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Peter Paic, Erfolgsindikatoren in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 115 - 120

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Theorien der Gründungsforschung 115 Bestätigt werden aus den Ergebnissen der vorliegenden Studien die Annahmen aus der Humankapitaltheorie für den Gründungserfolg. So werden Gründern mit einer höheren Humankapitalausstattung bessere Chancen auf einen Gründungserfolg unterstellt. Als positive Einflussgröße auf das Überleben einer Gründung zeigt sich u.a. eine langjährige Branchenerfahrung (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996). Wanzenböck (1998) kommt gar zu dem Schluss, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit in der Frühentwicklung des Unternehmens ausschließlich durch das personenbezogene Humankapital bestimmt wird. Bestätigt werden die Annahmen zum Gründungserfolg aus der Organisations- ökologie. In der Studie von Heil (1999) weisen derivative Gründungen einen höheren, aber weniger stark wachsenden, Ertrag als originäre Gründungen auf. Der Zenit der Unternehmensaufgaben ist nach drei Jahren erreicht (vgl. Wanzenböck 1998). Wie zur Gründungsaktivität gibt es auch für die Wahrscheinlichkeit des Gründungserfolges regional signifikante Einflussgrößen. So weisen die ostdeutschen Gründer gegenüber den westdeutschen Gründern einen negativen Effekt auf die Erfolgschancen einer Gründung auf (Heil 1997). Insgesamt finden die Freien Berufe als ein Teil der Selbständigengruppe bisher nur eine geringe Beachtung in den wissenschaftlichen Untersuchungen der Gründungsforschung. Empirische Studien zu diesem Themenbereich sind bisher die Ausnahme. Als eine Teilgruppe der Selbständigen werden die Freien Berufe in dem überwiegenden Teil der Untersuchungen nicht weiter differenziert. Meist werden die Selbständigen als homogene Gruppe verstanden (mit Ausnahme von Uhly (2002), welche die Selbständigen in Sub-Gruppen nach der Qualifikation der Tätigkeit und Selbständige als Arbeitgeber unterteilt). Explizit theoretisch und empirisch fundierte Untersuchungen zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe gibt es bis auf die Arbeiten von Simon (2002) und Merz und Paic (2003) nicht. D.h. für eine dementsprechende Analyse müssen auch Kriterien für den Gründungserfolg und der Gründungsaktivität auf die Situation der Freien Berufe übertragen und entwickelt werden. Dennoch zeigten sich aus den vorgestellten Untersuchungen erste Regelhaftigkeiten und Ergebnisse, welche sich auch auf das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragen lassen. Insbesondere die Ergebnisse zu den personenbezogenen Regelhaftigkeiten helfen die theoriegeleiteten Annahmen zum freiberuflichen Gründungsgeschehen zu ergänzen. Darüber hinaus zeichnet sich aus den Arbeiten von Simon (2002) sowie Merz und Paic (2003) ein erstes Bild freiberuflicher Charakteristika ab. 3.5 Erfolgsindikatoren Die Messung des Erfolges von freiberuflichen Gründungsaktivitäten und des Gründungserfolges wird in diesem Kapitel zu den Erfolgsindikatoren spezifi- 116 Theorien der Gründungsforschung ziert. Ist die Erfolgsmessung bei der freiberuflichen Gründungsaktivität relativ einfach zu bestimmen, stellt die Messung des Erfolges freiberuflicher Gründungen ein zentrales Erklärungsproblem innerhalb dieser empirischen Analyse dar (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 91; Schulte 2002, 169). Für die Messung des betrieblichen Erfolges kommt eine große Anzahl unterschiedlicher Kennziffern in Frage. Die Auswahl geeigneter Messkriterien wird unter Berücksichtigung in der Literatur aufgeworfener Fragen, in den folgenden beiden Kapiteln behandelt. Zunächst werden