Content

Peter Paic, Übersicht aktueller Studien in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 99 - 112

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
Theorien der Gründungsforschung 99 dungsforschung für das freiberufliche Gründungsgeschehen überprüften und ausgewählten Theorieansätze nicht abschließender Natur. Sie stellen vielmehr einen ersten Schritt zur Übertragung empirisch erfolgreich getesteter Theorieansätze auf das Gründungsgeschehen der Freien Berufe dar. Vor der Ableitung konkreter Hypothesen aus den einzelnen theoriegeleiteten Modellen werden die Ergebnisse aktueller empirischer Untersuchungen zum Gründungsgeschehen skizziert. Gewonnene Erkenntnisse und Regelhaftigkeiten zum Gründungsgeschehen aus den bisherigen empirischen Arbeiten sollen, sofern sie sich auf die Freien Berufe übertragen lassen, in die vorliegende Untersuchung einfließen. 3.4 Aktuelle empirische Untersuchungen Behandelte das vorhergehende Kapitel die Aspekte eines theoriegeleiteten Fundaments für die freiberufliche Gründungsforschung, stehen nun Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen zum Gründungserfolg und der Gründungsaktivität im Vordergrund. In diesem Kapitel wird ein Überblick zu neun ausgewählten Studien aus den Jahren 1993 bis 2003 gegeben. Zur Auswahl gelangten Studien, welche sich gezielt mit der Thematik der Gründungsaktivität und/oder mit dem Gründungserfolg von Selbständigen und freiberuflichen Gründern auseinandersetzen. Ebenso mussten die Studien empirisch gestützt sein und auf multivariate statistische Auswertungsverfahren zurückgreifen. Die Betrachtung und Bewertung der vorgestellten Forschungsarbeiten soll dem Ziel dienen, die beiden Untersuchungsmodelle zur freiberuflichen Gründungsaktivität und dem freiberuflichen Gründungserfolg um empirisch belegte Erkenntnisse und Regelhaftigkeiten aus der Gründungsforschung zu erweitern. Da die Freien Berufe in ihrer Gesamtheit bisher eher selten Gegenstand der Forschung waren, werden in erster Linie Studien vorgestellt, die sich dem Gründungsverhalten der Selbständigen widmen. Die Erkenntnisse dieser Studien sollen auf ihre Plausibilität und mögliche Übertragung ins freiberufliche Gründungsumfeld diskutiert werden. Darüber hinaus werden zwei Studien vorgestellt die sich explizit mit dem Gründungsverhalten der Freiberufler beschäftigen. Zuerst werden die Ergebnisse aus sieben Studien zum Gründungsverhalten der Selbständigen zusammenfassend skizziert und auf eine Übertragung ihrer Erkenntnisse auf die Freien Berufe überprüft. Dies sind die Studien und Ergebnisse von Fritsch (1994), Pfeiffer (1994), Brüderl, Preisendörfer, Ziegler (1996), Heil (1997, 1999), Wanzenböck (1998) und Uhly (2000). Darüber hinaus werden zwei Studien aus dem freiberuflichen Gründungsumfeld von Simon (2002) sowie Merz und Paic (2003) vorgestellt. Die einzelnen ausgewählten Studien werden chronologisch nach ihrer Veröffentlichung aufgeführt. Der Abschnitt endet mit einem Überblick zum Stand der empirisch und methodisch fundierten Arbeiten aus der Gründungsforschung und schließt ab mit einem Fazit zur Übertragung bisheriger Erkenntnisse und Regelhaftigkeiten auf das Umfeld der freiberuflichen Gründungsaktivität und des Gründungserfolges. 100 Theorien der Gründungsforschung 3.4.1 Übersicht aktueller Studien Fritsch 1994 Fritsch bezieht sich in seinen Untersuchungen zum Gründungsgeschehen in Westdeutschland auf Daten der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit im Zeitraum von 1986 bis 1989. Dabei betrachtet er u.a. die Betriebsgrö- ßenstruktur, d.h. die Anzahl der Beschäftigten zum Gründungszeitpunkt und das Humankapital der Gründer (Fritsch 1994). Als Neugründungen werden Betriebe definiert, die erstmalig in der Beschäftigtenstatistik erscheinen, auch im darauffolgenden Jahr enthalten sind und im zweiten Jahr weniger als 50 Beschäftigte aufweisen. In den Auswertungen der Studie erweist sich die Betriebsgrößenstruktur der gegründeten Unternehmen als außerordentlich klein. Deutlich mehr als 80 Prozent der Gründungen haben weniger als 10 Beschäftigte und gut 90 Prozent haben weniger als 50 Beschäftigte. Die Untersuchung der Korrelation zwischen Gründungsrate und regionaler Betriebsgrößen bestätigt, dass vermehrt Kleinbetriebe durch Existenzgründungen entstehen. Die positive Korrelation zwischen Gründungsrate und Anteil der Beschäftigten in Kleinbetrieben ist für die untersten Größenklassen am stärksten ausgeprägt. Dabei nehmen die Werte der Korrelationskoeffizienten mit steigender Betriebsgröße ab. Mit Zunahme der Beschäftigtenzahl bedeutet dies, dass die Häufigkeit der Gründungen abnimmt. Ausgenommen dem verarbeitenden Gewerbe, hier liegt eine negative Korrelation vor. Es konnte eine sehr hohe positive Korrelation zwischen Betrieben mit weniger als fünf Beschäftigten und der Wahrscheinlichkeit einer Existenzgründung festgestellt werden (Fritsch 1994, 25). Weiter untersucht Fritsch die Betriebsgrößenstruktur und die Qualifikation der Gründer (Humankapital) anhand einer Regressionsanalyse zur Erklärung der regionalen Gründungsrate. Angegeben sind Beta-Koeffizienten, welche sich als Maße für die relative Bedeutung der verschiedenen Einflüsse interpretieren lassen. Da sich die Daten auf die vorher durchgeführte Korrelation stützen, ist ein