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Peter Paic, Überblick und Fazit in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 56 - 59

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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56 Die Freien Berufe positiven Eigenschaften dieser Datenbasis ist letztlich die ungewichtete Fallzahl der Freiberufler im ALLBUS zu klein für weitergehende Auswertungen. 2.4.8 Überblick und Fazit In der Gesamtschau wird deutlich, dass insbesondere die drei Paneldatensätze des ZEW, des IAB und des SOEP große Vorteile hinsichtlich des Informationsgehaltes, der Informationstiefe und der statistischen Auswertungsmöglichkeiten gegenüber den anderen Datenbasen bieten. Interessant aus der Perspektive der Gründungsforschung sind insbesondere das ZEW-Gründungspanel und das IAB-Betriebspanel. Das Ziel beider Datensätze ist speziell auf das Eruieren von Unternehmensdaten ausgerichtet. Im direkten Vergleich der beiden Datenbasen weiß vor allem das IAB-Betriebspanel mit seiner Informationsvielfalt zu überzeugen. Allerdings liegt der Focus bei beiden Panels in erster Linie auf dem Erfassen von Unternehmen mit einer bestimmten Mindestgröße. Daraus ergeben sich je nach Datenbasis stark einschränkende Informationsdefizite für die Untersuchung von Kleinstbetrieben und Einpersonenunternehmen generell und für die freiberufliche Gruppe im Besonderen. Weder die beiden ZEW-Gründungspanel noch das IAB-Betriebspanel sind für eine Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens geeignet, da sie kein realistisches Bild der freiberuflichen Größen- und Sozialstruktur wiedergeben können. Eine innerhalb der selbständig Tätigen umfassend differierte Berücksichtigung finden die freiberuflich Tätigen in den Datenbasen des SOEP, ALLBUS, IFB und des Mikrozensus. Allerdings verfügen weder der Mikrozensus noch die Angaben des IFB über die elementare Möglichkeit die Daten zu verknüpfen und über die Zeit auszuwerten. Hinzu kommt dass beide Basen kaum Informationen, abgesehen von reinen heuristischen Nettoveränderungen, zum Gründungsgeschehen bereithalten. Die Daten des ALLBUS wiederum eignen sich aufgrund der kleinen Stichprobe und damit einhergehend, einer zu kleinen ungewichteten Fallzahl der Freien Berufe nicht für deren wissenschaftliche Auswertung. Das IFB, der Mikrozensus und das SOEP bieten als einzige Quellen Informationen über die Anzahl und Entwicklung der Freien Berufe. Nach der differenzierten Betrachtungsweise zur Eignung der einzelnen Datenbasen gibt die Tabelle 2 eine zusammenfassende Übersicht zu den Ergebnissen der an die Datensätze gestellten Anforderungen. Wie der Übersicht zu entnehmen ist, erfüllt das SOEP-Panel als einzige Datenbasis alle sechs aufgestellten Anforderungskriterien an die Datenbasis zur Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Das SOEP berücksichtigt explizit die Freien Berufe in seiner bundesweiten Erhebung und ermöglicht eine repräsentative Hochrechnung der Daten. Dabei finden sich in den Erhebungen des SOEP die Freien Berufe, im direkten Vergleich zu den anderen Datenbasen wie dem ALLBUS, mit einer relativ hohen Fallzahl wieder. Zur Untersuchung des Gründungsgeschehens stellt das SOEP die um- Die Freien Berufe 57 fangreichsten Informationen zur Verfügung. Dies betrifft die demografischen Angaben zur Person, Bildungs- und Erwerbsverläufen, Informationen zum mikro-sozialen Umfeld und zum Teil auch Angaben zur freiberuflichen Wirkungsstätte wie der Mitarbeiterzahl und dem Einkommen der freiberuflich tätigen Person. Letztlich