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Hans-Jörg Weiß, Das Konzept der entscheidungsrelevanten Kosten in:

Hans-Jörg Weiß

Entscheidungsorientiertes Costing in liberalisierten Netzindustrien, page 35 - 40

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4061-4, ISBN online: 978-3-8452-1481-8 https://doi.org/10.5771/9783845214818

Series: Freiburger Studien zur Netzökonomie, vol. 16

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35 3 Grundlagen der Ermittlung entscheidungsrelevanter Kosten in Netzen 3.1 Das Konzept der entscheidungsrelevanten Kosten Wie in Abschnitt 2.1 erläutert, ist nach Clark (1923) jede Kostenermittlung zweckabhängig. Ronald Coase ging im Jahr 1938 in einer Artikelserie noch einen Schritt weiter.27 Anstatt die Zweckpluralität hervorzuheben, wie Clark es tat, fokussierte er ganz gezielt den seiner Ansicht nach – aus ökonomischer Sicht – zentralen Zweck. Nach Coase besteht dieser zentrale Zweck unternehmerischer Kostenermittlung darin, die gewonnenen Kostendaten als Informationsinput für Entscheidungen zu verwenden. Der Fokus der Kostenermittlung sollte deshalb explizit auf Entscheidungen ausgerichtet werden: "It will perhaps indicate most clearly the nature of the approach to business problems which has been discussed in this article if emphasis is placed on its close connection with the making of decisions. The technique which has been examined is one which aims at aiding business men in making decisions. One can discuss the meaning of the term 'avoidable cost' but what costs are avoidable and their actual measurement can only be determined with reference to a particular decision" (Coase 1952: S. 141). Für das dahinterstehende Kostenkonzept hat sich mittlerweile der Begriff der entscheidungsrelevanten Kosten eingebürgert. Eine gängige Definition lautet: "Relevant costs are expected future costs and relevant revenues are expected future revenues that differ among the alternative courses of action being considered" (Horngren/Datar/Foster 2003: S. 370, Hervorhebungen wie im Original). Diese Definition beinhaltet aus gutem Grund zugleich auch eine Definition entscheidungsrelevanter Erlöse. Dies erinnert nicht nur an die enge Verwandtschaft dieser beiden Konzepte (dieselben konstituierenden Begriffsmerkmale), sondern macht zugleich von vornherein deutlich, dass es zwei unterschiedliche Konzepte sind. Relevante Kosten haben ihren Ursprung immer in der ein oder anderen Form auf der Inputseite eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu haben relevante Erlöse ihren Ursprung auf der Outputseite eines Unternehmens. Analog dazu sind Costing und Pricing als zwei unterschiedliche unternehmerische Strategieparameter zu behandeln und konzeptionell klar zu trennen (vgl. Knieps 2003c: S. 12-14). Ausgehend von obiger Definition lassen sich entscheidungsrelevante Kosten mit Hilfe der folgenden vier Merkmale charakterisieren (vgl. Hummel 1992: S. 78-82): • Zukunftsbezogenheit; • Erwartungsbestimmtheit; 27 Zur dogmengeschichtlichen Würdigung dieses Coase'schen Beitrags vgl. Buchanan (1999: S. 26-29) und Miller (1998: S. 611 f.); zur Rezeption im deutschsprachigen Raum vgl. Bungenstock (1995: S. 93). 