der Erfolgsindikator freiberuflicher Gründungen und anschließend die Indikatoren für den freiberuflichen Gründungserfolg diskutiert. Für die Bestimmung eines Erfolgsmaßes der Gründungsaktivität ist der Gründungszeitpunkt von zentraler Bedeutung. Nach dem Phasenschema von Szyperski und Nathusius (1977, 33) setzt sich die Gründungsaktivität aus fünf Phasen zusammen. Die Gründung beginnt mit der Planung von Zielen, der Entwicklung von Alternativen, der Durchführbarkeitsstudie, dem Ausführungsplan und dem laufenden Geschäftsbetrieb. Dieses Phasenschema bildet identisch die Annahmen einer freiberuflichen Gründung ab und kann daher für die Untersuchung übernommen werden. Die Gründungsaktivität selbst hat stattgefunden mit dem Erreichen der fünften Phase aus dem Phasenschema, d.h. mit der Aufnahme des laufenden freiberuflichen Geschäftsbetriebes. Zur Messung des Zeitpunktes der freiberuflichen Geschäftsaufnahme können die im SOEP-Panel verfügbaren Daten, sowie die im FFB-Onlinefragebogen erhobenen Daten, jeweils zum Gründungsjahr verwendet werden. Für die Erfassung einer freiberuflichen Gründungsaktivität bietet sich eine dichotom konstruierte Variable mit den Ausprägungen „stattfinden einer freiberuflichen Gründungsaktivität“ und „keine freiberufliche Gründungsaktivität“ an. Mit dieser dichotom konstruierten abhängigen Variablen kann eine freiberufliche Geschäftsaufnahme erfasst werden und die Gründer gezielt auf ihre personenzentrierten Einflussgrößen im Jahr vor der freiberuflichen Gründung untersucht werden. Die Gründungsaktivität an sich ist der denkbar einfachste Erfolgsindikator. Zukünftige Perspektiven der freiberuflichen Gründung bleiben dabei außen vor. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Person des Gründers und die Frage: „Welche personenbezogenen Charakteristika und Merkmale kennzeichnen eine freiberufliche Gründung?“. Zur Bestimmung des freiberuflichen Gründungserfolges bedarf es definierter Kriterien zur Messung erfolgreicher und erfolgloser Gründungen. Im Gegensatz zur Gründungsaktivität steht hierbei die Entwicklung der freiberuflichen Tätigkeit nach der Gründung im Mittelpunkt. Allerdings lassen sich aus der bisherigen Literatur zur Gründungsforschung keine idealtypischen oder standardisierten Untersuchungszeiträume entnehmen, in denen die Gründung das Stadium der Frühentwicklung verlassen hat und als etabliert gilt. Vielmehr haben sich in Theorien der Gründungsforschung 117 der Praxis Untersuchungszeiträume zwischen drei und acht Jahren durchgesetzt, wobei längere Untersuchungszeiträume wünschenswert sind (vgl. Schulte 2004, 205). Insgesamt findet sich in der Literatur eine Vielzahl einzelner Kriterien für die Messung des Erfolges einer Unternehmung. Bekannte Größen sind u.a. der Gewinn, Umsatz oder die Anzahl der Mitarbeiter (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 60). Es empfiehlt sich daher im Rahmen dieser Untersuchung auf Messkonzepte der Frühentwicklung von Unternehmen für die freiberufliche Entwicklung zurückzugreifen. Eine Übersicht von Messkonzepten in der Frühentwicklung gibt Schulte (2004, 219). Für das freiberufliche Gründungsumfeld von besonderem Interesse sind daraus die Typen der Verbleibsmaße, der Jahresabschlussmaße sowie der Beschäftigungsmaße und ihrer Messkonzepte. Hinter dem Typus der Verbleibsmaße steht die Messkonzeption des Fortbestandes oder der Überlebensdauer eines Unternehmens im Sinne der Vermeidung eines Insolvenzverfahrens (vgl. Schulte 2003, 16). Die Überlebensdauer als Verbleibsmaß eines Unternehmens nach seiner Gründung ist die in der Literatur am häufigsten verwendete Erfolgsmessung für den Gründungserfolg einer Unternehmung (vgl. Klandt 1984, 97; Brüderl, Preisendörfer, Ziegler 