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Anke Neuber, Schlussbemerkung in:

Anke Neuber

Die Demonstration kein Opfer zu sein, page 189 - 194

Biographische Fallstudien zu Gewalt und Männlichkeitskonflikten

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8329-4056-0, ISBN online: 978-3-8452-1251-7 https://doi.org/10.5771/9783845212517

Series: Interdisziplinäre Beiträge zur Kriminologischen Forschung, vol. 35

Bibliographic information
189 IV. Schlussbemerkung In der vorliegenden Arbeit wurde die subjektive Bedeutung von Gewalt im Gefängnis im Kontext biographischer Konflikterfahrungen untersucht. Gewalt in Jugendhaftanstalten wird dabei in allen Interviewerzählungen thematisiert. Wird die Bedeutung von Gewalt im Gefängnis in den Blick genommen, zeigt sich – trotz der subjektiv sehr unterschiedlichen und teilweise konträren Bedeutung – über alle Fälle hinweg ein aufschlussreiches Phänomen: Die jungen Männer demonstrieren in den Interviews, dass sie keine Opfer sind. Die Strategien der jungen Männer hierzu sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der Identifikation mit mächtigen Inhaftierten über die Betonung, sich im Falle eines körperlichen Angriffs wehren zu „müssen“, über die Polarisierung der Gefangenenhierarchie in ausschließlich Täter- und Opferpositionen bis hin zu der offiziellen Antragstellung mit der Bitte um Verlegung auf eine andere Station. Dabei ist auffällig, dass das Sprechen über Gewalt mit Rückgriff auf polarisierte Denkfiguren erfolgt: Die jungen Männer beschreiben eine klare Gefangenenhierarchie mit eindeutigen Täter-Opfer-Positionen. Gewalt erscheint als Mittel der Distinktion im Sinne einer Etablierung von Rangordnungen. Die Dichotomisierung stellt sich dabei als fallübergreifendes Muster heraus. Dahinter liegt der Wunsch, kein Opfer zu sein und somit nicht verletzt werden zu wollen. In den Interviews zeigt sich dieser Wunsch besonders darin, dass die jungen Männer vermeiden, Opfererfahrungen zu thematisieren, oder sie sprechen zugleich über ihre Täterschaft. Sie umgehen somit, die Opfererfahrungen im Interview zu wiederholen, indem sie sie preisgeben und zum Opfer der Interviewerin werden. Die Dichotomisierung in Täter und Opfer ist kulturell geschlechtlich verknüpft und eng verwoben mit den Dichotomen der Geschlechterdifferenz: Weiblichkeit wird mit dem Opferstatus und Gewaltabstinenz, Männlichkeit mit Täterschaft und Gewaltbereitschaft assoziiert. Zugleich werden diese stereotypen Konstruktionen brüchig, wenn die jungen Männer über konkrete Interaktionen sprechen. Hier zeigen sich Überschneidungen der Täter-Opfer-Positionen. Die jungen Männer bewegen sich in der geschlossenen Institution in einem ständigen Spannungsfeld: Sie müssen einerseits Stärke demonstrieren und andererseits die Angst vor der ständigen Gefährdung durch die Inhaftiertengemeinschaft abwehren. Diese Spannung auszubalancieren erfolgt häufig mit Rückgriff auf Konstruktionen von Männlichkeit wie Stärke, Härte und Unverletzbarkeit. Zugleich lassen sich in den Erzählungen Prozesse nachzeichnen, die diesen Männlichkeitskonstruktionen zu wider laufen. Der Wunsch kein Opfer zu sein, zeigt ein Moment von Realitätstüchtigkeit und Anpassungsleistung an die Inhaftiertengemeinschaft mit ihrer gewaltförmigen Struktur. Zugleich verweist diese latente Bedeutung von Gewalt auf Tabuisierungen im Geschlechterverhältnis. Diese Tabuisierungen werden in den Erzählungen durchgeschmuggelt und treten erst durch die Betrachtung des latenten Sinns von Gewalt deutlich zu Tage. Mit der Demonstration von Stärke und der Abwehr von Opferer- 190 fahrungen geht die Angst und Unsicherheit vor der dauerhaften Gefährdung in der Gefangenengruppe einher, die mit „Verletzungsoffenheit“ (Popitz 1986/1992: 44) und Schwäche verwoben ist (Bereswill 2006a: 247). Wird den Selbstentwürfen der jungen Männer gefolgt, geraten sie nur als Täter in den Blick: „Die Ambivalenz von Gewalt, die Angst, die mit der eigenen Verletzungsoffenheit verbunden ist, droht somit einmal mehr verdrängt zu werden.