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Peter Paic, Die Freien Berufe im SOEP-Panel in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 149 - 152

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 149 ist im Rahmen der Aufgabestellung umso bedeutender, da durch die Fokussierung auf die freiberuflichen Gründungen die Fallzahlen relativ gering sind. Ein genereller Vorteil des SOEP-Datensatzes ist die Vermeidung der „Survivor- Problematik“ (vgl. Kapitel 3). Freiberufler, die nur über eine kurze Zeit freiberuflich tätig waren und danach aus dieser Tätigkeit ausscheiden, fallen nicht aus der Stichprobe heraus, da sie weiterhin befragt werden. Daher können retrospektiv, im Gegensatz zu den meisten Untersuchungen zum Gründungsgeschehen (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 17), neben den erfolgreichen Gründungen auch die Aufgaben berücksichtigt werden. Allerdings werden beim „balanced“ Datensatz nur die Personen berücksichtigt, welche über den kompletten Beobachtungszeitraum von elf Jahren an der Befragung teilgenommen haben. Scheidet eine Person aus der Befragung während des Beobachtungszeitraumes von elf Jahren aus, wird sie im „balanced“ Datensatz nicht berücksichtigt. Dagegen bleiben die Informationen der aus der Befragung ausgeschiedenen Personen im „unbalanced“ Datensatz erhalten. Dadurch ist es mit dem „unbalanced“ Datensatz retrospektiv möglich, ein relativ konkretes Bild über den Erfolg der freiberuflichen Personen zu gewinnen, da auch die Informationen der aus der Befragung ausgeschiedenen Personen erhalten bleiben. Aufgrund der zu erwartenden höheren Fallzahlen sowie der methodischen Vorteile wird für die Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens ein „unbalanced“ Datensatz verwendet. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich eingehend mit der Erfassung und den Fallzahlen der Freien Berufe im SOEP. 4.1.2 Die Freien Berufe im SOEP-Panel Das SOEP unterscheidet seit dem Beginn seiner jährlichen Umfragen im Jahr 1984 die Gruppe der Selbständigen in vier verschiedene Kategorien. Dies sind die Landwirte, die Freien Berufe, die sonstigen Selbständigen und die mithelfenden Familienangehörigen. Zwischen 1992 und 1999 wurden die Kategorien in folgende Unterkategorien aufgeteilt: Landwirte [1], Freie Berufe [2], sonstige Selbständige mit <9 Mitarbeiter [3]), sonstige Selbständige mit >9 Mitarbeiter [4] und mithelfende Familienangehörige [5] (SOEP 1992-1999). Mit der Erweiterungsstichprobe F im Jahr 2000 wurden die Unterkategorien der Variable „Derzeitige Stellung Selbständige“ um die Unterkategorie „Selbständige ohne Mitarbeiter“ erweitert. Die neue Unterteilung hat seit dem Jahr 2000 nun folgendes Bild: Landwirte [1], Freie Berufe [2], sonstige Selbständige ohne Mitarbeiter [3], sonstige Selbständige mit <9 Mitarbeitern [4], Selbständige mit >9 Mitarbeitern [5] und mithelfende Familienangehörige [6] (SOEP 2000-2002). Wie in der neuen Unterteilung nach Mitarbeitern bei den sonstigen Selbständigen werden seit dem Jahr 2000 auch die Zahl der Mitarbeiter bei den Freien Berufen in den drei Unterkategorien „ohne Mitarbeiter“, „mit <9 Mitarbeiter“ und „>9 Mitarbeiter erfasst und in einer gesonderten Variable im SOEP zur Verfügung gestellt (SOEP 2000-2002). 150 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Diese Erweiterung der Unterkategorien erleichtert gezielte Auswertungen zu den Freien Berufen und gibt ein differenzierteres Bild über die Zahl der Mitarbeiter. Im Vergleich zur Situation vor dem Jahr 2000 stellt die neue Einteilung eine Verbesserung dar, ist aber mit den drei doch recht groben Größenklassen letztlich nicht befriedigend. Die Daten stehen im SOEP relativ zeitnah nach ihrer Erhebung für Analysezwecke zur Verfügung. Insbesondere die jährliche Erhebung macht komplexere Auswertungen, verglichen mit anderen Datenbasen, über die Zeit zur Gruppe der Freien Berufe möglich. So können mit Hilfe