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Peter Paic, Anregung zur SOEP-Fragebogengestaltung in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 165 - 169

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 165 Nach der Berichtigung verringerte sich die Anzahl freiberuflich Tätiger, welche im Untersuchungszeitraum über mindestens ein Jahr eine freiberufliche Tätigkeit ausübten, von 969 Personen um knapp ein Drittel auf nunmehr insgesamt 688 Personen. Innerhalb der 811 Änderungen wurden 353 Kodierungen in die Freiberuflichkeit und 389 Kodierungen in die Selbständigkeit vorgenommen. Weitere 69 Kodierungen bezogen sich auf fehlerhafte Angaben, definitorische Ausschlüsse und sonstige Begebenheiten (eine ausführliche Übersicht zu den einzelnen Änderungen im SOEP-Datensatz findet sich im Anhang 2). Über die einzelnen Wellen hat sich die Fallzahl der freiberuflich Tätigen durch die Berichtigung im Vergleich mit dem original SOEP-Datensatz leicht um durchschnittlich 9 Freiberufler verringert. Ebenso ist der Anteil der Freien Berufe an der gesamten Stichprobe leicht zurückgegangen. Wie in der Tabelle 17 zu erkennen ist, kommt es durch Berichtigung des Datensatzes zu verzerrten Ergebnissen bei der Hochrechnung, da die Gewichtung des originalen Datensatzes nicht darauf abgestimmt ist. Um zu repräsentativen hochgerechneten Ergebnissen zu gelangen, wäre eine neue Gewichtung der Hochrechnungsfaktoren notwendig. Dies ist beispielsweise mit dem Programmpaket Adjust möglich (vgl. Merz, Stolze und Imme 2001). Insgesamt hat sich durch die Berichtigung des Datensatzes die Gesamtzahl der im Beobachtungszeitraum freiberuflich Tätigen um ein Drittel auf 668 Fälle verringert. Dagegen ist die im originalen SOEP-Datensatz exorbitant hohe Anzahl von Gründungen aus der Selbständigkeit durch die vorgenommene Korrektur der falschen Angaben stark reduziert worden. Der berichtigte SOEP-Datensatz enthält nun ein wesentlich realistischeres Bild der Freien Berufe. 4.2.7 Anregung zur SOEP-Fragebogengestaltung Neben der retrospektiven Berichtigung zur Variablen der beruflichen selbständigen Personen soll dieses Kapitel als Anregung für eine verbesserte Fragestellung in zukünftigen Erhebungen des SOEP dienen. Für einen Lösungsansatz werden die im Kapitel 4.2.4 behandelten Ursachen falschen Antwortverhaltens aufgegriffen. Als zentrale Fehlerquelle konnte neben möglichen Kodierungsfehlern insbesondere das Antwortverhalten der befragten Personen als Ursache festgestellt werden. Daher nimmt dieser Lösungsansatz die Perspektive der befragten Teilnehmer ein. Darüber hinaus soll der Lösungsansatz Ideen zur Erfassung von Mitarbeitern selbständiger Personen geben. Der Gestaltungsvorschlag zur Frage der beruflichen Stellung basiert auf dem SOEP-Fragebogen 2002. Dabei verfolgt dieser Lösungsansatz zwei Ziele. Zum einen, den Fragebogen zum besseren Verständnis der Befragten einfacher zu strukturieren und zum anderen die Unterkategorien der beruflich Selbständigen zu präzisieren und durch Beispiele zu ergänzen. Als problematisch zeigt sich insbesondere das Design der Fragestellung zu den Selbständigen an. Hier erweist sich die zusätzliche Abfrage der Mitarbeiterzahlen in der Gesamtschau als 166 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) sehr unübersichtlich (vgl. Abbildung 13). Zur Fragestellung der Mitarbeiterzahl innerhalb der Selbständigen-Gruppe (mit Ausnahme der mithelfenden Familienangehörigen) stehen dem Probanden drei Antwortkategorien zur Verfügung (keine, <9 Mitarbeiter und >9 Mitarbeiter). Hier ist eine metrische Erfassung der Mitarbeiterzahlen zu empfehlen. Dies hätte neben einem Informationsgewinn auch den Vorteil, der