1996, 91). Der Erfolg wird dabei anhand des Überlebens über eine bestimmte Periode, meist drei bis fünf Jahre, gemessen und als dichotomes Ereignis modelliert. Existiert das beobachtete Unternehmen über eine zuvor festgelegte Periode nach seiner Gründung noch, ist es demzufolge eine erfolgreiche Gründung. Scheidet das betreffende Unternehmen innerhalb der Periode aus, war es eine erfolglose Gründung. Eine solche Interpretation der Überlebensdauer ist allerdings mit Fehlern behaftet. So kann das Nichtüberstehen der Periode nicht mit einer Insolvenz oder unzureichender wirtschaftlicher Verhältnisse gleichgesetzt werden, da das Unternehmen auch verkauft sein könnte. Andererseits ist das Überleben der Periode nicht zwingend mit einer guten wirtschaftlichen Entwicklung verbunden. Möglich wäre auch eine schlechte wirtschaftliche Entwicklung, wobei das Unternehmen durch Einlagen des Gründers über die Periode aufrechterhalten wird (vgl. Eckhard 2002, 9). Letztlich ist allerdings davon auszugehen, dass ein Unternehmen in guter Verfassung wohl selten verkauft wird und ebenso ein Unternehmen mit anhaltender Verlustsituation wohl kaum lange weiterbesteht wird (vgl. Müller-Böling und Klandt 1993, 154; Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 92). Die Bestandsmessung kann auch unproblematisch als Messkriterium für den freiberuflichen Gründungserfolg herangezogen werden. Demnach gehen wir von einer erfolgreichen freiberuflichen Gründung nach einer Periode von drei Jahren aus und von einer erfolglosen freiberuflichen Gründung bei einem Nichtüberleben der dreijährigen Periode. Eine geeignete Datengrundlage für das Messkonzept der Überlebensdauer ist das Sozio-ökonomische Panel. Das SOEP als eine zentrale Datenquelle dieser Untersuchung stellt einen gesamtdeutschen Untersuchungshorizont über 11 Wellen (Jahre) bereit und bietet damit einen geeigneten 118 Theorien der Gründungsforschung langanhaltenden Zeitraum für die Abbildung der freiberuflichen Gründungen in ihrer Frühentwicklung. Neben der Überlebensdauer freiberuflicher Gründungen erscheinen insbesondere zwei weitere Indikatoren für eine Erfolgsmessung in dieser Untersuchung relevant. Dies sind zum einen die Jahresabschlussmaße und zum anderen die Beschäftigungsmaße. Messkonzept der Beschäftigungsmaße ist die Ermittlung der Beschäftigtenzahl oder die Ermittlung derer Teilmengen (vgl. Schulte 2003, 16). So wird den kleinbetrieblichen Gründungen bei einer ansteigenden Beschäftigtenzahl ein gewisser Erfolg unterstellt. Ein Anstieg der Beschäftigtenzahl gibt zwar keine direkte Auskunft über die betriebswirtschaftliche Situation der Unternehmung, dennoch kann davon ausgegangen werden, dass ein Betrieb die Anzahl der Mitarbeiter nur dann erhöhen wird, wenn die Geschäftslage dies erfordert und er sich damit auch am Markt etabliert hat. Diese Annahme kann auch auf die Freien Berufe übertragen werden. Ein Freiberufler wird in der Regel nur dann Mitarbeiter einstellen, wenn die finanzielle Lage und die perspektivische Aussicht des Geschäftserfolges günstig sind. Da das SOEP lediglich eine grobe Betriebsgrößenstruktur bereitstellt, müsste die Erfolgsmessung dichotom zwischen „Mitarbeiter eingestellt“ und „keine Mitarbeiter eingestellt“ bemessen werden. Denkbar wäre auch eine ordinalskalierte Differenzierung zwischen „keine Mitarbeiter eingestellt“, „ein bis fünf Mitarbeiter eingestellt“, „fünf bis 20 Mitarbeiter eingestellt“ und „über 20 Mitarbeiter eingestellt“. Letztlich zeigt sich aus den bisherigen Untersuchungen ein Anstieg der Mitarbeiterzahl bei den Gründungen als ein relativ verlässlicher und valider Indikator des Erfolges. Allerdings bietet das SOEP als Datenbasis lediglich eine ordinale