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Nadine H. Pahlke, Aufseherinnen in Frauenkonzentrationslagern und Jugendschutzlagern in:

Nadine H. Pahlke

Täterinnen im Nationalsozialismus, page 35 - 39

Ein kriminologischer Erklärungsversuch

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4052-2, ISBN online: 978-3-8452-1581-5 https://doi.org/10.5771/9783845215815

Series: Nomos Universitätsschriften - Recht, vol. 622

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35 hungsanstalt einweisen130. Sobald sie 16 Jahre alt waren, konnten Jugendliche aber auch in Jugendschutzlager, wie etwa Uckermark, verlegt werden131. In den letzten Jahren der NS-Herrschaft führte der Aufenthalt der Jugendlichen in Jugendkonzentrationslagern zunehmend zum Tod. Die Fürsorgerinnen hatten demnach die Aufgabe, Personen zu erfassen und zu melden, sie hatten Zugang zu den Heimen, Betrieben und Familien und berichteten an übergeordnete Stellen. Die subjektiven Wahrnehmungen und Einschätzungen der Fürsorgerinnen in ihren Gutachten dienten als Basis für die Anordnung fürsorgerischer Zwangsmaßnahmen132. Das Wohlfahrts- und Jugendamt, insbesondere die Familienfürsorge leistete trotz Kenntnis um die Konsequenzen eine entscheidende Mithilfe für das reibungslose Funktionieren des Ablaufes, das ohne die praktische Unterstützung der Fürsorgerinnen nicht möglich gewesen wäre. Auch hier benötigte das NS-Regime Frauen als qualifiziertes Personal, um seine Ziele erreichen zu können133. III. Aufseherinnen in Frauenkonzentrationslagern und Jugendschutzlagern Ab 1933 begann das nationalsozialistische Regime, politische Gegner zu inhaftieren und ohne Gerichtsbeschluss in „Schutzhaft“ zu nehmen. Hierbei blieb die Tatsache, dass Konzentrationslager bestanden, kein Geheimnis. Vielmehr wurden die willkürlichen Verhaftungen und die Berichte von Entlassenen zur Abschreckung und Einschüchterung der Bevölkerung benutzt. Ab 1936 wurden neue Konzentrationslager gebaut134 und die Häftlingsstruktur verändert: Als „Volksschädlinge“ bezeichnete Gruppen, wie etwa Homosexuelle135, „Asoziale“136, Sinti und Roma, „Arbeitsscheue“, Prostituierte und „Gewohnheitsverbrecher“, wurden nun inhaftiert. Der Arbeitseinsatz stand im Vordergrund. Nach Kriegsbeginn wurden erneut Lager errichtet137, außerdem wandelte sich die Funktion der Lager von der Haftanstalt zum Ort der Massenvernichtung vor allem von Juden, die entweder infolge von Arbeitseinsätzen starben oder direkt in speziellen Vernichtungslagern getötet wurden. Durch den Vormarsch der Alliierten 1945 folgten die Auflösung des KZ-Systems und die Räumung der Lager. Auf den dabei stattfindenden folgenden sogenannten 130 Steigerthal in: Elster/Lingemann (Hrsg.), HWK 1 1933, S. 143 (149); Eiserhardt in: Elster/Lingemann (Hrsg.), HWK 2 1936, S. 972 (972 ff). 131 Hepp in: Ebbinghaus (Hrsg.), Opfer und Täterinnen, S. 239 (244). 132 Lehnert, Die Beteiligung von Fürsorgerinnen an der Bildung und Umsetzung der Kategorie „minderwertig” im Nationalsozialismus, S. 156. 133 Frevert in: Benz/Graml/Weiß (Hrsg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 220 (229). 134 Wie etwa 1936 Sachsenhausen, 1937 Buchenwald, 1938 Flossenbürg und Mauthausen; vgl. Sofsky, Die Ordnung des Terrors, S. 46. 135 Vgl. zu „Homosexualität“: Marcuse in: Elster/Lingemann (Hrsg.), HWK 1 1933, S. 676 (676 ff). 136 Zur „Asozialität“ vgl. Kronfeld in: Elster/Lingemann (Hrsg.), HWK 1 1933, S. 54 (54 ff). 