ähnlicher Trend bei der Regressionsanalyse für die Betriebsgrößenstruktur zu erkennen. So scheint für die Gründungsaktivitäten im Dienstleistungsbereich der Anteil der Arbeitnehmer in Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten relevant zu sein. Für Gründungen im verarbeitenden Gewerbe der Anteil der Arbeitnehmer unter 200 Beschäftigten. Für alle Sektoren ergibt sich der stärkste Zusammenhang mit der Gründungsrate für den Anteil der Arbeitnehmer in Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten. Förderlich für Gründungen ist offenbar ein hohes regionales Qualifikationsniveau. So werden die Gründungsaktivitäten im Dienstleistungsbereich vom Anteil qualifizierter Angestellter positiv beeinflusst. Dies ließe sich dahingehend interpretieren, dass sich die Gründer aus Dienstleistungsbetrieben insbesondere aus diesen Qualifikationsgruppen rekrutieren. Bei den Gründungsaktivitäten im verarbeitenden Gewerbe ist hingegen ein Theorien der Gründungsforschung 101 deutlicher positiver Zusammenhang mit den Meistern und Polieren zu verzeichnen (Fritsch 1994, 29 ff). In der Gesamtschau kommt Fritsch zu dem Ergebnis, dass ein höheres Qualifikationsniveau und die Betriebsgrößenstruktur von Kleinbetrieben einen positiven Einfluss auf eine Unternehmensgründung haben. Dabei gilt, je kleiner die Betriebsgröße, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Gründung aus dem Betrieb heraus. Aus der Untersuchung von Fritsch sind drei zentrale Ergebnisse für das freiberufliche Gründungsgeschehen interessant. Zum einen ist der Grossteil der Existenzgründungen, mit Ausnahme des verarbeitenden Gewerbes, sehr klein. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit den Annahmen zur Betriebsgrößenstruktur der freiberuflichen Gründungen. Ferner werden die Gründungen im Dienstleistungsbereich, welcher dem Bereich der Freien Berufe am nächsten kommt, vom Anteil der qualifizierten Angestellten positiv beeinflusst. Das die Wahrscheinlichkeit eines Gründungserfolges ansteigt, je höher die Bildung des Gründers und je kleiner die Betriebsgröße ist, lässt sich grundsätzlich auch auf die Freien Berufe übertragen. Demnach gründen vornehmlich Personen, die zuvor in Kleinbetrieben tätig waren und über ein hohes Qualifikationsniveau verfügen. Diese These lässt sich auch plausibel auf das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragen. Pfeiffer 1994 Pfeiffer untersuchte in seinen Studien zur Selbständigkeit und abhängigen Erwerbstätigkeit u.a. die sozioökonomischen Determinanten der Altersverteilung, Arbeitszeit und der subjektiven Zufriedenheit auf der Datengrundlage des Sozio- ökonomischen Panels (SOEP). Die dem SOEP zugrundeliegende Stichprobenselektion bezieht sich auf Personen die mindestens einmal zwischen 1984 und 1989 erfolgreich befragt worden sind. Dies sind Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit, welche 1984 mindestens 25 Jahre und 1989 nicht älter als 65 Jahre waren. In den Ergebnissen der Untersuchung kommt Pfeiffer u.a. zu der Schlussfolgerung, dass eine Gründungsaktivität selten zu Beginn des Berufslebens erfolgt, sondern eher von den älteren abhängig Erwerbstätigen durchgeführt wird. Für die Selbständigen werden im Vergleich zu den Arbeitnehmern im Durchschnitt wesentlich höhere Arbeitszeiten festgestellt. Trotz der unterschiedlichen Arbeitszeiten gab es keine Unterschiede in der subjektiv geäußerten Arbeitszufriedenheit in den beiden Erwerbsgruppen (Pfeiffer 1994, 24 ff.). Aus den Humankapitalvariablen bestimmt Pfeiffer u.a. die Berufserfahrung und Schulbildung für Westdeutschland im Jahr 1984. Die Ergebnisse zeigen, dass Selbständige im Durchschnitt eine etwa drei Jahre längere Berufserfahrung als Arbeitnehmer aufweisen. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass eine höhere 102 Theorien der Gründungsforschung Allgemeinbildung den Zugang zu rechtlichen und organisatorischen Aspekten einer Existenzgründung vereinfachen kann. So haben die Selbständigen in den Stichproben durchschnittlich eine höhere Schulausbildung als die Arbeitnehmer. Allerdings besteht im Gegensatz dazu die Möglichkeit, mit einer geringen Berufserfahrung und Schulbildung den Weg zur Selbständigkeit zu wählen, da die eigene Qualifikation für die Tätigkeiten im öffentlichen Dienst oder im Management nicht ausreicht (Pfeiffer 1994, 126 ff.). Die Anteile der Berufsausbildungsabschlüsse variiert in den Erwerbsgruppen erheblich. So verfügen mehr Selbständige über einen Universitätsabschluss oder einen Fachhochschulabschluss als Arbeitnehmer. Insgesamt besitzen 44,5 Prozent der Selbständigen einen Hochschulabschluss. Bestimmend ist dabei die Gruppe der Freien Berufe. Innerhalb der Freiberufler verfügen gerade einmal ein Prozent über keinen Berufsabschluss (Pfeiffer 1994, 142). Des Weiteren untersucht Pfeiffer die Wahrscheinlichkeit einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Dazu überprüft er u.a. den Einfluss von Berufserfahrung und Schulbildung auf die Wahrscheinlichkeit einer Existenzgründung. Dabei verwendet Pfeiffer zur Festlegung der Determinanten der Auswahlwahrscheinlichkeit den Likelihood-Ansatz. Durch einen zweiseitigen t-Test wird die Signifikanz der Determinanten, wie z.B. Berufserfahrung und Schulbildung, gewährleistet. Für das Ergebnis von 1984 zeigt sich, dass