lassen sich durch die Panelstruktur freiberufliche Gründungen herausfiltern und Längsschnittanalysen als Auswertungsverfahren durchführen. Tabelle 2: Übersicht der Ergebnisse zum freiberuflichen Anforderungsprofil der einzelnen Datenbasen Anforderungen: Bundesweite Fallzahlen, Gründungs- Panel- Erfassung Repräsentativ. geschehen Charakter Mikrozensus JA JA NEIN NEIN Umsatzsteuer NEIN NEIN NEIN NEIN SOEP-Panel JA JA JA JA ZEW-Panel NEIN NEIN JA JA IAB-Panel NEIN NEIN JA JA IFB JA NEIN NEIN NEIN ALLBUS JA NEIN NEIN NEIN Quelle: Eigene Zusammenstellung. Allerdings unterliegt auch der SOEP-Datensatz Einschränkungen welche für die Fragestellung dieser Untersuchung nicht unerheblich sind. So stellt das SOEP nur wenige Informationen zu den freiberuflichen Spezifika und der freiberuflichen Wirkungsstätte bereit. Nur unvollständige Informationen liegen beispielsweise zur Gründungsform vor, da im SOEP nicht zwischen originären und derivativen freiberuflichen Gründungen unterschieden wird. Ebenso fehlen direkte Angaben zum Motiv oder der Kapitalausstattung einer freiberuflichen Gründung. Zwar werden die Freien Berufe explizit innerhalb der Selbständigen- 58 Die Freien Berufe variable berücksichtigt, doch liegen keine als Variable aufbereitete Daten zur Berufsgruppenzugehörigkeit, den Kammerberufen oder den freiberuflichen Gründungen im SOEP vor. Über die bisher vorgestellten Datenbasen hinaus kann die Gründungsforschung zukünftig auch auf das Unternehmensregister als Datenquelle zurückgreifen. Dieses Unternehmensregister wird auf Grundlage der EU-Verordnung (EWG Nr. 2186/93, 1993) in allen europäischen Mitgliedsstaaten erstellt. Quellen des Unternehmensregisters sind u.a. die Daten der Bundesagentur für Arbeit, der Finanzbehörden und verschieden Bereichsstatistiken wie z.B. die Erhebungen des produzierenden Gewerbes oder des Handels (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2004). Da sowohl die wirtschaftlich aktiv als auch inaktiv gewordenen Unternehmen erfasst werden, eignet sich das Unternehmensregister als empirische Grundlage für die Gründungsforschung. Die Freien Berufe werden dabei explizit als eigenständige Unternehmen definiert und somit im Unternehmensregister berücksichtigt (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2004). Im Prinzip basiert das Unternehmensregister aus der Zusammenführung unternehmensrelevanter Informationen bestehender Datenquellen. Dies hat zur Konsequenz, dass die Probleme der bereits vorgestellten Datenbasen auch in das Register übernommen werden. So bleiben in den veröffentlichten Tabellen solche Unternehmen und Freiberufler unberücksichtigt, welche keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben oder nicht Umsatzsteuerpflichtig sind. Abgesehen vom fehlenden Panelcharakter stellt das Unternehmensregister im Kontext der Anforderungen an eine empirische Datenbasis zur Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens keinen wesentlichen Fortschritt dar. In der Gesamtschau bietet das SOEP im direkten Vergleich zu den vorgestellten Datenbasen, die umfassendsten Informationen und Auswertungsmöglichkeiten zu den freiberuflichen Gründern und kann als kompletteste Datenbasis für die Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens überzeugen. Da keine der vorliegenden Datenbasen dazu in der Lage ist die vom SOEP nicht berücksichtigten Bereiche zum freiberuflichen Gründungsgeschehen abzudecken, soll eine weitere Datenbasis mit einer eigenen Erhebung generiert werden. Zielsetzung dieser eigenen Erhebung ist insbesondere die