Vereinfachung des Fragestellungs-Designs. Durch den Wegfall der übrigen Antwortkategorien gewinnt die Fragestellung an Übersichtlichkeit und ist einfacher für den Befragten zu erfassen. Zu empfehlen ist hierbei die Loslösung der Fragestellung zu den Selbständigen von der Erhebung der abhängig Beschäftigten, d.h. die Formulierung der Fragestellung in einem eigenen Block. Dabei ist dem Autor bewusst, dass dies im Hinblick auf die übrigen Frageblöcke zur beruflichen Tätigkeit eine Ausweitung des SOEP-Fragebogens zur Folge hat. Doch neben dem Effekt eines übersichtlicheren Designs hätte dies zudem den Vorteil, die Fragestellung an praktischen Beispielen zu ergänzen und eine höhere Aufmerksamkeit der befragten Selbständigen zu erzielen. Hierin besteht der zentrale Ansatz, die befragten Selbständigen bei der oftmals fehlerhaften Zuordnung ihrer beruflichen Tätigkeit zu unterstützen. Als hauptsächliche Fehlerquelle hat sich die fehlerhafte Zuordnung der befragten Personen in eine „freiberufliche“ oder eine „sonstige selbständige“ Tätigkeit erwiesen. Hierbei wechselten die Befragten oftmals ihre Angaben, ohne jedoch ihre berufliche Tätigkeit geändert zu haben. Um dies zu vermeiden wird der Begriff der Unterkategorie „sonstige Selbständige“ in „Unternehmer“ umgewandelt. Dies hat zweierlei Vorteile. Zum einen wird der Effekt vermeiden die Gruppe „sonstige Selbständige“ gegenüber der Gruppe „Freie Berufe, Akademische Selbständige“ sprachlich Zurückzustellen. Zum anderen wird den Befragten die richtige Zuordnung ihrer beruflichen Tätigkeit mit der Bezeichnung „Unternehmer“ erleichtert. Förderlich für das Verständnis der Befragten ist hier eine beispielhafte Auflistung übergeordneter Tätigkeiten wie Handwerker, Gewerbetreibende u.a. für die Unterkategorie der „Selbständigen“. Die Begriffsdefinition und Klassifizierung dieser Arbeit (vgl. Kap. 2) mit dem Begriff des „Unternehmers“ für die „sonstigen Selbständigen“ sollte verstärkt die Zuordnung der beruflichen Tätigkeit erleichtern. Allerdings existieren verschiedene Definitionen zum Begriff des Unternehmers, die weit auseinander gehen und zum Teil gegensätzlicher Natur sind. Da die Abgrenzung zwischen Unternehmern und Freiberuflern nicht immer eindeutig ist, kann dies zu Problemen führen (vgl. Schulte 2002; vgl. Deneke 1986). Bei dem Ziel präzise Informationen zur beruflichen Tätigkeit der Selbständigen zu generieren, überwiegt das Moment des Alltagsverständnisses gegenüber dem akademischen Diskurs. Daher wurden die im zweiten Kapitel vorgenommene Definitionen und die neue Klassifizierung der Selbständigen mit der Unterteilung in Freiberufler und Unternehmer (sonstige Selbständige) für die SOEP-Fragestellung übernommen (vgl. Kap. 2). Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 167 Für die Unterkategorie der Freien Berufe wird empfohlen den Begriff „Freie Berufe, selbständige Akademiker“ in die Bezeichnung „Freie Berufe“ zu ändern, damit die Implikation, dass Freie Berufe gleichbedeutend mit einer akademischen Ausbildung sind, vermieden werden kann. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die allgemeinen Bezeichnungen durch Beispiele näher zu erläutern, um fehlerhafte Antworten zu vermeiden. Dabei sollte bei den einzelnen Berufsbezeichnungen darauf geachtet werden, dass sowohl akademische als auch nichtakademische Berufe aufgeführt werden. Darüber hinaus erscheint es sinnvoll die einzelnen freien Berufsgruppen namentlich zu benennen. Die Abfrage nach einer Gewerbeanmeldeung eignet sich als ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen freiberuflicher oder selbständiger Tätigkeit. Mit diesem Vorschlag zur Erhebung der beruflich