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Peter Paic, Freiberufliche Deskription nach der Berichtigung in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 169 - 194

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 169 4.2.8 Freiberufliche Deskription nach der Berichtigung Da im Rahmen der Fragestellung erstmalig umfangreiche Daten zu den Freien Berufen im SOEP aufbereitet wurden, sollen neben den detaillierteren Analysen zur Gründungsaktivität und dem Gründungserfolg auch die Freien Berufe in der Bundesrepublik Deutschland eingehender betrachtet werden. Diese Vorgehensweise bringt zwei zentrale Vorteile mit sich. So ist es zum einen mit dem berichtigten SOEP-Datensatz erstmals möglich aus einer repräsentativen Umfrage mit relativ hohen Fallzahlen zum gesamten Spektrum der Freien Berufen neue Erkenntnisse zum Wesen und ihrer Struktur in Deutschland zu gewinnen. Beispielsweise liegen erstmals berichtigte und erweiterte SOEP-Daten zu den freiberuflichen Berufsgruppen, dem freiberuflichen Einkommen sowie der Unterteilung nach kammerfähigen Freien Berufen vor. Zum anderen helfen die Ergebnisse zu den Freien Berufen die Auswertungen zum freiberuflichen Gründungsgeschehen besser in Relation zu setzen und insbesondere die entwickelten Messkriterien zur Gründungsaktivität und dem Gründungserfolg zu überprüfen. Dargestellt werden die Ergebnisse anhand der Entwicklung über die Beobachtungszeiträume 1993, 1996, 1999 und 2002. Zusätzlich aufgeführt werden die zusammengeführten Ergebnisse der Freiberufler aus dem Beobachtungszeitraum zwischen 1992 bis 2002 in einem gepoolten Modell. Vorgestellt werden zunächst Ergebnisse der qualitativen Statistik, wobei auch Intervall (metrisch) skalierte Variablen in Klassen eingeteilt wurden. Grundlage der deskriptiven Auswertung zu den Freien Berufen sind die ungewichteten Daten des bereinigten SOEP-Datensatzes von 1992-2002, da die bereitgestellten Hochrechnungsfaktoren im SOEP durch die Änderungen im Datensatz zu falschen Ergebnissen führen (vgl. Kap. 4.2.1). Durch die Hocheinkommensstichprobe im Jahre 2002 sind die Ergebnisse in dieser Welle zu Gunsten der hohen Einkommen verzerrt (vgl. Kap.4.1.1). Dies wirkt sich auf die Ergebnisse zu den Freien Berufe aus und ist bei dem Vergleich der Ergebnisse und ihrer Interpretation über die einzelnen Wellen zu berücksichtigen. Zunächst werden die personenbezogenen Ergebnisse der Freien Berufe anhand der Verteilung in den Altersklassen, nach dem Geschlecht, nach der Nationalität, nach den Arbeitszeitklassen sowie der Arbeits- und Gesundheitszufriedenheit vorgestellt. Dabei weist die SOEP-Altersvariable des Jahres 2002 einen Fehler auf. In ihrem Ursprung fehlen die Altersangaben zu den Freiberuflern aus der SOEP-Hocheinkommensstichprobe des Jahres 2002. Die fehlenden Angaben von 155 Freiberuflern wurden manuell mittels des im SOEP erhobenen Geburtsjahres berichtigt. Die Tabelle 18 zeigt die Ergebnisse der personenbezogenen Auswertungen über die Wellen 1993, 1996, 1999 und 2002 sowie die von 1992 bis 2002 gepoolten Ergebnisse über den Untersuchungszeitraum. Im Jahr 2002 sind 57 Prozent der freiberuflich Tätigen in den beiden Altersklassen von 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre vertreten. Die jüngste Altersklasse bis 29 Jahre spielt mit 2,6 Prozent 170 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) kaum eine Rolle, während die über 50-Jährigen in den beiden oberen Altersklassen mit über 40 Prozent zahlreich vertreten sind. Im Beobachtungszeitraum ist zwischen 1993 und 1999 ein deutlicher Rückgang in der jüngsten und in der ältesten Altersklasse zugunsten der mittleren Altersklassen bei den Freien Berufen zu verzeichnen. Im direkten Vergleich zwischen 1999 und 2002 nimmt der Anteil der Freien Berufe in den Altersklassen ab 50 Jahre im Jahre 2002 sehr stark zu, während der Anteil in den Altersklassen bis 39 Jahre stark abnimmt. Tabelle 18: Personenbezogene Ergebnisse zu den Freien Berufen 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Personenbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Altersklassen bis 29 Jahre 7 5,8% 7 5,4% 6 3,9% 11 2,6% 86 4,3% ab 30 bis 39 Jahre 39 32,5% 48 36,9% 53 34,9% 75 17,9% 596 29,8% ab 40 bis 49 Jahre 40 33,3% 47 36,2% 60 39,5% 164 39,1% 739 36,9% ab 50 bis 59 Jahre 19 15,8% 17 13,1% 23 15,1% 97 23,2% 345 17,2% ab 60 Jahre 15 12,5% 11 8,5% 10 6,6% 72 17,2% 235 11,7% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% Geschlecht Männlich 84 70,0% 82 63,1% 91 59,9% 278 66,3% 1319 65,9% Weiblich 36 30,0% 48 36,9% 61 40,1% 141 33,7% 682 34,1% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% Nationalität Ausländer 6 5,0% 4 3,1% 4 2,6% 13 3,1% 71 3,5% Deutsche 114 95,0% 126 96,9% 148 97,4% 406 96,9% 1930 96,5% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% Zufriedenheit Gesundheit eher unzufrieden 38 31,7% 32 24,6% 46 30,3% 101 24,2% 515 25,8% eher zufrieden 82 68,3% 98 75,4% 106 69,7% 317 75,8% 1482 74,2% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 418 100,0% 1997 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Die freiberuflich Tätigen sind im Jahre 2002 im Durchschnitt über 4,5 Jahre älter als 1993. Lag der Mittelwert 1993 bei 43,6 Jahren ist es im Jahre 2002 auf 48,1 Jahre angestiegen. Den Anstieg des durchschnittlichen Alters im Jahr 2002 spiegeln auch die über den gesamten Beobachtungszeitraum zusammengeführten Daten (1992-2002) wider. Hier liegt das Durchschnittsalter aller Freiberufler bei 45 Jahren. Die Tabelle 19 gibt eine Übersicht der Lage- und Streuungsparameter zum Alter der Freiberufler 1993, 2002 und 1992-2002 aufgeteilt nach allen Freien Berufen und den vollerwerbstätigen Freiberuflern. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 171 Tabelle 19: Lage- und Streuungsmaße des Alters 1993, 2002 und gepoolt 1992-2002 Alter 1993 2002 gepoolt Freie Berufe Mittelwert 43,6 48,1 45 Median 42 47 44 Standardabweichung 11,5 10,7 10,9 Spannweite 53 62 64 Fallzahl 120 419 2001 Vollerwerbstätige Mittelwert 42,1 48,1 44,3 Freie Berufe Median 41 47 43 Standardabweichung 9,6 10 9,7 Spannweite 41 53 56 Fallzahl 86 341 1590 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Werden in der Altersberechnung ausschließlich vollzeittätige Freiberufler berücksichtigt, so reduziert sich der Mittelwert des Alters mit Ausnahme des Jahres 2002 um 1,5 Jahre in 1993 und 0,7 Jahre über die Jahre 1992 bis 2002. Dies könnte als ein Hinweis darauf gedeutet werden, dass insbesondere ältere Freiberufler ihrer Tätigkeit im Rentenalter nur noch gelegentlich oder in Teilzeitform nachgehen. Diese Annahme stützen auch die rückläufigen Spannweiten des Alters bei den vollzeitbeschäftigten Freiberuflern. Wie der Standardabweichung zu entnehmen ist, sind rund 67 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Freiberufler des Jahres 2002 zwischen 38 und 58 Jahre alt. Die Geschlechter sind in den Freien Berufen ungleich verteilt. Rund zwei Drittel aller Freiberufler im Jahre 2002 sind männlichen Geschlechts und rund ein Drittel weiblichen Geschlechts. Dabei nahm der Anteil der Frauen in den Freien Berufen zwischen 1993 und 1999 kontinuierlich zu und stieg von 30 Prozent auf 40 Prozent im Jahre 1999 an (vgl. Tab. 18). Hier zeichnet sich klar ein zunehmender Anteil der Frauen in den Freien Berufen ab, der sich auch in den gepoolten Daten mit einem Anteil der Frauen von über 34 Prozent widerspiegelt. Bei einem direkten Vergleich der Jahre 1999 und 2002 fällt der mit über 6 Prozentpunkte starke Rückgang des Frauenanteils in der „hohen Einkommensstichprobe“ 2002 auf, was einen stärkeren Anteil der Männer in den höheren freiberuflichen Einkommen vermuten lässt. Sehr gering ist der Anteil der Ausländer in den Freien Berufen. Er schwankt zwischen 1993 und 2002 zwischen 2,6 und 5 Prozent. Wobei der 5-prozentige Anteil in 1993 wohl eher einen Ausreißer darstellt, welcher auf die relativ geringen Fallzahlen zurückzuführen ist. Die gepoolten Daten über den Untersuchungszeitraum geben einen Ausländeranteil von 3,5 Prozent wieder – dieser kommt auch den übrigen beobachteten Werten näher. Das SOEP befragt die Teilnehmer auch zu ihren subjektiven Befindlichkeiten. Ausgewählt wurden die Variablen zur Arbeits- und