20 Stunden 4 14,3% 1 4,5% 3 12,0% 3 8,1% 25 10,8% über 20 bis 30 Stunden 1 3,6% 1 4,5% 0 0,0% 1 2,7% 21 9,1% über 30 bis 40 Stunden 1 3,6% 5 22,7% 0 0,0% 4 10,8% 31 13,4% über 40 Stunden 13 46,4% 7 31,8% 6 24,0% 9 24,3% 89 38,4% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Betriebsgröße ohne Mitarbeiter 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 7 31,8% 17 12,1% 1 bis 5 Mitarbeiter 2 11,1% 2 13,3% 2 16,7% 4 18,2% 22 15,7% über 5 bis 20 Mitarbeiter 3 16,7% 6 40,0% 1 8,3% 2 9,1% 25 17,9% über 20 bis 200 Mitarbeiter 6 33,3% 2 13,3% 2 16,7% 2 9,1% 34 24,3% über 200 Mitarbeiter 7 38,9% 5 33,3% 7 58,3% 7 31,8% 42 30,0% Gesamt 18 100,0% 15 100,0% 12 100,0% 22 100,0% 140 100,0% Arbeitszufriedenheit eher unzufrieden 5 25,0% 9 56,3% 8 57,1% 7 29,2% 62 30,7% eher zufrieden 15 75,0% 7 43,8% 6 42,9% 17 70,8% 140 69,3% Gesamt 20 100,0% 16 100,0% 14 100,0% 24 100,0% 202 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Mit 38,4 Prozent ist die Arbeitszeitklasse „über 40 Stunden“ am stärksten vertreten, gefolgt von der kleinsten Arbeitszeitklasse mit „bis 10 Stunden“ die Woche und einem Anteil von 28,4 Prozent. Die Ergebnisse der folgend dargestellten Lage- und Streuungsparameter in der Tabelle 37 beziehen sich daher einerseits auf die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller freiberuflichen Gründer und andererseits auf die zuvor vollerwerbstätigen Gründer. Die Tabelle präsentiert die Lage- und Streuungsmaße der zwei zuvor benannten Gruppen auf Grundlage des gepoolten Datensatzes 1992-2002. Im Jahr vor der Aufnahme ihrer freiberuflichen Tätigkeit leisteten die Gründer eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von fast 35 Stunden. Differenziert nach dem Erwerbsstatus erhöht sich die Wochenarbeitszeit wie erwartet bei den vollerwerbstätigen Gründern auf durchschnittlich fast 49 Stunden. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die vollerwerbstätigen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung im Durchschnitt der 50 Stundenwoche sehr nahe kommen und eine deutlich längere Stundenwoche leisten als (im Durchschnitt) die freiberuflich Tätigen selbst im gepoolten Datensatz. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 209 Tabelle 37: Lage- und Streuungsmaße zur tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung. Gesamt und nach Erwerbsstatus, gepoolter Datensatz 1993-2002 tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit Gründer gesamt Vollerwerbstätig Freiberufler im Jahr vor Mittelwert 34,7 48,9 ihrer Gründung Median 40 49 Standardabweichung 21,1 13,5 Minimum 0 12 Maximum 80 80 Fallzahl 228 105 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Genau 140 freiberufliche Gründer machten im gepoolten Modell zwischen 1992 und 2001 Angaben zur Betriebsgröße ihrer beruflichen Wirkungsstätte im Jahr vor der Gründung. Mit über 54 Prozent stammt der größte Teil aus Betrieben mit über 20 Mitarbeitern. Der Anteil der Gründer die aus Betrieben „mit 1 bis 5 Mitarbeitern“ und „über 5 bis 20 Mitarbeitern“ stammen, liegt bei 15,7 Prozent bzw. 17,9 Prozent. Abbildung 23: Prozentualer Betriebsgrößenanteil der beruflichen Wirkungsstätte im Jahr vor der freiberuflichen Gründung 12,1% 15,7% 17,9% 54,3% 0,00% 10,00% 20,00% 30,00% 40,00% 50,00% 60,00% ohne Mitarbeiter 1 bis 5 Mitarbeiter