“ (Bereswill 2006a: 246) Diese Ambivalenz lässt sich in allen Interviews aufspüren und zeigt sich besonders deutlich in den autoaggressiven Tendenzen, die in einigen Erzählungen sichtbar werden. In den angedeuteten oder ausgesprochenen Selbstverletzungen zeigt sich, wie nah Aggression und Autoaggression, Verletzungsmächtigkeit und Verletzungsoffenheit beieinander liegen. Die eindeutige Täter-Opfer-Dichotomie verweist auf die Verleugnung dieser Ambivalenzkonflikte. Dies wirft die Frage auf, welche Konflikte in den Erzählungen der jungen Männer im Gefängnis verdeckt gehalten, umgedeutet oder abgewehrt werden. Es sind die Erfahrungen von Schmerz, Angst und Schwäche, die im Gefängnis durch Selbstdarstellungen als stark und widerstandsfähig verborgen werden. Diese werden durch die Erfahrungen von Geschlossenheit und Autonomieverlust verstärkt. Das Festhalten an einer klaren Täter-Opfer-Dichotomie bietet somit Orientierung, Halt und Struktur in der Dynamik der Inhaftiertengemeinschaft. Vor diesem Hintergrund lassen sich die Selbstinszenierungen der jungen Männer als geschlechtsgebundene Phänomene betrachten. Mit Rückgriff auf stereotype Vorstellungen von Männlichkeit wird Ordnung in eine undurchsichtige Dynamik mit sich überschneidenden Täter-Opfer-Positionen gebracht. Dies lässt jedoch offen, welche subjektive Bedeutung diese Männlichkeitsinszenierungen für die jungen Männer haben. Folgt man in der Forschung den kollektiven Entwürfen von Männlichkeit nicht bruchlos, dann gerät in den Blick, was in den biographischen Erzählungen nicht verleugnet werden kann: die Täter-Opfer-Ambivalenzen, die in den subjektiven Bedeutungen von Gewalt im Kontext biographischer Konflikterfahrungen häufig deutlich zu Tage treten. Über alle Unterschiede hinweg zeigen die Fallinterpretationen, dass in den Rekonstruktionen der Bedeutung von Gewalt im Gefängnis, deren Stellenwert auf den ersten Blick den Status innerhalb der Inhaftiertengruppe festlegt und die ein Gradmesser für Männlichkeit ist, noch ein weiterer Interpretationsansatz steckt, der nicht nur auf die Verknüpfung von Männlichkeit und Ehre, Anerkennung, Respekt und Stärke abzielt: Männlich sein heißt aktiv sein (vgl. Sauter 2000: 68f.). Aktivität ist kulturell mit Autonomie assoziiert, während Passivität mit Abhängigkeit verwoben ist. Hier zeigt sich eine spannende Verknüpfung zwischen den empirischen Ergebnissen der Arbeit und einem adoleszenztheoretischen Argument, auf das Vera King (2004) verweist. Adoleszente kämpfen nicht nur um Anerkennung, wie häufig in der Forschung zum Zusammenhang von Männlichkeit und Gewalt angenommen (vgl. Findeisen & Kersten 1999), sondern sie müssen sich auch von der Anerkennung der Anderen unabhängig machen: 191 Individuation gelingt in dem Maße, wie es Adoleszente aushalten können, gerade in ein Anerkennungsvakuum einzutreten, die damit verbundenen Schmerz-, Einsamkeits- und Verlustempfindungen auszuhalten und diese Erfahrung produktiv zu wenden. (King 2004: 55) Im homosozialen Raum des Gefängnisses zeigt sich die Notwendigkeit, Autonomie unter Beweis zu stellen. Dies geschieht häufig mit Bezugnahme auf Konstruktionen von Männlichkeit und Hypermaskulinität (Toch 1998: 173; Bereswill 2003a: 125f., 2006a: 244). Die andere Seite des Spannungsverhältnisses, die Abhängigkeit, muss aus dem Selbstbild ausgeschlossen werden. In Jugendhaftanstalten verstärkt sich die Spannung zwischen der Lebensphase Adoleszenz und Geschlossenheit und Autonomiekonflikte werden virulent. Diese gegenläufige Dynamik kann innere Konflikte hervorrufen und Adoleszenzkonflikte zuspitzen. Auf Gewalt bezogen argumentiert King weiter, dass gewalttätige Jugendliche von der Suche nach Anerkennung getrieben sind, wie sie sich zugleich von dieser durch ihre Grenzüberschreitungen versuchen unabhängig zu machen (vgl. King 2004: 89). Die Verwobenheit von Gewalt und Autonomie, wie sie von King angedeutet wird, zeigt sich in den Interviews besonders deutlich, wenn die Bedeutung von Gewalt im Kontext biographischer Konflikterfahrungen betrachtet wird. Die Verknüpfung der themenzentrierten und Einzelfallperspektive hat als