Einteilung von Beschäftigungsgrößen. Die FFB-Onlineumfrage bietet als primär erhobener Querschnittsdatensatz metrische Informationen zur freiberuflichen Mitarbeiterzahl an. Gegen eine ansteigende Beschäftigtenzahl als Messkriterium des freiberuflichen Gründererfolges sprechen die besonderen freiberuflichen Charakteristika. Eines deren zentraler Merkmale ist die Erbringung persönlicher geistiger Leistungen (vgl. Kap. 2.1), wozu auch im Erfolgsfalle nicht zwangsläufig Mitarbeiter notwendig sind. So beschäftigt eine Vielzahl von Freiberuflern in der Bundesrepublik Deutschland keine weiteren sozialversicherten Mitarbeiter. Eine ansteigende Beschäftigtenzahl als Erfolgskriterium käme daher bei den freiberuflichen Gründungen zu sehr undifferenzierten Ergebnissen, da sie den Erfolg der Alleintätigen Freiberufler nicht erfassen kann. Der Typus der Jahresabschlussmaße und der darauf aufbauenden Kennzahlen basiert auf dem Messkonzept zur Ermittlung der Bilanzsumme, Gewinn, Umsatz u.a. (vgl. Schulte 2003, 16). In der Literatur weit verbreitet ist das Erfolgsmaß der Umsatzentwicklung. Dabei ist dieses Maß für den Erfolg einer Gründung aus betriebswirtschaftlicher Sichtweise zunächst fragwürdig, da mit ihm keine direkten Rückschlüsse auf den Erfolg gezogen werden können. So sind Kennziffern wie der Gewinn, Cash Flow oder das Erreichen des Break-Even Points zwar wesentlich aussagekräftiger, aber in ihrer Vielzahl kaum zu erheben. Hinzu Theorien der Gründungsforschung 119 kommen die unterschiedlichen Buchführungsarten wie Einnahme-Überschussrechnung und die Bilanzführung. Dies hat zur Folge, dass auf nicht einheitliche Kennziffern zurückgegriffen werden kann und lediglich die Umsatzangaben harmonieren. Da die Freien Berufe lediglich zu einer Einnahme-Überschuss Rechnung verpflichtet sind (vgl. Kap. 2.3) kommt ein Großteil der in der Literatur benannten Messgrößen für die Freien Berufe nicht in Frage. Eine einheitliche Messgröße für alle Freiberufler ist das jährliche Bruttoeinkommen aus freiberuflicher Tätigkeit. Dabei ist plausibel anzunehmen, dass die Entwicklung des Einkommens auch den Erfolg der freiberuflichen Gründung widerspiegelt. Demnach wären freiberufliche Gründer mit einem höheren Einkommen erfolgreicher als freiberufliche Gründer mit einem niedrigeren Einkommen. Als Modell bietet sich ein Test der Determinanten für die Wahrscheinlichkeit eines höheren Einkommens der freiberuflichen Gründer an. Allerdings ist das persönliche Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit als geeignetes Messkriterium, insbesondere in der Entwicklungsphase, auch Einschränkungen unterlegen. So kann der Freiberufler in der Frühentwicklung auf einen Teil seines Einkommens zugunsten von Zukunftsinvestitionen verzichten. Dies würde die Validität des Einkommens als Messkriterium einschränken. Dieser Einwand trägt für die dienstleistungsgeprägten Freien Berufe weniger stark als für die kapitalintensiven Gründungen aus dem Umfeld der Unternehmer. Die Einkommensentwicklung bietet sich daher als ein realitätsnaher Indikator für den Erfolg freiberuflicher Entwicklungen an. In der Gesamtschau eignen sich für die vorliegenden Fragestellungen insbesondere die Messkriterien des Überlebens und des Einkommens für die Untersuchung des freiberuflichen Gründungserfolges. Zwar weisen auch die Maße des Überlebens und des Einkommens Einschränkungen auf, doch erscheinen diese Einschränkungen vor dem Hintergrund eines generell fehlenden allgemeingültigen Messkriteriums vertretbar. Um das breite Spektrum des freiberuflichen Gründungsgeschehens zu erfassen, sofern dies überhaupt im Rahmen dieser Untersuchung möglich ist, soll eine mehrstufige Konzeption zur Modellbildung angewendet