Content

Judith Hoffmann, Die Hypothesen in:

Judith Hoffmann

Die Integration Südosteuropas, page 33 - 33

Die Demokratisierungspolitik europäischer Organisationen in Albanien

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8329-4075-1, ISBN online: 978-3-8452-1211-1 https://doi.org/10.5771/9783845212111

Bibliographic information
33 1.4. Die Hypothesen Der Untersuchung werden folgende Hypothesen zugrunde gelegt: Hypothese 1: Quantitative und qualitative Veränderungen des Engagements externer Akteure in Südosteuropa finden in Reaktion auf tatsächliche oder wahrgenommene nationale bzw. regionale Krisen statt. Die Annahme geht davon aus, dass sich die europäischen multilateralen Organisationen nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Ost- und Südosteuropa nicht proaktiv (wie im Sinne der Regimekonkurrenz während des kalten Krieges) für die Demokratisierung engagieren. Sie agieren vielmehr „reaktiv“, d.h. erst, nachdem ein Bedrohungspotential für die westliche Gemeinschaft wahrgenommen wird. Mit jeder weiteren Krise bzw. Bedrohung kommt es – im Sinne einer „sich selbst erfüllenden Verpflichtung“ – zu einem steigenden Niveau an Unterstützung durch die externen Akteure, das sich nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ausdrückt. Diese Verhaltensweise der externen Akteure wird hier als „Eskalations-Engagement-Syndrom“ bezeichnet. Hypothese 2: Der Beitrag der externen Akteure zur Demokratisierung ist an das Vorhandensein eines minimalen Niveaus staatlicher Kapazität zum Wandel gebunden. Externe Akteure sind in unmittelbarer Weise auf die Kooperation und Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen des Transformationslandes angewiesen. Obwohl die europäischen Organisationen eine machtvolle Position in der Besetzung von Themenfeldern und der Definition von Agenden besitzen, hängt die Normübernahme und Implementierung von Reformmaßnahmen von den Kapazitäten der staatlichen Administration ab. Hypothese 3: Die Kapazitäten (u.a. innere Struktur und Organisationsweise) der externen Akteure haben einen Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit ihrer Unterstützung an die Probleme, die Ressourcen und den Unterstützungsbedarf des Transformationslandes. Die Annahme geht davon aus, dass die externen mit den innenpolitischen Akteuren interagieren. Da es sich bei der Demokratisierung um einen Prozess handelt, auf den die externen Akteure – ihrem eigenen Anspruch zufolge – positiv einzuwirken versuchen, ist zu vermuten, dass das Ergebnis ihrer Handlungen auch von den eigenen Kapazitäten und ihrer Anpassungsfähigkeit beeinflusst wird. 1.5. Die Gliederung der Arbeit Nach der Einleitung (Kapitel 1) wird im zweiten Kapitel der Forschungsansatz dieser Arbeit entwickelt. Dort werden zunächst die zentralen Begriffe Demokratisierung und Konsolidierung definiert (Kapitel 2.1). Danach werden die Forschungsansätze analysiert und diskutiert, die sich mit der Rolle externe Akteure für die Demokratisierung in postsozialistischen Transformationsländern beschäftigen (Kapitel 2.2). Dabei handelt es sich erstens um die innerhalb der Theorien der internationalen

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Im Schnittfeld von Transformations- und Integrationsforschung bietet die Arbeit eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Einflussmöglichkeiten europäischer Institutionen auf die Demokratisierung in Südosteuropa. Analysiert wird die Demokratisierungshilfe von EU, OSZE und Europarat am wenig untersuchten Fall des „scheinheiligen Demokratisierers“ Albanien. Scheinheilige Demokratisierer stellen die Demokratisierungsbemühungen europäischer Organisationen in Südosteuropa vor große Herausforderungen. Wegen der prekären Sicherheitslage weisen sie einen erhöhten Stabilisierungsbedarf auf und begrenzten dadurch die Wirkung des Engagements der europäischen Akteure. In Auseinandersetzung mit den Forschungsansätzen der Internationalen Sozialisierung, der Europäisierung und der Konditionalität leistet die Arbeit einen Beitrag zur Debatte über die Rolle externer Akteure und untersucht die Wirkungszusammenhänge zwischen der internationalen und nationalen Dimension der Demokratisierung von Transformationsländern. Die Ergebnisse der Studie werfen einen kritischen Blick auf die EU-Konditionalität und zeigen die Notwendigkeit einer neuen Integrationsstrategie für die Länder Südosteuropas auf.