Gesundheitszufriedenheit. Auf einer Skala zwischen 172 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 0 (sehr schlecht) und 10 (sehr gut) können die Probanden Angaben über ihr Befinden zur Zufriedenheit mit der Arbeit und der Gesundheit angeben. Beide Variablen wurden im vorliegenden Fall dichotomisiert. Dies geschah in der Form, dass die Angaben zwischen 0-7 als „eher unzufrieden“ kodiert und die Angaben zwischen 8-10 als „eher zufrieden“ kodiert wurden. Im Rahmen der personenbezogenen Ergebnisse werden zunächst die der Gesundheitsbefindlichkeiten vorgestellt. Die Ergebnisse zur Arbeitszufriedenheit werden im betriebsbezogenen Abschnitt präsentiert. Die Freiberufler sind im Jahre 2002 zu gut drei Viertel mit ihrer Gesundheit „eher zufrieden“ während knapp ein Viertel mit der Gesundheit „eher unzufrieden“ ist. Über den Untersuchungszeitraum zeichnet sich ein sehr uneinheitliches Bild der Gesundheitszufriedenheit ab. Hier schwanken die prozentualen Angaben zur Angabe „eher zufrieden“ zwischen 68 und 76 Prozent. Eine Konsistenz der Angaben ist im Zeitverlauf nicht zu erkennen. Den numerisch größten Wert mit 75,8 Prozent „eher mit der Gesundheit zufriedenen Freiberuflern“ weist das Jahr 2002 aus. Die gepoolten Daten über alle 11 Wellen spiegeln in etwa die Angaben aus dem Jahr 2002 wider. Im Abschnitt zum mikro-sozialen Umfeld der Freien Berufe werden die Ergebnisse zum Familienstand, der im Haushalt lebenden Kinder und des jährlichen Bruttohaushaltseinkommens vorgestellt. Aufgrund eines Fehlers in den SOEP- Variablen zur Anzahl der Kinder im Haushalt und dem jährlichen Bruttohaushaltseinkommen sind die 155 Freiberufler aus der Stichprobe 2002 nicht berücksichtigt. Dadurch reduziert sich die Fallzahl im Jahre 2002 auf 264 Personen. Im Jahr 2002 waren knapp drei Viertel der Freien Berufe verheiratet. Mit gro- ßem Abstand folgen die Gruppe der ledigen Freiberufler mit 15 Prozent und die Gruppe der geschiedenen Freiberufler mit etwas über 7 Prozent. Zwischen 1993 und 1999 nahm der Anteil der zusammenlebenden verheirateten Freiberufler um fast 5 Prozentpunkte ab, während im gleichen Untersuchungszeitraum der Anteil der ledigen Freiberufler um knapp 10 Prozentpunkte zunahm. Beim Vergleich der Ergebnisse des Jahres 2002 mit 1999 fällt der starke Anstieg der verheirateten Freiberufler um über 10 Prozentpunkte im Jahre 2002 auf. Zugleich sank der Anteil der ledigen und geschiedenen Freiberufler in 2002 deutlich gegenüber 1999. Hierbei ist die Verzerrung durch die Hocheinkommensstichprobe 2002 zu beachten, was die Vermutung nährt, dass die Freiberufler mit einem höheren Einkommen eher verheiratet sind. Insgesamt leben die meisten Freiberufler zusammen mit ihrem Partner in der Ehe gefolgt mit weitem Abstand von den Ledigen. Diese Angaben werden auch von den gepoolten Daten über den gesamten Beobachtungszeitraum getragen, wenngleich der Anteil der Ledigen etwas höher ausfällt (vgl. Tab. 19). Über die Hälfte aller freiberuflichen Haushalte haben keine Kinder. Im Jahr 2002 lag der Anteil der kinderlosen Haushalte bei über 55 Prozent, gefolgt von fast 21 Prozent der Haushalte mit einem Kind und 17 Prozent der Haushalte mit Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 173 zwei Kindern. Weniger als 7 Prozent der freiberuflichen Haushalte haben mehr als zwei Kinder. Ging die Zahl der kinderlosen Haushalte von 1993 bis 1999 leicht zurück, so stieg sie in der größeren Stichprobe im Jahr 2002 wieder stark an. Wie eingangs berichtet, weist die Variable zur Kinderzahl im SOEP einen Fehler auf, so dass 155 Personen aus der Hocheinkommensstichprobe bei den Angaben für 2002 fehlen. In den über den Beobachtungszeitraum von 1992 bis 2002 gepoolten Daten sind über 51 Prozent der Haushalte kinderlos und fast 42 Prozent der Haushalte haben ein oder zwei Kinder (vgl. Tab. 20). Tabelle 20: Ergebnisse zum mikro-sozialen Umfeld der Freien Berufen 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Mikro-soziales Umfeld 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Familienstand verheiratet zusammen 84 70,0% 81 62,3% 99 65,1% 313 74,7% 1382 69,1% verheiratet getrennt 4 3,3% 4 3,1% 4 2,6% 9 2,1% 54 2,7% ledig 15 12,5% 30 23,1% 33 21,7% 63 15,0% 362 18,1% geschieden 13 10,8% 12 9,2% 14 9,2% 30 7,2% 172 8,6% verwitwet 4 3,3% 3 2,3% 2 1,3% 4 1,0% 31 1,5% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% Anzahl der Kinder im HH ohne Kinder 62 51,7% 66 50,8% 73 48,0% 146 55,3% 949 51,4% ein Kind 27 22,5% 36 27,7% 30 19,7% 55 20,8% 407 22,0% zwei Kinder 24 20,0% 21 16,2% 34 22,4% 45 17,0% 365 19,8% drei Kinder 7 5,8% 7 5,4% 11 7,2% 11 4,2% 102 5,5% mehr als drei Kinder 0 0,0% 0 0,0% 4 2,6% 7 2,7% 23 1,2% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 264 100,0% 1846 100,0% Brutto Jahreseinkommen bis 25 T€ 26 21,9% 25 19,2% 25 16,4% 30 11,5% 323 17,5% über 25 – 50 T€ 35 29,4% 40 30,8% 49 32,2% 48 18,3% 511 27,8% über 50 – 75 T€ 42 35,3% 31 23,8% 36 23,7% 85 32,4% 518 28,1% über 75 - 100 T€ 10 8,4% 16 12,3% 22 14,5% 53 20,2% 260 14,1% über 100 T€ 6 5,0% 18 13,8% 20 13,2% 46 17,6% 231 12,5% Gesamt 119 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 262 100,0% 1843 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Fehler in SOEP-Daten 2002 zum Brutto Jahreshaushaltseinkommen und der Kinderzahl im Haushalt. Die meisten Freiberufler verfügen mit über 30 Prozent im Jahre 2002 über ein jährliches Bruttohaushaltseinkommen zwischen 50 und 75 T€ gefolgt von der vierten Klasse mit über 20 Prozent und einem Haushaltseinkommen von 75 bis 100 T€. Deutlich wird in der Tabelle 21, dass die Haushaltseinkommen sehr 174 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) weit in ihrer Höhe gestreut sind. So verfügen 12 Prozent der Haushalte über ein Einkommen von unter 25 T€ während über 17 Prozent ein Einkommen von über 100 T€ zur Verfügung steht. Die Tabelle 20 zeigt die Ergebnisse zum mikrosozialem Umfeld der Freien Berufe anhand des Familienstandes, der Anzahl der Kinder und dem jährlichen Bruttohaushaltseinkommen über die Jahre 1993, 1996, 1999, 2002 und gepoolt über den Beobachtungszeitraum 1992-2002. Die Angaben zum jährlichen Bruttohaushaltseinkommen beziehen sich immer auf das Jahr vor der Befragung, d.h. die Angaben aus dem Jahre 2002 geben das Haushaltseinkommen des Jahres 2001 wieder. Alle Angaben im SOEP zum Haushaltseinkommen lagen in DM vor und wurden in Euro umgerechnet. Insgesamt zeigen sich in der untersten Einkommensklasse ein Rückgang von 5 Prozentpunkten bei den Haushaltseinkommen seit 1993 im Vergleich zu den gepoolten Daten und ein Rückgang von über 10 Prozentpunkten im Vergleich von 1993 zu 2002. Dagegen stiegen insbesondere die beiden höchsten Einkommensklassen über 75 T€ und über 100 T€ seit 1993 stark an. Die Tabelle 21 vergleicht die Lage- und Streuungsparameter der Einkommen differenziert nach den Freien Berufen und den vollerwerbstätigen Freiberuflern. Tabelle 21: Lage- und Streuungsmaße der jährlichen Bruttohaushaltseinkommen Freier Berufe 1993, 2002 und gepoolt 1992-2002 Brutto HH Einkom. 1993 2002 1992 - 2002 Freie Berufe Mittelwert 49.114 73.528 60.995 Median 49.084 63.748 53.999 Standardabweichung 32.461 50.240 43.793 Spannweite 257.614 370.746 429.383 Fallzahl 119 262 1843 Vollerwerbstätige Mittelwert 53.977 78.996 66.030 Freie Berufe Median 52.131 69.864 57.699 Standardabweichung 32.855 49.776 45.000 Spannweite 255.927 365.997 429.076 Fallzahl 88 212 1460 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Der Median beim jährlichen Bruttohaushaltseinkommen liegt bei allen Freiberuflern im Jahr 2002 bei fast 64 T€ und bei den vollzeitbeschäftigten Freiberuflern um 6 T€ höher bei rund 70 T€. Im Vergleich von 1993 zu 2002 ist der Median bei allen Freiberuflern um ca. 15 T€ und bei den vollzeittätigen Freiberuflern um fast 18 T€ angestiegen. Liegen Mittelwert und Median der Haushaltseinkommen 1993 sowohl bei allen Freiberuflern als auch bei den vollerwerbstätigen Freiberuflern noch recht nahe beieinander, ändert sich das Bild im Jahre 2002 deutlich. So ist das Haushaltseinkommen im Jahr 2002 sehr weit gestreut, wie die Standardabweichung und die Spanweite von 370 T€ erkennen lassen. