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Dorit Bölsche, Material- und Informationsflüsse in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 64 - 66

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

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64 3.1.4 Material- und Informationsflüsse Das flussorientierte Logistikverständnis stellt Material- bzw. Güterflüsse in den Mittelpunkt der Betrachtung. Logistische Leistungen verändern insbesondere raumzeitliche Merkmalausprägungen von Gütern.159 Eine Logistikleistung umfasst mindestens eine der logistischen Kernleistungen. Hierzu zählen Transport, Lagerung und Umschlag.160 ? Transport: Der Transport von Gütern dient der Überwindung räumlicher Distanzen und führt damit zu einer Ortsveränderung des Transportgutes, das sich nach dem Transport zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort befindet. Transporte verändern sowohl zeitliche als auch räumliche Merkmalsausprägungen der Logistikgüter.161 Unterschieden wird zwischen außerbetrieblichen Transporten (z. B. von einem Unternehmen zu seinen Kunden) und innerbetrieblichen Transporten (z. B. von einem Lager zur Fertigung).162 ? Lagerung: Die grundlegende Aufgabe der Lagerung besteht in der wirtschaftlichen Abstimmung unterschiedlich dimensionierter Güterströme. Es erfüllt in diesem Zusammenhang mehrere Funktionen (z. B. Ausgleichs-, Sicherungs-, Assortierungs-, Spekulations- und Veredelungsfunktion). Durch Lagerung werden folglich ausschließlich zeitliche Merkmalsausprägungen eines Logistikgutes verändert.163 ? Umschlag: Im Rahmen des außer- und innerbetrieblichen Güterflusses findet durch Umschlag regelmäßig ein Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsmitteln statt. Hierzu zählen unter anderem das Be- und Entladen von Transportmitteln sowie das Ein- und Auslagern. Umschlagsprozesse verändern demnach – wie auch Transporte – raumzeitliche Merkmale der Logistikgüter.164 Durch Zusatzleistungen werden über die raum-zeitlichen Merkmalsausprägungen der Güter weitere Merkmalsausprägungen transformiert. Zusatzleistungen ergänzen die Kernleistungen, indem sie diese ermöglichen, zielgerichtet gestalten oder ergänzen. Zu den logistischen Zusatzleistungen zählen insbesondere Kommissionierungsund Verpackungsleistungen.165 159 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 26; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 160 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 36; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 161 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 28; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 162; Schulte, Christof (2005), S. 147. 162 Vgl. Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 6; Gudehus, Timm (2007b), S. 807; Schulte, Christof (2005), S. 147. 163 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 29; Gudehus, Timm (2007b), S. 583; Schulte, Christof (2005), S. 222-223. 164 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 29; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 149; Schulte, Christof (2005), S. 147 und 213. 165 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 36-37; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 65 ? Kommissionierung: Durch die Kommissionierung werden bestimmte Teilmengen (Artikel) aus einer Gesamtmenge (Sortiment) zusammengestellt, sodass ein lagerspezifischer Zustand in einen verbrauchsspezifischen Zustand umgewandelt wird. Hierbei erfolgt die Zusammenstellung auf der Grundlage von Bedarfsinformationen (z. B. durch eine Fertigungsstelle oder einen Kundenauftrag).166 ? Verpackung: Die Verpackung dient dem Schutz der Güter und kann als Träger wichtiger Informationen über das Gut und die logistischen Prozesse eingesetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht bzw. unterstützt sie die Handhabung im Rahmen der Umschlags- und Kommissionierleistungen. In den Lager- und Transportprozessen kann die Verpackung eine höhere Raumausnutzung ermöglichen.167 ? Nicht-logistische Zusatzleistungen: Zusätzlich zu logistischen Zusatzleistungen können weitere nicht-logistische Zusatzleistungen in einem Bündel logistischer Systemleistungen angeboten werden. Hierzu zählen beispielsweise Beratungsleistungen, die im Zusammenhang mit der logistischen Leistungserstellung stehen.168 „Der Güterfluss zwischen Liefer- und Empfangspunkt fließt nicht von allein, sondern setzt den Austausch von Informationen zwischen den beiden Punkten voraus.“169 Informationen werden für die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Prozesse in einer Logistikkette – und damit für die Ausübung der Managementaufgaben – benötigt. Informationen lösen den Materialfluss vorauseilend aus (z. B. durch Kundenaufträge oder Bedarfsprognosen), begleiten ihn erläuternd (z. B. durch Gefahrgutkennzeichnung oder Lieferschein) und folgen ihm bestätigend oder nicht bestätigend nach (z. B. Empfangsbestätigung oder Reklamationen). Adäquate und auf die Materialströme abgestimmte Informationssysteme sind Bestandteil einer leistungsfähigen logistischen Infrastruktur.170 166 Vgl. Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 7; Gudehus, Timm (2007b), S. 685; Schulte, Christof (2005), S. 246. 167 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 29; Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 7; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 126-130; Schulte, Christof (2005), S. 260-261. 168 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 37. 169 Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 170 Vgl. Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 7; Isermann, Heinz (1998), S. 37; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 60-61; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 66 Logistische Leistungen als Gegenstand der Material- und Informationsflüsse Logistische Informationsleistungen Logistische Kernleistungen Logistische Zusatzleistungen Transport Lager Umschlag Kommissionierung Verpackung vorauseilend begleitend nacheilend Abbildung 14: Logistische Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen171 3.1.5 Logistische Funktionen Der Material- und Informationsfluss vollzieht sich gemäß der zugrunde gelegten Definition des Begriffs Logistik172 ? zwischen einem Unternehmen und seinen Lieferanten (Beschaffungslogistik) ? innerhalb eines Unternehmens (Produktionslogistik) sowie ? zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden (Distributionslogistik). Damit vollziehen sich auch die erläuterten logistischen Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen in diesen logistischen Funktionen. Die Beschaffung erstreckt sich von den Lieferanten bis hin zur Material- und Teilebereitstellung im Unternehmen (in Industrieunternehmen erfolgt die Bereitstellung für die Fertigung). Sie „umfasst sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.“173 Die Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle der Material- und Informationsflüsse innerhalb der Beschaffung stellen die Aufgaben der Beschaffungslogistik dar. Hierzu zählen unter anderem außerbetriebliche Transporte von den Lieferanten zum Unternehmen, die Lagerung der bezogenen Materialien sowie innerbetriebliche Transporte (zum Beispiel zu Fertigungsstellen).174 Entlang des Materialflusses eines Unternehmens schließt sich an die Beschaffung die Produktion an. Im Folgenden soll unter Produktion die Kombination von Produktionsfaktoren zum Zwecke der betrieblichen Leistungserstellung verstanden 171 In Anlehnung an Isermann, Heinz (1998), S. 35. 172 Vgl. Schulte, Christof (2005), S. 1. 173 Schmitz, Michael (2008), S. 255. 174 Vgl. Ehrmann, Harald (2005), S. 258; Fortmann, Klaus-Michael / Kallweit, Angela (2007), S. 52; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 17; Schulte, Christof (2005), S. 263-264; Sommerer, Gerhard (2004), S. 157-158.

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Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.