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Peter Paic, Konstruktion der Gründungsvariablen in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 194 - 197

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
194 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Trotz der Verzerrung durch die Stichprobe zu den hohen Einkommen 2002 sowie der zum Teil fehlenden Informationen durch die fehlerhaften Variablen des Jahres 2002 im SOEP, konnte erstmals auf Grundlage des berichtigten und erweiterten SOEP-Datensatzes ein Bild freiberuflicher Merkmale und Charakteristika gewonnen werden. Dies betrifft insbesondere die neuen Ergebnisse zu den freiberuflichen Gruppen sowie den Kammer- und kammerlosen Berufen. Eine Hochrechnung der freiberuflichen Ergebnisse aus den SOEP-Daten ist aufgrund der Berichtigung des Datensatzes nicht vorgenommen worden. Durch die Korrektur der Daten führen die im SOEP hinterlegten Hochrechnungsfaktoren zu stark verzerrten Ergebnissen. Eine Hochrechnung der freiberuflichen Population auf Grundlage des Mikrozensus wurde im Zuge der FFB-Onlineumfrage im dritten Untersuchungsmodell dieser Arbeit vorgenommen. Vor dem Hintergrund der praxisorientierten Forschungsziele dieser Arbeit zu den Freien Berufen ist es gelungen sowohl grundlegende Erkenntnisse über die Merkmale und Struktur der freiberuflich Tätigen als auch ihrer einzelnen Berufsgruppen zu gewinnen. Eine Ergänzung finden die deskriptiven Ergebnisse durch die Hochrechnungen und betriebsbezogeneren Ergebnisse der FFB- Onlineumfrage zu den Freien Berufen im dritten Teil der Untersuchung. Wenn auch nicht unmittelbar vergleichbar, erschließt sich in der Kombination beider deskriptiver Untersuchungen (SOEP und FFB-Onlineumfrage), ein weites Spektrum freiberuflicher Merkmale und Charakteristika. 4.3 Freiberufliche Gründungsaktivitäten Die Präsentation der Ergebnisse aus dem Untersuchungsmodell zur freiberuflichen Gründungsaktivität gliedert sich in fünf Kapitel. Zunächst wird im Kapitel 4.3.1 die Konstruktion der Gründungsvariablen im SOEP behandelt. Dem schließen sich in Kapitel 4.3.2 die deskriptiven Ergebnisse zur freiberuflichen Gründungsaktivität an. Im Kapitel 4.3.3 werden das Untersuchungsmodell und die multivariaten Schätzverfahren vorgestellt. Die multivariaten Ergebnisse der Untersuchung werden in Kapitel 4.3.4 präsentiert. Ein Zwischenfazit (Kap. 4.3.5) schließt das Kapitel zum Untersuchungsmodell der freiberuflichen Gründungsaktivität ab. Datenbasis der Längs- und Querschnittsuntersuchungen sind die Welle I (1992) bis Welle S (2002) aus dem berichtigten Datensatz des SOEP (vgl. Kap. 4.2). Dabei bietet die ausgewählte Beobachtungsperiode mehrere Vorteile. Zum einen werden im SOEP die Daten ab 1992 mit der Stichprobe der Welle I gesamtdeutsch erhoben. Zum anderen ermöglicht die relativ große Zeitspanne über 11 Wellen es auch längerfristige Entwicklungen bei den Freien Berufen und ihrem Gründungsverhalten nachzuvollziehen. Generell werden die deskriptiven Ergebnisse im Einzelnen über die zeitliche Entwicklung der Wellen J (1993), M (1996), P (1999) und S (2002) dargestellt. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 195 Darüber hinaus werden gepoolte Ergebnisse über den kompletten Beobachtungszeitraum von 1992 bis 2002 vorgestellt. Die innerliche Darstellung der Deskription richtet sich aufsteigend von den qualitativen zu den quantitativen Ergebnissen der Untersuchung. So werden beim entsprechenden Skalenniveau auch ausgewählte Lokalisations- und Dispersionsparameter ausgewiesen. Die übergreifende Struktur der empirischen Darstellung gliedert sich nach den verschiedenen Theorieansätzen und den daraus abgeleiteten Hypothesen (vgl. Kap. 3.6), welche in die Bereiche personenbezogen, betriebsbezogen und umfeldbezogen aufgeteilt wurden. Dabei finden auch spezifischere Ansätze wie