über 5 bis 20 Mitarbeiter über 20 Mitarbeiter Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigte SOEP-Daten 1992-2002, n=140. Die Abbildung 23 gibt eine Übersicht der Betriebsgrößenstrukturen, in denen die freiberuflichen Gründer im Jahr zuvor beschäftigt waren. Rund 12 Prozent der freiberuflichen Gründer stammen aus Betrieben ohne Mitarbeiter. Diese Gruppe setzt sich ausschließlich aus zuvor selbständigen Einpersonen- 210 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Unternehmen zusammen. Weit über die Hälfte der freiberuflichen Gründer war zuvor in tendenziell eher größeren Betrieben beschäftigt. Diese Gruppe setzt sich mehrheitlich aus den zuvor Angestellten und Beamten zusammen. Mit ihrer beruflichen Arbeit im Jahr vor der Gründung sind im gepoolten Datensatz 69 Prozent der Gründer „eher zufrieden“ und knapp 31 Prozent „eher nicht zufrieden“ (vgl. Tab. 36). Die Arbeitszufriedenheit liegt damit im Durchschnitt bei den freiberuflichen Gründern um ca. 5 Prozentpunkte niedriger als bei den freiberuflich Tätigen (Vergleich der jeweils gepoolten Datensätze). Die Abbildung 24 zeigt die Arbeitszufriedenheit nach dem Status der jeweiligen Erwerbsgruppen. Im Jahr vor der Gründung sind die Teilzeitbeschäftigten und die geringfügig Beschäftigten mit einem Anteil von 76 Prozent bzw. 75 Prozent am „ehesten zufrieden“ mit ihrer Arbeit. Denen folgt die Gruppe der Vollerwerbstätigen mit einem Anteil von 71 Prozent. Insgesamt sind die freiberuflichen Gründer mit ihrer beruflichen Tätigkeit vor der Gründung, unabhängig vom Erwerbsstatus, mehrheitlich zufrieden. Eine vorherige Unzufriedenheit mit dem Staus quo des Erwerbsstatus der beruflichen Tätigkeit als Momentum der Entscheidung zur freiberuflichen Gründung lässt sich aus diesen Ergebnissen nicht deuten. Abbildung 24: Arbeitszufriedenheit der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung nach dem Erwerbsstatus, gepoolte Daten 1992-2002 71% 76% 75% 29% 24% 25% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Vollererwerb Teilzeit geringfügig Beschäftigt "eher zufrieden" mit der Arbeit "eher unzufrieden" mit der Arbeit Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigte SOEP-Daten 1992-2002, n=198. Der folgende Abschnitt stellt die umfeldbezogenen Ergebnisse der freiberuflichen Gründungsaktivität vor. Untersucht wurden die geografischen Variablen im Jahr vor der freiberuflichen Gründung anhand der Regionen und Bundesländer. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 211 Gegenüber den SOEP-Daten wurde die Variable zu den Bundesländern, wie bereits bei den Freien Berufen berichtet, auch bei den freiberuflichen Gründern geändert (vgl. Kap. 4.2.7). Die freiberuflichen Gründer stammen in erster Linie aus Westdeutschland. Wie der Abbildung 25 zu entnehmen ist, liegt der Anteil der westdeutschen Gründer bei rund 82 Prozent im gepoolten Datensatz. Knapp über 18 Prozent der Gründer kommen aus Ostdeutschland. Trotz der schwankenden Anteile über die einzelnen Wellen aufgrund der geringen Fallzahlen zeichnet sich ein rückläufiger Trend seit 1996 bei den ostdeutschen freiberuflichen Gründern ab. Insgesamt verläuft der Gründeranteil proportional zu den jeweiligen Bevölkerungsanteilen. Die Tabelle 38 gibt einen zusammenfassenden Überblick zur Herkunft der freiberuflichen