zentrales Ergebnis der vorliegenden Arbeit hervorgebracht, dass zwischen der Bedeutung von Gewalt und den biographischen Konflikterfahrungen der jungen Männer eine enge Verbindung besteht. Gewalt gewinnt ihre tiefere Bedeutung erst im Kontext der biographischen Trennungs-, Ohnmachts-, Anerkennungs-, Selbstbehauptungs- und Zugehörigkeitskonflikte, die in den lebensgeschichtlichen Erzählungen der jungen Männer deutlich zu Tage treten. In diesen biographischen Konflikten, die sich im Spannungsfeld von Autonomie, Bindung und Abhängigkeit bewegen, wird der Kampf um Autonomie der jungen Männer sichtbar. Damit verbunden ist das Festhalten, Loslassen und Ablösen, die Identifikation und Abgrenzung mit und von signifikanten Anderen. In den fünf Fallrekonstruktionen zeigt sich dabei die unterschiedliche Bandbreite von Autonomiekonflikten. Sie reicht von sich zuspitzenden Adoleszenzkonflikten bis hin zu sich verfestigenden Abhängigkeitskonflikten, wie beispielsweise stoffliche Abhängigkeit, zwanghaftes Handeln und Abhängigkeit als Modus der Beziehung, die durch Inhaftierungen durchkreuzt sind. Wird das empirische Ergebnis der engen Verknüpfung der Bedeutung von Gewalt mit biographischen Autonomiekonflikten noch einmal rückgebunden an die Überlegungen von Vera King, dann wird deutlich, dass Gewalt als Mittel Autonomie zu demonstrieren, eine doppelte Bedeutung erhält: Einerseits zeigt sich Gewalt in den Selbstentwürfen der jungen Männer als Mittel in ohnmächtigen, abhängigen und schmerzhaften Situationen. Sie dient der Abwehr der eigenen Ambivalenzen. Es sind Ambivalenzkonflikte zwischen Abgrenzung und Bezugnahme, zwischen Autonomie und Abhängigkeit, die im Gefängnis besonders sichtbar werden und die geleugnet werden müssen. Andererseits lässt sich auch die provozierende These weiterverfolgen, dass Gewalt als Mittel dient, Autonomie zu erlangen. Dann würde Gewalt ein Moment von Entwicklung enthalten. Stellt man sich ein Kontinuum vor, an dessen einem Ende 192 Aggression und an dessen anderem Ende Gewalt angesiedelt ist, dann sind die Übergänge zwischen Aggression und Gewalt fließend. Aus einer psychoanalytisch orientierten Perspektive dient Aggression dem Spannungsabbau und steht immer im Dienste des Ichs. Sich durch Gewalt von der Anerkennung anderer zu lösen oder das Ich zu stärken, ließe sich dann als Autonomiezuwachs interpretieren. Wie prekär diese Lesart ist, wird deutlich, wenn die zwanghaften Momente von Gewalt („ich muss mich wehren“) in den Blick genommen werden. Die zwanghafte Handlung ist Ausdruck von Abhängigkeit. Hier wird deutlich, dass Gewalt weniger Autonomiezuwachs, sondern mehr Ausdruck schmerzhafter Autonomiekonflikte ist. Die Ambivalenz wird in der Gewalt zu neutralisieren versucht (vgl. Sauter 2000: 68f.). Werden diese Überlegungen rückgebunden an das Verhältnis von Gewalt und Geschlecht, dann wird deutlich, dass Gewalt und Geschlecht kulturell eng miteinander verknüpft sind, biographisch jedoch nicht unmittelbar. In den biographischen Fallrekonstruktionen wird der biographische Eigensinn von Gewalt sichtbar und es zeigt sich eine aus der Forschungsperspektive interessante Spannung zwischen Gewalt und Geschlecht, die sich für die jungen Männer jedoch meist als schmerzhafte Spannung erweist. Die Konflikterfahrungen sind trotz allem mit Bedeutungen von Geschlechterdifferenz verknüpft – sowohl subjektiv als auch kulturell. Besonders Autonomie und Abhängigkeit sind eng verwoben mit Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Das Verhältnis zwischen Autonomie, Gewalt und Geschlecht ist jedoch ein vielschichtiges und komplexes. Mit Bezug auf die Autonomiekonflikte junger Männer wird sichtbar, dass Gefühle der Schwäche und Ohnmacht zurückgewiesen werden müssen, sobald normative Vorstellungen einer Hypermaskulinität (wie im Gefängnis) überwiegen. In diesem Zusammenhang erweisen sich Männlichkeitsstereotype als Phänomen, mit dessen Hilfe innere Konflikte und äußere Widersprüche unbewusst gehalten werden können (vgl. für diesen Gedanken bezogen auf Weiblichkeitsstereotype Bereswill & Ehlert 1996: 360). Was