36 • Beeinflussbarkeit; • Einzelzurechenbarkeit. Die Zukunftsbezogenheit entscheidungsrelevanter Kosten folgt unmittelbar aus der Verknüpfung mit Entscheidungen. Jede Entscheidung hat einen zeitlichen Bezugspunkt; es gibt ein Vorher und ein Nachher (vgl. Abbildung 3.1). Eine Entscheidung zum Zeitpunkt 0 kann nur Kostenwirkungen in zukünftigen Perioden 1, 2 usw. nach sich ziehen, kann aber naturgemäß niemals Rückwirkungen auf vergangene Perioden -1, -2 usw. haben. Dies ist eine zwangsläufige Folge der Irreversibilität der Zeit. Die Zukunftsbezogenheit erfordert es, die Möglichkeit zukünftiger Entscheidungen bereits im Kalkül einer heute anstehenden Entscheidung zu berücksichtigen. Jede Entscheidung ist als Glied einer ganzen Kette betrieblicher Entscheidungen zu verstehen. Die Kostenwirkungen in zukünftigen Perioden können nur abgeschätzt werden, wenn heute auch bereits Annahmen darüber getroffen werden, wie zukünftig entschieden wird. Dies bedeutet nicht, dass die zukünftigen Entscheidungen bereits endgültig getroffen werden. Tatsächlich zu treffen ist nur die Entscheidung heute; die zukünftigen Entscheidungen sind im heutigen Entscheidungskalkül als hypothetische Entscheidungen zu berücksichtigen.28 Abbildung 3.1: Zukunftsbezogenheit entscheidungsrelevanter Kosten Quelle: Eigene Darstellung 28 "We do not have to decide this year what to do next year; we only have to decide what to do this year. Next year and subsequent years are relevant now only because what it will be possible or desirable for us to do then will depend partly on what we have done this year. These future consequences of present actions can only be ascertained, however, by making hypothetical future decisions. [...] Thus analytically, a whole series of decisions is all made now. None the less, only one decision in this series is more than hypothetical, namely the first one" (Turvey 1971: S. 53). prinzipiell irrelevante Kosten potenziell relevante Kosten Zeitachse Periode 2 Periode 1 Periode -1 Periode -2 Zeitpunkt -2,0 Zeitpunkt -1,0 Zeitpunkt 0 Zeitpunkt 2,0 Zeitpunkt 1,0 Entscheidung 37 Der Faktor Zeit bringt nicht nur eine Beschränkung auf die zukünftigen Kostenwirkungen, sondern erfordert auch deren Abdiskontierung auf den Entscheidungszeitpunkt, um sie vergleichbar zu machen (vgl. Coase 1952: S. 120-122).29 Es kommt deshalb nicht nur darauf an, ob Kosten in der Zukunft anfallen oder nicht, sondern auch wann genau sie anfallen. Im Kontext betrieblicher Produktionsprozesse muss man sich den Verzehr von Inputs als durchaus schwankenden, aber mehr oder weniger kontinuierlichen Strom vorstellen.30 Um daraus für konkrete Entscheidungen eine Informationsgrundlage abzuleiten, ist allein schon aus Praktikabilitätsgründen eine mehr oder weniger trennscharfe Periodisierung31 dieses Inputstroms unvermeidlich (vgl. Schneider 1968: S. 2 f.). Das Merkmal Erwartungsbestimmtheit soll zum Ausdruck bringen, dass es sich bei entscheidungsrelevanten Kosten um Größen handelt, die von Erwartungen bezüglich Outputmengen, Inputpreisen etc. in der Zukunft abhängen. Die Ermittlung beruht zwangsläufig auf Prognosen, die in der betrieblichen Realität immer in der ein oder anderen Form mit Unsicherheiten behaftet sind. Sowohl die Abschätzung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen als auch deren Bewertung hängen vom Informationsstand und den Risikopräferenzen des Entscheidungsträgers ab. Allein schon durch dieses subjektive Element werden die Möglichkeiten zur Objektivierung entscheidungsrelevanter Kostendaten, z.B. zu Kontrollzwecken durch Externe, von vornherein stark eingeschränkt. Aber das Kontrollproblem ist noch subtiler: Auch der Entscheidungsträger selbst kann ex post nicht sagen, ob die von ihm ex ante getroffenen Entscheidungen richtig oder falsch waren (vgl. Coase 1952: S. 116- 120). Das nachfolgende Beispiel soll dies verdeutlichen (vgl. Tabelle 3.1). Tabelle 3.1: Zahlenbeispiel zur Erwartungsbestimmtheit entscheidungsrelevanter Kosten ex ante-Budgets ex post-Abrechnung Entscheidungsalternativen zum Zeitpunkt 0 Erlöse (Plan) Kosten (Plan) Gewinn (Plan) Erlöse (Ist) Kosten (Ist) Gewinn (Ist) Projekt A 80 70 +10 Projekt B 80 50 +30 80 65 +15 Projekt C 80 60 +20 Quelle: Eigene Zusammenstellung Zum Entscheidungszeitpunkt 0 stehen drei Projekte zur Wahl, aus denen eines ausgewählt werden muss. Bei den ex ante-Budgetdaten handelt es sich um Erwartungswerte, berechnet auf Basis von (als bekannt angenommenen) Wahrscheinlichkeits- 29 Zur dogmengeschichtlichen Würdigung dieses Aspekts des Coase'schen Beitrags vgl. Parker (1968: S. 68) und Burrows (1994: S. 56). 