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Dorit Bölsche, Logistische Funktionen in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 66 - 68

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

Bibliographic information
66 Logistische Leistungen als Gegenstand der Material- und Informationsflüsse Logistische Informationsleistungen Logistische Kernleistungen Logistische Zusatzleistungen Transport Lager Umschlag Kommissionierung Verpackung vorauseilend begleitend nacheilend Abbildung 14: Logistische Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen171 3.1.5 Logistische Funktionen Der Material- und Informationsfluss vollzieht sich gemäß der zugrunde gelegten Definition des Begriffs Logistik172 ? zwischen einem Unternehmen und seinen Lieferanten (Beschaffungslogistik) ? innerhalb eines Unternehmens (Produktionslogistik) sowie ? zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden (Distributionslogistik). Damit vollziehen sich auch die erläuterten logistischen Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen in diesen logistischen Funktionen. Die Beschaffung erstreckt sich von den Lieferanten bis hin zur Material- und Teilebereitstellung im Unternehmen (in Industrieunternehmen erfolgt die Bereitstellung für die Fertigung). Sie „umfasst sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.“173 Die Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle der Material- und Informationsflüsse innerhalb der Beschaffung stellen die Aufgaben der Beschaffungslogistik dar. Hierzu zählen unter anderem außerbetriebliche Transporte von den Lieferanten zum Unternehmen, die Lagerung der bezogenen Materialien sowie innerbetriebliche Transporte (zum Beispiel zu Fertigungsstellen).174 Entlang des Materialflusses eines Unternehmens schließt sich an die Beschaffung die Produktion an. Im Folgenden soll unter Produktion die Kombination von Produktionsfaktoren zum Zwecke der betrieblichen Leistungserstellung verstanden 171 In Anlehnung an Isermann, Heinz (1998), S. 35. 172 Vgl. Schulte, Christof (2005), S. 1. 173 Schmitz, Michael (2008), S. 255. 174 Vgl. Ehrmann, Harald (2005), S. 258; Fortmann, Klaus-Michael / Kallweit, Angela (2007), S. 52; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 17; Schulte, Christof (2005), S. 263-264; Sommerer, Gerhard (2004), S. 157-158. 67 werden. Damit wird sowohl die Produktion von Sachleistungen als auch die Produktion von Dienstleistungen in die Begriffsdefinition einbezogen.175 Die Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle der Material- und Informationsflüsse innerhalb der Produktion stellen die Aufgaben der Produktionslogistik dar.176 Die Distribution umfasst die Verbindung der Absatzseite eines Unternehmens mit den Kunden.177 Analog zu den logistischen Aufgaben in Beschaffung und Produktion stellen die Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle der Material- und Informationsflüsse innerhalb der Distribution die Aufgaben der Distributionslogistik dar. Zu den logistischen Leistungen der Distributionslogistik zählen unter anderem die Lagerung der zu den Kunden zu liefernden Güter, Kommissionierung und Verpackung sowie außerbetriebliche Transporte. Die Planung und Gestaltung von Lagerstrukturen sowie die Tourenplanung sind demnach wichtige Managementaufgaben der Distributionslogistik.178 Die klassische Funktionenorientierung in der Logistik lässt sich wie folgt darstellen. Industrieunternehmen Lieferanten Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik Kunden Dienstleistungsunternehmen (Handel, LDL) Lieferanten Beschaffungslogistik Produktions- und Distributionslogistik Kunden Legende: Materialfluss: Informationsfluss: Abbildung 15: Funktionenorientierung in der Logistik179 175 Engere Begriffsdefinitionen beziehen nur die Produktion von Sachleistungen in Industrieunternehmen in die Definition ein; sehr weite Definitionen verstehen jede Kombination von Produktionsfaktoren als Produktion und beziehen damit z. B. auch Beschaffungs- und Distributionsaktivitäten in die Definition ein. Vgl. zu den unterschiedlichen Begriffsabgrenzungen z. B. Hegenscheidt, Matthias (2004), S. B 3-1 – B 3-2. 176 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 17; Schulte, Christof (2005), S. 343. 177 Vgl. Domschke, Wolfgang / Schildt, Birgit (1998), S. 213. 178 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 17; Schulte, Christof (2005), S. 457. 179 Vgl. in Anlehnung z. B. an Sommerer, Gerhard (1994), S. 157. 68 Die Abbildung verdeutlicht die unternehmensbezogene Ausrichtung der Produktionslogistik sowie die Verbindungen der Beschaffungslogistik zu den Lieferanten und der Distributionslogistik zu den Kunden eines Unternehmens. Während der Materialfluss über die Funktionen Beschaffung, Produktion und Distribution von den Lieferanten über das Unternehmen bis hin zu den Kunden verläuft, können die vorauseilenden, begleitenden und nacheilenden Informationsflüsse auch entgegengesetzt zum Materialstrom gerichtet sein. Die Abbildung bringt auch eine Besonderheit der Dienstleistungsunternehmen zum Ausdruck. Aufgrund der Immaterialität von Dienstleistungen kann der Dienstleistungsproduzent keine bereits produzierten Dienstleistungen anbieten, sondern lediglich die Bereitschaft zur Produktion. Eine Dienstleistungsproduktion auf Vorrat ist ausgeschlossen, sodass Produktion und Absatz zeitlich und räumlich simultan erfolgen.180 3.1.6 Entwicklungsstufen und Trends in der Logistik Im klassischen Verständnis der Logistik in den 70er Jahren waren die Funktionen Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik noch deutlich voneinander abgegrenzt (wie in Abbildung 15 sowie durch B, P und D in Abbildung 16 dargestellt). Im Vordergrund standen material- und warenflussbezogene Fragestellungen innerhalb der logistischen Funktionen eines Unternehmens. Schnittstellen zwischen den logistischen Funktionen sowie unternehmensübergreifende Logistiksysteme wurden kaum behandelt.181 Mit der Entwicklung der Logistik seit den 80er Jahren sind die logistischen Funktionen immer weiter in den Hintergrund gerückt. Wie in der nachfolgenden Abbildung dargestellt, hat sich die Sicht von einer Funktions- zu einer unternehmensweiten und -übergreifenden Prozessorientierung gewandelt.182 Logistische Prozesse in Form von Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen überlagern die Grenzen der Funktionen und Unternehmen. Der Blick ist nicht mehr nur auf das eigene Unternehmen gerichtet sondern auch auf die einem Unternehmen vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen. 180 Vgl. z. B. Corsten, Hans / Gössinger, Ralf (2007), S. 103-112; Maleri, Rudolf (2008). 181 Vgl. Schulte, Christof (2005), S. 17. 182 Vgl. Klaus, Peter (1998), S. 61-78; Schulte, Christof (2005), S. 17.

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Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.