Gründer. Tabelle 38: Umfeldbezogene Ergebnisse freiberuflicher Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Umfeldbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Region Westdeutschland 22 78,6% 20 90,9% 23 92,0% 35 94,6% 190 81,9% Ostdeutschland 6 21,4% 2 9,1% 2 8,0% 2 5,4% 42 18,1% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Bundesland Berlin 2 7,1% 3 13,6% 2 8,0% 0 0,0% 13 5,6% Schleswig-Holstein 0 0,0% 1 4,5% 0 0,0% 1 2,7% 7 3,0% Hamburg 2 7,1% 1 4,5% 0 0,0% 3 8,1% 6 2,6% Niedersachsen 5 17,9% 3 13,6% 3 12,0% 2 5,4% 21 9,1% Bremen 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 2 0,9% NRW 6 21,4% 3 13,6% 9 36,0% 8 21,6% 54 23,3% Hessen 1 3,6% 2 9,1% 1 4,0% 4 10,8% 20 8,6% Rheinland-Pfalz / Saarland 0 0,0% 2 9,1% 3 12,0% 1 2,7% 8 3,4% Baden-Württemberg 6 21,4% 3 13,6% 1 4,0% 6 16,2% 29 12,5% Bayern 2 7,1% 3 13,6% 5 20,0% 10 27,0% 36 15,5% Mecklenburg-Vorpommern 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 4 1,7% Brandenburg 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 2 0,9% Sachsen-Anhalt 1 3,6% 1 4,5% 0 0,0% 1 2,7% 6 2,6% Thüringen 2 7,1% 0 0,0% 0 0,0% 0 0,0% 9 3,9% Sachsen 1 3,6% 0 0,0% 2 8,0% 1 2,7% 15 6,5% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 104,0% 37 100,0% 232 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Im Vergleich der Bundesländer kommen mit über 23 Prozent die meisten freiberuflichen Gründungen aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von den westdeutschen 212 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg mit Anteilen von 15,5 Prozent und 12,5 Prozent. Mit 6,5 Prozent aller Gründungen hat Sachsen den höchsten freiberuflichen Gründeranteil in den ostdeutschen Bundesländern, vor Thüringen mit einem Anteil von 3,9 Prozent. Wie im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland verläuft auch hier der Gründungsanteil ungefähr proportional zum Bevölkerungsanteil der jeweiligen Bundesländer. Die Abbildung 25 veranschaulicht die Gründungsverteilung nach West- und Ostdeutschland aus den gepoolten Daten. Freiberufliche Gründungen finden überwiegend in Westdeutschland statt, dabei ist eine seit Mitte der neunziger Jahre anhaltende rückläufige Tendenz der ostdeutschen freiberuflichen Gründungen festzustellen, wenngleich die Tendenz aufgrund der geringen Fallzahlen nur schwer zu quantifizieren ist. Abschließend zu der Vorstellung deskriptiver Ergebnisse freiberuflicher Gründer wird das Humankapital der Gründer vorgestellt. Untersucht wurden der höchste Schulabschluss, die Berufsausbildung, die Hochschulabschlüsse sowie die Ausbildungsdauer im Jahr vor der Gründung. Änderungen an den SOEP- Variablen wurden analog zu den Freien Berufen vorgenommen (vgl. Kap. 4.2.7). Abbildung 25: Anteile der Männer und Frauen an den freiberuflichen Gründungen in West- und Ostdeutschland, gepoolte Daten 1992-2002 81,9% 18,1% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% Westdeutschland Ostdeutschland in Prozent der freiberuflichen Gründungen Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. n=232. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 213 Die Tabelle 39 gibt eine Übersicht zum Humankapital der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung. Als höchster Schulabschluss dominiert bei den freiberuflichen Gründern das Abitur (69,9 Prozent) mit deutlichem Abstand vor der Realschule (16,6 Prozent) im gepoolten Datensatz. Tabelle 39: Ergebnisse zu dem Humankapital der freiberuflichen Gründer im Jahr vor der Gründung 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Humankapital 1993 1996 1999 2002 Gepoolt n % n % N % n % n % Schulabschluss Hauptschule (1) 1 3,6% 2 9,5% 3 12,0% 2 5,4% 12 5,2% Realschule (2) 8 28,6% 6 28,6% 4 16,0% 4 10,8% 38 16,6% Fachhochschulreife (3) 0 0,0% 0 0,0% 1 4,0% 5 13,5% 12 5,2% Abitur (4) 19 67,9% 13 61,9% 15 60,0% 24 64,9% 160 69,9% anderer Abschluss (5) 0 0,0% 0 0,0% 1 4,0% 2 5,4% 5 2,2% kein Abschluss (6) 0 0,0% 0 0,0% 1 4,0% 0 0,0% 2 0,9% Gesamt 28 100,0% 21 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 229 100,0% Berufsausbildung Lehre (1) 5 41,7% 5 55,6% 4 30,7% 7 63,6% 45 50,6% Berufsschule (2) 1 8,3% 0 0,0% 1 7,7% 3 27,3% 9 10,1% Gesundheitsschule (3) 2 16,7% 0 0,0% 3 23,1% 0 0,0% 10 11,2% Fachschule (4) 4 33,3% 2 22,2% 2 15,4% 0 0,0% 10 11,2% Beamtenausbildung (5) 0 0,0% 2 22,2% 1 7,7% 0 0,0% 5 5,6% Sonstige Ausbildung (6) 0 0,0% 0 0,0% 2 15,4% 1 9,1% 10 11,2% Gesamt 12 100,0% 9 100,0% 13 100,0% 11 100,0% 89 100,0% Hochschulabschluss Fachhochschule (1) 4 14,3% 3 13,6% 2 8,0% 11 29,7% 37 15,9% Universität, TH (2) 8 28,6% 5 22,7% 7 28,0% 15 40,5% 91 39,2% Hochschule Ausland (3) 0 0,0% 1 4,5% 2 8,0% 0 0,0% 5 2,2% Ing.-Fachhoch. Ost (4) 2 7,1% 2 9,1% 0 0,0% 0 0,0% 7 3,0% Hochschule Ost (5) 4 14,3% 1 4,5% 1 4,0% 0 0,0% 20 8,6% ohne Hochschulabschl. 10 35,7% 10 45,5% 13 52,0% 11 29,7% 72 31,0% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Dauer der Ausbildung bis 9 Jahre (1) 0 0,0% 0 0,0% 1 4,0% 0 0,0% 1 0,4% 9 bis 11,5 Jahre (2) 2 7,1% 4 18,2% 2 8,0% 5 13,5% 24 10,3% 11,5 bis 13 Jahre (3) 8 28,6% 5 22,7% 6 24,0% 5 13,5% 44 19,0% 13 bis 15 Jahre (4) 4 14,3% 1 4,5% 6 24,0% 7 18,9% 29 12,5% über 15 Jahre (5) 14 50,0% 12 54,5% 10 40,0% 20 54,1% 134 57,8% Gesamt 28 100,0% 22 100,0% 25 100,0% 37 100,0% 232 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Rund 5 Prozent geben jeweils den Hauptschulabschluss bzw. die Fachhochschulreife als höchsten Abschluss an. Diese Verteilung der Schulabschlüsse zeigt sich, wenn auch mit stärkeren Schwankungen, über die einzelnen Wellen. 214 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Weit über zwei Drittel der freiberuflichen Gründer haben das Abitur, während weniger als 1 Prozent der Gründer keinen Schulabschluss hat. Mehr als 61 Prozent der Gründer verfügen dagegen über keinen berufsbildenden Abschluss. Von den verbliebenen 89 Gründern mit einem berufsbildenden Abschluss absolvierte die Hälfte eine Lehrausbildung. Der Rest verteilt sich relativ gleichmäßig mit einem Anteil von je runden 10 Prozent auf die Abschlüsse der Gesundheitsschule, der Berufsschule, Fachschule und den sonstigen Abschlüssen. Die kleinste Klasse der Berufsausbildungabschlüsse bildet die Beamtenausbildung. Die Zahlen relativieren sich. Denn wenn die Gesamtzahl der Gründer beobachtet wird, dann liegt der Anteil mit einer Lehrausbildung an allen freiberuflichen Gründern unter 20 Prozent. Über einen Hochschulabschluss verfügen 69 Prozent aller freiberuflichen Gründer im gepoolten Datensatz. Der Anteil der Gründer ohne Hochschulabschluss liegt somit bei 31 Prozent. Von den Hochschulabsolventen haben fast 