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Peter Paic, Historische Herleitung und Definition in:

Peter Paic

Gründungsaktivität und Gründungserfolg von Freiberuflern, page 31 - 39

Eine empirische Mikroanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4112-3, ISBN online: 978-3-8452-1348-4 https://doi.org/10.5771/9783845213484

Series: FFB - Schriften des Forschungsinstituts Freie Berufe der Leuphana Universität Lüneburg, vol. 17

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2. Die Freien Berufe Freiberufliche Tätigkeiten im Mittelalter: Künstlerische Darstellung der „Rhetorik“ Die Freien Berufe 33 Der Begriff des Freien Berufes ist sowohl in seiner Funktion als auch von den ausführenden Individuen und den berufsständischen Gruppen über einen lang anhaltenden Zeitraum gewachsen. Für die erkenntnistheoretische Zielsetzung einer Definitionsbestimmung ist die historische Betrachtung der Begriffsentwicklung zum Freien Beruf notwendig. Aus seiner Entwicklung von der Antike bis in die Gegenwart heraus wird die Herleitung einer aktuellen und gemeingültigen Definition vorgenommen. Vor dem theoretischen und praktischen Hintergrund der Abgrenzungsproblematik des soziologisch geprägten Begriffs des Freien Berufes, wird eine einheitliche Terminologie aus dem historischen Kontext zu und mit den Begrifflichkeiten des Unternehmers und der Selbständigen entwickelt. Zentrales Merkmal der Klassifizierung ist die praxisorientierte Differenzierung von freiberuflichen und selbständigen Tätigkeiten bis zur Enumeration der in den Datenbasen vorhandenen freiberuflichen Tätigkeiten. Die formalen und rechtlichen Besonderheiten der freiberuflichen Berufsausübung erfordern darüber hinaus eine Anpassung der terminologischen Vorgaben aus der Gründungsforschung. Charakteristisches Merkmal freiberuflicher Tätigkeiten ist die Ungebundenheit und Selbständigkeit - eine Differenzierung zwischen den Gründungsformen selbständige und unselbständige Gründung ist somit sinnlos - und erfordert eine eigene freiberufliche Struktur der verschiedenen Gründungsformen. Neben der Definition und Klassifizierung ist die Verfügbarkeit eines qualitativen und quantitativen hochwertigen Datenmaterials von entscheidender Bedeutung für das Gelingen dieser empirisch gestützten Untersuchung. In der Bundesrepublik Deutschland stehen für die Gründungsforschung eine Anzahl von Querschnitts- und Längsschnittdaten zur Verfügung. Allerdings existieren keine Datensätze welche primär im Kontext der Freien Berufe generiert wurden. Aus den vorhandenen Sekundärquellen gilt es den für die Untersuchung der freiberuflichen Gründungen idealen Datensatz zu lokalisieren. Ein Vergleich der Datenbasen, in denen die Freien Berufe eine Berücksichtigung erfahren (Mikrozensus, SOEP und IFB), verdeutlicht in den stark voneinander abweichenden Ergebnissen die problematische Lage zur Datenverfügbarkeit in den Freien Berufen. 2.1 Historische Herleitung und Definition Die Historie zur Entstehung und Entwicklung der Freien Berufe sowie ihrer einzelnen Berufsbilder ist ein umfassendes und komplexes Thema für sich, so dass eine umfassende Würdigung an dieser Stelle nicht möglich ist. Das folgende Kapitel beschränkt sich daher auf die historische Entwicklung des Begriffes in der Antike, des Mittelalters, des Humanismus und des neunzehnten Jahrhunderts. Für einen vertiefenden Einblick in die Geschichtsschreibung und Historie einzelner Berufsbilder sei auf die weiterführende Literatur von Deneke (1956), Meyer (1989) und Taupitz (1991) verwiesen. 