bedeuten die bisher entwickelten Überlegungen für den Zusammenhang von Struktur und Handeln, von Subjekt und Institution? Die Bedeutung von Gewalt ist in die soziale Wirklichkeit des Gefängnisses eingebunden und die jungen Männer sind geschlechtlich Handelnde in der weitgehend homosozialen Geschlechterordnung. Die rigide Struktur des Gefängnisses bringt dabei rigide Handlungsmuster hervor. Dies zeigt sich auch in der Bezugnahme auf dichotome Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit. Wie bereits ausführlich diskutiert, sind hierbei die Überlegungen Bourdieus hilfreich. Bourdieu hat aus forschungspraktischen Arbeiten eine Theorie entwickelt, um die soziale Praxis von Akteurinnen und Akteutren aus einer reflexiven Perspektive zu analysieren. Ihn interessiert, wie Individuen und Welt sich in der sozialen Praxis gegenseitig herstellen (vgl. Engler 2004: 224). Er lenkt den Blick auf symbolische Ordnungen, kulturelle Konstruktionen und symbolische Auseinandersetzungen und nimmt diese als Moment sozialer Praxis auf (vgl. Krais & Gebauer 2002: 14f.). Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit weisen jedoch darauf hin, dass der tiefere Zusammenhang von Gewalt und Geschlecht sich nicht allein über symbolische Ordnungen und kulturelle Konstruktionen erschließen lässt. Kollektive Deutungsmuster 193 und subjektiver Sinn stehen in einem engen Verhältnis zueinander, sind jedoch nicht gleichbedeutend. Eine biographische Perspektive auf das Verhältnis von Männlichkeit und Gewalt einzunehmen und Geschlecht als Konfliktkategorie zu fassen, ermöglicht es, Bezüge zwischen den gesellschaftlichen Strukturen und den subjektiven Aneignungsweisen, zwischen dem Einfluss kultureller Geschlechtervorstellungen und psychischer Verarbeitungsformen hinsichtlich Gewalt herzustellen. Um den tieferen Zusammenhang von Gewalt und Männlichkeit zu beleuchten, bedarf es eines biographischen Konzeptes. Biographie wird als Vermittlung von Struktur und Handeln, von Subjekt und Gesellschaft verstanden. Dabei wird Vermittlung jedoch nicht als glatte Brücke gedacht. Das Verhältnis zwischen Struktur und Handeln entspricht weder dem Bild einer Kluft, noch dem Bild eines nahtlosen Übergangs. Das Biographiekonzept ist vor allem ertragreich, wenn die Konflikthaftigkeit dieses Verhältnisses betrachtet wird. Diese lässt sich im Bild der Verwerfungen beschreiben. Die Verwerfungen verweisen auf die affektiven Dimensionen von Handeln und machen deutlich, dass sich gesellschaftliche Strukturen nicht ungebrochen im Handeln der Subjekte niederschlagen. Das Verhältnis von Struktur und Handeln ist somit durchkreuzt von Affekten. Durch den Blick auf die Verwerfungen – die affektiven Dimensionen von Handeln – werden die konflikthaften und nicht identischen Aneignungsweisen von subjektiven und kollektiven Phänomenen, von sozialer Wirklichkeit und Subjektivität sichtbar. Dies erfordert eine theoretische Konzeption von sozialem Handeln, das bewusste und unbewusste Einflüsse umfasst und somit anschlussfähig ist an eine Konfliktperspektive. Der Blick auf die Verwerfungen – und somit auf das Spannungsfeld von Struktur, Handeln und Affekt – verweist darüber hinaus auf offene und weiterführende Forschungsperspektiven: Wie hängen die strukturelle Wirkung von Geschlecht und Erscheinungsformen von Devianz zusammen? Wir verknüpfen sich Geschlecht und Gewalt? Mit Bezug zu den biographischen Konflikterfahrungen deuten sich in den Erzählungen der jungen Männer Schuld- und Schamkonflikte an, die weiter in die Tiefe verfolgt werden müssten. Dafür ist eine differenzierte Bestimmung des Verhältnisses von Schuld und Scham notwendig. Eine spannende und offene Frage ist dabei die Frage nach der Vergeschlechtlichung von Schuld und Scham. Mit dieser Frage lässt sich das Verhältnis zwischen Affekt und Geschlechterdifferenz und somit zwischen kulturellen Geschlechtszuschreibungen, strukturellen Geschlechtervorgaben und subjektiven Aneignungsweisen von Geschlecht in den Blick nehmen. Dies verspricht tiefergehende Erkenntnisse zum Verhältnis von Devianz und Geschlecht.