Selbständigen im SOEP- Fragebogen kann zukünftig die Anzahl der fehlerbehafteten Antworten massiv gesenkt und die Qualität der Datenbasis des Sozio-ökonomischen Panels für den Bereich Freie Berufe systematisch erhöht werden. Dadurch können valide Ergebnisse für zukünftige Untersuchungen von Freiberuflern, aber auch den sonstigen Selbständigen (Unternehmer) erzielt werden. Dieser Aspekt ist umso bedeutender, betrachtet man die Datenlage zu den Freien Berufen insgesamt. Das SOEP stellt eine der wenigen Panel-Datenbasen bereit, welche die Freien Berufe explizit berücksichtigt. Vor dem Hintergrund freiberuflicher aber auch klein- und kleinstbetrieblicher Informationsdefizite anderer Datenbasen, wie beispielsweise dem Mikrozensus, dem ZEW-Panel oder dem IAB-Panel11, erweist sich das SOEP als eine der geeignetesten Datenbasen für die Untersuchung der Freien Berufe und kleiner selbständiger Unternehmen. Der Panelcharakter des SOEP erlaubt hierbei auch Untersuchungen derselben Personen über die Zeit und bietet sich als empirische Datenbasis für Untersuchungen im Gründungskontext an. Da das SOEP generell nicht als Gründungspanel angelegt ist, bestehen hier noch zentrale Informationslücken. Beispielsweise ist es mit dem SOEP nicht möglich, zwischen originären und derivativen Gründungen zu differenzieren. Ebenso fehlen im SOEP Informationen zum Gründungszeitpunkt wie der Kapitalausstattung der Gründung und grundlegende betriebliche Informationen. Hier liegt auch eine strategische Chance für die Erweiterung des Nutzerkreises und Abgrenzung zu den anderen Paneldatenbasen. Dazu schlagen wir eine Konzentration auf das selbständige Kleinstunternehmen im Gründungskontext wie die Einpersonen-Unternehmen und die Freien Berufe vor. Diese Zielgruppe wird bisher von den übrigen Datenbasen nur unzureichend erfasst (vgl. Kap. 2.4). 11 Beispielsweise sind Beobachtungen der gleichen Freiberufler über die Zeit aufgrund des fehlenden Panelcharakters mit dem Mikrozensus nicht möglich. Die ZEW-Panels erfassen die Freien Berufe nicht explizit, z.B. Anwaltskanzleien überhaupt nicht. Das IAB-Panel erfasst ausschließlich Unternehmen mit mindestens einem sozialversicherten Mitarbeiter (vgl. Kap. 2.4). 168 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Derzeit noch bestehende Informationslücken lassen sich mit einem relativ geringen Aufwand beseitigen. Dazu gehören aufbereitete Gründungsvariablen für die Selbständigen-Gruppen, Informationen zur Gründung, zum Startkapital sowie der Gründungsform (derivativ oder originär), die metrische Erfassung der (sozialversicherten) Mitarbeiter sowie eine optional weiterführende Differenzierung nach Handwerkern. Die Abbildung 14 fasst die Lösungsvorschläge unter Berücksichtigung der sozialversicherten Mitarbeiter für eine zukünftige Fragestellung der beruflich Selbständigen im SOEP zusammen. Abbildung 14: Vorschlag zur neuen Fragestellung der beruflichen Stellung im SOEP Zu welcher Gruppe der Selbständigen gehören Sie? Selbständige (einschl. mithelfende Familienangehörige) Wie viele sozialversicherte Mitarbeiter beschäftigen Sie? Selbständige Landwirte …………………..………………….und zwar: Freie Berufe Sie haben kein Gewerbe angemeldet! (z.B. Freie Heilberufe, Freie rechts- und wirtschaftsberatende Berufe, Freie technische und naturwissenschaftliche Berufe, Freie künstlerische, päda gogische und publizistische Berufe)…………………………..und zwar: Unternehmer (vormals „sonstige Selbständige“) Sie haben ein Gewerbe angemeldet! (z.B. Handwerker, Einzelhandel, Gastronomie, Versicherungs- und Handelsvertreter, Gewerbetreibende)…………....und zwar: Mithelfende Familienangehörige ..........................................................................und zwar: Auch die Zahl 0 ist möglich! Quelle: eigener Vorschlag. Das SOEP kann mit dieser erweiterten Ausrichtung auf die Gründungsforschung von selbständigen Klein- und Kleinstbetrieben eine zentrale Informationslücke schließen. Letztlich öffnet sich das SOEP mit dieser Ausrichtung einem neuen Nutzerkreis aus der mittlerweile in der deutschen Hochschullandschaft fest etablierten Gründungsforschung. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 169 4.2.8 Freiberufliche Deskription nach der Berichtigung Da im Rahmen der Fragestellung erstmalig umfangreiche Daten zu den Freien Berufen im SOEP aufbereitet wurden, sollen neben den detaillierteren Analysen zur Gründungsaktivität und dem Gründungserfolg auch die Freien Berufe in der Bundesrepublik Deutschland eingehender betrachtet werden. Diese Vorgehensweise bringt zwei zentrale Vorteile mit sich. So ist es zum einen mit dem berichtigten SOEP-Datensatz erstmals möglich aus einer repräsentativen Umfrage mit relativ hohen Fallzahlen zum gesamten Spektrum der Freien Berufen neue Erkenntnisse zum Wesen und ihrer Struktur in Deutschland zu gewinnen. Beispielsweise liegen erstmals berichtigte und erweiterte SOEP-Daten zu den freiberuflichen Berufsgruppen, dem freiberuflichen Einkommen sowie der Unterteilung nach kammerfähigen Freien Berufen vor. Zum anderen helfen die Ergebnisse zu den Freien Berufen die Auswertungen zum freiberuflichen Gründungsgeschehen besser in Relation zu setzen und insbesondere die entwickelten Messkriterien zur Gründungsaktivität und dem Gründungserfolg zu überprüfen. Dargestellt werden die Ergebnisse anhand der Entwicklung über die Beobachtungszeiträume 1993, 1996, 1999 und 2002. Zusätzlich aufgeführt werden die zusammengeführten Ergebnisse der Freiberufler aus dem Beobachtungszeitraum zwischen 1992 bis 2002 in einem gepoolten Modell. Vorgestellt werden zunächst Ergebnisse der qualitativen Statistik, wobei auch Intervall (metrisch) skalierte Variablen in Klassen eingeteilt wurden. Grundlage der deskriptiven Auswertung zu den Freien Berufen sind die ungewichteten Daten des bereinigten SOEP-Datensatzes von 1992-2002, da die bereitgestellten Hochrechnungsfaktoren im SOEP durch die Änderungen im Datensatz zu falschen Ergebnissen führen (vgl. Kap. 4.2.1). Durch die Hocheinkommensstichprobe im Jahre 2002 sind die Ergebnisse in dieser Welle zu Gunsten der hohen Einkommen verzerrt (vgl. Kap.4.1.1). Dies wirkt sich auf die Ergebnisse zu den Freien Berufe aus und ist bei dem Vergleich der Ergebnisse und ihrer Interpretation über die einzelnen Wellen zu berücksichtigen. Zunächst werden die personenbezogenen Ergebnisse der Freien Berufe anhand der Verteilung in den Altersklassen, nach dem Geschlecht, nach der Nationalität, nach den Arbeitszeitklassen sowie der Arbeits- und Gesundheitszufriedenheit vorgestellt. Dabei weist die SOEP-Altersvariable des Jahres 2002 einen Fehler auf. In ihrem Ursprung fehlen die Altersangaben zu den Freiberuflern aus der SOEP-Hocheinkommensstichprobe des Jahres 2002. Die fehlenden Angaben von 155 Freiberuflern wurden manuell mittels des im SOEP erhobenen Geburtsjahres berichtigt. Die Tabelle 18 zeigt die Ergebnisse der personenbezogenen Auswertungen über die Wellen 1993, 1996, 1999 und 2002 sowie die von 1992 bis 2002 gepoolten Ergebnisse über den Untersuchungszeitraum. Im Jahr 2002 sind 57 Prozent der freiberuflich Tätigen in den beiden Altersklassen von 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre vertreten. Die jüngste Altersklasse bis 29 Jahre spielt mit 2,6 Prozent

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References

Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.