34 Die Freien Berufe Die Bezeichnung „Freier Beruf“ lässt sich bis in die römische Antike zurückverfolgen. Nach dem Vorbild der griechischen Vorstellungen zur enzyklopädischen Bildung sammelt der lateinischen Begriff „artes liberales“ (freie Künste) diejenigen Wissenschaften, welche von freien Bürgern gepflegt wurden und nicht einem Broterwerb dienten. Ihr Merkmal war die höhere geistige, wissenschaftliche oder künstlerische Diensttätigkeit für andere. Im Gegensatz dazu standen die allen zugänglichen „artes mechanicae“ (mechanische Künste). Diese waren mit körperlicher Arbeit verbunden und von geringerem Ansehen in der Öffentlichkeit (vgl. Deneke 1956, 15; Meyers 1973, 655 f.; Hartmann 1996, 1). Mit der römischen Rechtsprechung zur „artes liberales“ bildete sich in der Spätantike erstmals ein fester Kanon von sieben (septem) freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) heraus. Diese Siebenzahl findet einen der ersten Belege im Werk von Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.). Mit der philosophischen Allegorie des Martianus Capelle „De nuptiis Mercurii et Philologiae (Von der Hochzeit Merkurs mit der Philologie) wurde das Siebenersystem für das Mittelalter verbindlich (2. Hälfte des 4. Jh. n. Chr.). Zuvor schwankte die Anzahl der Disziplinen zwischen vier und elf Fächern. Varro (116 v. Chr.) zählte beispielsweise in seinem Werk „Disciplinae“ auch die Disziplin der Architektur und der Medizin hinzu und kam auf insgesamt 9 Fächer (vgl. u.a.: Deneke 1956, 15; Meyer 1989, 16; Läsker 2003, 22; Meyers 1973, 655 f.; Hartmann 1996, 1). Im Mittelalter wurde die Lehre der Freien Künste in Klöstern vermittelt. Das Studium unterteilte sich in ein Grundstudium (Trivium – dreifacher Weg) und ein weiterführendes Studium (Quadrivium – vierfacher Weg). Zum Trivium gehörten die drei sprachlichen Fächer (Grammatik: inkl. Literatur; Dialektik oder Logik; Rhetorik: in Verbindung mit Recht und Ethik). Zum Quadrivium zählten die vier mathematischen Fächer (Arithmetik; Geometrie: inkl. der Geographie und Naturgeschichte; Astronomie: mit der Astrologie; Musik). Mit dem Abschluss des Quadriviums wurde der akademische Grad eines Magisters der Künste erteilt. Sehr beliebt waren im Mittelalter Streitgedichte zwischen den „artes liberales“ und den „artes mechanicae“. Mit dem Aufkommen von Aufklärung und Humanismus wurde diese klassische Fächeraufteilung weitgehend aufgegeben (vgl. net-lexikon 2003, 1; Hartmann 1996, 2; Tesching 2003, 1). Der ständige Wandel ist kennzeichnend für die Freien Berufe. Dies gilt sowohl für die Begrifflichkeit an sich, als auch für die inhaltliche Ausübung. Diese änderten sich stetig und passten sich analog zu den Begebenheiten der sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen an. Die Prägung des modernen soziologischen Begriffs der Freien Berufe fand in der gesellschaftlichen Situation des frühen Liberalismus im 19. Jahrhundert statt. Trotz weit reichender Veränderungen der rechtlichen Ordnung und sozia- Die Freien Berufe 35 len Stellung wurde der Begriff bis in die heutige Gesetzessprache und sozialwissenschaftliche Forschung übernommen (vgl. Betz 1992, 6). Nach heutiger Auffassung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) ist der Freie Beruf kein eindeutiger Rechtsbegriff, sondern ein (berufs-) soziologischer Terminus. Er ist nicht eindeutig abgrenzbar, sondern jeweils auf die Tatbestandsvielfalt der beruflichen Wirklichkeit und ihren stetigen Wandel abzustellen (BVerfG v. 25.2.1960; 1BvR 