137 Wie etwa 1939 Ravensbrück, 1940 Birkenau; vgl. Sofsky, Die Ordnung des Terrors, S. 50. 36 Todesmärschen starben nochmals unzählige Menschen durch Misshandlungen, Tötungen und Unterversorgung138. Obwohl gesicherte Zahlen nicht zu ermitteln sind, wird davon ausgegangen, dass weit über vier Millionen Menschen in den Lagern ums Leben kamen139. An oberster Stelle der KZ-Hierarchie stand der – auch in Frauen-KZ immer männliche – SS-Lagerkommandant. Darauf folgte die – ebenfalls von Männern besetzte – Lagerleitung, die in Kommandantur, Schutzhaftlager, politische Abteilung, Verwaltung und Lagerarzt unterteilt war. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen der Organisation der Männerlager und der der Frauenlager war eine strikte Trennung zwischen äußerer und innerer Bewachung bei letzteren. Den inneren Lagerbereich, also der Bereich in dem die Frauen lebten, bewachte überwiegend weibliches Personal140, während im äußeren Bereich die Bewachung der des Männerlagers entsprach. Dem Schutzhaftlagerführer unterstand die Oberaufseherin als weibliche Vorgesetzte des Lagers. Sie führte die Befehle des SS-Kommandanten und des SS-Schutzhaftlagerführers aus und war verantwortlich für die Stärkemeldung beim Zählappell und für die ordnungsgemäße Abwicklung des Arbeitseinsatzes, die täglichen Rapporte, die Lagerschreibstube und die Ernennung der Blockführerinnen141. Die ihr unterstehenden Aufseherinnen hatten den unmittelbaren und alltäglichen Kontakt mit den gefangenen Frauen und die Macht über die Häftlinge im Lager. Zu den Aufgaben dieser Funktionsträgerinnen gehörten das Bewachen der Häftlinge und die Aufrechterhaltung der Ordnung im Lager, verbunden mit entsprechenden Maßnahmen gegen die Insassinnen. Hierzu waren sie in Gruppen von Rapport- und Blockleiterinnen, Arrestführerinnen, Hundeführerinnen, Kommandoführerinnen eingeteilt142, die mit Pistolen bewaffnet waren143. Die Rapportführerinnen waren, ebenso wie die Blockführerinnen, der Oberaufseherin direkt unterstellt und stellten das Bindeglied zwischen Lager und Oberaufseherin dar. Die Blockführerinnen beaufsichtigten jeweils einen Block und gestalteten so den Alltag der Gefangenen wesentlich mit. Arrestführerinnen beaufsichtigten die Frauen, die im sogenannten „Strafbunker“ einsaßen und führten die verhängten Strafen durch. Hundeführerinnen betreuten die lagereigenen Polizeihunde, die die Häftlinge mit den Kommandoführerinnen zu den Arbeitseinsätzen außerhalb des Lagers begleiteten. Innerhalb des Lagers waren andere Aufseherinnen für die Effektenkammer, die 138 Wie etwa durch Ewa Paradies (verurteilt im Danzig-Prozess); Lottchen Johanna Wilma M. (vgl. Schwurgericht Hamburg vom 5.6.1952, (50) 8/52 und Hamburg vom 3.10.1951, (50) 8/51 und BGH vom 21.3.1952, 2 StR 775/51) in: Ehlermann-Rüter/Rüter (Hrsg.), Justiz und NS-Verbrechen Bd. IX, S. 743 ff); vgl. auch Krakowski in: Benz/Graml/Weiß (Hrsg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 759 (759 f); Garbe in: Benz/Graml/Weiß (Hrsg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 235. 139 Sofsky, Die Ordnung des Terrors, S. 57. 140 Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (221). 141 Schwarz in: Dachauer Hefte 1994, S. 32 (34). 142 Vgl. im Folgenden hierzu Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (226 f.). 143 Broszat, Kommandant in Auschwitz, S. 117. 