des SOEP auch die Wechsel in eine und aus einer freiberuflichen Tätigkeit über einen längeren Zeitraum untersucht und Erwerbsverläufe analysiert werden. Dieser Vorteil soll an einem konkreten Beispiel aufgezeigt werden: Verwendet man Zeitreihendaten für die Messung der Zustände in t0 und t1, werden die Differenzen, d.h. die Nettoveränderungen gemessen, die zwischen den beiden Zeitpunkten stattgefunden haben. Aufgrund der wiederholten Befragung derselben Person kann mit einem Panel neben den Nettoveränderungen die Bruttoveränderungen erfasst werden. Wenn die Zahl der freiberuflich Tätigen zum Zeitpunkt t0 bei 100 Personen liegt und in t1 bei 105 Personen, ist sie de facto um 5 Prozent gestiegen. Das entspricht der Aussage des Nettoergebnisses anhand von Zeitreihendaten. Das Bruttoergebnis, welches mittels Paneldaten ermittelt werden kann, misst jedoch nicht nur den Zustand (Änderung der Anzahl an Personen) im Zeitpunkt t0 und t1, sondern darüber hinaus die qualifizierte Veränderung zwischen den Zeitpunkten. Somit kann die genaue Anzahl der Personen berücksichtigt werden, die sich (1) vom Zeitpunkt t0 bis zum Zeitpunkt t1 freiberuflich Selbständig gemacht haben und (2) die im gleichen Zeitraum ihre freiberufliche Tätigkeit aufgegeben haben. Haben in unseren Beispiel vom Zeitpunkt t0 bis zum Zeitpunkt t1 3 Prozent der Freiberufler ihre Tätigkeit aufgegeben, so liegt die Anzahl der freiberuflichen Gründungen im gleichen Zeitraum bei 8 Prozent. Die Betrachtung des bloßen Nettoergebnisses kann zu Fehlinterpretationen führen, da nicht die freiberuflichen Gründungen und Aufgaben separat betrachtet werden können. Dies stellt beispielsweise ein Vorteil des SOEP gegenüber dem Mikrozensus dar, in dem nur die Nettoveränderungen untersucht werden können. Ein weiterer Vorteil des SOEP begründet sich auch in der Möglichkeit, sowohl Querschnitts- als auch Längsschnittanalysen zu erstellen und die Freien Berufe mit ihrem sozioökonomischen Hintergrund zu verknüpfen. Somit können Rückschlüsse auf die freiberufliche Gründungsaktivität und den Gründungserfolg gezogen werden. Das SOEP unterliegt aber auch Einschränkungen, die theoretisch relevante Aspekte des freiberuflichen Gründungserfolges und der Gründungsaktivität nicht analysierbar machen. An erster Stelle tritt hier das Problem der Sekundäranalysen auf. So werden im SOEP die repräsentativen Individual- und Haushaltsdaten erhoben und nicht die Daten der freiberuflich Selbständigen, wie beispielsweise Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) 151 in der noch folgenden Onlineerhebung zu den Freien Berufen (FFB- Onlineerhebung). So ist die Erhebung des SOEP nicht auf die spezielle Fragestellung der Untersuchung – dem freiberuflichen Gründungsgeschehen – ausgerichtet. Hier zeigen sich die Nachteile im sekundären Zusammenhang erhobener Datensätze. Beispielsweise kann nicht zwischen originären und derivativen freiberuflichen Gründungen im SOEP unterschieden werden. Relativ gering ist der Anteil der Freien Berufe an der gesamten Stichprobe im SOEP. Über die Wellen i bis s (1992 bis 2002) liegt der Anteil der Freien Berufe an der SOEP-Stichprobe bei durchschnittlich 1,1 Prozent und der durchschnittliche Anteil an den Vollerwerbstätigen bei 2,5 Prozent. Die einzelnen Fallzahlen liegen im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 191 Freiberuflern, wobei die durchschnittliche Fallzahl von dem starken Anstieg seit 2000 verzehrt wird. So stieg die Fallzahl auf weit über 300 Freiberufler mit der Erweiterungsstichprobe F und der Stichprobe G (hohe Einkommen) an, während sie 1997 mit 116 Fällen ihren Tiefpunkt hatte (EigeneBerechnungen, SOEP 1992-2002). Unter den im Jahr 2002 befragten 23.892 Personen im SOEP waren 452 Personen freiberuflich Tätig. Dies entspricht einer freiberuflichen Quote von ca. 1,9 Prozent an der gesamten Stichprobe und von etwa 4,5 Prozent bei den Vollerwerbstätigen. Die Gruppe der Freiberufler ist über alle Wellen am stärksten im Jahr 2002 vertreten (EigeneBerechnung, SOEP 2002). Tabelle 14: Jeweiliger Stichprobenanteil der Freien Berufe im SOEP Anzahl der Freien Berufe (n) Anteil an der Stichprobe (n) Anteil an den Erwerbstätigen (n) Anteil an den Selbständigen (n) 1992 118 0,88% 1,83% 23,74% 1993 127 0,96% 2,04% 23,65% 1994 144 1,11% 2,35% 25,71% 1995 125 0,91% 1,98% 22,40% 1996 147 1,09% 2,40% 25,04% 1997 116 0,87% 1,96% 20,71% 1998 142 0,97% 2,21% 21,04% 1999 146 1,04% 2,35% 21,92% 2000 316 1,29% 3,08% 25,82% 2001 267 1,19% 2,90% 24,52% 2002 452 1,89% 4,53% 34% ? 