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Hans-Jörg Weiß, Fazit in:

Hans-Jörg Weiß

Entscheidungsorientiertes Costing in liberalisierten Netzindustrien, page 151 - 152

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4061-4, ISBN online: 978-3-8452-1481-8 https://doi.org/10.5771/9783845214818

Series: Freiburger Studien zur Netzökonomie, vol. 16

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151 bleibt allerdings offen, ob es sich um den Ertragswert aus der Perspektive des Alteigentümers oder um den Ertragswert aus der Perspektive des übernehmenden Marktneulings handelt. Gemäß der oben entwickelten Argumentation sollte es der private Ertragswert aus der Perspektive des Alteigentümers sein. 8.3.3 Fazit Falls dem Besteller subventionierter Infrastruktureinrichtungen die Möglichkeit zur wettbewerblichen Ermittlung des Subventionsbedarfs nicht zur Verfügung steht, bleibt ihm nur der Weg über die rechnerische Ermittlung. Die rechnerische Ermittlung des Subventionsbedarfs bei defizitären monopolistischen Bottlenecks und die Kostenermittlung bei profitablen monopolistischen Bottlenecks sind isomorphe ökonomische Problemstellungen. Es stellt sich deshalb die Frage, ob der Besteller bei der Lösung dieses Problems nicht auf die Dienste einer Regulierungsbehörde zurückgreifen sollte. Ein aktuelles Beispiel sind die Zuständigkeiten und Aufgaben der Bundesnetzagentur. Im Bereich von Post und Telekommunikation ist die Bundesnetzagentur bisher schon sowohl für die Marktmachtregulierung als auch die Ausübung der Bestellerfunktion zuständig. Im Eisenbahnsektor obliegt ihr nur die Marktmachtregulierung.269 Da der Subventionsbedarf auf der Ebene der Eisenbahninfrastruktur derzeit nicht im Rahmen wettbewerblicher Verfahren ermittelt wird, ist zu überlegen, ob die Bundesnetzagentur in diese Aufgabe eingebunden wird.270 Wie in Abschnitt 8.2.1 gezeigt, wird bei defizitären monopolistischen Bottlenecks auch dann, wenn keine Subventionierung vorliegt, eine Regulierungsbehörde benötigt, um den diskriminierungsfreien Zugang zu gewährleisten. Darüber hinaus muss durch diese Behörde das Preisniveau in den profitablen Bottleneck-Bereichen reguliert werden. Allein schon die Abgrenzung zwischen profitablen und defizitären monopolistischen Bottlenecks im Rahmen der horizontalen Accounting Separation (vgl. Abschnitt 8.2.2) erfordert auf Seiten der Regulierungsbehörde auch entsprechende Kosteninformationen über die defizitären Bereiche. Genauso wie im Regulierungskontext spielt auch im Subventionierungskontext die unternehmerische Kostenermittlung eine zentrale Rolle bei der Fundierung wirt- 269 Darüber hinaus ist die Bundesnetzagentur bei Post und Telekommunikation auch für die technische Regulierung zuständig (vgl. Knieps 1997b). Im Eisenbahnsektor wurde diese Aufgabe im Zuge der Bahnreform dem Eisenbahnbundesamt übertragen (vgl. Berndt 2003: S. 256 f.). 270 Die politische Kompetenzverteilung bleibt davon unberührt. Die Bestellerfunktion für die (wettbewerblichen) Eisenbahnverkehrsleistungen wurde im Zuge der Regionalisierung auf die Länder übertragen. Es wäre denkbar, darüber hinaus auch die Bestellerfunktion für die Eisenbahninfrastruktur zu regionalisieren (vgl. Ilgmann 2007: S. 112 f.). Der Vorschlag zur Einbeziehung der Bundesnetzagentur bezieht sich allein auf die mögliche Mitwirkung dieser Behörde bei der Ermittlung des Subventionsbedarfs auf der Ebene der Eisenbahninfrastruktur. 152 schaftspolitischer Entscheidungen. Bei der Prüfung und Auswertung der vom Unternehmen vorgelegten Kosteninformationen könnten politische Besteller auf die Expertise und das angesammelte Know-how der Regulierungsbehörde zurückgreifen. Dadurch kann auch leichter sichergestellt werden, dass Kostenermittlungen mit dem Zweck der Regulierung monopolistischer Bottlenecks und Kostenermittlungen mit dem Zweck der Subventionierung monopolistischer Bottlenecks ökonomisch fundiert und konsistent nach einheitlichen Prinzipien durchgeführt werden.271 271 Es soll nochmals betont werden, dass es sich um unterschiedliche Zwecke handelt. Dass die Regulierungsbehörde den Subventionsbedarf ermittelt, ist nicht zwingend. Sie würde im Auftrag des politischen Bestellers handeln, der letztlich für die Bestellung und die Zuschussvereinbarung verantwortlich bliebe.

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Zusammenfassung

Für die in liberalisierten Netzindustrien aktiven Unternehmen sind Kosteninformationen insbesondere bei Preis- und Investitionsentscheidungen von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus interessieren sich in zunehmendem Maße die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger für die Kosten der Netze, vor allem bei der Regulierung von Marktmacht und der Bestellung defizitärer Netzleistungen. Dies erfordert eine auf anerkannten ökonomischen Prinzipien basierende entscheidungsorientierte Kostenermittlung, die durchgängig und konsistent in allen Netzbereichen – seien sie nun wettbewerblich, reguliert oder subventioniert – anwendbar ist. Die vorliegende Habilitationsschrift will hierfür eine systematische methodische Grundlage legen.

Im Mittelpunkt steht die disaggregierte Ermittlung der Kapitalkosten. Es wird aufgezeigt, dass das Deprival value-Konzept bei der Kapitalkostenermittlung eine zentrale Rolle spielt. Darauf aufbauend wird ein analytischer Rahmen entwickelt, der das Zusammenspiel von Regulierung und Subventionierung (z.B. bei defizitären Eisenbahninfrastrukturen) normativ begründen kann.