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Zusammenfassung

Zwischen Männlichkeit und Gewalt wird sowohl in den kollektiven Deutungsmustern junger Männer als auch in vielen wissenschaftlichen Ansätzen der Jugendgewalt- und Männlichkeitsforschung ein direkter Zusammenhang vorausgesetzt.

In der vorliegenden Studie werden kollektive Deutungsmuster von Gewalt in Beziehung gesetzt zu der subjektiven Bedeutung von Gewalt im Kontext biographischer Konflikterfahrungen. Unterliegt Gewalt einem biographischen Eigensinn? Dieser Frage wird anhand fünf biographischer Fallinterpretationen auf Basis qualitativer Längsschnittinterviews mit inhaftierten jungen Männern nachgegegangen.

Das Verhältnis von Gewalt und Geschlecht wird aus einer soziologischen und sozialpsychologischen Perspektive untersucht. Dabei rücken die Opfer-Täter-Ambivalenzen von Gewalthandeln in den Blick. Es zeigt sich eine enge Verbindung zwischen der Bedeutung von Gewalt und den biographischen Konflikterfahrungen junger Männer: Gewalt steht in enger Beziehung zu ihren Autonomiekonflikten und ein komplexes und vielschichtiges Verhältnis zwischen Autonomie, Geschlecht und Gewalt wird sichtbar.