Erwerbstätige mit einem höheren Humankapital auch mit höherer Wahrscheinlichkeit selbständig werden. Die Wahrscheinlichkeit einer selbständigen Erwerbstätigkeit erhöht sich mit einem zusätzlichen Schuljahr in der Gruppe der Erwerbstätigen, die maximal einen Realabschluss besitzen (Pfeiffer 1994, 154 ff.). Pfeiffer konnte eine positive Korrelation von Humankapital und Selbständigkeit nachweisen. Fasst man die Ergebnisse Pfeiffers zusammen, nimmt innerhalb des Beobachtungszeitraumes das Alter der Selbständigkeit zu. Trotz längerer Arbeitszeit bei den Selbständigen im Vergleich zu den Arbeitnehmern konnte kein Unterschied in der Arbeitszufriedenheit festgestellt werden. Selbständige weisen eine längere Schulbildung und Berufserfahrung als Arbeitnehmer auf. Am häufigsten sind bei den Existenzgründern hinsichtlich eines Hochschul- und Berufsabschlusses die Freien Berufe vertreten. Die Wahrscheinlichkeit einer selbständigen Erwerbstätigkeit erhöht sich, wenn eine langjährige Berufserfahrung und Schulbildung vorliegt. Pfeiffer belegt mit seiner Untersuchung die Annahme einer hohen Humankapitalausstattung der Freien Berufe aufgrund ihrer spezifischen beruflichen Charakteristika. Darüber hinaus bestätigt er die Annahmen aus der Humankapitaltheorie in ihren Selektionseffekten indem er nachweist, dass eine höhere Allgemeinbildung eine Gründung erleichtert und die Wahrscheinlichkeit der Gründungsaktivität mit einer höheren Humankapitalausstattung ansteigt. Letztere Annahmen lassen sich auch theoretisch geleitet durch die Humankapitaltheorie auf das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragen. Letztlich kommt Pfeiffer zu zwei Theorien der Gründungsforschung 103 weiteren, auch für die Freien Berufe interessanten Ergebnissen. Zum einen finden die Gründungen nicht zu Beginn des Berufslebens statt, sondern in einem höheren Alter und zum anderen gab es keine Unterschiede zwischen den Selbständigen und den Arbeitnehmern in der subjektiv geäußerten Arbeitszufriedenheit. Überträgt man beide Ergebnisse auf die Freien Berufe, dann finden auch freiberufliche Gründungen nicht zu Beginn des Berufslebens sondern in einem höheren Alter nach vorheriger Erwerbstätigkeit statt. Die subjektive Arbeitszufriedenheit wiederum eignet sich nach den Untersuchungsergebnissen Pfeiffers nicht als Erklärungsmoment einer Gründung. Brüderl, Preisendörfer, Ziegler 1996 Brüderl, Preisendörfer und Ziegler beschreiben die Erfolgsaussichten neugegründeter Betriebe im Rahmen der Münchener Gründerstudie. Grundlage ihrer Studie ist eine gezogene Stichprobe aus der Grundgesamtheit aller Gewerbeanmeldungen der Jahre 1985 und 1986 der Industrie- und Handelskammern München und Oberbayern. Retrospektiv wurden die ausgewählten Unternehmensgründer im Frühjahr 1990 mündlich nach dem Verlauf ihrer Existenzgründung befragt. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler untersuchen u.a. die Determinanten Alter, Schulausbildung, Branchenerfahrung sowie die Anzahl der Beschäftigten. Aus der Analyse des Datensatzes ergibt sich für Oberbayern ein Durchschnittsalter der erwerbstätigen Bevölkerung von 40 Jahren, bei den abhängigen Beschäftigten von 39 Jahren und bei den Selbständigen von 43 Jahren. Mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren sind Oberbayerns Existenzgründer zum Zeitpunkt der Gründung deutlich jünger als ihre Pedanten im Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zu allen Erwerbstätigen konzentrieren sich die Gründer stärker auf die Altersgruppen bis 40 Jahre. So sind 14 Prozent der Gründer jünger als 25 Jahre, 53 Prozent gründen im Alter von 25 bis 39 Jahren, 28 Prozent sind zwischen 40 und 54 Jahre alt und fünf Prozent sind älter (Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 83 f.). Hinsichtlich der Schulbildung und der beruflichen Ausbildungsabschlüsse verfügen über 36 Prozent der oberbayrischen Existenzgründer über die Fachhochschulreife oder das Abitur. Existenzgründer mit einem beruflichen Ausbildungsabschluss absolvieren mit 23 Prozent überdurchschnittlich häufig ein Fach- und Hochschulstudium. Dazu stehen im Gegensatz die abhängig Beschäftigten mit einem Anteil von 14 Prozent bei den Fach- und Hochschulabschlüssen. Im Vergleich zu allen Erwerbstätigen in Oberbayern haben Existenzgründer häufiger einen Berufsfachabschluss oder einen Meistertitel. Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass die Existenzgründer bei den allgemeinen Humankapitalfaktoren der schulischen und beruflichen Bildung deutlich über dem Durchschnitt der erwerbstätigen Bevölkerung liegen (Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 85 f.). 