beispielsweise der Humankapitalansatz Berücksichtigung. Die Ergebnisse sollen erste Aufschlüsse über mögliche Zusammenhänge der Größen geben. Die empirische Relevanz der aufgestellten Hypothesen wird zum Abschluss der einzelnen Kapitel überprüft. Hier handelt es sich zunächst um die Darstellung der deskriptiven Ergebnisse. Aussagekräftigere Tests aus der analytischen Statistik mittels der multivariaten Analysen werden in den weiteren Abschnitten zur Gründungsaktivität (Kap. 4.3.4) durchgeführt. Die einzelnen Variablen wurden mit Hilfe des vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bereitgestellten Sozio-ökonomischen Infoprogramms generiert (http://panel.gsoep.de/soepinfo/) und mit dem Stammdatensatz SOEP/G weiterverarbeitet. Die vorliegenden Berechnungen sind mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS, Limdep und Stata erstellt worden. Bei einigen Variablen im SOEP haben sich über den Zeitraum von 1992 bis 2002 die Einteilungen, d.h. die Merkmale oder die Klasseneinteilung geändert. Beispiele hierfür sind u.a. der Familienstand, die Betriebsgröße, der Erwerbsstatus oder Variablen zum Humankapital. Derartige Änderungen im SOEP wurden i.d.R. auf den kleinsten gemeinsamen Nenner im Untersuchungszeitraum zurückgeführt (kodiert) sowie Währungsangaben zum Haushaltseinkommen und dem Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit, sofern erforderlich, in Euro umgerechnet. Ebenso wurden neue Klasseneinteilungen (i.d.R. dichotomisiert) im Rahmen der Arbeit vorgenommen. Darüber hinaus wurden neue Variablen zu den Freien Berufen kreiert, wie beispielsweise die Gründungsvariablen, die Überlebensvariablen oder die Einteilung der freiberuflichen Berufsgruppen und der kammerfähigen Freien Berufe. Um Wiederholungen bei der Erklärung geänderter Variablen und auch fehlerhafter Variablen im SOEP in den einzelnen Modellen zu vermeiden, wurden diese vornehmlich im Kapitel 4.2.7 zu den Freien Berufen berichtet. 4.3.1 Konstruktion der Gründungsvariablen Grundsätzlich sind im SOEP-Datensatz keine Informationen speziell über die Anzahl und Art von neu gegründeten Betrieben aufbereitet. Daher ist es für die Untersuchung des Gründungsgeschehens notwendig, eine solche Variable über alle Wellen zu konstruieren. Die neue Variable soll Informationen darüber enthalten, ob es sich um eine freiberufliche Neugründung handelt. Um diese Gründungsvariable zu konstruieren, wurden alle in der jeweiligen Welle vorhandenen 196 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Personen (Zeitpunkt t1) mit ihrer Tätigkeit im Vorjahr (Zeitpunkt t0) verglichen. Dadurch sollen Freiberufler identifiziert werden, welche im Vorjahr eine andere oder keine berufliche Tätigkeit ausgeübt haben und im darauffolgenden Jahr freiberuflich tätig sind – also eine freiberufliche Gründung vorgenommen haben. Die Konstruktion der Variablen erfolgt in zwei Schritten. Zunächst wird zum Zeitpunkt t1 überprüft, ob es sich um eine freiberuflich tätige Person handelt. Ist dies nicht der Fall (-2 und sonstige), wird die Person in der Gründungsvariablen mit einer 0 kodiert. Liegen „missing values“ vor, werden diese als „missing value“ in die Gründungsvariable übernommen. Die zum Zeitpunkt t1 freiberuflich tätigen Personen werden nun in einem zweiten Schritt mit ihrer beruflichen Tätigkeit zum Zeitpunkt t0 verglichen. Übte die Person im Jahr zuvor eine andere berufliche oder auch keine berufliche Tätigkeit aus (-2 und sonstige), handelt es sich um eine freiberufliche Neugründung, und die Person wird in der Gründungsvariablen mit einer 1 kodiert. Liegt im Vorjahr ein „missing value“ vor, wird in der Gründungsvariablen dieser Wert übertragen. War die Person bereits im Vorjahr freiberuflich tätig, handelt es sich nicht um eine Gründung und die Person wird mit einer 0 kodiert. Die neue Gründungsvariable enthält nun