12 Prozent der Gründer ihre Qualifikation in Ostdeutschland erworben. Dabei geht der Anteil ostdeutscher Hochschulabschlüsse unter den Gründern seit 1996 zurück. In der Klasseneinteilung zur Ausbildungsdauer dominiert bei den Gründern mit fast 58 Prozent deutlich die Klasse mit einer Ausbildungsdauer von über 15 Jahren. Lediglich mit einer Person bzw. 0,4 Prozent der freiberuflichen Gründer über den zusammengefassten Untersuchungszeitraum im gepoolten Datensatz ist die kleinste Ausbildungsklasse mit einer Ausbildungsdauer bis 9 Jahre besetzt. Tabelle 40: Lage- und Streuungsmaße der Ausbildungsdauer freiberuflicher Gründer im Jahr vor der Gründung. Gesamt, Männer und Frauen, gepoolte Daten 1992-2002 Ausbildungsdauer gesamt männlich weiblich Freiberufler im Jahr vor Mittelwert 15,6 15,5 15,7 ihrer Gründung Median 16 16 16,5 Standardabweichung 2,6 2,7 2,5 Minimum 7 7 10 Maximum 18 18 18 Fallzahl 232 138 94 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer der freiberuflichen Gründer liegt bei 15,6 Jahren. Fast zwei Drittel der Gründer haben eine Ausbildungszeit zwischen 13 und 18 Jahren absolviert. Wie die Ergebnisse der Lage- und Streuungsparameter zeigen, gibt es kaum einen Unterschied zwischen der Ausbildungsdauer bei den Frauen und Männern. Beide Gruppen kommen mit einem Mittelwert von 15,7 Jahren und 15,5 Jahren auf eine fast identische Ausbildungsdauer. Die Tabelle 40 gibt die Lage- und Streuungsparameter der Ausbildungsdauer, aufgeteilt nach allen Gründern sowie dem Geschlecht der Gründer, wieder. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 215 Insgesamt wurde wie erwartet ein hohes Ausbildungsprofil bei den freiberuflichen Gründern festgestellt. Jeweils über zwei Drittel der Gründer verfügen über das Abitur und einen Hochschulabschluss im Jahr vor der Gründung. Ihre Ausbildungsdauer beträgt sowohl im Mittelwert als auch im Median gerundet 16 Jahre. Rund 38 Prozent der Gründer verfügen über eine Berufsausbildung. Tabelle 41: Überblick zu den zentralen Merkmalen der Charakteristika freiberuflicher Gründer im Jahr vor ihrer Gründung aus dem gepoolten SOEP-Datensatz 1992-2002 Charakteristika Die freiberuflichen Gründer (im Jahr vor der Gründung)…* Personenbezogen demografische Angaben sind durchschnittlich 38 Jahre alt sind zu 40,5% Frauen sind zu 4,3% Ausländer sind zu 77,5% eher zufrieden mit ihrer Gesundheit mikro-soziales Umfeld sind zu fast 53% verheiratet sind zu fast 55% kinderlos verfügen über ein Haushaltseinkommen von 45.000 € Betriebsbezogen sind zuvor bei den Frauen zu 30% nicht Erwerbstätig sind zuvor bei den Männern zu 59% Vollerwerbstätig sind zuvor 40% Angestellte sind zuvor 33% nicht Erwerbstätig sind zuvor 15% Selbständig sind zuvor 8% Arbeitslos gemeldet haben zuvor eine Arbeitszeit von 40 Stunden (Median) die Woche stammen zu über 54% aus größeren Betrieben sind zu 75% eher zufrieden mit ihrer Arbeit Umfeldbezogenen stammen zu fast 82% aus Westdeutschland sind am zahlreichsten in NRW Humankapital haben zu fast 70% das Abitur haben zu 38% eine Berufsausbildung haben zu 69% einen Hochschulabschluss Haben eine Ausbildungsdauer von 16 Jahren (Median) Quelle: Eigene Tabelle. SOEP 1992-2002. * Alle Durchschnittswerte beziehen sich auf den Median. **Alle Angaben zum Haushaltseinkommen beziehen sich auf den Median des Jahres 2002. Aus den Ergebnissen zur freiberuflichen Gründungsaktivität lässt sich ein erstes charakteristisches Profil der freiberuflichen Gründer zusammenfassen. Alle Angaben beziehen sich auf das Jahr vor der Gründung. 