239/52; BVerfGE 10, 354, 364). Daher ist es nicht möglich die in der Bundesrepublik Deutschland freiberuflich Tätigen unter einer einheitlichen Legaldefinition oder einem anerkannten Sprachgebrauch zusammenzufassen (vgl. Taupitz 1991; Deneke 1969, 15). In einer der ersten Untersuchungen zu den Freien Berufen vermerkt Theodor Heuß (1916): „Der geläufige Begriff des Freien Berufs` ist … nur eine überlieferte Sprachgewöhnung, mit der man in concreto nicht viel anfangen kann“ (Taupitz 1991, 17). Grundsätzlich werfen derartige terminologische Unsicherheiten, wie zum Begriff des Freien Berufes, nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten und Abgrenzungsprobleme auf. Dies gilt sowohl für die Praxis als auch im Besonderen für die empirische Wirtschafts- und Sozialforschung. Von dieser Problematik zentral betroffen ist insbesondere die Erzeugung empirischen Datenmaterials. Dies wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit an der Erhebung des Sozio- ökonomischen Panels (SOEP) deutlich, was wiederum zu vagen empirischen Befunden führen kann (vgl. Wießner 2001, 20; Merz und Paic 2003, 18). Vor dem Hintergrund der zentralen Problematik einer verbindlichen Abgrenzung und einheitlichen Definition freiberuflicher Tätigkeiten nähern wir uns der freiberuflichen Arbeitsdefinition über den charakteristischen (berufssoziologischen) Eigenschaften freiberuflicher Tätigkeiten. Dies geschieht unter Berücksichtigung der rechtsprechenden Aspekte bis zur unvermeidlichen Enumeration der durch die Rechtsprechung anerkannten Freien Berufe. Eine in der Literatur und Praxis weitgehend verbreitete Definition zu den Freien Berufen kommt vom Bundesverband der Freien Berufe (BFB) aus dem Jahr 1995. Der BFB wägt die Zugehörigkeit zur Gruppe der Freien Berufe, sowohl aus berufssoziologischen als auch aus berufsrechtlichen Gründen, ab: „Angehörige Freier Berufe erbringen aufgrund besonderer beruflicher Qualifikation persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig geistig-ideelle Leistungen im Interesse ihrer Auftraggeber und der Allgemeinheit. Ihre Berufsausübung unterliegt in der Regel spezifischen berufsrechtlichen Bindungen nach Maßgabe der staatlichen Gesetzgebung oder des von der jeweiligen Berufsvertretung autonom gesetzten Rechts, welches die Professionalität, Qualität und das zum Auftraggeber bestehende Vertrauensverhältnis gewährleistet und fortentwickelt“ (BFB 2001, 229). 36 Die Freien Berufe Deneke (1969) differenziert die sozialwissenschaftliche Betrachtungsweise weitergehend, indem er den Berufsbegriff der Freien Berufe um eine berufssoziologische und gesellschaftsfunktionale Betrachtungsweise erweitert. Zur präziseren Bestimmung der Termini und Geltungsbereiche unterscheidet er zur definitorischen Abgrenzung zunächst zwischen: 1. dem Freien Beruf (Funktion) 2. dem Freien Berufsstand (Gruppe) 3. dem freiberuflich Tätigen (Individuum). Hinsichtlich der Funktionsfrage eines Freien Berufes und einer daraus abgeleiteten Definition unterscheidet Deneke weitere Perspektiven, welche im Rahmen der zugrunde liegenden Fragestellung nicht alle weiterverfolgt werden (vgl. Deneke 1969, 16 ff.). Von besonderem Interesse ist hier die Funktion des Freien Berufes und das Individuum des freiberuflich Tätigen, als ein sozialer Tatbestand im Rahmen der empirischen Sozialforschung. Merkmale der Berufsaus- übung sind dabei die besondere Berufsethik und die Pflichterfüllung gegenüber der Gesellschaft (vgl. Deneke 1969, 16 f.). Eine solche Würdigung fand die besondere Berufsethik