werden. Die Phase vor der Gründung wird durch die Analyse der Gründungsaktivität abgedeckt. Erfolgskriterium ist hier das stattfinden einer freiberuflichen Gründung selbst. Das Modell zum Gründungserfolg gliedert sich in zwei weitere Modelle. Zum einen soll der Erfolg in der Frühphase der Gründung untersucht werden. Erfolgsmaßstab ist hier das dreijährige Überleben einer freiberuflichen Gründung. Zum anderen sollen die freiberuflichen Gründer über einen längeren Lebenszyklus beobachtet werden. Als Erfolgskriterium soll dabei das Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit dienen. Für das erste Untersuchungsmodell eignet sich als Messkriterium zur freiberuflichen Gründungsaktivität die einfache Geschäftsaufnahme der Gründerperson. Erfolgsindikator in diesem Modell ist die dichotom gestaltete endogene Variable 120 Theorien der Gründungsforschung mit den Merkmalsausprägungen „Stattfinden einer freiberuflichen Gründungsaktivität“ und „keine freiberufliche Gründungsaktivität“. Die freiberuflichen Gründer werden über diesen Erfolgsindikator im Jahr vor ihrer Gründungen auf den Einfluss ihrer personenbezogen Determinanten auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung auf der Datengrundlage des SOEP getestet. Im zweiten Untersuchungsmodell zum freiberuflichen Gründungserfolg wird auf der Datengrundlage des SOEP die Überlebensdauer der freiberuflichen Gründer als Erfolgsindikator genutzt. Vor dem Hintergrund eines fehlenden einheitlichen Kriteriums für den idealen Zeitraum eines Verbleibemaßes, soll die Überlebensdauer der freiberuflichen Gründungen über drei Jahre gemessen werden. Die beiden endogenen Variablen bilden das Messkriterium der Überlebensdauer dichotom mit den Merkmalsausprägungen „Überlebt“ und „nicht Überlebt“ über die beiden Perioden von drei Jahren ab. Mit diesen Modellen soll der Einfluss der Determinanten auf die Überlebenswahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung getestet werden. Beim dritten Untersuchungsmodell finden die Erfolgsindikatoren des freiberuflichen Einkommens Anwendung. Auf Datengrundlage der FFB-Onlineumfrage wird das freiberufliche Einkommen als Erfolgsindikator verwendet. Mittels einer den Daten angepassten ordinalskalierten endogenen Variable mit den Merkmalsausprägungen „niedrige Einkommen“, „mittlere Einkommen“ und „hohe Einkommen“ wird der Einfluss der Determinanten auf die Wahrscheinlichkeit eines höheren Einkommens getestet. Mit dem Querschnittsdatensatz der FFB-Onlineumfrage stehen zudem primär zu den Freien Berufen erhobene Daten des betrieblichen Umfeldes sowie zum Gründungszeitpunkt der Freien Berufe zur Verfügung. Die drei Untersuchungsmodelle ermöglichen einen weit reichenden Einblick über die verschiedenen Lebensphasen der freiberuflichen Gründungen. Diese reichen vom Vorfeld der Startphase bis ins höhere Alter und geben Auskunft zu den Einflussgrößen des freiberuflichen Gründungserfolges. 3.6 Hypothesenbildungen Im Vorfeld der empirisch-ökonometrischen Untersuchung werden Hypothesen über die Richtung der einzelnen personen- und betriebsbezogenen Einflussgrö- ßen gebildet. Aufbauend auf den gründungstheoretischen und empirischen Erkenntnissen der vorangegangenen Abschnitte werden nun einzelne Erklärungsansätze spezifisch auf die freiberufliche Gründungsaktivität und den freiberuflichen Gründungserfolg angewandt. Die Bildung der Hypothesen orientiert sich an den Untersuchungsmodellen zur Gründungsaktivität sowie den beiden Modellen des Gründungserfolges. Im Modell zur Gründungsaktivität werden Hypothesen zum Einfluss einzelner Determinanten auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung gebildet.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.