216 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Der typische freiberufliche Gründer ist zwischen 29 und 52 Jahre alt, hat die deutsche Staatsangehörigkeit und ist vornehmlich männlichen Geschlechts, während 40 Prozent der Gründer weiblichen Geschlechts sind. Über die Hälfte der Gründer ist verheiratet. Die Mehrzahl der Gründungshaushalte ist kinderlos. Zwei Drittel der Gründerhaushalte verfügen über ein Bruttoeinkommen zwischen 12 T€ und 87 T€ im Jahr. Ein Drittel der untersuchten Personen gründet aus der „nicht Erwerbstätigkeit“. Von den zuvor berufstätigen Gründern waren 40 Prozent als Angestellte und 15 Prozent als Selbständige tätig. Die Tabelle 41 veranschaulicht die zentralen Merkmale der Charakteristika freiberuflicher Gründer im Jahr unmittelbar vor ihrer Gründung. Die freiberuflichen Gründer äußern sich grundsätzlich mit großer Mehrheit eher zufrieden zu ihrem Gesundheitszustand und ihrer Arbeitszufriedenheit. Im Durchschnitt beträgt die wöchentliche Arbeitszeit der Gründer ca. 35 Stunden und 49 Stunden bei den Vollerwerbstätigen. Der Großteil der berufstätigen Gründer stammt aus Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten. Insbesondere die Gründer aus der Gruppe der Angestellten stammen aus größeren Betrieben mit vielen Mitarbeitern. Dagegen stammt die Gruppe der vormals Selbständigen insbesondere aus den kleineren Betrieben. Der typische Gründer kommt vornehmlich aus Westdeutschland. Lediglich 18 Prozent aller freiberuflichen Gründungen kommen aus Ostdeutschland. Zwei Drittel der Gründer verfügen über das Abitur und einen Hochschulabschluss. Einen beruflichen Bildungsabschluss haben 38 Prozent der Gründer. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer der Gründer liegt sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen zu zwei Drittel zwischen 13 und 18 Jahren. Beim Vergleich der Charakteristika der freiberuflich Tätigen mit den freiberuflichen Gründern auf Grundlage der jeweils zusammengefassten Daten zwischen 1992 und 2002 zeichnen sich folgende Unterschiede ab. Die freiberuflichen Gründer sind erwartungsgemäß im Durchschnitt 4 Jahre jünger als die freiberuflich Tätigen. Der Anteil der Frauen liegt bei den Gründern um 6 Prozentpunkte höher als bei den Freiberuflern. Die freiberuflich Tätigen haben bei der Gesundheitszufriedenheit nur einen marginal höheren Anteil an den „eher Zufriedenen“ als die Gründer. Der Anteil der freiberuflich Tätigen in der Gruppe der „verheirateten“ liegt um gut 10 Prozent höher als bei den Gründern. Der Anteil der kinderlosen ist bei den Gründern um 3 Prozentpunkte etwas höher als bei den freiberuflich Tätigen. Damit ist die Anzahl der Kinder in den Gründungshaushalten nur unwesentlich geringer als bei den freiberuflich Tätigen (gepooltes Modell). Der Median des Bruttohaushaltseinkommens liegt bei den Freien Berufen um 9 T€ im Jahr höher als bei den Gründern. Im direkten Vergleich zu den freiberuflich Tätigen ist der Anteil der freiberuflichen Gründer in der untersten Haushaltseinkommensklasse fast doppelt so hoch. Der Median