der Freien Berufe auch vom Gesetzgeber durch das Bundesverfassungsgericht (Entscheidung vom 25.02.1960, BVerfG 10, 354, 364 ff.). In dieser Entscheidung wurde die Verwirklichung ideeller Werte als Bestandteil der Freiberuflichkeit aufgenommen (vgl. Merz und Fink 2003, 7). Eine berufssoziologische Definition der Freien Berufe findet sich auch in § 1 Abs. 2 des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes (PartGG): „Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikationen oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“ Die Definition des PartGG und des Bundesverbandes der Freien Berufe wurden vom Europäischen Gerichtshof am 11.10.2001 bestätigt (EuGH Ziff. 39, Rs. C- 267/99). In dem Urteil wurden als freiberufliche Merkmale der intellektuelle Charakter der Tätigkeit, die hohe Qualifikation, die berufsständischen Regelungen und die persönliche wie selbständige Ausübung der Tätigkeit, herausgestellt. Darüber hinaus erfahren die Freien Berufe insbesondere durch die steuerliche Gesetzgebung eine tiefergehende Bestimmung und Ausgestaltung. Der § 18 des Einkommensteuergesetzes unterscheidet in Abs. 1 Nr. 1 die freiberuflichen Tätigkeiten weiter in drei Tätigkeitsgruppen: ‚ die selbständige Tätigkeit der im Gesetz aufgezählten Katalogberufe. ‚ die selbständige Tätigkeit der den Katalogberufen ähnlichen Berufen (Analogberufe). ‚ die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit (Tätigkeitsberufe). Die Freien Berufe 37 Das Einkommensteuergesetz führt in § 18 Abs. 1 Nr. 1 namentlich die einzelnen Katalogberufe auf, welche in Tabelle 1 zur Übersicht der Freien Berufe hervorgehoben gekennzeichnet sind. Ergänzt wurden die Angaben um die explizit im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz aufgeführten freiberuflichen Tätigkeiten. Au- ßer den aufgeführten Katalogberufen kommen noch die den Katalogberufen ähnliche Berufe (Analogberufe) hinzu. Voraussetzung für die steuerrechtliche Anerkennung eines Analogberufes ist, dass der Analogberuf dem Katalogberuf in allen wesentlichen Punkten entspricht, d.h. er muss die Wesensmerkmale eines konkreten Katalogberufes zumindest nahezu vollständig enthalten. Dazu gehört eine leitende und eigenverantwortliche Tätigkeit auf Grundlage eigener Fachkenntnisse, sowie die Erbringung berufstypischer Leistungen in ausreichendem Umfang. Ebenso muss die Ausbildung als Voraussetzung für die jeweilige Berufsausübung vergleichbar sein. Sofern für die Ausübung eines der Katalogberufe eine amtliche Erlaubnis erforderlich ist, so gilt dies auch für den ähnlichen Beruf (vgl. Wacker 2003, 1540; Engel, Oberlander, Kräuter 2000, 7). Die dritte im Einkommensteuergesetz aufgeführte Tätigkeitsgruppe umfasst wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten. Die Katalogberufe des Einkommensteuergesetzes sind in Tabelle 1 gesondert (fett) hervorgehoben und durch die im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz aufgeführten Berufe (fett-kursiv) ergänzt. Abweichend vom Einkommensteuergesetz werden die einzelnen freiberuflichen Tätigkeiten in vier Gruppen nach ihrer beruflichen Funktion in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat unterteilt (vgl. Engel, Oberlander und Kräuter 2000; Deneke 1969): ‚ Freie Heilberufe (Gruppe 1), ‚ Freie rechts- und wirtschaftsberatende Berufe (Gruppe 2), ‚ Freie technische und naturwissenschaftliche Berufe (Gruppe 3), sowie ‚ Freie künstlerische, publizistische und pädagogische Berufe (Gruppe 4). Die Aufzählung wurde um die Angaben