alle Personen, die keine freiberufliche Gründung vorgenommen haben (mit einer 0 kodiert) und alle Personen, welche eine freiberufliche Gründung vorgenommen haben (mit einer 1 kodiert). Die Tabelle 29 gibt alle Kombinationsmöglichkeiten zum Zeitpunkt t0 und t1 sowie deren Umkodierungsschema nach der SOEP- Terminologie in die neue Gründungsvariable wieder. Tabelle 29: Konstruktionsschema der Gründungsvariablen im SOEP (Zeitpunkt t0) (Zeitpunkt t1) Gründungsvariable ‚ ‚ -2 0 Sonstige 0 ‚ 2 ‚ -2 2 1 2 2 0 Sonstige 2 1 Quelle: Eigene Tabelle. Legende: •= fehlende Angaben (missing value), -2= andere berufliche Tätigkeit (u.a. Angestellter oder erwerbslos), sonstige= sonstige, 2=Freiberufler, 0= keine freiberufliche Gründung, 1= freiberufliche Gründung. Technisch wird die Konstruktion der Gründungsvariablen mit dem SPSS- Programm manuell in zwei Schritten vorgenommen. Dies folgt dem technischen Prinzip in SPSS aus zwei Variablen eine neue zu generieren (vgl. Burgert und Stolze 2003). Da die manuelle Konstruktion aller Gründungsvariablen über den Untersuchungszeitraum sehr zeitintensiv ist, wurde im Rahmen dieser Arbeit eine Syntax programmiert, welche diesen Konstruktionsprozess automatisiert. Folgender Programmcode gibt die Kodierung der „freiberuflichen Gründer“ und Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 197 „nicht Gründer“ beispielhaft für eine Welle aus dem korrigierten SOEP- Datensatz wieder: DO IF (jp4802=2) . RECODE ip4802 (MISSING=SYSMIS) (-2=1) (2=0) (ELSE=1) INTO Xfbg92 . END IF . EXECUTE . DO IF (jp4802 ~= 2) . RECODE jp4802 (MISSING=Copy) (ELSE=0) INTO Xfbg92 . END IF . EXECUTE . Die Gründungsvariablen wurden mit diesem Programmcode über alle Wellen von 1992 bis 2002 erstellt, so dass Informationen über eine freiberufliche Gründung für die Jahrgänge 1992 bis 2001 zur Verfügung stehen. Die neu kreierten Variablen, im Beispiel die Variable „xfbg92“, enthält Informationen über alle „freiberuflichen Gründer“ und „nicht Gründer“. Die so über alle Wellen im Untersuchungszeitraum konstruierten Gründungsvariablen werden dem Zeitpunkt t0 zugeordnet, d.h. die Informationen über eine freiberufliche Gründung sind dem Jahr vor der Gründung zugewiesen. 4.3.2 Deskriptive Ergebnisse zur Gründungsaktivität Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Ergebnisse zur Gründungsaktivität in den Freien Berufen. Die zeitliche Struktur der Ergebnisdarstellung wurde wie im vorhergehenden Kapitel zu den Freien Berufen beibehalten. Grundlage der Auswertungen ist die im SOEP neu kreierte freiberufliche Gründungsvariable (vgl. Kap. 4.3.1). Damit ist es möglich die Besonderheiten und Charakteristika der freiberuflichen Gründer im Jahr vor ihrer Gründung zu analysieren und Rückschlüsse auf das freiberufliche Gründungsgeschehen zu ziehen. Die Daten beziehen sich auf das Jahr vor der freiberuflichen Gründung. Das Kapitel gliedert sich in folgende Abschnitte der Ergebnisdarstellung: personenbezogen, mikro-soziales Umfeld, betriebsbezogen, umfeldbezogen und das Humankapital. Soweit neue oder auch fehlerhafte Variablen umkodiert oder berichtigt wurden, wird darüber berichtet. Da die Gründungsvariable Informationen aus zwei Wellen bezieht, liegt der Untersuchungshorizont zwischen 1992 und 2001. So wurden alle freiberuflichen Gründer im Untersuchungszeitraum zwischen 1993 und 2002 auf ihre Merkmale und Charakteristika im Vorjahr (1992-2001) untersucht. Lagen die Fallzahlen bei den Freien Berufen insgesamt in den einzelnen Wellen zum Teil schon knapp an der 100er Grenze, so reduzieren sich naturgemäß die Fallzahlen der Gründer nochmals. So stehen innerhalb der einzelnen Wellen lediglich zwischen 22 und 37 Beobachtungen zur Verfügung. Aufgrund der relativ geringen Fallzahlen in den einzelnen Wellen wird in der Interpretation der

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.