30 "We now take account of the fact, that outputs and inputs have a time dimension, that they must be dated. We have to think in terms of time-streams of inputs and outputs, of benefits and costs" (Turvey 1971: S. 53). 31 In Abbildung 3.1 im Sinne einer Bündelung benachbarter Zeitpunkte schematisch dargestellt. 38 verteilungen. Projekt B wird gewählt, weil die Differenz von erwarteten Erlösen und erwarteten Kosten am größten ist (+30). Nach Projektabschluss wird eine Abrechnung mit den tatsächlichen Größen erstellt. Dass die Ist-Kosten um 15 über Plan lagen (-65 statt -50), bedeutet nicht, dass der ursprüngliche Erwartungswertansatz falsch war, denn bei den ex post-Abrechnungsdaten handelt es sich um realisierte Punktwerte, die mit Erwartungswerten nicht unmittelbar vergleichbar sind. Noch weniger lässt sich sagen, ob die Plan-Ist-Abweichung ein Zeichen dafür ist, dass die ursprüngliche Entscheidung für Projekt B eine Fehlentscheidung war.32 Dazu müsste bekannt sein, wie sich die Projekte A und C tatsächlich entwickelt hätten, wenn sie gewählt worden wären. Aber das ist unmöglich: Für nicht-gewählte Alternativen kann es keine ex post-Abrechnung geben (vgl. Thirlby 1981: S. 182).33 Das Konzept der entscheidungsrelevanten Kosten zielt jedoch nicht darauf ab, vergangene Entscheidungen zu kontrollieren, sondern vielmehr darauf, zukünftige Entscheidungen zu fundieren. Entscheidungsrelevante Kosten sind deshalb grundsätzlich aus der ex ante-Perspektive zu ermitteln. Das Merkmal Beeinflussbarkeit schränkt den Bereich relevanter Kosten weiter ein. Von den zukünftigen Kosten (die vergangenen sind ohnehin nicht mehr beeinflussbar) sind nur diejenigen zu berücksichtigen, die im Rahmen der anstehenden Entscheidung noch veränderbar sind.34 Kosten können nur dann entscheidungsrelevant sein, wenn sich eine kausale Verbindung zur konkret anstehenden Entscheidung herstellen lässt (vgl. Coase 1952: S. 106 f.).35 Bei der Abbildung der kausalen Verbindung zwischen Entscheidungen und Kosten sind zwei komplementäre Kausalitätsbeziehungen vorstellbar. James Buchanan unterscheidet zu ihrer Kennzeichnung zwischen entscheidungsbeeinflussenden Kosten ("choice-influencing cost") und entscheidungsbeeinflussten Kosten ("choice-influenced cost"; vgl. Buchanan 1999: S. 42 f. sowie Abbildung 3.2). Nach vorherrschendem (und auch dieser Arbeit zugrunde liegendem) Verständnis des Begriffs der entscheidungsrelevanten Kosten liegt im Kontext unternehmerischer Kostenermittlung der Fokus auf letzteren, d.h. den entscheidungsbeeinflussten Kosten. Gemeint ist damit: Wenn eine bestimmte Alternative gewählt wird (Entscheidung als Ursache), dann hat dies die im Budget für diese Alternative ausgewiesenen Kosten zur Folge (Kosten als Wirkung). Nach diesem Begriffsverständnis stellen Kosten die Konsequenzen der Realisierung einer bestimmten Alternative dar. 32 Nach dem Motto: 'Wenn ich vorher schon gewusst hätte, dass Projekt B ex post nur einen Gewinn von +15 erbringt, hätte ich nicht Projekt B sondern Projekt C (mit dem Plan-Gewinn +20) gewählt.' 