104 Theorien der Gründungsforschung Im Rahmen der Münchener Gründerstudie zeigt sich, dass Kleinbetriebe nicht die dominierende Betriebsgröße bei den zukünftigen Existenzgründern darstellen. So machten sich mit 34 Prozent bzw. 29 Prozent in erster Linie Erwerbstätige aus Betrieben mit mehr als 10 bzw. mehr als 50 Beschäftigten selbständig (Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 88). Ferner untersuchten die Autoren die Überlebenswahrscheinlichkeit, die Beschäftigtenentwicklung und die Wiederholungsabsicht der Existenzgründer. Die Wiederholungsabsicht wird als ein Maßstab für die Zufriedenheit der Existenzgründer mit ihrer Selbständigkeit gewertet. Dabei bejahten 57 Prozent der Gründer die Frage nach einer Wiederholung der jetzigen Existenzgründung. Festgestellt wurde eine Korrelation zwischen der Überlebenswahrscheinlichkeit, der Beschäftigungsentwicklung und der Wiederholungsabsicht bei Existenzgründern. Dabei wurde eine gegenseitige positive Beeinflussung gemessen. Festgehalten werden kann, dass eine langjährige Branchenerfahrung das Fortbestehen und die Beschäftigungsentwicklung eines Unternehmens positiv beeinflusst. Schulbildung und Berufserfahrung wirken sich, bezüglich des Fortbestandes des Unternehmens, zum Vorteil der Gründer aus. Die Humankapitalfaktoren Branchenerfahrung bzw. Bildung können uneingeschränkt bzw. eingeschränkt als Erfolgsdeterminanten für Unternehmen gewertet werden. Dem entgegengesetzt sinkt die Beschäftigungsentwicklung mit steigender Berufserfahrung. Nach der Untersuchung besteht im verarbeitenden Gewerbe die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit für Existenzgründungen im Vergleich zu den anderen betrachteten Gründungsbranchen (Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 237). Die Ergebnisse der Münchener Gründerstudie belegen die theoretischen Annahmen aus der Humankapitaltheorie. Demnach können die Branchenerfahrung und die Bildung als Erfolgsdeterminanten für Unternehmen gewertet werden. Übertragen auf den freiberuflichen Gründungserfolg heißt dies, eine größere Branchenerfahrung und höhere Allgemeinbildung erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines freiberuflichen Gründungserfolges. Ebenfalls festgestellt wurde, dass die Gründer eher aus größeren Betriebseinheiten stammen und dass es eine positive gegenseitige Korrelation zwischen der Überlebenswahrscheinlichkeit, Beschäftigungsentwicklung und Wiederholungsabsicht gibt. Diese Ergebnisse eignen sich ebenfalls für eine Übertragung auf das freiberufliche Gründungsgeschehen. Heil 1997 Heil untersucht Unternehmungen die im Jahr 1992 gegründet wurden, anhand der Indikatoren Umsatz, Beschäftigung, Umsatzproduktivität und Investitionen. Die Unternehmen werden in den Jahren 1992 bis 1995 betrachtet und hinsichtlich dem Geschlecht, der Branche und der Region (alte und neue Bundesländer) differenziert. Für eine echte Längsschnittuntersuchung werden neben einer ein- Theorien der Gründungsforschung 105 maligen Befragung die Daten der DtA- Panelerhebungen herangezogen (Heil 1997, 3). Betrachtet man das Umsatzwachstum zeigt sich, bei den beiden Geschlechtern sowie in den verschiedenen Branchen, eine ähnlich kontinuierliche Entwicklung bis zur Verdoppelung nach vier Jahren, jedoch auf unterschiedlichem Niveau. Gleichzeitig findet ein kontinuierliches Beschäftigungswachstum von durchschnittlich sechs auf 9,2 Mitarbeiter mit deutlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern und Branchen statt. Dabei konnte man feststellen, dass 80 Prozent aller Neugründungen in der Anfangsphase neue Mitarbeiter einstellen. Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsdynamik zeigt sich als gutes Maß die Umsatzproduktivität (Umsatz pro Mitarbeiter). Es konnte zwar eine gewisse Konstanz dieses Indikators festgestellt werden, aber dennoch sind gravierende Unterschiede in den jeweiligen Branchen und Regionen (insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland) zu finden. Im Jahresdurchschnitt 1995 werden 171 TDM investiert, dabei sind vor allem die Größe der Unternehmungen (gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl) und die Branche wesentlich. Als problematisch in Bezug auf die Investitionstätigkeit gelten jedoch die Beschaffung von Kapital, die zurückhaltende Vergabe von Krediten bzw. Schwierigkeiten mit dem Absatz. Bemerkenswert erscheinen die Kontinuität und die Gleichmäßigkeit des Wachstums, die über alle Kriterien und alle Differenzierungen hinweg auftreten und häufig sogar linearen Charakter haben (Heil 1997, 30 ff). Aus den empirischen Ergebnissen von Heil sind für das freiberufliche Gründungsgeschehen die unterschiedlichen Verläufe des Umsatzwachstums je nach Geschlecht, die Verdoppelung des Umsatzes nach vier Jahren sowie das kontinuierliche Beschäftigungswachstum interessant. Grundsätzlich kann auch bei den Freien Berufen von geschlechtsspezifischen Unterschieden im Einkommen und regionalen Unterschieden zwischen West- und Ostdeutschland ausgegangen werden. Die Verdoppelung des Umsatzes nach vier Jahren kann als ein erstes Messkriterium für den Erfolg einer Gründung herangezogen werden. Allerdings differieren die Investitionssummen und Mitarbeiterzahlen der von Heil untersuchten Firmen erheblich vom Gefüge der Freien Berufe, so dass eine thesenförmige Übernahme aller Ergebnisse für den freiberuflichen Gründungserfolg nicht ratsam erscheint. Wanzenböck 1998 Wanzenböck untersucht die Entwicklung österreichischer Unternehmungen während der ersten fünf Jahre nach der Gründung, um deren Verlauf anhand von Wachstumsdaten wie des Bestandes und Zahl der Beschäftigten zu beschreiben. In dieser Untersuchung wurden Unternehmen standardisiert telefonisch befragt, die 1990 gegründet und als Neuzugang der Wirtschaftskammer Österreich verzeichnet wurden. Aus den Neuzugängen wurde eine Stichprobe von 1.360 Fällen gezogen, von der nach verschiedenen Bereinigungen 363 tatsächliche Neugrün- 106 