37 Wäscherei und die Küche zuständig. Die Aufseherinnen waren Angehörige der Waffen-SS, da ihre Tätigkeit als Kriegseinsatz anerkannt wurde144, allerdings zählten sie nur zum „SS-Gefolge“, da die Mitgliedschaft von Frauen in Hitlers patriarchalischer Elitegruppe nicht vorstellbar war und möglicherweise den Protest der männlichen Mitglieder herausgefordert hätte145. In den frühen Konzentrationslagern wurden auch die weiblichen Häftlinge noch von SS-Männern bewacht. Ab 1941 wurden verstärkt Frauenkonzentrationslager, Frauenabteilungen in Konzentrationslagern und Nebenlagern eingerichtet, begleitet von einem verstärkten Bedarf an weiblichem Personal. Drei verschiedene Wege der Rekrutierung sind bekannt: Eigeninitiative Bewerbungen, Anwerben und Dienstverpflichtung. Anreize für die Aufseherinnen, die sich freiwillig zur SS meldeten, waren vorwiegend finanzieller Art gekoppelt mit der Sicherheit, Reichsangestellte zu werden. Ferner wurde die Arbeit als körperlich leicht angepriesen146. Nachdem mit steigender Zahl der Häftlinge die freiwilligen Meldungen den Bedarf an Aufseherinnen nicht mehr abdecken konnten, wurde damit begonnen, Aufseherinnen anzuwerben, wobei man häufig ebenfalls mit leichten Arbeitsbedingungen und hoher Entlohnung warb147. Die Anwerbung fand über das Arbeitsamt und durch die Rüstungsfirmen statt, die selbst Nebenlager mit weiblichen Häftlingen einrichteten. Die meisten Aufseherinnen sagten aber bei Prozessen aus, sie seien dienstverpflichtet worden, nur wenige gaben zu, dass sie sich freiwillig gemeldet hätten. Dienstverpflichtete Frauen wurden verstärkt durch die „Verordnung über die Meldung von Männern und Frauen für Aufgaben der Reichsverteidigung“, kurz Meldepflichtverordnung, eingesetzt148. Ab November 1942 begann ein Ausbildungsprogramm für KZ-Aufseherinnen in Ravensbrück, in dessen Rahmen Frauen sowohl angeworben als auch zwangsverpflichtet wurden149. Ab 1944 folgten solche Programme auch in anderen Konzentrationslagern wie etwa Gross-Rosen, Stutthof bei Danzig oder Flossenbürg. Die Lehrgänge dauerten zwischen fünf Tagen und mehreren Wochen. Über den Ablauf der Ausbildung ist wenig bekannt, da die nach der Befreiung der Konzentrationslager befragten Aufseherinnen zu diesem Thema nur zurückhaltend antworteten150. Aufgrund der Aussagen von Gefangenen und Auswertung von Dokumenten151 ist jedoch anzunehmen, dass der Kommandant und der Schutzhaftlagerführer die neuen Aufseherinnen in ihre Pflichten einweihten und dabei die gefangenen Frauen als minderwerte Personen schilderten, gegen die mit aller Schärfe vorgegangen werden müsse. 144 Heyne, Täterinnen, S. 212. 145 Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (223). 146 Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (232); vgl. auch Broszat, Kommandant in Auschwitz, S. 114 . 147 Arndt in: Dachauer Hefte 1987, S. 125 (135); vgl. auch Broszat, Kommandant in Auschwitz, S. 114. 148 Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (235). 149 BPB, http://www.bpb.de/themen/4Y0713,0,0,Glossar.html; Broszat, Kommandant in Auschwitz, S. 115. 150 Schwarz in: Dachauer Hefte 1994, S. 32 (41). 151 Vgl. etwa Buber-Neumann, Als Gefangene bei Stalin und Hitler, S. 242. 