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Peter Paic, Institutionenökonomie in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 88 - 90

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

Bibliographic information
88 Theorien der Gründungsforschung 3.3.5 Institutionenökonomie Im Mittelpunkt der theoretischen Ansätze der Institutionenökonomie steht für die Gründungsforschung der Transaktionskostenansatz. Basierend auf den Ergebnissen von Coase wurde der Transaktionskostenansatz in erster Linie von Williamson (1975) weiterentwickelt und geprägt. Dabei untersucht der Transaktionskostenansatz unter den getroffenen Annahmen die Faktoren, die das Auftreten und die Höhe von Transaktionskosten beeinflussen. Der Grundgedanke des Transaktionskostenansatzes besteht in der Annahme, dass die Durchführung ökonomischer Aktivitäten mit Kosten verbunden ist. Der Ansatz liefert Instrumente, um Transaktionen zu analysieren und ihnen die effiziente Koordinationsform zuzuweisen (vgl. Kennedy und Chabior 2001, 2 f.). Transaktionskosten sind im Rahmen von Transaktionen auftretende Kosten zur Überwindung von Informations- und Kommunikationsproblemen. Diese entstehen einem Unternehmen bei der Suche (ex ante), bei der Verhandlung (ex ante) und bei der Überwachung und Durchführung (ex post) der Transaktionen. Unter der Annahme, dass unterschiedliche Arten von Institutionen und Organisationsformen effizient sind und sich am Markt durchsetzen, werden menschliche Faktoren wie „Begrenzte Rationalität“ und „Opportunismus“ in Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Leistungsbeziehung gesetzt. Die Effizienz hängt dabei entscheidend von der Höhe der Transaktionskosten ab. Dies können beispielsweise die Kosten der Informationsbeschaffung bei dem Eintritt in eine Tauschbeziehung oder die Kontrollkosten für die Überwachung von Verträgen sein (vgl. Kennedy und Chabior 2001,4 ff.; Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 55 ff.). In der Gründungsforschung wird der Transaktionskostenansatz u.a. von Fritsch (1990) sowie Klandt und Münch (1990) als möglicher Theorieansatz erwähnt. Empirisch gestützte Untersuchungen mit dem Transaktionskostenansatz sind abgesehen von der Studie von Picot et al (1989) bisher die Ausnahme. Picot verfolgt in seiner Studie eine prognostisch orientierte Analyse der Tragfähigkeit innovativer Betriebsgründungen unter dem Aspekt, ob und inwieweit durch das Verhalten Transaktionskosten reduziert werden. Unter innovativen Unternehmensgründungen versteht Picot insbesondere technologieorientierte Unternehmensgründungen. In diesem Zusammenhang wendet Picot den Transaktionskostenansatz zur persönlichen Beurteilung des Unternehmensgründers, zur Bewertung der Geschäftsidee und zur Einschätzung der Gründungsorganisation an. Zum Abschluss seiner Studie kommt Picot zu dem Fazit: „ein tieferes ökonomisches Verständnis für Gründungszusammenhänge innovativer Unternehmen sowie für die Bestimmung des Gründungserfolges zu erhalten“ (Picot et al 1989, 258). Darüber hinaus wurde der Transaktionskostenansatz mit der Idee der Firmennetzwerke kombiniert. Mittels der Analyse „zwischenbetrieblicher Verflechtungen“ kann dies auch für kleine und nicht technologieorientierte Unternehmens- Theorien der Gründungsforschung 89 gründungen zu wichtigen Erkenntnissen führen (Fritsch 1990). In diesen Fällen dürften die transaktionsspezifische Investition und deren Absicherung über vertragliche Vereinbarungen von zentraler Bedeutung sein und auch für die prognostische Erfolgsschätzung wichtige Informationen liefern. Beispiele hierfür sind Gründungen die einseitige Beziehungen zur Lieferantenseite oder auch zur Abnehmerseite unterhalten. Hier kommt es mit Sicherheit beim Abbruch der Transaktionsbeziehung zu Schwierigkeiten. Ebenso leben „Spin-offs“ nach der Gründung zunächst ausschließlich von Aufträgen ihrer Herkunftsfirma (vgl. Brüderl, Preisendörfer und Ziegler 1996, 58 f.). Für eine generelle Übertragung des Transaktionskostenansatzes auf die Erfolgschancen von Unternehmensgründungen oder auch den freiberuflichen Gründungen ist dieser Ansatz nur bedingt geeignet. So liegt der Untersuchungsschwerpunkt auf innovativen und damit tendenziell