Theorien der Gründungsforschung dungen als verwertbare Fälle verblieben. Im Zentrum der Befragung stehen personenbezogene Merkmale wie z.B. Geschlecht, Alter und Branchenerfahrung. Außerdem wurden unternehmensbezogene Merkmale wie beispielsweise der Standort, der Kammerbezirk und die Gründungsart untersucht (Wanzenböck 1998, 120). Zielsetzung der Studie ist, die Zahl der Neugründungen, die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze sowie die Überlebensquoten und Wachstumsverläufe der neugegründeten Unternehmungen genauer zu untersuchen. Auf betriebswirtschaftlicher Ebene zielt die Untersuchung darauf ab, entwicklungskritische Phasen und Faktoren zu analysieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das dritte Jahr nach der Neugründung die höchsten Ausfallquoten aufweist. Im Durchschnitt haben neugegründete Unternehmen in Österreich in den ersten fünf Jahren ein Wachstum von 4 auf 7 Mitarbeitern zu verzeichnen. Die Analyse der Arbeitsplatzeffekte zeigt, dass durchschnittlich 2,4 Arbeitsplätze für unselbständige Arbeitnehmer pro Gründung bestehen. Große Unternehmensgründungen wachsen schneller als kleine (Wanzenböck 1998, 120 ff.). Die bivariaten Analysen zeigen, dass das Überleben signifikant von der Anzahl der Gewerbeberechtigungen, dem Geschlecht, der Branchenerfahrung und dem Existenzbeitrag der Gründung abhängig ist. Die multivariate Analyse zeigt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit in der Frühentwicklung ausschließlich durch personenbezogene Humankapitalvariablen bestimmt wird (Wanzenböck 1998, 120 ff.). Die Ergebnisse aus der Untersuchung von Wanzenböck zur Überlebenswahrscheinlichkeit der Gründungen lassen sich auch auf die Freien Berufe anwenden. Als Erfolgsfaktoren denkbar und plausibel wären die Übertragung der Branchenerfahrung, des Startkapitals und des Geschlechtes. Heil 1999 Aufbauend auf der Untersuchung von Heil 1997 werden hier in einer methodisch ähnlichen Folgeuntersuchung auch Unternehmensübernahmen, ein weiterer Gründungsjahrgang und der Gewinn der untersuchten Unternehmungen miteinbezogen. Dabei wird versucht, die Erfolgsfaktoren der wachstumsstarken Unternehmungen herauszustellen (Heil 1999, 3). Die Erhebung der Ertragslage erfolgt über die Frage nach dem Gewinn vor Steuern inklusive Geschäftsführergehalt, wobei fünf ordinale Antwortmöglichkeiten vorgegeben waren. Die Ergebnisse der Erstuntersuchung im Jahre 1997 in Bezug auf die Neugründungen wurden qualitativ weitgehend bestätigt. Es gibt einige quantitative Verschiebungen. Hinsichtlich von Übernahmen ergaben sich, wie erwartet, höhere und weniger wachsende Werte als bei Neugründungen in Bezug auf die Ertragslage. 5 Prozent der Neugründungen (bzw. 4 Prozent der Theorien der Gründungsforschung 107 Übernahmen) erwirtschafteten 1997 einen Verlust, welcher größer als 30 TDM war. Auf der anderen Seite erreichten jedoch bereits drei Jahre nach der Gründung die Hälfte der untersuchten Unternehmungen einen Gewinn von mehr als 30 TDM. Naturgemäß kommt es bei Neugründungen zu Anlaufverlusten, jedoch ist ihre Gewinnentwicklung positiver als bei Unternehmensübernahmen. Eine Analyse, in der nach den wachstumsstarken und wachstumsschwachen Unternehmen differenziert wurde, ermittelte als Einflussfaktoren der Wachstumsstärke das Geschlecht der Gründerperson (Männer erreichen ein höheres Unternehmenswachstum als Frauen), das Vorhandensein von Beteiligungspartnern, die durch eine verbesserte Kapitalausstattung zum Unternehmenserfolg beitragen, die Unterstützung durch die Familie und die intensive Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken. Besonders in den Freien Berufen und im produzierenden Gewerbe sind wachstumsstarke Unternehmungen zu finden. Weitere markante Einflussfaktoren mit einem positiven Effekt auf den Gründungserfolg beruhen in der Persönlichkeit des Gründers (eine höhere Risikobereitschaft steigert die Erfolgsaussichten) und äußeren Einflussfaktoren wie beispielsweise eine positive konjunkturelle Marktlage (Heil 1999). Die von Heil erweiterte Untersuchung kommt zu einigen neuen Befunden die auch für das freiberufliche Gründungsgeschehen von Interesse sind. Demnach wachsen derivative Gründungen auf einem höheren Niveau langsamer als originäre Gründungen. Dieser Umstand lässt sich auch plausibel für die Freien Berufe annehmen. Darüber hinaus identifiziert Heil insbesondere bei den Freien Berufen eine hohe Wachstumsstärke, der Break-Even-Point wird von der Hälfte der untersuchten Gründer nach drei Jahren erreicht. Weniger überzeugend für den freiberuflichen Gründungserfolg erscheinen die Ergebnisse zu den ermittelten Einfußgrößen auf die Wachstumsstärke. Wie schon in der Studie von 1997 eignen sich die von Heil untersuchten Firmen, aufgrund ihrer Kapitalstruktur und Größenordnungen, nur sehr eingeschränkt für eine Übertragung in das freiberufliche Umfeld des Gründungserfolges. Uhly 2000 Uhly untersucht in ihrer Arbeit die Eintrittsdeterminanten, die Erwerbsbedingungen und -verläufe unterschiedlicher Subgruppen von Selbständigen anhand des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Auf Grundlage eines segmentationstheoretischen Bezugsrahmens unterteilt sie die Selbständigen in Selbständige mit Beschäftigten, die sie als „Arbeitgeber-Selbständige“ bezeichnet, und „Selbständige ohne Beschäftigte“ („own-account“-Selbständige). Diese Subgruppen werden wiederum nach dem erforderlichen Qualifikationsgrad der Tätigkeit gegliedert, so dass die Autorin insgesamt sechs Subgruppen unterscheidet. Relevant für die Freien Berufe ist die Subgruppe der „Selbständigen hochqualifizierten bzw. professionellen Tätigkeiten“. Ein Eintritt in die Selbständigkeit aus Gründen der Arbeitslosigkeit hat für das Segment der pro- 108 Theorien der Gründungsforschung fessionellen Tätigkeiten keine Bedeutung, die durchschnittliche Verweildauer in der Selbständigkeit ist im Vergleich länger als bei den weniger qualifizierten Selbständigen. Die durchschnittlichen Einkommen der relevanten Subgruppe sind deutlich höher als bei Arbeitnehmern, bei den „Arbeitgeber-Selbständigen“ sogar bedeutend höher. Frauen sind insbesondere unter den „Arbeitgeber- Selbstständigen“ unterrepräsentiert, ebenso wie Ausländer. Der Anteil der „ownaccount“-Selbständigen bei den professionellen Tätigkeiten ist niedriger als bei den qualifizierten und unqualifizierten Tätigkeiten. In ihrem Erwerbsverlauf ist auch die Subgruppe der professionellen Tätigkeiten relativ unstabil. So verbleibt nur ein kleiner Prozentsatz vier Jahre nach Eintritt in der Selbständigkeit, wobei ein Großteil nicht in die Arbeitslosigkeit, sondern in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis wechselt. Insgesamt ist eine Zunahme von professionalisierten Tätigkeiten zu erkennen, besonders unter Erfordernis eines Hochschulstudiums und im Vergleich zu den nicht-professionalisierten Subgruppen. Uhly kommt in ihrer Studie zu einer Reihe von Ergebnissen, welche sich auf das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragen lassen. So kann grundsätzlich auch bei einer freiberuflichen Gründungsaktivität kein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gründung unterstellt werden. Ebenso dürften auch bei den freiberuflichen Gründungen Frauen und Ausländer unterrepräsentiert sein. Zwar sind die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf die Freien Berufe übertragbar, doch kommt die Subgruppe der „Selbständigen hochqualifizierten bzw. professionellen Tätigkeiten“ dem Berufsbild der Freien Berufe sehr nahe. Simon 2002 Simon analysiert die Existenzgründungen von Unternehmern und Freiberuflern mit den Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) im Zeitraum von 1990 bis 1997. Dabei sollen sozioökonomische Größen aus Sicht der Empirie in der eigenen Untersuchung herausgearbeitet werden. Im Mittelpunkt stehen sozio- ökonomische Determinanten, welche einen möglichst großen Einfluss auf die Existenzgründung haben. Dazu zählen: Alter, Arbeitszeit, Geschlecht, Familienstand, Schulausbildung, die Berufs- und Hochschulausbildung sowie die Zufriedenheit der Existenzgründer. Die größte Altersgruppe zum Zeitpunkt der Existenzgründung liegt demnach bei den 41 bis 50 Jahre alten Gründern mit 36,9 Prozent, gefolgt von der Gruppe der über 50jährigen mit 28,9 Prozent. Die geringste Gründungsquote wird in der Alterklasse der unter 30-jährigen mit 15,5 Prozent festgestellt. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Gründung beträgt 46 Jahre. So zeig. auch die Regression, dass die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Existenzgründung mit knapp 68 Prozent in der Altersklasse der 30- bis 50-jährigen zu finden ist Bei den Geschlechtern liegt das Verhältnis der Gründungshäufigkeit bei einem Drittel zu zwei Dritteln zugunsten der Männer. Im deskriptiven Teil der Untersuchung sind beide Geschlechter noch annähernd gleich verteilt. In den Jahren 1992 und Theorien der Gründungsforschung 109 1994 überwiegten sogar die weiblichen Existenzgründer. Obwohl bei der deskriptiven Untersuchung nur ein gering höherer Anteil von männlichen Existenzgründern zwischen 1990 bis 1997 festgestellt werden konnte, zeigt sich bei der Regression eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit bei den männlichen Gründern in Freien Berufen und als Unternehmer. Selbständige Freiberufler bzw. Unternehmer scheinen zu gut 76 bzw. 79 Prozent männlich zu sein (Simon 2002, 80 f.). Hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit, die auf einer Skala von 0 bis 10 (maximal) von den Gründern eingeschätzt werden kann, wird mit einem durchschnittlichen Wert von 7,3 eine relativ hohe Arbeitzufriedenheit der Gründer gemessen. Ihr wird eine positive Wirkung auf die Wahrscheinlichkeit einer Existenzgründung beigemessen (Simon 2002, 82 f.). Eine Überlebenswahrscheinlichkeit aufgrund des Familienstandes ließ sich in den Untersuchungen nicht ableiten. Dagegen hat der Regressionskoeffizient der ledigen Gründer einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Existenzgründung (Simon 2002, 80). Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Selbständigen und Freiberuflern bei der Schulbildung (Humankapital). Während 52 Prozent der Unternehmer zum Zeitpunkt der Gründung einen Hauptschulabschluss besitzen, sind dies bei den Freiberuflern 20 Prozent. Dagegen besitzen 50 Prozent der Freiberufler zur Gründung das Abitur gegenüber 10 Prozent der Unternehmer. Hier schlägt der deutlich längere Ausbildungsweg von Freiberuflern durch, während bei den Unternehmen der klassische Ausbildungsweg „Hauptschule, Ausbildung, Meisterprüfung“ dominiert. Bei den Unternehmern konnte ein positiver Zusammenhang zwischen Haupt- oder Realabschluss und der Überlebenswahrscheinlichkeit festgestellt werden. Für die Unternehmer mit einem Fach- oder Hochschulabschluss wurde eine kürzere Unternehmensdauer gemessen. Dies lässt für die Unternehmen auf eine negative Beziehung zwischen Hochschulausbildung und Überlebenswahrscheinlichkeit schließen. Im Gegensatz dazu erwies sich eine längere Schulausbildung bei den Freien Berufen als positiv für deren Überlebenswahrscheinlichkeit. Ebenfalls ist den Fachund Hochschulabsolventen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für eine freiberufliche Existenzgründung nachgewiesen (Simon 2002, 81). Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird ein sozioökonomisches Profil für die Unternehmer und Freiberufler erstellt. Unternehmer sind demnach: „oftmals eine männliche Person, Ende vierzig, mit Hauptschulabschluss und gewerblicher Ausbildung, haben eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit und sind zum Zeitpunkt der Gründung verheiratet“. Freiberufler sind demnach: „Oftmals eine männliche Person, Anfang vierzig, mit abgeschlossenen Hochschulstudium, haben eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit und sind zum Zeitpunkt der Existenzgründung ledig“ (Simon 2002, 93 f.). 110 Theorien der Gründungsforschung Die Untersuchung von Simon ist eine der wenigen Studien die sich explizit mit dem Gründungsgeschehen der Freien Berufe auseinandersetzt. Grundlegende Erkenntnisse wie der hohe Anteil männlicher Gründer, der positive Zusammenhang zwischen einer hohen Arbeitszufriedenheit und der Gründungsaktivität sowie die positive Auswirkung einer längeren Schulausbildung auf die Überlebenswahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Gründung geben einige Anhaltspunkte für die vorliegende Untersuchung. Allerdings weichen einige Ergebnisse der Studie wie beispielsweise der Einfluss der Arbeitszufriedenheit oder das Alter der Gründerpersonen von den Erkenntnissen anderer Studien ab (vgl. Merz und Paic 2003; Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996). Merz und Paic 2003 Die beiden Autoren untersuchen die Charakteristika und Bestimmungsfaktoren für eine Existenzgründung von Freiberuflern und Unternehmern in der Bundesrepublik Deutschland anhand des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 1991 bis 2001. In einem über den Beobachtungszeitraum gepoolten Datenmodell wurden über 1.500 Gründungen, davon 459 freiberufliche Gründungen, untersucht. Als statistisches Schätzverfahren wird die logistische Regression verwendet (vgl. Merz und Paic 2003, 1). Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Gruppe der freiberuflichen Gründer von den Unternehmensgründern hinsichtlich der persönlichen Charakteristika, des mikrosozialem Umfeldes und des Humankapitals stark unterscheidet. Demnach werden rund ein Drittel aller selbständigen Gründungen in der Bundesrepublik Deutschland von freiberuflichen Gründern vorgenommen. Vor dem Hintergrund dessen, dass etwa 20 Prozent der Selbständigen Freiberufler sind, wird damit die Dynamik gerade der freiberuflich Erwerbstätigen deutlich. Im Jahr vor der Gründung unterscheiden sich die freiberuflichen Gründer von den Unternehmensgründern hinsichtlich der persönlichen Charakteristika, einem leicht höheren Frauenanteil, einem höheren Altersdurchschnitt und durch höhere Einkommen, was sowohl den persönlichen Bruttoverdienst als auch das Haushaltseinkommens betrifft. Beide Gründergruppen sind mit ihrer Arbeit und ihrer Gesundheit unmittelbar vor der Gründung eher zufrieden. Im mikro-sozialen Umfeld zeichnen sich die freiberuflichen Gründer vor der Gründung vorwiegend als Ledige und durch eine eher geringere Anzahl von Kindern im Haushalt aus. Ein Großteil der Freiberufler verfügt gegenüber den Unternehmern vornehmlich über Abitur und Hochschulausbildung, während bei den Unternehmern ein Haupt-, Realabschluss sowie die Lehrausbildung im Vordergrund stehen (vgl. Merz und Paic 2003, 18 f.). Darüber hinaus wurde die Wahrscheinlichkeit in der nächsten Periode eine Existenz zu gründen mit dem Logit-Ansatz berechnet, welcher die konkurrierende Erklärung bei der Bestimmung signifikanter Einflüsse berücksichtigt. Demnach ist eine Gründung in einer späteren Lebensphase vor allem für Freiberufler Theorien der Gründungsforschung 111 wahrscheinlicher. Dieser nichtlineare Alterseffekt ist trotz einer Kontrollierung hinsichtlich der teilweise notwendigen längeren/höheren Ausbildung der Freiberufler eigenständig signifikant. Unternehmensgründer sind vor allem männlich, für eine freiberufliche Gründung ist das Geschlecht nicht ausschlaggebend. Eine Gründung ist wahrscheinlicher aus einer Selbständigkeit (als vorheriger Freiberufler bzw. Selbständiger) und Nichterwerbstätigkeit heraus als aus einer abhängigen Beschäftigung (vgl. Merz und Paic 2003, 19). Freiberufliche Gründer sind vor allem ledig, der Familienstand spielt bei den Unternehmensgründern keine signifikante Rolle, wohl aber die besondere Erwerbsmotivation, wenn der Partner im Ausland wohnt. Die Haushaltsgröße und die Zahl der Kinder ist unbedeutend, im Gegensatz zum materiellen Hintergrund: ein höheres Haushaltseinkommen direkt vor der Gründung ist vor allem bei