33 "An anticipated cost is not and cannot be a substitute for a realized burden, nor can these be dimensionally equivalent. 'The coward dies a thousand deaths' before he dies" (Buchanan 1999: S. 64). 34 Diese Bedingung macht deutlich, weshalb versunkene bzw. irreversible Kosten (vgl. Abschnitt 2.3.1) nicht mehr entscheidungsrelevant sein können: sie sind durch überhaupt keine Entscheidung mehr veränderbar (vgl. Hummel 1992: S. 80 f.). 35 Dabei stellt sich das Problem der Monetarisierbarkeit von Kostenwirkungen, das jedoch im Kontext unternehmerischer Kostenermittlung leichter lösbar sein dürfte als in anderen Kontexten (vgl. Coase 1952: S. 116). 39 Abbildung 3.2: Beeinflussbarkeit entscheidungsrelevanter Kosten Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Buchanan (1999: S. 42 f.) Illustriert am Zahlenbeispiel in Tabelle 3.1 heißt das: Projekt 2 hat entscheidungsrelevante Kosten von 50. Davon zu unterscheiden ist das Begriffsverständnis der subjektivistischen Kostentheorie à la Thirlby (1946) und Alchian (1968).36 In dieser Theorie werden die entscheidungsbeeinflussenden Kosten fokussiert. Gemeint ist damit: Wenn auf die nächstbeste Alternative verzichtet wird (Kosten als Ursache), dann kann die beste Alternative gewählt werden (Entscheidung als Wirkung). Nach dieser Vorstellung lassen sich die Kosten eines bestimmten Projekts nur unter Bezugnahme auf ein anderes Projekt angeben.37 Wiederum illustriert am Zahlenbeispiel in Tabelle 3.1 heißt das: Projekt 2 hat – nach subjektivistischem Begriffsverständnis – entscheidungsrelevante Kosten von 20 (= Plan-Gewinn des nächstbesten Projekts 3).38 Last but not least dient das Merkmal Einzelzurechenbarkeit dazu, aus den zukünftig erwarteten Kosten diejenigen als irrelevant herauszufiltern, die zwar von der Entscheidung beeinflusst werden, aber nicht spezifisch mit einer der Entscheidungsalternativen in Verbindung stehen (vgl. Hummel 1992: S. 80). Nehmen wir als Beispiel ein Busunternehmen, das vor der Entscheidung steht, einen neuen Bus anzuschaffen. Die zur Wahl stehenden Bustypen haben unterschiedliche Anschaffungs- 36 Zur Illustration dieses Kostenverständnisses vgl. Wiseman/Littlechild (1990). 37 "We can illustrate with the person deciding whether or not to have a swimming pool. He determines that the 'good' consequences of a pool are worth what we shall call '100 units', while the 'bad' are equivalent to the loss of '70 units'. The best alternative to having a pool is, let us say, to take action 'A', with 'good' attributes valued at 50 and 'bads' valued at a loss of 10. The pool has a net value of 30, while event A is worth 40. The cost of the pool is 40 (not 70), while the cost of A is 30 (not 10). What is lost if the pool is selected is the 40 units of value otherwise available by opting for A" (Alchian 1968: S. 404). 38 Bezogen auf das zu lösende Entscheidungsproblem bedeutet dies jedoch, dass das beste und das zweitbeste Projekt bereits identifiziert sein müssen, um diese Art von 'Kosten' angeben zu können. Zumindest im Kontext unternehmerischer Kostenermittlung konnte sich dieses Begriffsverständnis nicht durchsetzen. Hier überwiegt die Vorstellung: erst Kosten ermitteln, dann entscheiden (vgl. Gould 1962). Choice- Influencing Cost Choice Choice- Influenced Cost 'Entscheidungsrelevante Kosten' in der Terminologie der subjektivistischen Kostentheorie (Thirlby 1946, Alchian 1968) 'Entscheidungsrelevante Kosten' nach der in dieser Arbeit verwendeten Definition (Horngren/Datar/Foster 2003) 40 preise, aber die durchschnittliche Lebensdauer und der Treibstoffverbrauch sind bei allen identisch. In diesem Fall sind die Anschaffungspreise entscheidungsrelevant, die