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 175 Insgesamt verfügen die Haushalte vollerwerbstätiger Freiberufler über ein höheres Einkommen als die Haushalte aller Freiberufler. Abbildung 15: Jährliches Bruttohaushaltseinkommen Freier Berufe 262N = HH Labor Income 200000 180000 160000 140000 120000 100000 80000 60000 40000 20000 0 Quelle: Eigene Abbildung und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=262 Die Abbildung 15 stellt die Verteilung der Haushaltseinkommen aller Freiberufler grafisch für das Jahr 2002 als Boxplott dar. Die unterste und oberste Linie markieren den kleinsten und höchsten Wert des jährlichen Bruttohaushaltseinkommens der Freien Berufe. Ausreißer sind grafisch durch einen Kreis gekennzeichnet; Extremwerte mit einem Kreuz bis zu einer Höhe von 200 T€. Die untere Begrenzung der Box markiert das 1. Quartil und die obere Begrenzung das 3. Quartil. Die Box in der Grafik repräsentiert somit 50 Prozent aller Freiberufler mit ihrem jährlichen Bruttohaushaltseinkommen. Die mittlere Linie durch die Box kennzeichnet die Lage des Median. Ohne die Ausreißer und Extremwerte liegen die freiberuflichen Bruttohaushaltseinkommen zwischen 200 € und 150 T€ im Jahr. Wie aus der Box in der Grafik zu entnehmen ist, verfügt die Hälfte aller Freiberufler im Jahre 2002 über ein Bruttohaushaltseinkommen zwischen ca. 42 T€ und 87 T€ im Jahr. Ein Viertel der Haushalte verfügt über ein Einkommen von über 87 T€ und das unterste Viertel der freiberuflichen Haus- 176 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) halte liegt bei einem Einkommen von unter 42 T€ im Jahr. Der Median der freiberuflichen Bruttohaushaltseinkommen liegt bei fast 64 T€ im Jahr. Insgesamt ist festzuhalten, dass die jährlichen Bruttoeinkommen der freiberuflichen Haushalte sehr ungleich verteilt sind. Sie reichen von einem Einkommen von knapp über 0 € bis zum Spitzenjahreseinkommen von fast 372 T€. Mögliche Ursachen dieser weiten Streuung der Haushaltseinkommen, hinsichtlich der unteren Haushaltseinkommen, können beispielsweise Gründungen, Aufgaben oder eine schwierige Geschäftslage in Haushalten mit nur einem Einkommen oder geringfügige Nebentätigkeiten sein. In der Gesamtschau ist bei den freiberuflichen Haushaltseinkommen eine verzerrung der Ergebnisse zugunsten höherer Einkommen durch die „hohe Einkommensstichprobe“ 2002 zu berücksichtigen. Im dritten Abschnitt der deskriptiven Ergebnisse der Freien Berufe werden die betriebsbezogenen Ergebnisse vorgestellt. Im Einzelnen sind dies die freiberuflichen Berufsgruppen, die Kammerberufe, die Betriebsgrößen, die Arbeitszeit, das monatliche Bruttoeinkommen, der Erwerbsstatus und die Arbeitszufriedenheit der Freien Berufe. Neu kreiert wurden im Rahmen der Berichtung des SOEP-Datensatzes die Variablen zu den einzelnen Berufsgruppen und den kammerfähigen Freien Berufen. Die Einteilungen für beide Variablen wurden nach den Definitionen aus dem ersten Teil der Arbeit vorgenommen (vgl. Kap. 2.3) und manuell für alle 969 Freien Berufe eingegeben. Die Variable zur Arbeitszufriedenheit wurde dichotomisiert, analog zur bereits vorgestellten Variable der Gesundheitszufriedenheit im personenbezogenen Abschnitt. Grundsätzlich sind auch bei den betriebsbezogenen Ergebnissen die Angaben des Jahres 2002 durch die hohe Einkommensstichprobe des SOEP zugunsten der höheren Einkommen verzerrt. Im Jahre 2002 stellen die Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe mit einem Anteil von knapp über 29 Prozent die größte Gruppe der Freien Berufe in der SOEP-Stichprobe. Es folgen die Freien Heilberufe mit einem Anteil von 28 Prozent und die Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufe mit fast 23 Prozent. Die Gruppe der Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe ist mit einem Anteil von unter 20 Prozent die kleinste Gruppe der Freiberufler im Jahre 2002 (vgl. Tab. 22). Diese Größenverteilung in den einzelnen freiberuflichen Berufsgruppen des Jahres 2002 unterscheidet sich deutlich von der Entwicklung über den Beobachtungszeitraum. So stellen über die Zeiträume 1993, 1996 und 1999 die Freien Heilberufe mit einem Anteil von etwas über 33 Prozent durchgehend die größte Gruppe. Das größte Wachstum zwischen 1993 und 1999 weist die Gruppe der Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe mit gut 7 Prozentpunkten auf, gefolgt von den der Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe mit einem Plus von über 4 Prozentpunkten. Deutlich rückläufig ist der Trend bei den Freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufen mit einem Minus von über 10 Prozentpunkten. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 177 Tabelle 22: Betriebsbezogene Ergebnisse zu den Freien Berufen 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Betriebsbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Berufsgruppe Freie Heilberufe 40 33,6% 43 33,1% 51 33,6% 119 28,4% 606 30,3% Freie Rechts./ Wirt. 14 11,8% 16 12,3% 29 19,1% 122 29,1% 420 21,0% Freie Techn./Naturwissens. 35 29,4% 27 20,8% 27 17,8% 96 22,9% 440 22,0% Freie Künstler/Publ./Pädag. 30 25,2% 44 33,8% 45 29,6% 82 19,6% 533 26,7% Gesamt 119 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 1999 100,0% Kammerberufe Kein Kammerberuf 72 60,5% 86 66,2% 91 59,9% 220 52,5% 1172 58,6% Kammerberuf 47 39,5% 44 33,8% 61 40,1% 199 47,5% 827 41,4% Gesamt 119 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 1999 100,0% Betriebsgröße ohne Mitarbeiter 47 39,5% 51 42,1% 56 40,6% 116 28,0% 701 36,0% 1 bis 5 Mitarbeiter 39 32,8% 35 28,9% 46 33,3% 174 41,9% 706 36,2% 5 bis 20 Mitarbeiter 20 16,8% 16 13,2% 18 13,0% 86 20,7% 325 16,7% über 20 Mitarbeiter 13 10,9% 19 15,7% 18 13,0% 39 9,4% 217 11,1% Gesamt 119 100,0% 121 100,0% 138 100,0% 415 100,0% 1949 100,0% Arbeitszeit pro Woche bis 10 Std. 31 25,8% 28 21,5% 30 19,7% 59 14,1% 368 18,4% über 10 bis 20 Std. 10 8,3% 12 9,2% 6 3,9% 31 7,4% 148 7,4% über 20 bis 30 Std. 4 3,3% 13 10,0% 14 9,2% 27 6,4% 131 6,5% über 30 bis 40 Std. 21 17,5% 17 13,1% 25 16,4% 63 15,0% 301 15,0% über 40 Std. 54 45,0% 60 46,2% 77 50,7% 239 57,0% 1053 52,6% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% monatl. Bruttoeinkommen bis 1T€ 22 22,2% 16 16,5% 20 17,2% 26 8,2% 207 13,7% über 1T€ - 2T€ 19 19,2% 22 22,7% 20 17,2% 42 13,1% 272 17,9% über 2T€ - 3T€ 12 12,1% 21 21,6% 22 19,0% 40 12,5% 258 17,0% über 3T€ - 4T€ 21 21,2% 12 12,4% 14 12,1% 42 13,1% 213 14,0% über 4T€ 25 25,3% 26 26,8% 40 34,5% 170 53,1% 567 37,4% Gesamt 99 100,0% 97 100,0% 116 100,0% 320 100,0% 1517 100,0% Erwerbsstatus Vollerwerbstätig 89 74,2% 98 75,4% 120 78,9% 341 81,4% 1590 79,5% Teilzeit 18 15,0% 22 16,9% 12 7,9% 40 9,5% 223 11,1% Unregelmäßig 13 10,8% 10 7,7% 20 13,2% 38 9,1% 188 9,4% Gesamt 120 100,0% 130 100,00% 152 100,00% 419 100,00% 2001 100,00% Arbeitszufriedenheit eher unzufrieden 31 27,4% 39 30,7% 41 27,9% 87 21,3% 452 23,7% eher zufrieden 82 72,6% 88 69,3% 106 72,1% 322 78,7% 1455 76,3% Gesamt 113 100,0% 127 100,0% 147 100,0% 409 100,0% 1907 100,0% Quelle: Eigene Tabelle. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Berufsgruppen ist bei der Unterscheidung zwischen den verkammerten und den kammerlosen Freien Berufen festzustellen. Der Anteil der kammerlosen Freien Berufe hat im Jahr 2002 mit 52,5 178 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Prozent den geringsten Wert über den Beobachtungszeitraum. Deren Anteil lag in den Vergleichszeiträumen zwischen 1993 und 1999 relativ konstant bei rund 60 Prozent und der der verkammerten Berufe bei 40 Prozent. Dieses relativ stabile Verhältnis spiegelt sich auch in den gepoolten Daten wider mit Ausnahme des Jahres 2002. Dabei ist für die Interpretation die Verzerrung durch die Hocheinkommensstichprobe in 2002 zu beachten. So scheinen die verkammerten Freien Berufe gegenüber den kammerlosen eher über ein höheres Einkommen zu verfügen. Die Tabelle 22 gibt eine Übersicht der deskriptiven betriebsbezogenen Ergebnisse zu den Freien Berufen in den Jahren 1993, 1996, 1999, 2002 und 1992 bis 2002 gepoolten Daten. Im Jahre 2002 waren 28 Prozent der Freiberufler ohne Mitarbeiter tätig. Die prozentual größte Klasse bilden die Freiberufler mit bis zu 5 Mitarbeitern und einem Anteil von fast 42 Prozent. Über 30 Prozent der Freiberufler beschäftigen im Jahre 2002 mehr als 5 Mitarbeiter. Auffällig ist