38 Privater Kontakt wurde verboten, Strenge und Unerbittlichkeit gepredigt. Auch weltanschauliche Schulungen wurden durchgeführt, Konformität, Kameraderie und Disziplin unter den Aufseherinnen durch Aufseherinnenappelle verstärkt152. Des Weiteren wurden die Bewerberinnen in Gehorsam gegenüber Vorgesetzten und Befehlen, Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft geschult. Die Aufstiegsmöglichkeit innerhalb der Lager- und Karrierehierarchie erhöhte sich durch gewalttätiges und brutales Verhalten gegenüber den Gefangenen153, das die Neuen bei den erfahrenen Aufseherinnen lernten, denen sie zum Dienst zugeteilt wurden. Obwohl die Zahl der weiblichen SS-Aufseher – wie auch die Zahl der männlichen SS-Wachmannschaften – nicht eindeutig zu ermitteln ist, wird geschätzt, dass ungefähr zehn Prozent des Konzentrationslagerpersonals Frauen waren154. In Frauenkonzentrations- und -vernichtungslagern sowie Jugendschutzlagern, wie etwa Ravensbrück, Uckermark, Bergen-Belsen, Langenhagen, Moringen, Lichtenburg oder Lublin-Majdanek, kam es zu Grausamkeiten, die häufig zu schweren Verletzungen und zum Tod der Häftlinge führten. In Ravensbrück war es vor allem die willkürliche Gewalt, die der Aufrechterhaltung der Ordnung im Lager dienen sollte und mit der die Gefangenen gequält wurden, häufig ohne dass diese wirklich wussten, was verboten war und was nicht. Hierzu gehörten die Prügelstrafe, die Haft im Bunker und im sogenannten Strafblock sowie die Versetzung in ein Strafkommando. Durch diese Schikanen starben viele Frauen, zumindest trugen sie aber zum Teil schwerste körperliche Verletzungen davon. In Bergen-Belsen führten vor allem die Überbelegung und die bewusste Unterlassung lebensnotwendiger Versorgungsleistungen zu einem Massensterben der Frauen durch Epidemien und Seuchen155. Allein von Februar bis April 1945 starben etwa 34.000 Menschen durch die Unterlassung jeglicher Anstrengungen zur Rettung der von Seuchen bedrohten Männer und Frauen156. Die Aufseherinnen nahmen ferner an den Selektionen von Nicht-Arbeitsfähigen teil. Diese Selektionen wurden in den Hauptlagern von SS-Ärzten, in den Nebenlagern in der Regel von den SS-Kommandoführern während der Appelle, während der Arbeit, in den Unterkünften und Krankenrevieren durchgeführt157. Auch die SS- Aufseherinnen, vor allem die Oberaufseherinnen waren daran beteiligt, die Gefangenen zu Selektions-Appellen zusammenzutreiben, Listen der zu Ermordenden zu erstellen bzw. diese auszuwählen158 und die Selektierten in die Vernichtungslager und Gaskammern zu bringen159. 152 Vgl. Sofsky, Die Ordnung des Terrors, S. 130. 153 Schwarz in: Dachauer Hefte 1994, S. 32 (48). 154 Heike in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 221 (223). 155 Heike/Pflock in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 241 (241). 156 Heike/Pflock in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 241 (248). 157 Schwarz in: Dachauer Hefte 1994, S. 32 (45). 158 Wie etwa Hermine Ryan-Braunsteiner (vgl. LG Düsseldorf vom 30.6.1981, Az: XVII-1/75s); Else Margot Drexler (verurteilt im Auschwitz/Majdanek Prozess); Elisabeth Becker (ver- 39 Frauen hatten also „eine unmittelbare Rolle – im Gegensatz zu Organisieren, Entscheiden, Befehlen – im Ablauf der Vernichtung inne und waren an Segmentierung, Definition, Enteignung, Konzentration und Vernichtung in direkter Weise beteiligt“160. In den nach Kriegsende folgenden Strafprozessen wurden ihnen schwere tödliche Misshandlungen161, Brutalität bei der Durchführung der Selektionen für die Transporte in die Vernichtungslager, das Führen der Menschen in die Gaskammern162, die Durchführung von Prügelstrafen163, die Unterschlagung von Nahrung, Kleidung