erwarteten zukünftigen Treibstoffkosten dagegen nicht, weil sie nicht alternativenspezifisch sind. Das Kriterium der Einzelzurechenbarkeit ist insbesondere bei den so genannten Gemeinkosten verletzt. Alle Versuche eine Zurechenbarkeit im Rahmen so genannter Gemeinkostenschlüsselungen künstlich herstellen zu wollen, sind dem Vorwurf der Willkür ausgesetzt (vgl. Baumol/Koehn/Willig 1987). Die Ermittlung entscheidungsrelevanter Kosten ist unvereinbar mit der Schlüsselung von Gemeinkosten. Die Kritik an solchen Verfahren der Kostenallokation hat denn auch eine lange Tradition.39 Schon Clark (1923) hat das zentrale Argument gebracht, warum Gemeinkostenschlüsselungen aus ökonomischer Sicht überflüssig oder gar schädlich sind: Die Elastizitäten der Nachfragergruppen des Unternehmens müssen einbezogen werden (vgl. Knieps 2008a: S. 232 f.). Durch die Einbeziehung der Nachfrageelastizitäten zur Deckung von Gemeinkosten wird jedoch die – bereits eingangs dieses Abschnitts markierte – konzeptionelle Grenze zwischen relevanten Kosten und relevanten Erlösen überschritten. 3.2 Grundsätzliche Probleme bei der Ermittlung entscheidungsrelevanter Kosten Die beiden in diesem Abschnitt vorgestellten Probleme sind allgemeiner Natur, d.h. stellen sich nicht nur in Netzen. Es wird sich aber später noch zeigen (Abschnitt 3.3), dass diese Probleme auch und gerade in Netzen von besonderer Bedeutung sind. 3.2.1 Kapitalkosten Die entscheidungsrelevanten Kosten eines Unternehmens lassen sich grob in zwei Arten unterteilen (vgl. Knieps 2003c: S. 18-20): • Prozesskosten: Personaleinsatz, Materialverbrauch und andere operative Inputs; • Kapitalkosten: Abschreibung und Verzinsung des eingesetzten Kapitals. In Theorie und Praxis gilt die Ermittlung der Kapitalkosten als das vergleichsweise schwierigere Problem. Das Schwierige daran ist ihre Periodisierung. Ein Beispiel ist der Kauf einer neuen Druckmaschine durch eine Druckerei zum Zeitpunkt t = 0. Nehmen wir an, diese Maschine habe bei optimaler Auslastung und regelmäßiger Wartung eine geschätzte wirtschaftliche Lebensdauer von T Perioden. Die Beschaffung der Maschine gegen Entgelt (Bestandsgröße) stellt für sich genommen einen Transfer von Eigentumsrechten zwischen Maschinenhersteller und Druckerei zum 39 Auch Coase hat die nachteiligen Folgen von Gemeinkostenschlüsselungen anhand eines Beispiels demonstriert (vgl. Coase 1952: S. 112-115).

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References

Zusammenfassung

Für die in liberalisierten Netzindustrien aktiven Unternehmen sind Kosteninformationen insbesondere bei Preis- und Investitionsentscheidungen von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus interessieren sich in zunehmendem Maße die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger für die Kosten der Netze, vor allem bei der Regulierung von Marktmacht und der Bestellung defizitärer Netzleistungen. Dies erfordert eine auf anerkannten ökonomischen Prinzipien basierende entscheidungsorientierte Kostenermittlung, die durchgängig und konsistent in allen Netzbereichen – seien sie nun wettbewerblich, reguliert oder subventioniert – anwendbar ist. Die vorliegende Habilitationsschrift will hierfür eine systematische methodische Grundlage legen.

Im Mittelpunkt steht die disaggregierte Ermittlung der Kapitalkosten. Es wird aufgezeigt, dass das Deprival value-Konzept bei der Kapitalkostenermittlung eine zentrale Rolle spielt. Darauf aufbauend wird ein analytischer Rahmen entwickelt, der das Zusammenspiel von Regulierung und Subventionierung (z.B. bei defizitären Eisenbahninfrastrukturen) normativ begründen kann.