auch eher größer dimensionierten Gründungen. So ist zum einen bei der Zusammensetzung der Gründungsgesamtheit der Anteil technologieorientierter Gründungen eher gering, womit der Bereich der transaktionskostentheoretischen Einschätzung der Gründungsidee entfällt. Zum anderen besteht der Großteil aller Neugründungen aus Einzel- oder Kleinstunternehmen und diese arbeiten oft ohne abhängige Beschäftigte. Die Tabelle 9 gibt eine Übersicht der Anforderungskriterien zum Theorieansatz der Institutionenökonomie, in Form des Transaktionskostenansatzes. Tabelle 9: Kriterienübersicht zum Transaktionskostenansatz Institutionenökonomie Auswahlkriterien Auswahlkriterien Transaktionskostenansatz Gründungsaktivität Gründungserfolg Forschungsobjekt Nein Ja Forschungsperspektive Ja Ja kleine Wirtschaftseinheiten Nein Nein Besonderheiten Freie Berufe Bedingt Bedingt Empirische Überprüfbarkeit Bedingt Bedingt Widerspruchsfreiheit Ja Ja Evidenz des Ansatzes Ja Ja Quelle: Eigene Tabelle. Der Transaktionskostenansatz berücksichtigt generell Aussagen zum Forschungsobjekt des Gründungserfolges, aber nicht zur Gründungsaktivität, da er sich auf die Transaktionskosten der existierenden betrieblichen Einheit bezieht. Dementsprechend nimmt der Ansatz forschungsperspektivisch die einzelwirtschaftliche Ebene ein. Vor dem Hintergrund der durch die Person des freiberuf- 90 Theorien der Gründungsforschung lichen Gründers geprägten betrieblichen Ebene erfüllt dieser Ansatz das Kriterium der Forschungsperspektive. Mit seinem Schwerpunkt auf innovative und größere Betriebe berücksichtigt der Transaktionskostenansatz nicht das Kriterium kleiner Wirtschaftseinheiten und auch nicht die Besonderheiten der Freien Berufe. Als problematisch erweist sich insbesondere die Generierung geeigneter Daten. Das SOEP stellt zu diesem unternehmensspezifischen Bereich keine oder kaum Informationen zur Verfügung. Zudem ist eine Erfassung aller relevanten Dimensionen und Merkmale nur mit Hilfe einer umfassenden Detailanalyse in jeder Betriebseinheit möglich. In der Gründungsforschung findet der Transaktionskostenansatz bisher selten Anwendung. Eine Ursache dafür liegt sicherlich auch in der anspruchsvollen Informationsgewinnung begründet, welche bisher keine der verfügbaren Datenbasen liefern kann. Insgesamt kann der Transaktionskostenansatz im Umfeld des freiberuflichen Gründungserfolges nicht überzeugen. Der Ansatz ist vielmehr für innovative und größere Betriebseinheiten geeignet. Einige zentrale Auswahlkriterien kann der Ansatz im Kontext der Fragestellung nicht erfüllen (vgl. Tab. 9) und eignet sich daher nicht für die Untersuchung des freiberuflichen Gründungserfolges. 3.3.6 Industrieökonomie Die industrieökonomische Forschung beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen Märkten und Unternehmen. Ihre Wurzeln begründet die Industrieökonomie in den Oligopolmodellen von Cournot (1838) und Bertrand (1883), sowie die Beschreibung von Angebot und Nachfrage als Bestimmungsfaktoren der Preisbildung durch Marschall (1879, 1890). In dem Kontext der Interaktion lassen sich in der neueren Literatur drei Schwerpunkte der Industrieökonomie herausstellen. Dem Angebots- und Nachfrageverhalten, dem Marktgleichgewicht sowie dem unvollständigen Wettbewerb. Eine tiefergreifende Betrachtung zum Stand und Entwicklung der Industrieökonomie und ihrer Forschung gibt Bester (2003). Entscheidend für die Gründung und den Erfolg von Unternehmen sind aus industrieökonomischer Sichtweise des Angebots- und Nachfrageverhaltens die jeweiligen Bedingungen auf dem Produktmarkt. Unterstellt wird, dass in den verschiedenen Sektoren der Wirtschaft stets eine große Anzahl von potentiellen Unternehmern darauf warten, bis die Preise der Produkte die langfristigen Durchschnittskosten übersteigen. Tritt dieser Fall ein, erfolgt ein Zustrom neuer Betriebe mit guten Chancen auf dem Markt zu bestehen (vgl. Brüderl, Preisendörfer, Ziegler 1996, 39). Für die empirische Umsetzung eines solchen Szenarios steht die Gewinnspanne in einem bestimmten Wirtschaftszweig im Mittelpunkt. Liegen diese Gewinnspannen über dem Durchschnitt der Wirtschaft, werden für die Neugrün-

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.