hier mit fast 10 Prozent der hohe Anteil in der höchsten Klasse mit über 20 Mitarbeitern. Im Entwicklungsvergleich seit 1993 stellt die Klasse der Freiberufler ohne Mitarbeiter mit einem Anteil um die 40 Prozent durchgehend die größte Klasse, gefolgt von den Freiberuflern mit bis zu 5 Mitarbeitern und einem Anteil von durchschnittlich 30 Prozent. Insgesamt vermitteln die Ergebnisse relativ stabile Beschäftigungen hinsichtlich der freiberuflichen Mitarbeiterzahlen mit Ausnahme der Hocheinkommensstichprobe 2002, in welcher die Anzahl der Mitarbeiter deutlich anstieg. Indirekt spricht dieser Umstand dafür, ansteigende Mitarbeiterzahlen als ein Messkriterium für den Erfolg freiberuflicher Gründungen zu verwenden. Im Jahre 2002 arbeiten 57 Prozent aller Freiberufler über 40 Stunden in der Woche. Rund 15 Prozent arbeiten zwischen 30 bis 40 Stunden pro Woche. Der Anteil von über 20 Prozent in den ersten beiden Klassen mit einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden ist auf die Berücksichtigung der Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen. Über den Beobachtungszeitraum stieg der Anteil der Freiberufler in der Arbeitszeitklasse über 40 Stunden in der Woche seit 1993 um 12 Prozentpunkte in 2002 an, während er sich in der ersten Arbeitszeitklasse mit einer Arbeitszeit von bis zu 10 Stunden in der Woche fast halbierte. Hier zeichnet sich ein deutlicher Trend zu einer vermehrten Arbeitszeitleistung in der Woche bei den Freien Berufen über den Beobachtungshorizont ab. Etwa 8 Prozent der Freiberufler verfügen im Jahre 2002 über weniger als 1.000 Euro monatlich. Am stärksten ist die höchste Einkommensklasse „über 4.000 Euro“ mit einem Anteil von über 50 Prozent vertreten. Die restlichen Freiberufler verteilen sich mit jeweils ca. 13 Prozent auf die drei Einkommensklassen zwischen über 1.000 und bis zu 4.000 Euro im Monat. In der Entwicklung zwischen 1993 und 1999 ist ein deutlicher Anstieg in den höheren Einkommensklassen festzustellen. So nahm der Anteil der drei untersten Einkommensklassen seit 1993 stark zugunsten der höchsten Einkommensklasse ab. Zu den Einkommen und zur Arbeitszeit werden später die Lage und Streuungsmaße berichtet. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 179 Aus der Tabelle 22 ist für das Jahr 2002 zu entnehmen, dass rund 79 Prozent der Freiberufler „eher zufrieden“ mit ihrer Arbeit sind während knapp 21 Prozent „eher unzufrieden“ sind. Im Vergleichszeitraum zwischen 1993 und 1999 lag der Anteil der Freiberufler die „eher zufrieden“ mit ihrer Arbeit sind ca. 8 Prozentpunkte niedriger und der Anteil der Freiberufler die „eher unzufrieden“ mit ihrer Arbeit waren im Schnitt entsprechend höher als 2002. Dies lässt die Vermutung zu, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Einkommenshöhe und der Arbeitszufriedenheit bei den Freien Berufen besteht. Dieser Trend zur deutlich vermehrten Arbeitszufriedenheit überrascht vor dem Hintergrund der anhaltenden negativen Diskussionen um die Freien Berufe (beispielsweise die Einführung der Gewerbesteuer für die Freien Berufe, die negativen Auswirkungen der Gesundheitsreformen für die Freien Heilberufe oder die Re- Regulierungsabsichten der EU in den kammerfähigen Freien Berufen). Dabei ist seit 1993 ein deutlicher Trend zur vermehrten Zufriedenheit mit der Arbeit bei den Freien Berufen zu erkennen. Über 80 Prozent der Freiberufler geben 2002 ihre Tätigkeit als Vollerwerbstätigkeit an. Rund 20 Prozent üben ihre Tätigkeit in Teilzeitform oder unregelmä- ßig aus. Ein klarer Trend zur vermehrten Arbeitsleistung lässt sich bei der tatsächlichen geleisteten Wochenarbeitszeit seit 1993 feststellen. In den folgenden Berechnungen werden differenziert von allen Freiberuflern auch die vollerwerbstätigen Freiberufler auf ihre Lage- und Streuungsparameter untersucht. Die Tabelle 23 gibt die Ergebnisse der metrisch skalierten Variablen zur tatsächlichen wöchentlichen Arbeitzeit der Freien Berufe differenziert nach allen Freiberuflern und den vollerwerbstätigen Freiberuflern wieder. Tabelle 23: Lage- und Streuungsmaße der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit der Freien Berufe. Gesamt und Vollerwerbstätige 1993, 2002 und gepoolte Daten 1992-2002 Arbeitszeit je Woche 1993 2002 gepoolt Freie Berufe Mittelwert 33,9 40,8 38,1 Median 40 45 44 Standardabweichung 23,7 20,7 21,9 Spannweite 80 80 80 Fallzahl 120 419 2001 Vollerwerbstätige Mittelwert 41,2 46,2 44,3 Freie Berufe Median 45 50 50 Standardabweichung 21,65 18,25 19,46 Spannweite 80 80 80 Fallzahl 89 341 1590 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Bei allen Freien Berufen stieg die wöchentliche Arbeitszeit von 33,9 Stunden in 1993 auf rund 40,8 Stunden im Jahr 2002. Betrachtet man ausschließlich die 180 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) vollerwerbstätigen Freiberufler so stieg der Mittelwert der Arbeitszeit in 1993 von 41,2 Stunden pro Woche auf 46,2 Stunden im Jahre 2002. Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass höhere Einkommen vermehrt bei den vollerwerbstätigen Freiberuflern anzutreffen sind. So arbeiten die Freiberufler im Jahr 2002 deutlich länger als im Jahr 1993 oder im gepoolten Datensatz. Über alle elf Beobachtungszeiträume arbeiten die Freiberufler im Schnitt 38 Stunden die Woche, bei den vollzeitbeschäftigten Freiberuflern sind es über 44 Stunden die Woche. Rund zwei Drittel aller Freiberufler arbeiten zwischen 20 und 60 Stunden wöchentlich. Tabelle 24: Lage- und Streuungsmaße der monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit 1993, 2002 und gepoolte Daten 1992-2002 jew. in Euro. monatl. Einkommen 1993 2002 1992 - 2002 Freie Berufe Mittelwert 2.953 6.678 4.191 Median 2.556 4.625 3.068 Standardabweichung 2.775 10.078 5.624 Spannweite 20.375 99.934 99.958 Fallzahl 99 320 1517 Freie Berufe in Vollzeit Mittelwert 3.619 7.608 4.899 Median 3.067 5.000 3.580 Standardabweichung 2.832 10.753 6.018 Spannweite 20.196 99.399 99.948 Fallzahl 76 265 1214 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Die Tabelle 24 zeigt die Ergebnisse der Lage- und Streuungsparameter zu den monatlichen Bruttoeinkünften aus freiberuflicher Tätigkeit aufgeteilt nach den Freien Berufen und den vollerwerbstätigen Freiberuflern zwischen 1993 und 2002 sowie den zusammengeführten Datensätzen zwischen 1992 und 2002 (gepoolte Daten). Der Median des realen monatlichen Bruttoeinkommens aus freiberuflicher Tätigkeit stieg bei allen Freiberuflern von knapp 2.600 Euro in 1993 um 2.000 Euro auf 4.600 Euro in 2002. Bei den vollerwerbstätigen Freiberuflern liegt der Median des monatlichen Bruttoeinkommens wesentlich höher. Er stieg um fast 2.000 Euro seit 1993 auf 5.000 Euro in 2002. Hierbei ist insbesondere die Verzerrung durch die Stichprobe der hohen Einkommen 2002 zu beachten. In den gepoolten Daten liegen die Einkommensmittelwerte deutlich unter dem Niveau des Jahres 2002. Der Median liegt im gepoolten Modell für alle Freiberufler bei knapp über 3.100 Euro und bei den Vollerwerbsfreiberuflern um die 3.600 Euro. Insgesamt sind die Einkommen der Freien Berufe sehr weit gestreut. Deren Spannweite liegt bei fast 100.000 Euro monatlich, sowohl in 2002 als auch im gepoolten Modell bei allen Freiberuflern. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 181 Folgend werden die freiberuflichen Einkommen hinsichtlich ihrer Verteilung bei den Geschlechtern, den kammerfähigen Freien Berufen und innerhalb der einzelnen Berufsgruppen unterteilt nach Männern und Frauen verglichen. Zunächst werden die Einkommensverteilungen nach den Geschlechtern vorgestellt. Die Abbildung 16 zeigt die Ergebnisse der freiberuflichen Einkommensverteilung nach Männern und Frauen im Jahre 2002. Abbildung 16: Monatliches Bruttoeinkommen von Männern und Frauen aus freiberuflicher Tätigkeit im Jahre 2002 112208N = [2] weiblich[1] maennlich 22000 20000 18000 16000 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 Quelle: Eigene Abbildung und Berechnung. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=320. Die männlichen Freiberufler verfügen im Jahre 2002 über ein deutlich höheres monatliches Bruttoeinkommen als die weiblichen Freiberufler. Wie dem Boxplott aus der Abbildung 16 zu entnehmen ist, liegt der Median der Einkommen bei den Männer um die 5.000 Euro, während der Median bei den Frauen bei ca. 3000 Euro liegt. Insgesamt sind die Einkommen in beiden Gruppen weit gestreut, wobei die Spannweite insbesondere bei den Männern zwischen 200 Euro und 16.000 Euro besonders groß ist. Die Hälfte aller männlichen Freiberufler 182 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) liegt bei einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 3.100 und 8.500 Euro, die Hälfte der Frauen zwischen 1.800 und 5.000 Euro im Jahre 2002. Da 99 Personen keine Angaben zu ihrem Einkommen im SOEP machten verringerte sich die Fallzahl von 419 auf 320 Personen. Ausreißer- (Kreise) und Extremwerte (Kreuze) wurden in der und den folgenden zwei Grafiken bis zu einer Höhe von 22.000 Euro berücksichtigt und sind gekennzeichnet. Letztlich liegt der Median der monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit bei den Männern um 2.000 Euro über dem der Frauen. Die Abbildung 17 präsentiert die Ergebnisse der freiberuflichen Einkommensverteilung aufgeteilt nach den Kammerberufen und den kammerlosen Berufen. Abbildung 17: Monatliches Bruttoeinkommen der kammer- und kammerlosen Freien Berufe im Jahr 2002 158162N = Kammerberufekeine Kammerberufe 22000 20000 18000 16000 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 Quelle: Eigene Abbildung und Berechnung. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=320. Die monatlichen Bruttoeinkommen der Freien Berufe liegen im Jahre 2002 bei den Kammerberufen wesentlich höher als bei den kammerlosen Berufen. So liegt der Median, wie der Abbildung 17 zu entnehmen ist, bei den Kammerbrufen um die 5.600 Euro und bei den kammerlosen Berufen bei ca. 3.400 Euro. Sowohl bei den Kammerberufen als auch bei den kammerlosen Berufen ist die Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 183 Spannbreite der Einkommen sehr hoch. Sie liegt bei den kammerlosen Berufen zwischen 65 und 11.000 Euro und noch etwas höher bei den Kammerberufen zwischen knapp 150 Euro und 14.000 Euro. Ausreißer und Extremwerte wurden in der Grafik nur bis zur einen Höhe von 22.000 Euro berücksichtigt und grafisch mit Kreisen und Kreuzen im Boxplott gekennzeichnet. Insgesamt zeigt sich, dass der Median des monatlichen Bruttoeinkommens aus freiberuflicher Tätigkeit bei den Kammerberufen um 2.200 Euro höher liegt als bei den kammerlosen Freiberuflern. Die Abbildung 18 zeigt die monatlichen Bruttoeinkünfte 2002 aufgeteilt nach den Freien Heilberufen (erste Gruppierung), den Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen (zweite Gruppierung), den Freien technischen- und naturwissenschaftlichen Berufen (dritte Gruppierung) und den Freien Künstlern, Publizisten und Pädagogischen Berufen (vierte Gruppierung). Die Einkommen sind jeweils nach Männern und Frauen unterteilt. Abbildung 18: Monatliche Bruttoeinkommen im Jahr 2002 3562051 25667542N = Freie Künst./Publ./P Freie Techn./Natur. Freie Rechts./ Wirt. Freie Heilberufe 22000 20000 18000 16000 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 Geschlecht [1] maennlich [2] weiblich Quelle: Eigene Abbildung und Berechnung. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=320. Wie bei der Einkommensverteilung zu den Geschlechtern fehlen auch zu den Kammerberufen und den einzelnen Berufsgruppen die Angaben von 99 Personen, so dass sich die Fallzahl auf 320 Freiberufler in 2002 verringert. 184 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Die höchsten monatlichen Einkommen, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, wurden in den Berufsgruppen der Freien Heilberufe und den Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe erzielt. Die geringsten Einkommen stammen aus der Berufsgruppe der Freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufe. Insgesamt zeigen sich zwischen den freiberuflichen Gruppen sehr hohe Einkommensunterschiede. Bei den Männern schwanken die Mediane zwischen ca. 7.500 Euro in den Freien Heilberufen und ca. 3.700 Euro bei den Freien Künstlern, Publizisten und Pädagogen. In den gleichen Berufsgruppen wie bei den Männern verzeichnen auch die Frauen den höchsten und niedrigsten Einkommensmedian, allerdings auf einem wesentlich geringeren Niveau mit ca. 4.000 Euro bzw. ca. 1.800 Euro. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen spiegeln sich proportional über alle Berufsgruppen wider. Der überwiegende Teil der weiblichen Freiberufler ist in den Freien Heilberufen tätig. Hier liegt der Anteil sogar deutlich über dem der Männer. Dagegen ist bei den Freien technischen- und naturwissenschaftlichen Berufen nur jeder elfte Freiberufler eine Frau. Die Abbildung 18 spiegelt die generellen Einkommensunterschiede zwischen freiberuflichen Männern und Frauen wider und verdeutlicht darüber hinaus die hohen Einkommensdifferenzen in den einzelnen Berufsgruppen der Freien Berufe. Aus den vorliegenden Ergebnissen geht hervor, dass die höchsten monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit von den vollerwerbstätigen Männern in den Kammerberufen der Freien Heilberufe und den Freien rechtsund wirtschaftsberatenden Berufen erzielt werden. Die gleichen Prämissen gelten auch für die freiberuflichen Spitzeneinkünfte bei den Frauen, allerdings auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Der vierte Abschnitt zu den Freien Berufe beinhaltet die umfeldbezogenen Ergebnisse. Diese enthalten im Einzelnen die geografische Verteilung der Freien Berufe nach Ost- und Westdeutschland sowie die Verteilung in den Bundesländern. Die Einteilung des SOEP wurde nach Ost- und Westdeutschland beibehalten. Entgegen der Angaben im SOEP wurden die Berliner Ergebnisse nicht in Ost- und Westberlin unterteilt sondern zusammengefasst. Dadurch können sich bei der direkten Addition der einzelnen Bundesländer und dem anschließenden Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland kleine Differenzen ergeben. Die Daten für die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland werden, wie im SOEP auch, zusammengefasst dargestellt. Beide geografischen Variablen des SOEP weisen im Jahre 2002 den Anteil der Freiberufler in der Stichprobe nicht aus, so dass die Fallzahl um 155 Freiberufliche Personen geringer ausfällt. Wie der Tabelle 25 zu entnehmen ist, kommen über 81 Prozent der Freiberufler im Jahre 2002 aus Westdeutschland und etwas über 18 Prozent aus Ostdeutschland. Dabei zeigt die Entwicklung seit 1993 einen anhaltenden Rückgang der Zahlen bei den ostdeutschen Freiberuflern an. Der Anteil sank insgesamt über 3 Prozentpunkte von fast 22 Prozent in 1993 auf 18,6 Prozent in 2002. Den Tief- Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 185 punkt erreichte der Anteil der ostdeutschen Freiberufler 1999 mit 16,4 Prozent, während der Anteil über den kompletten Beobachtungszeitraum bei den gepoolten Daten um 20 Prozent liegt. Im Jahre 2002 arbeiten fast 60 Prozent aller Freiberufler in den vier bevölkerungsreichsten West-Bundesländern Nordrhein Westfalen, Hessen, Bayern und Baden Württemberg. Die meisten Freiberufler in Ostdeutschland sind im Bundesland Sachsen tätig. Hier liegt der seit 1993 leicht ansteigende Anteil bei gut 6 Prozentpunkten im Jahre 2002. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Auswertung der gepoolten Daten mit kleineren Differenzen. Insgesamt ist über den Untersuchungszeitraum eine leicht rückläufige Tendenz der Freien Berufe in den ostdeutschen Bundesländern im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern zu erkennen. Die Tabelle 25 zeigt die umfeldbezogenen Ergebnisse zu den Freien Berufen über den Zeitraum von 1993, 1996, 1999 und 2002 sowie die gepoolten Datum über den Untersuchungszeitraum. Tabelle 25: Umfeldbezogene Ergebnisse der Freien Berufe 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Umfeldbezogen 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % N % Region Westdeutschland 94 78,3% 105 80,8% 127 83,6% 215 81,4% 1474 79,8% Ostdeutschland 26 21,7% 25 19,2% 25 16,4% 49 18,6% 372 20,2% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 264 100,0% 1846 100,0% Bundesländer Berlin 8 6,7% 13 10,0% 11 7,2% 14 5,3% 135 7,3% Schleswig-Holstein 3 2,5% 3 2,3% 5 3,3% 16 6,1% 75 4,1% Hamburg 1 0,8% 2 1,5% 2 1,3% 8 3,0% 35 1,9% Niedersachsen 16 13,3% 13 10,0% 14 9,2% 17 6,4% 157 8,5% Bremen 1 0,8% 1 0,8% 3 2,0% 2 0,8% 22 1,2% NRW 25 20,8% 25 19,2% 32 21,1% 58 22,0% 389 21,1% Hessen 7 5,8% 10 7,7% 12 7,9% 30 11,4% 160 8,7% Rheinland- Pfalz/ Saarland 1 0,8% 5 3,8% 6 3,9% 9 3,4% 54 2,9% Baden Württemberg 20 16,7% 15 11,5% 19 12,5% 33 12,5% 230 12,5% Bayern 17 14,2% 23 17,7% 27 17,8% 37 14,0% 284 15,4% Mecklenburg 1 0,8% 2 1,5% 3 2,0% 5 1,9% 40 2,2% Brandenburg 3 2,5% 4 3,1% 3 2,0% 5 1,9% 50 2,7% Sachsen Anhalt 4 3,3% 3 2,3% 2 1,3% 8 3,0% 44 2,4% Thüringen 4 3,3% 4 3,1% 4 2,6% 6 2,3% 54 2,9% Sachsen 9 7,5% 7 5,4% 9 5,9% 16 6,1% 117 6,3% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 264 100,0% 1846 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. 