den freiberuflichen Gründungen quantitativ bedeutender. Freiberufliche Gründungen liegen - trotz „Aufbau Ost“ - vor allem in Westdeutschland vor (vgl. Merz und Paic 2003, 19 f.). Bestätigt wurden die Annahmen aus der allgemeinen Humankapitaltheorie. Ein höheres persönliches Bruttoeinkommen vor der Existenzgründung als Indikator höherer Humankapitalentlohnung erhöht die Gründungswahrscheinlichkeit in beiden Gruppen. Auch ein höheres Bildungsniveau mit dem Abschluss Abitur erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Gründung signifikant in beiden Gründergruppen. Für die freiberuflichen Gründungen ist der Abschluss einer Hochschulausbildung besonders einflussreich; allerdings deutet auch die Signifikanz des Realabschlusses als höchster Schulabschluss auf die Heterogenität der Freiberuflergruppe (vgl. Merz und Paic 2003, 20). Insgesamt zeichnet sich ein deutlicher, seit den 90ziger Jahren anhaltender, Trend zu verstärkten freiberuflichen Gründungen ab. Über 35 Prozent aller Gründungen aus der Selbständigengruppe werden von Freiberuflern vorgenommen. Als Resümee wird deutlich, dass es nicht die Existenzgründer gibt, sondern dass sich gerade die Gruppe der freiberuflichen Gründungen von den sonstigen Unternehmensgründungen nicht nur im bekannten Bezug ihres Berufsbildes, den persönlichen Charakteristika, sondern auch hinsichtlich des mikro-sozialen Umfeldes und den humankapitalspezifischen Komponenten einer Existenzgründung unterscheidet (vgl. Merz und Paic 2003, 20). Da sich der Fokus der Untersuchung zu einem großen Teil explizit auf die Gründungsaktivität der Freien Berufe bezieht, geben die gewonnenen Aussagen ein erstes Bild zu den Charakteristika freiberuflicher Gründungsaktivitäten und eignen sich im Besonderen für die Übertragung in das Untersuchungsmodell der vorliegenden Studie. Die Studie zeigt deutlich die persönlichkeits- und berufsspezifisch geprägten Unterschiede zwischen den freiberuflichen- und den Unternehmensgründungen auf. Darüber hinaus gibt die Untersuchung wichtige Hinweise auf Einflussgrößen welche die Wahrscheinlichkeit einer freiberuflichen Existenzgründung erhöhen. Festzuhalten bleibt ein Klärungsbedarf hinsichtlich 112 Theorien der Gründungsforschung der hohen Gründungsrate der Freiberufler aus der Selbständigkeit. Dieser Aspekt soll im Kapitel zur SOEP Datenbasis aufgenommen und vertieft werden. 3.4.2 Zwischenfazit zu den empirischen Untersuchungen Betrachtet man die Auswahl der vorgestellten empirisch gestützten Studien aus der letzten Dekade, so überzeugen insbesondere die jüngeren Studien zum Gründungsgeschehen mit einer theoretischen und empirischen Fundierung, sowie methodisch gehaltvollen statistischen Auswertungsverfahren. Wenn auch in der Gesamtschau, neben den hier vorgestellten Untersuchungen, doch noch die empirisch akzentuierten Arbeiten gegenüber den theoretisch fundierten Arbeiten überwiegen, so ist doch in den jüngsten Studien ein deutlicher Trend zu einer theoriegeleiteten Auseinandersetzung in der Gründungsforschung erkennbar. In den vorgestellten Studien werden unterschiedlich anspruchsvolle statistische Analyseverfahren der modernen Mikroökonomie eingesetzt. Das Repertoire reicht von einfachen und multivariaten Regressionen über Logit- und Probit- Modelle bis hin zu panelökonometrischen Ansätzen (vgl. Tab. 12). Dennoch stellen im Gesamtbild der Forschungsdisziplin schlichte Grundauszählungen und bivariate Analysen, welche Zusammenhänge zwischen zwei Variablen isoliert von den sonstigen Variablen betrachten, keine Seltenheit dar (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996). Darüber hinaus sind viele Untersuchungen auch von methodischen Mängeln wie heterogene Populationen oder kleinen nicht repräsentativen Stichproben geprägt (vgl. Schulte 2002). Insgesamt ist in der deutschsprachigen Gründungsforschung ein verstärkter Trend zur theoriegeleiteten Auseinandersetzung festzustellen. Als problematisch erweist sich dabei eine oftmals fehlende „konzeptionell“ geführte theoriegeleitete Auseinandersetzung. Dies führt auch bei einem großen Teil der vorgestellten Studien zu Problemen, da sich die Ergebnisse der Studien nur schwer miteinander vergleichen lassen oder sogar zu untereinander widersprechenden Aussagen führen. Die Tabelle 12 gibt einen Überblick zur Auswahl empirischer Untersuchungen im Zeitraum zwischen 1994 und 2003. Die Studien werden nach ihrem Datensatz und der Stichprobe, den endogenen Variablen, den exogenen Variablen und der ökonometrischen Methode verglichen. Eine Übersicht vorhergehender empirischer Studien zur Existenzgründung findet sich bei Pfeiffer (1994), eine Übersicht aktueller Studien bei Schulte (2002). Aus den Ergebnissen der vorliegenden Studien lassen sich zahlreiche wiederkehrende Regeln zur Gründungsaktivität und zum Gründungserfolg erkennen. Einige dieser empirisch belegten Regelhaftigkeiten lassen sich plausibel auf das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragen. Darüber hinaus kann insbesondere auf die Erkenntnisse der beiden freiberuflichen Studien zum Gründungsgeschehen zurückgegriffen werden. Folgend werden die für das freiberufliche Gründungsgeschehen übertragbaren Erkenntnisse aus den vorgestellten Studien zusammengefasst.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.