des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) sowie die von den Finanzämtern anerkannten Freien Berufe nach der Einkommensteuerrichtlinie (H 136) ergänzt2. Die Enumeration der in Tabelle 1 aus den Katalogberufen, der im PartGG aufgeführten Freien Berufe und aus der Einkommenssteuerrichtlinie ist nicht abschließend. Eine chronologisch nach dem Alphabet geordnete weitergehende Aufzählung der den Katalogberufen ähnlichen Berufen unter Berücksichtigung 2 Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde auf die Darstellung berufsspezifischer Voraussetzungen für die Anerkennung einzelner freiberuflicher Tätigkeiten durch das Finanzamt verzichtet. Für tiefergreifende Informationen zur Anerkennung einzelner Berufsbilder sei auf den Anhang I., den jeweiligen Ausführungen der Einkommenssteuerrichtlinie H 136, auf Engel, Oberlander und Kräuter (2000) und der Kommentierung des Einkommensteuergesetzes § 18 durch Wacker (2003) verwiesen. 38 Die Freien Berufe ihrer steuerrechtlichen Einordnung mit kurzen charakteristischen Merkmalen für ihre Anerkennung, ist im Anhang I nach Engel, Oberlander und Kräuter (2000) aufgeführt. Tabelle 1: Die Freien Berufe Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 Freie Heilberufe , Freie rechts- und wirtschaftsberatende Berufe Freie technische und naturwissenschaftliche Berufe Freie künstlerische, publizistische und pädagogische Berufe Ärzte Rechtsanwälte Vermessungsingen. Journalisten Zahnärzte Notare Ingenieure Bildberichterstatter Tierärzte Patentanwälte Architekten Dolmetscher Heilpraktiker Wirtschaftsprüfer Handelschemiker Übersetzer Dentisten Steuerberater Lotsen Designer Krankengymnasten berat. Volkswirte Bauingenieure Fahrlehrer Hebammen berat. Betriebswirte Baustatiker Interviewer Heilmasseure vereid. Buchprüfer Biologen Kameramänner Diplompsychologen vereid. Bücherrevis. Innenarchitekten Bildende Künstler Psychotherapeuten Steuerbevollmächtigte Landschaftsarchitekten Tanztherapeuten Ergotherapeuten Mitglieder der Rechts- vereid. Sachverständige Lehrer Berufsbetreuer Anwaltskammern Chemiker Musiklehrer Ambul. Krankenpfleger EDV-Berater Umweltgutachter Kunstmaler Atemlehrer Versicherungsmathem. Informatiker Musiker Sprechlehrer Rentenberater Bioinformatiker Diplompädagogen Stimmlehrer Psychologen Medieninformatiker Restauratoren Logopäden Leasingberater Netzwerkadministratoren Schriftsteller Motopäden Anlagenberater Umweltberater Tontechniker Ernährungsberater Medienberater Umweltingenieur Trainer Sozialberater PR-Berater Wissenschaftler Art-Consultant Yogalehrende Energieberater Okularisten Mediendesigner Drehbuchautoren Informationsbroker Medienpädagogen Museumspädagogen Event-Manager Quellen: EStG § 18 , PartGG § 1, BMWA (2004), BFB (2004) und die Einkommensteuer- Richtlinie H 136. Um realitätsnahe Entwicklungen des freiberuflichen Gründungsgeschehens abzubilden werden abweichend von der steuerrechtlichen Anerkennung einzelne freiberufliche Tätigkeiten ein- oder ausgeschlossen. Dazu zählt im Rahmen dieser Arbeit die Berufsgruppe der Apotheker, welche als traditionelle klassische freiberufliche Tätigkeit eingeschlossen wird. Definitorisch ausgeschlossen blei- Die Freien Berufe 39 ben dagegen die Berufsgruppen der Hochschuldozenten und Lehrer im öffentlichen Dienst, da diese Berufsgruppen keine freiberufliche Gründungsform hinsichtlich ihrer Strukturexistenz darstellen (vgl. Kap. 2.3). Als allgemeine Definition für die Freien Berufe wird im Rahmen dieser Arbeit die Begriffsbestimmung des Bundesverbands Freie Berufe übernommen, da sich in dieser Definition die Charakteristika freiberuflicher Tätigkeiten am weitestgehenden vereinigen. Dies betrifft sowohl die gesetzgeberische Praxis als auch die Berücksichtigung der berufssoziologischen Aspekte der spezifischen Tätigkeit. Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass mit dieser Definition zwar die beiden Perspektiven verbunden werden, aber eine Abgrenzung freiberuflicher Tätigkeiten zu anderen selbständigen Tätigkeiten, mit einer solchen allgemein gehaltenen Definition, kaum praxistauglich ist. Daher ist es im Rahmen dieser Arbeit notwendig eine einheitliche Begriffsterminologie zu erstellen sowie auf die Anwendung bezogene Kriterien für die Unterscheidung freiberuflicher- und selbständiger Tätigkeiten vorzunehmen. Dieser Aufgabe widmet sich das folgende Kapitel. 2.2 Klassifizierung und Abgrenzung Grundsätzlich hat sich nach heutiger Auffassung in der Wissenschaft und Literatur die Erkenntnis durchgesetzt, dass der soziologisch geprägte Begriff des Freien Berufes nicht umfassend und eindeutig abgegrenzt werden kann. Ebenso ist eine abschließende enumerative Erfassung freiberuflicher Tätigkeiten mit dem Anspruch auf Exklusivität und Vollständigkeit kaum möglich (Taupitz 1991, Deneke 1969). Vor dem Hintergrund dieser Abgrenzungsproblematik bei den Freien Berufen werden in diesem Kapitel geeignete Kriterien für eine praxisorientierte Abgrenzung zu den Selbständigen entwickelt. Ihre Herleitung baut auf die zuvor behandelten spezifischen Charakteristika freiberuflicher Tätigkeiten auf. Mittels dieser Kriterien soll eine vereinfachte und praxisorientierte Zuordnung der Tätigkeiten ermöglicht werden, sofern eine Zuordnung durch die im Anhang aufgeführte Enumeration (durch die Rechtsprechung anerkannte Freie Berufe) nicht gewährleistet ist. Die Entwicklung einheitlicher Kriterien für die Zuordnung einzelner Tätigkeiten sowie die Definition und Klassifizierung selbständiger Tätigkeiten ist sehr aufwendig, aber im Hinblick auf die empirische Untersuchung des freiberuflichen Gründungsgeschehens von zentraler Bedeutung für die Evidenz der empirischen Erhebung und Befunde. Zwar existieren bereits spezielle Prüfungsschemen für die eingehende Unterscheidung zwischen freiberuflichen und selbständigen Tätigkeiten (vgl. Engel, Oberlander und Kräuter, 2000), doch ist ihre Anwendung auf den Einzelfall und einer umfassenden Informationskenntnis der betroffenen Person oder des Betriebes abgestimmt und in der Regel sehr aufwendig. Diese umfassende Informationstiefe kann kein in der Bundesrepublik verfügbarer Da-

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Zusammenfassung

Die Arbeit verfolgt die theoretische, methodische und empirisch fundierte Analyse des freiberuflichen Gründungsgeschehens. Um die Fragestellung “Welche Determinanten beeinflussen die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg von Freiberuflern?“ wird das Spektrum über die Phasen vor der Gründung bis zur Etablierung der freiberuflichen Tätigkeit am Markt erfasst.

Auf Grundlage des SOEP-Panels und einer Onlineerhebung tragen die Ergebnisse zu einem Erkenntnisgewinn des freiberuflichen Gründungsgeschehens bei. Gewürdigt wird dabei insbesondere die Praxis mit vielen neuen Ergebnissen aus den empirisch neu gewonnenen Daten zum Gründungsgeschehen der Freien Berufe.

Dr. Peter Paic studierte BWL und Ökonomie in Hamburg. 2008 Promotion an der Leuphana Universität Lüneburg. Zurzeit ist er Referent im Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS NRW) in Düsseldorf.