der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit liegt bei den Freiberuflern mit 44 Stunden 5 Stunden über dem der Gründer. Die Arbeitszufriedenheit ist bei den Freien Berufen et- Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 217 was höher ausgeprägt als bei den Gründern in ihrer vorherigen Tätigkeit. Der Anteil der Ostdeutschen ist bei den Freiberuflern mit einem Anteil von 20 Prozent etwa 2 Prozentpunkte höher als bei den freiberuflichen Gründern. Sowohl die meisten Freiberufler arbeiten und gründen in den Bundesländern Nordrhein- Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Den höchsten ostdeutschen Anteil verzeichnet Sachsen, sowohl bei den Tätigen als auch bei den Gründern. Auf der Ebene des Humankapitals verfügen mehr Gründer über das Abitur als die Freiberufler. Ebenfalls höher ist der Anteil der Hochschulabschlüsse bei den freiberuflichen Gründern mit gut 69 Prozent gegenüber rund 60 Prozent bei den Freien Berufen. Dabei liegt der Mittelwert der Ausbildungsdauer bei den Gründern nur um 0,2 Jahre höher als bei den Freien Berufen. Aufgrund der geringen Fallzahlen bei den freiberuflichen Gründern in den einzelnen Wellen ist es schwierig, eine Entwicklung aus dem Beobachtungszeitraum abzuleiten. Dennoch sind auch bei den freiberuflichen Gründern einige zentrale Tendenzen sichtbar geworden. So gibt es seit 1999 einen rückläufigen Trend bei den weiblichen freiberuflichen Gründungen. Ebenfalls rückläufig ist die Tendenz der freiberuflichen Gründungen in Ostdeutschland. Nach diesen ersten Charakteristika der freiberuflichen Gründer und den Vergleichen mit den freiberuflich Tätigen folgen im nächsten Abschnitt die multivariaten Verfahren, welche auch kausale Aussagen über die Zusammenhänge erlauben. Als erstes werden aus den multivariaten Analysen die Ergebnisse der Probit- und Logitschätzung vorgestellt. 4.3.3 Multivariate Analysen freiberuflicher Gründungen Nachdem im vorhergehenden Kapitel über die deskriptiven Ergebnisse berichtet wurde, werden nun die multivariaten Ergebnisse zur freiberuflichen Gründungsaktivität vorgestellt. Zunächst wird im ersten Abschnitt das Modell zur Untersuchung der freiberuflichen Gründungsaktivität behandelt. Dargestellt werden die endogene Messgröße sowie die Modellierung der exogenen Einflussgrößen freiberuflicher Gründungsaktivitäten. Anschließend werden die angewendeten statistischen Auswertungsverfahren vorgestellt. Dazu gehören das Logit-, Probitund Relogit-Modell sowie die panelökonometrischen Auswertungsverfahren mit dem Logit- und Probit-Schätzer des Random-Effects-Modells. Datengrundlage der multivariaten Analysen ist der berichtigte SOEP-Datensatz (vgl. Kap. 4.2) mit der dichotom modellierten abhängigen Variablen einer „freiberuflichen Gründung“ oder „nicht freiberufliche Gründung“. In den folgenden Abschnitten werden die Determinanten auf ihren Einfluss auf eine freiberufliche Gründung im Jahr vor der Gründung untersucht. Die empirische Relevanz der aufgestellten Hypothesen freiberuflicher Gründungsaktivitäten (vgl. Kap. 3.6) wird mit den multivariaten Analysemethoden zum Abschluss der jeweiligen Unterkapitel überprüft. Ein Zwischenfazit zu den Ergebnissen der freiberuflichen Gründungsaktivität schließt diesen Abschnitt ab.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.