186 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Bei der geografischen Verteilung der monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit liegen die westdeutschen Freiberufler deutlich vor ihren ostdeutschen Kollegen. Der Median des Einkommens liegt im Jahre 2002 für Westdeutschland bei rund 4.000 Euro im Monat, im Osten sind es dagegen knapp 3.000 Euro (vgl. Abb. 17). Ebenso sind die Spannweiten der freiberuflichen Einkommen in Westdeutschland deutlich größer als in den neuen Bundesländern. Die Abbildung 19 gibt die Einkommensverteilung der Freiberufler in West- und Ostdeutschland des Jahres 2002 wieder. Abbildung 19: Monatliche west- und ostdeutsche Bruttoeinkommen der Freien Berufe im Jahr 2002 31157N = [2] East-Germany 2[1] West-Germany 1 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 Quelle: Eigene Abbildung und Berechnung. Berichtigter SOEP-Datensatz 2002, n=320. Die Hälfte aller Freiberufler in den alten Bundesländer verdient zwischen 2.000 und 5.700 Euro, in den neuen Bundesländern sind es zwischen ca. 1.900 und 4.000 Euro. Dabei verzeichnen die westdeutschen Freiberufler eine Spannweite von gut 10.000 Euro gegenüber weniger als 6.000 Euro bei den ostdeutschen Freiberuflern. Ausreißer und Extremwerte wurden bei den monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit bis zu 14.000 Euro berücksichtigt und grafisch mit Kreisen und Kreuzen im Boxplott gesondert gekennzeichnet. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 187 Aufgrund eines Fehlers in der geografischen SOEP-Variablen des Jahres 2002 sind die Freien Berufe aus der Stichprobe 2002 nicht berücksichtigt. Dadurch reduziert sich die Fallzahl insbesondere in Ostdeutschland auf 31 Fälle bzw. 157 Fälle in Westdeutschland. Im fünften und letzten Abschnitt der Deskription zu den Freien Berufen werden die Ergebnisse zum Humankapital präsentiert. Die Auswertungen konzentrieren sich auf die fünf SOEP-Variablen des höchsten Schulabschlusses, der Berufsausbildung, der erforderlichen Ausbildung für die Ausübung der freiberuflichen Tätigkeit, des Hochschulabschlusses und der Dauer der Ausbildung in Jahren (vgl. Tab. 26). Die einzelnen Humankapitalvariablen wurden, sofern sich ihre Ausprägungen über den Untersuchungszeitraum änderten, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner seit 1992 zurückgeführt. Bei den höchsten Schulabschlüssen dominiert im Jahre 2002 mit einem Anteil von über zwei Dritteln das Abitur bei den Freien Berufen. Es folgen mit großem Abstand die Fachhochschulreife mit 14 Prozent und die Realschule mit 10 Prozent. Die Hauptschule und andere Abschlüsse spielen mit zusammen 8 Prozent eine untergeordnete Rolle. Lediglich 0,1 Prozent der Freiberufler oder eine Person des Jahres 2002 verfügt bei den befragten Freien Berufen über keinen Schulabschluss. In der Entwicklung der höchsten Schulabschlüsse zwischen 1993 und 1999 blieben die Anteile der jeweiligen Schulabschlüsse relativ konstant, mit Ausnahme der Fachhochschulreife, deren Anteil leicht abnahm und der „anderen Abschlüsse“, deren Anteil leicht zunahm. In der Hocheinkommensstichprobe des Jahres 2002 liegt der Anteil der Freiberufler mit Abitur um über 7 Prozentpunkte und der Anteil der Freien Berufe mit einer Fachhochschulreife um gut 6 Prozentpunkte höher als die Anteile im Vergleichszeitraum zwischen 1993 bis 1999. Die Anteile der Hauptschulabschlüsse und Realschulabschlüsse halbierten sich dagegen seit 1999 im Jahre 2002 (vgl. Tab. 26). Wie sich aus der Fallzahl zu den berufsbildenden Abschlüssen erkennen lässt, verfügt über rund ein Viertel aller Freiberufler im Jahre 2002 über keinen berufsbildenden Abschluss. Unter den 117 Freiberuflern mit einem berufsbildenden Abschluss ist die Lehrausbildung mit einem Anteil von fast 50 Prozent am häufigsten vertreten. Den kleinsten Anteil der berufsbildenden Abschlüsse weist die Beamtenausbildung mit einem Anteil von ca. 4 Prozent auf. Seit 1993 nahm der Anteil der Lehrausbildungen, Beamtenausbildungen und sonstigen Ausbildungen zu, während der Anteil der Berufsschulausbildungen und der Fachschulausbildungen bei den Freien Berufen zurückging (vgl. Tab. 26). Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich im Jahr 2002. Hier nimmt der Anteil der Berufsschulausbildungen und Beamtenausbildungen stark zu. Im Gegensatz dazu stehen die stark abnehmenden Anteile der Freiberufler mit einer Gesundheitsausbildung und einer Lehrausbildung in 2002. Wie aus den gepoolten Ergebnissen zu entnehmen ist, dominiert auch hier die Lehrausbildung bei den berufsbildenden Abschlüssen der Freien Berufe mit einem Anteil von 51 Prozent vor allen anderen Berufsabschlüssen. 188 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Tabelle 26: Ergebnisse zum Humankapital der Freien Berufe 1993, 1996, 1999, 2002 und den gepoolten Daten 1992-2002 Humankapital 1993 1996 1999 2002 gepoolt n % n % n % n % n % Schulabschluss Hauptschule 8 6,7% 7 5,4% 10 6,6% 12 2,9% 102 5,1% Realschule 22 18,3% 26 20,2% 30 19,9% 43 10,3% 303 15,2% Fachhochschulreife 14 11,7% 12 9,3% 12 7,9% 60 14,4% 212 10,7% Abitur 72 60,0% 77 59,7% 91 60,3% 281 67,4% 1259 63,4% anderer Abschluss 3 2,5% 6 4,7% 6 4,0% 20 4,8% 100 5,0% kein Abschluss 1 0,8% 1 0,8% 2 1,3% 1 0,2% 11 0,6% Gesamt 120 100,0% 129 100,0% 151 100,0% 417 100,0% 1987 100,0% Berufsausbildung Lehre 25 49,0% 29 53,7% 37 56,1% 56 47,9% 381 50,9% Berufsschule 3 5,9% 2 3,7% 1 1,5% 17 14,5% 63 8,4% Gesundheitswesen 9 17,6% 8 14,8% 10 15,2% 14 11,9% 109 14,6% Fachschule 11 21,6% 7 13,0% 7 10,6% 12 10,3% 95 12,7% Beamtenausbildung 0 0,0% 2 3,7% 1 1,5% 5 4,3% 21 2,8% sonstige Ausbildung 3 5,9% 6 11,1% 10 15,2% 13 11,1% 79 10,6% Gesamt 51 100,0% 54 100,0% 66 100,0% 117 100,0% 748 100,0% Erforderliche Ausbildung keine Ausbildung 4 3,3% 3 2,4% 3 2,2% 1 0,2% 29 1,5% Einweisung 0 0,0% 0 0,0% 1 0,7% 4 1,0% 16 0,8% Einarbeitung 1 0,8% 1 0,8% 2 1,4% 4 1,0% 27 1,4% Kurse 15 12,5% 7 5,6% 3 2,2% 8 1,9% 98 5,0% Ausbildung 22 18,3% 33 26,2% 31 22,5% 52 12,4% 363 18,4% Fachschule 5 4,2% 0 0,0% 3 2,2% 79 18,9% 198 10,1% Studium 73 60,8% 82 65,1% 95 68,8% 271 64,7% 1236 62,8% Gesamt 120 100,0% 126 100,0% 138 100,0% 419 100,0% 1968 100,0% Hochschulabschluss Fachhochschule 22 26,5% 20 22,2% 19 18,1% 73 20,8% 321 21,4% Universität, TH 40 48,2% 45 50,0% 56 53,3% 265 75,5% 925 61,7% Hochschule Ausland 0 0,0% 3 3,3% 6 5,7% 3 0,9% 34 2,3% Ing.-Fachhoch. Ost 6 7,2% 5 5,6% 4 3,8% 1 0,3% 45 3,0% Hochschule Ost 15 18,1% 17 18,9% 20 19,0% 9 2,6% 175 11,7% Gesamt 83 100,0% 90 100,0% 105 100,0% 351 100,0% 1500 100,0% Dauer der Ausbildung bis 9 Jahre 2 1,7% 2 1,5% 2 1,3% 4 1,0% 27 1,3% 9 bis 11,5 Jahre 12 10,0% 16 12,3% 20 13,2% 23 5,5% 185 9,2% 11,5 bis 13 Jahre 21 17,5% 22 16,9% 24 15,8% 34 8,1% 266 13,3% 13 bis 15 Jahre 22 18,3% 20 15,4% 25 16,4% 73 17,4% 348 17,4% über 15 Jahre 63 52,5% 70 53,8% 81 53,3% 285 68,0% 1175 58,7% Gesamt 120 100,0% 130 100,0% 152 100,0% 419 100,0% 2001 100,0% Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, n. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 189 Die Tabelle 26 gibt die Ergebnisse zum Humankapital der Freien Berufe über die üblichen vier Untersuchungsintervalle der Jahre 1993, 1996, 1999 und 2002 und den gepoolten Daten von 1992 bis 2002 wieder. Fast 65 Prozent aller Freiberufler gaben im Jahre 2002 an, dass ein Studium Voraussetzung für die Aus- übung ihrer freiberuflichen Tätigkeit sei. Über 30 Prozent gaben eine Fachschulausbildung (19 Prozent) oder eine Schulausbildung (12 Prozent) als Voraussetzung an. Erwartungsgemäß fiel der Anteil der freiberuflichen Tätigkeiten mit geringen schulischen oder beruflichen Voraussetzungen mit unter 5 Prozent im Jahre 2002 relativ gering aus. Zwischen 1993 und 1999 nahm der Anteil der erforderlichen Ausbildungs- und Studiumsabschlüsse deutlich um jeweils 4 bzw. 8 Prozentpunkte zu, während der Anteil der erforderlichen Kurse um gut 10 Prozentpunkte zurückging. Überraschend stark stieg im Jahr 2002 der Anteil der Fachschulabschlüsse an. Die Steigerung beträgt über 16 Prozentpunkte gegenüber dem Anteil des Jahres 1999. Dagegen fällt der Anteil erforderlicher Ausbildungsabschlüsse von 1999 auf 2002 um 10 Prozentpunkte. Ebenfalls ab nimmt der Anteil der Studienabschlüsse als Voraussetzung zur Berufsausübung. Hier sind es im Jahre 2002 rund 4 Prozentpunkte weniger als noch 1999. Bei den gepoolten Daten liegt der erforderliche Studienabschluss mit gut 63 Prozent deutlich vor den Voraussetzungen eines Ausbildungsabschlusses mit 18,9 Prozent und eines Fachschulabschlusses mit 10 Prozent. Insgesamt ist eine leichte Zunahme der höheren erforderlichen Berufsvoraussetzungen im Zeitverlauf seit 1993 zu erkennen. Der weitaus größte Teil der Freien Berufe verfügt über einen Hochschulabschluss. In der Stichprobe des Jahres 2002 zu den hohen Einkommen haben 84 Prozent der Freiberufler ein Fachhochschulstudium oder ein Universitätsstudium absolviert. Lediglich 16 Prozent der freiberuflich Tätigen verfügen über keinen Hochschulabschluss (vgl. Tab. 26). Von den 351 Hochschulabsolventen haben knapp 4 Prozent ihr Studium im Ausland oder der ehemaligen DDR abgeschlossen. Eine deutlich von den Ergebnissen des Jahres 2002 abweichende Entwicklung zeigt sich zwischen 1993 und 1999. So sinken seit 1993 die Anteile der Fachhochschulabschlüsse um über 8 Prozentpunkte auf 18 Prozent in 1999, während die Anteile der Universitätsabsolventen seit 1993 um 5 Prozentpunkte auf 53 Prozent zunahmen. Sind zwischen 1993 und 1999 die ostdeutschen Hochschulabschlüsse in den einzelnen Wellen mit jeweils über 20 Prozent vertreten, so liegt ihr Anteil in 2002 nur noch bei ca. 3 Prozent. Entsprechende Ergebnisse zu den abweichenden Werten lassen sich in den gepoolten Ergebnissen erkennen. Hinsichtlich der Dauer ihrer Ausbildung in Jahren gaben 68 Prozent der Freiberufler eine Ausbildungsdauer von „über 15 Jahren“ an. Lediglich 4 Prozent wiesen eine Ausbildungsdauer von „unter 9 Jahren“ aus. Im Vergleich zur Entwicklung der Ausbildungsdauer seit 1993 lag der Anteil in der Klasse „über 15 Jahre“ im Jahre 2002 deutlich um 15 Prozentpunkte höher, während der Anteil der 190 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) übrigen Klasseneinteilung durchweg, mit Ausnahme der „13 bis 15jährigen“ Ausbildungsdauerklasse zurückging. Die aufgrund der freiberuflichen Charakteristika und der zuvor berichteten Ergebnissen zu den Schul- und Studiumsabschlüssen, erwarteten höheren Ausbildungsdauern geben auch die Ergebnisse der über den kompletten Beobachtungszeitraum gepoolten Daten wieder. Insgesamt verfügen über fast 90 Prozent der Freien Berufe über eine Ausbildungsdauer von „mehr als 11,5 Jahren“ und gut 10 Prozent über eine Ausbildungsdauer von „unter 11,5 Jahren“ im gepoolten Modell. Den größten Anteil stellt auch hier die Ausbildungsdauerklasse „über 15 Jahre“ mit 59 Prozent (vgl. Tab 26). Zwischen 1993 und 2002 stieg der Mittelwert der Ausbildungsdauer sowohl bei allen Freien Berufen als auch bei den vollerwerbstätigen Freiberuflern um ein Jahr an. Er stieg auf 16,3 Jahre bei allen Freien Berufen und auf 16,4 Jahren bei den vollerwerbstätigen Freiberuflern. Die gepoolten Ergebnisse liegen erwartungsgemäß zwischen den Ergebnissen des Jahres 1993 und des Jahres 2002 und deuten auf einen verstärkten Anstieg der Ausbildungsdauer in jüngster Vergangenheit hin. Auffällig ist das die Ausbildungsdauer zwischen den vollerwerbstätigen Freiberuflern und allen Freiberuflern gemeinsam nur sehr geringfügige Unterschiede aufweist. Die Tabelle 27 zeigt die Lage- und Streuungsmaße der Ausbildungsdauer bei den Freien Berufen im Vergleich zu 1993, 2002 und den gepoolten Daten von 1992 bis 2002. Deutlich angestiegen ist seit 1993 die Spannweite der Ausbildungsdauer von 11 Jahren auf 18 Jahren während der Median im Jahre 2002 mit ca. 2 Jahren stärker über dem Mittelwert liegt als noch 1993. Tabelle 27: Lage- und Streuungsmaße der Ausbildungsdauer in Jahren bei den Freien Berufen und den vollerwerbstätigen Freiberuflern von 1993 und 2002 sowie gepoolte Daten 1992-2002 Ausbildungsdauer 1993 2002 gepoolt Freie Berufe Mittelwert 15,4 16,3 15,7 Median 16 18 17 Standardabweichung 2.8 2.7 3 Spannweite 11 18 18 Fallzahl 120 419 2001 Vollerwerbstätige Mittelwert 15,5 16,4 15.9 Freie Berufe Median 16 18 18 Standardabweichung 2,8 2,5 2,8 Spannweite 11 18 18 Fallzahl 89 341 1590 Quelle: Eigene Tabelle und Berechnungen. Berichtigter SOEP-Datensatz 1992-2002, ungewichtet. Als Mittelwert gilt das arithmetische Mittel. Nach der ausführlichen Vorstellung der deskriptiven Ergebnisse zu den Freien Berufen werden die zentralen Beobachtungen und Entwicklungsverläufe zusammengefasst und ein erstes Fazit gezogen. Ein Profil der Freien Berufe Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 191 schließt das Kapitel ab. In der Gesamtschau zu den Freien Berufen ergibt sich folgendes charakteristisches Bild. Das Durchschnittsalter der Freien Berufe liegt bei 45 Jahren im gepoolten Modell und bei 48 Jahren in der Hocheinkommensstichprobe 2002. Zwischen 1993 und 1999 stieg der Anteil der Frauen in den Freien Berufen kontinuierlich auf 40 Prozent an, in der Stichprobe 2002 zu den hohen Einkommen sind sie nur noch mit 33 Prozent vertreten. Der Ausländeranteil liegt bei 3,5 Prozent über den Beobachtungszeitraum und mit gut 75 Prozent sind die Freiberufler „eher zufrieden“ mit ihrer Gesundheit. Die Freien Berufe sind zwischen 1992 und 2002 zu 70 Prozent verheiratet. Der Anteil der verheirateten Freiberufler stieg in der Hocheinkommensstichprobe 2002 nochmals um 5 Prozentpunkte an. Es folgen die ledigen Freiberufler mit einem Anteil von 18 Prozent bzw. 15 Prozent in 2002. Gut die Hälfte der Freiberufler hat im gepoolten Modell keine Kinder. Der Anteil der kinderlosen Freiberufler stieg in der Hocheinkommensstichprobe um weitere 4 Prozent an. Eine weite Streuung weisen die Einkommen der freiberuflichen Haushalte auf. Der Median aller Freiberufler liegt bei 64 T€ in 2002. Freiberufler die eine Vollerwerbstätigkeit angaben, verfügen über ein im Median um 6 T€ höheres Haushaltseinkommen in 2002. Bei den betriebsbezogenen Ergebnissen über den Beobachtungshorizont stellen die Berufsgruppen der Freien Heilberufe (30 Prozent) und die Freien Künstler, Publizisten und Pädagogen (26 Prozent) die beiden größten Berufsgruppen unter den Freien Berufen. Dieses Bild ändert sich in der Hocheinkommensstichprobe 2002 zugunsten der Freien rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe (29 Prozent) und den Freien Heilberufen (28 Prozent). Der Anteil der Kammerberufe liegt bei den Freien Berufen seit 1993 relativ konstant bei ca. 40 Prozent und stieg in der Hocheinkommensstichprobe 2002 um über 7 Prozentpunkte an. Bei den Freien Berufen sind 36 Prozent im gepoolten Modell ohne weitere Mitarbeiter tätig. In der Stichprobe zu den hohen Einkommen 2002 sank der Anteil der Freiberufler ohne Mitarbeiter um 8 Prozent. Erhöht hat sich seit 1993 die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit bei den Freien Berufen. Der Median liegt bei allen Freiberuflern in 2002 bei 45 Stunden und bei den Vollerwerbstätigen bei 50 Stunden in der Woche. Gut 76 Prozent der Freien Berufe sind im gepoolten Modell „eher zufrieden“ mit ihrer Arbeit. Der Anteil der „eher Zufriedenen“ stieg in 2002 mit der Stichprobe zu den hohen Einkommen auf 79 Prozent an. Als Vollerwerb deklarierten fast 80 Prozent der Freiberufler ihre Tätigkeit im gepoolten Modell, deren Anteil erhöhte sich in der Stichprobe zu den hohen Einkommen auf deutlich über 80 Prozent. Das monatliche Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit ist weit gestreut. Der Median aller Freiberufler lag 2002 in der Hocheinkommensstichprobe bei 4.600 Euro, bzw. 5.000 Euro bei den Vollerwerbstätigen. Dabei