Gewinnung von Informationen zum betriebsbezogenen Umfeld und der freiberuflichen Struktur, welche das SOEP nicht bereitstellt. Die eigene Umfrage soll in Form einer internetbasierenden Onlineumfrage zu den Freien Berufen in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt werden (vgl. Kap. 5). Neben dem SOEP als ausgewählte Datenquelle stellen auch der Mikrozensus und das IFB explizit zu den Freien Berufe Informationen bereit. Der folgende Abschnitt greift die Begriffsproblematik zu den Freien Berufen sowie deren Berufsbilder auf und widmet sich der Evidenz aus den deskriptiven Befunden der drei Datenbasen. Die Freien Berufe 59 2.5 Informationelle Güte Die Datenlage zu den Freien Berufen in der Bundesrepublik Deutschland ist insgesamt sehr unbefriedigend. Eine explizite Berücksichtigung, sowohl bundesweit als auch berufsübergreifend, erfahren die Freien Berufe lediglich im Mikrozensus, dem IFB, sowie in dem für die Untersuchung ausgewählten SOEP-Panel. Folgend soll die Evidenz der drei Quellen durch einen deskriptiven Vergleich der hochgerechneten Ergebnisse zur Population der Freien Berufe und ihrer Aufteilung in den Berufgruppen und einzelnen Berufen überprüft werden. Entgegen den Erwartungen7 zeigen dabei alle drei Datenbasen zum Teil extrem voneinander abweichende Ergebnisse. Zur Lokalisierung der Ursachen für die abweichenden Ergebnisse wird die jeweilige Erhebungskonzeption der Datenbasen untersucht. Von besonderen Interesse und Gewicht, nicht zuletzt auch für die Untersuchung des Gründungsgeschehens, ist die in den Datenbasen verwendete Definition freiberuflicher Tätigkeiten. Darüber hinaus gibt der Vergleich einen Überblick zur aktuellen Struktur der Freien Berufe und ihrer Datenlage. Für den Vergleich werden die Ergebnisse in den einzelnen Berufsbildern und Berufsgruppen sowie der Gesamtzahlen miteinander verglichen. Dem schließt sich eine kurze Darstellung der unterschiedlichen Erhebungskonzepte zu den verwendeten Definitionen der Datenbasen an. Ein Fazit zu den Ursachen und neuen Erkenntnissen aus dem Vergleich schließen das Kapitel ab. Als Vergleichsjahr der Datenbasen dient das Jahr 2000, da zu diesem Zeitpunkt die aktuellsten verfügbaren Daten für alle drei Datenbasen vorliegen. Alle drei Datenbasen kommen zum Untersuchungszeitpunkt des Jahres 2000 zu sehr stark voneinander abweichenden Ergebnissen. Dies betrifft sowohl die Gesamtzahl als auch die Anzahl der Personen in den einzelnen Berufsgruppen der Freien Berufe. Von diesen starken Abweichungen ausgenommen sind die klassischen Kammerberufe aus den Freien Heilberufen, die Rechtsanwälte und Architekten. Alle drei Vergleichsbasen kommen zur Berufsgruppe der Freien Heilberufe zu jeweils fast identischen Ergebnissen (vgl. Tab. 3). Zu erheblichen Diskrepanzen bei den jeweiligen Ergebnissen kommt es in der Gruppe freier rechts- und wirtschaftsberatender Berufe. Hier weißt der Mikrozensus 213.000, das IFB 191.000 und das SOEP 361.000 Freiberufler aus. Damit zählt das SOEP fast doppelt so viele Freiberufler wie das IFB zu den rechtsund wirtschaftsberatenden Berufen. Dagegen bewegen sich die Zahlen des IFB und des Mikrozensus mit einem Unterschied von etwas über 20.000 Personen auf einem annähernd identischen Niveau. 7 Der Autor hat beim SOEP als auch beim IFB identische Ergebnisse zum Mikrozensus erwartet, da der Mikrozensus den höchsten Grad an Repräsentativität mit sich bringt und daher eine Ausrichtung der Hochrechnungsfaktoren des SOEP und IFB am Mikrozensus nahe liegen.

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.