und Versorgungsgütern, nachgewiesen164. Auch außerhalb der Tätigkeiten im Konzentrationslager wurden in heute nicht mehr nachvollziehbarem Rahmen durch Aufseherinnen Straftaten begangen, etwa bei Schießübungen auf Menschen oder „Üben“ des tödlichen Genickschusses165. IV. Funktionshäftlinge In allen Konzentrationslagern bediente sich die SS der Methode, Aufbau, Instandhaltung und Erweiterung der KZ von Häftlingen erledigen zu lassen166. Auch die unmittelbaren Aufsichts- und Kontrollaufgaben sowie die in der Verwaltung anfallenden Arbeiten wurden, wenn auch unter ständiger Oberaufsicht, von Häftlingen ausgeführt, die die unterste Stufe der Bewachungshierarchie der Konzentrationslager bildeten167. Die Errichtung einer solchen Häftlingsselbstverwaltung war vom Willen der SS getragen, die Ordnung bei ständig steigenden Häftlingszahlen in den Lagern aufrechtzuerhalten. Zudem sollte die Überwachung der Häftlinge durch Komplizen urteilt im Danzig-Prozess); vgl. Ebbinghaus, Dokumentation. Frauen gegen Frauen, in: Ebbinghaus (Hrsg.), Opfer und Täterinnen, S. 344 ff. 159 Wie etwa Hildegard Lächert (vgl. LG Düsseldorf vom 30.6.1981, Az: XVII-1/75-s); Hermine Ryan-Braunsteiner (vgl. LG Düsseldorf vom 30.6.1981, Az: XVII-1/75-s). 160 Schwarz in: Wobbe (Hrsg.), Nach Osten, S. 197 (222). 161 Wie etwa Erika Bergmann (vgl. BG Neubrandenburg vom 12.11.1955, 1 Ks 164/55 in: Rüter (Hrsg.), Justiz und NS-Verbrechen Bd. III, S. 611); Grete Boesel (verurteilt im 1. Ravensbrück-Prozess); Maria Mandel (verurteilt im Auschwitz/Majdanek Prozess). 162 Wie etwa Ulla Erne Frieda Jürß (vgl. BG Rostock vom 8.8.1966, I Bs 25/66 und OG vom 4.11.1966, 1a Ust 35/66 und LG Rostock vom 22.6.1998, II RRO 932/92 in: Rüter (Hrsg.), DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd. II, S. 555); Christel Jankowsky (vgl. BG Gera vom 14.7.1954, 1 Ks 124/54 I 123/54 in Rüter IV, S. 55); Margarete Rabe (verurteilt im 3. Ravensbrück-Prozess). 163 Wie etwa Frida Wötzel (vgl. BG Rostock vom 8.8.1966, I Bs 25/66 und OG vom 4.11.1966, 1a Ust 35/66 und LG Rostock vom 22.6.1998, II RRO 932/92 in Rüter (Hrsg.), Justiz und NS-Verbrechen Bd. II, S. 555); Irma Grese (verurteilt im 1. Bergen-Belsen Prozess); Dorothea Binz (verurteilt im 1. Ravensbrück-Prozess). 164 Kretzer in: Harders/Roß (Hrsg.), Geschlechtsverhältnisse in Krieg und Frieden, S. 123 (131). 165 Wie etwa Christel Jankowsky (vgl. BG Gera vom 14.7.1954, 1 Ks 124/54 I 123/54 in: Rüter (Hrsg.), DDR-Justiz und NS-Vebrechen Bd. IV, S. 55) 166 Heike/Strebel in: Füllberg-Stolberg/Jung u.a. (Hrsg.), Frauen in Konzentrationslagern, S. 89 (89). 167 Sofsky, Die Ordnung des Terrors, S. 152 f.

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Zusammenfassung

Bisher wurde der Rolle der Frau als Täterin im makrokriminellen Gefüge des Dritten Reichs und den Ursachen für ihre Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen, Genozid und anderen Gewalttaten in der Kriminologie und der Geschichtswissenschaft kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Theorien beziehen sich bei ihren Erklärungsversuchen nahezu ausschließlich auf Männer als Täter.

Das Werk schließt diese Forschungslücke, indem es aus kriminologischer Perspektive der Frage nachgeht, warum sozial völlig unauffällige und angepasste Frauen zu Täterinnen von unmenschlichen, unmoralischen und ethisch verwerflichen Handlungen werden können, wie sie im „Dritten Reich“ geschahen.