liegt das Einkommen der weiblichen Freiberufler mit einem Median von 3.000 Euro deutlich um 2.000 Euro unter dem Einkommen der männlichen Freiberufler. Über ein höheres Einkommen verfügen die Kam- 192 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) merberufe. Gegenüber den kammerlosen Berufen liegt der Median um 2.000 Euro höher. Die Kammerberufe kommen in 2002 auf einen Median von 5.600 Euro, die kammerlosen Berufe auf 3.400 Euro. Die umfeldbezogenen Ergebnisse zeigen, dass die Freien Berufe weit überwiegend in Westdeutschland tätig sind. Ihr Anteil liegt bei 81 Prozent im gepoolten Modell und erhöht sich nochmals in der Hocheinkommensstichprobe 2002. Seit 1993 ist ein rückläufiger Trend der Freien Berufe in Ostdeutschland festzustellen. Die Einkommen der Freien Berufe liegen in Westdeutschland deutlich über den Einkommen in Ostdeutschland. Mit 4.000 Euro lag der Median in Westdeutschland gut 1.000 Euro über den Einkommen der ostdeutschen Freiberufler. Bei den Ergebnissen zum Humankapital der Freien Berufe dominiert als höchster Schulabschluss mit einem Anteil von 63 Prozent im gepoolten Modell das Abitur. Die Tabelle 28 gibt einen Überblick zu den Merkmalen freiberuflicher Charakteristika aus den deskriptiven Ergebnissen des gepoolten SOEP-Datensatzes 1992- 2002. Der Anteil der Abiturienten erhöht sich nochmals in der Hocheinkommensstichprobe 2002 auf 67 Prozent. Die Hälfte aller Freiberufler mit einem berufsbildenden Abschluss verfügt über eine Lehrausbildung im gepoolten Modell. In der Hocheinkommensstichprobe 2002 steigt der Anteil der Freiberufler mit einem Berufsschulabschluss als höchsten Schulabschluss deutlich an. Über 90 Prozent der befragten Freiberufler gaben mindestens eine Ausbildung als Voraussetzung für ihre Berufsausübung an, fast 63 Prozent nannten als Voraussetzung ein Studium. Der Anteil der Freiberufler mit einem Hochschulstudium liegt bei 84 Prozent. In der Hocheinkommensstichprobe 2002 verschoben sich die Anteile leicht zu den höheren Abschlüssen. Insgesamt hat sich die Ausbildungsdauer in den Freien Berufe seit 1993 um ein Jahr in 2002 erhöht. Dies gilt sowohl für alle Freiberufler als auch für die vollerwerbstätigen Freiberufler. Zentrale Änderungen freiberuflicher Charakteristika zwischen 1993 und 1999 oder zwischen 1993 und 2002 (unter Berücksichtigung der verzerrten Hocheinkommensstichprobe 2002) zeigen folgende Entwicklungstendenzen auf: So ist ein ansteigendes Durchschnittsalter in den Freien Berufe festzustellen (plus 4 Jahre); ein Anstieg des Frauenanteils in den Freien Berufen (plus 10 Prozentpunkte); sowie ein Anstieg der Tätigen in der Berufsgruppe der Freien rechtsund wirtschaftsberatenden Berufe (plus 8 Prozentpunkte). Ebenfalls deutlich angestiegen ist seit 1993 die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit der vollzeitbeschäftigten Freiberufler (fast 5 Stunden) und die Quote der vollzeitbeschäftigten Freiberufler (plus 7 Prozentpunkte). Durch die Vergleichsmöglichkeit der freiberuflichen Entwicklungen zwischen 1993-1999 sowie der Hocheinkommensstichprobe 2002 (unter Berücksichtigung der Verzerrung 2002) können erste Rückschlüsse auf die freiberuflichen Charakteristika des Erfolges hinsichtlich der Einkommen abgeleitet werden. Demnach verfügen Freiberufler mit folgenden Charakteristika über ein tendenziell höheres Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 193 monatliches Bruttoeinkommen: ein höheres Alter, sind männlich und verheiratet sowie kinderlos, stammen aus den Freien Heilberufen oder den Freie rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen, vorwiegend Kammerberufe, sind Freiberufler mit Mitarbeitern und Vollzeittätig, haben längere Arbeitszeiten und eine höhere Arbeitszufriedenheit, stammen aus Westdeutschland und haben eine längere Ausbildungsdauer. Tabelle 28: Überblick zu den zentralen Merkmalen freiberuflicher Charakteristika aus den deskriptiven Ergebnissen des gepoolten SOEP 1992 – 2002 Charakteristika Die Freien Berufe…* Personenbezogen demografische Angaben sind durchschnittlich 45 Jahre alt sind zu 34% Frauen sind zu 3,5% Ausländer sind zu drei Viertel eher zufrieden mit ihrer Gesundheit mikro-soziales Umfeld sind fast zu 70% verheiratet sind zu über 50% kinderlos verfügen über ein Haushaltseinkommen von 54.000€ ** Betriebsbezogen stammen zu 30% aus den Freien Heilberufen sind zu über 41% Kammerberufe haben oftmals keine Mitarbeiter (36%) haben eine Arbeitszeit von 44 Stunden (Median) die Woche haben monatliche Bruttoeinkommen die sehr weit gestreut sind**: 1. Männer verdienen 2.000€ mehr als Frauen** 2. die Kammerberufe verdienen 5.600€** 3. Männer und Frauen verdienen am meisten in den Freien Heilberufen** ‚ Im Westen 1.000€ mehr als im Osten** sind zu 75% eher zufrieden mit ihrer Arbeit Umfeldbezogenen stammen zu fast 80% aus Westdeutschland sind am zahlreichsten in NRW Humankapital haben zu über 63% das Abitur haben zu knapp 37% eine Berufsausbildung haben zu 84% ein Hochschulabschluss haben eine Ausbildungsdauer von 17 Jahren (Median) Quelle: Eigene Tabelle. SOEP 1992-2002. * Alle Durchschnittswerte beziehen sich auf den Median. **Alle Angaben zum Haushaltseinkommen und dem monatlichen Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit sind Mediane aus dem Jahre 2002. 194 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Trotz der Verzerrung durch die Stichprobe zu den hohen Einkommen 2002 sowie der zum Teil fehlenden Informationen durch die fehlerhaften Variablen des Jahres 2002 im SOEP, konnte erstmals auf Grundlage des berichtigten und erweiterten SOEP-Datensatzes ein Bild freiberuflicher Merkmale und Charakteristika gewonnen werden. Dies betrifft insbesondere die neuen Ergebnisse zu den freiberuflichen Gruppen sowie den Kammer- und kammerlosen Berufen. Eine Hochrechnung der freiberuflichen Ergebnisse aus den SOEP-Daten ist aufgrund der Berichtigung des Datensatzes nicht vorgenommen worden. Durch die Korrektur der Daten führen die im SOEP hinterlegten Hochrechnungsfaktoren zu stark verzerrten Ergebnissen. Eine Hochrechnung der freiberuflichen Population auf Grundlage des Mikrozensus wurde im Zuge der FFB-Onlineumfrage im dritten Untersuchungsmodell dieser Arbeit vorgenommen. Vor dem Hintergrund der praxisorientierten Forschungsziele dieser Arbeit zu den Freien Berufen ist es gelungen sowohl grundlegende Erkenntnisse über die Merkmale und Struktur der freiberuflich Tätigen als auch ihrer einzelnen Berufsgruppen zu gewinnen. Eine Ergänzung finden die deskriptiven Ergebnisse durch die Hochrechnungen und betriebsbezogeneren Ergebnisse der FFB- Onlineumfrage zu den Freien Berufen im dritten Teil der Untersuchung. Wenn auch nicht unmittelbar vergleichbar, erschließt sich in der Kombination beider deskriptiver Untersuchungen (SOEP und FFB-Onlineumfrage), ein weites Spektrum freiberuflicher Merkmale und Charakteristika. 4.3 Freiberufliche Gründungsaktivitäten Die Präsentation der Ergebnisse aus dem Untersuchungsmodell zur freiberuflichen Gründungsaktivität gliedert sich in fünf Kapitel. Zunächst wird im Kapitel 4.3.1 die Konstruktion der Gründungsvariablen im SOEP behandelt. Dem schließen sich in Kapitel 4.3.2 die deskriptiven Ergebnisse zur freiberuflichen Gründungsaktivität an. Im Kapitel 4.3.3 werden das Untersuchungsmodell und die multivariaten Schätzverfahren vorgestellt. Die multivariaten Ergebnisse der Untersuchung werden in Kapitel 4.3.4 präsentiert. Ein Zwischenfazit (Kap. 4.3.5) schließt das Kapitel zum Untersuchungsmodell der freiberuflichen Gründungsaktivität ab. Datenbasis der Längs- und Querschnittsuntersuchungen sind die Welle I (1992) bis Welle S (2002) aus dem berichtigten Datensatz des SOEP (vgl. Kap. 4.2). Dabei bietet die ausgewählte Beobachtungsperiode mehrere Vorteile. Zum einen werden im SOEP die Daten ab 1992 mit der Stichprobe der Welle I gesamtdeutsch erhoben. Zum anderen ermöglicht die relativ große Zeitspanne über 11 Wellen es auch längerfristige Entwicklungen bei den Freien Berufen und ihrem Gründungsverhalten nachzuvollziehen. Generell werden die deskriptiven Ergebnisse im Einzelnen über die zeitliche Entwicklung der Wellen J (1993), M (1996), P (1999) und S (2002) dargestellt.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.