2100 Ø 191 1,11% 2,51% 24,41% Quelle: Eigene Tabelle. SOEP 1992-2002. n = ungewichtete Werte. Die Tabelle 14 gibt einen Überblick zur Anzahl der Freien Berufe im SOEP sowie ihrem Anteil an der gesamten Stichprobe und dem Anteil an allen Erwerbstätigen und Selbständigen in den Stichproben über die einzelnen Wellen von 1992 bis 2002. Insgesamt sind die Fallzahlen der Freien Berufe über den Beobachtungszeitraum im SOEP, wie in der Tabelle 14 deutlich ablesbar, stark angewachsen. 152 Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) Um zu repräsentativen Ergebnissen und Aussagen zu gelangen, ist eine Hochrechnung mit der entsprechenden individuellen Gewichtung der Mikrodaten im SOEP erforderlich. Diese im SOEP bereits vorhandene Hochrechnung für die Freien Berufe führt im Aggregat zu Ergebnissen, die beispielsweise von den Ergebnissen des Mikrozensus abweichen, da die Gewichtung nicht explizit auf die Gruppe der Freien Berufe ausgerichtet ist (vgl. Merz und Lang 1997). In der Gesamtschau bietet das SOEP die umfassendsten Informationen und Auswertungsmöglichkeiten zu den Freien Berufen gegenüber alternativen Datenbasen und wurde daher für die Untersuchung ausgewählt (vgl. Kap. 2.4). Der folgende Abschnitt vertieft die Problematik korrekter Zuordnungen beruflicher Tätigkeiten über den Beobachtungshorizont in den Unterkategorien der Selbständigen und bietet einen geeigneten Lösungsansatz. 4.2 Berichtigung des SOEP-Datensatzes Grundsätzlich ist die retrospektive Berichtigung eines Datensatzes mit einem enormen Zeitaufwand verbunden und auch methodisch kaum zu vertreten, sofern nicht die Vorgehensweise und Methoden transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit eines qualitativ exzellenten Datensatzes für die Hypothesentests der Untersuchungsmodelle wird zunächst die Relevanz einer retrospektiven Berichtigung anhand bisheriger empirischer Ergebnisse mit dem SOEP eingehend überprüft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wechsel zwischen freiberuflichen und selbständigen Tätigkeiten über den Untersuchungszeitraum. Der Aufbau dieses Abschnitts spiegelt auch die Vorgehensweise des Autors wieder, welche von einer Anzahl nicht absehbarer Problemstellungen begleitet wurde. Zunächst werden die Problematik im SOEP-Datensatz und ihre Auswirkungen auf diese Studie vertieft. Dem schließt sich die Vorgehensweise zur Überprüfung des SOEP-Datensatzes an. Aus den Ergebnissen der Überprüfung werden Muster falschen Antwortverhaltens lokalisiert auf deren Grundlage letztlich Kriterien zur Berichtigung entwickelt werden. Zum Ende dieses Abschnitts wird über die Ergebnisse und Auswirkungen auf den SOEP-Datensatz berichtet sowie Hinweise auf die Ursachen der Fehleingaben und Vorschläge zur Verbesserung gemacht. Wie schon in der Einleitung berichtet, stellt der Abschnitt zur Berichtigung des SOEP-Datensatzes einen zentralen Bestandteil und genuinen Beitrag dieser Arbeit dar. 4.2.1 Problem der Wechsel innerhalb der Selbständigkeit Kritik an der vom SOEP vorgenommenen Unterteilung und Erfassung der Selbständigen in den Unterkategorien Landwirte, Freiberufler, sonstige Selbständige und mithelfende Familienangehörige, gibt es bereits seit Mitte der 90er Jahre. Die Kritikpunkte im Einzelnen beziehen sich auf die Einteilung und Struktur der

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.