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Dorit Bölsche, Integration und Managementaufgaben in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 63 - 64

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

Bibliographic information
63 tung des Unternehmens ab.153 Aufgrund der hohen Bedeutung der Logistikziele für die Analyse, Bewertung und Gestaltung logistischer Systeme wird diesem Thema ein eigener Abschnitt – auch mit Bezug zu Unternehmensstrategien und Unternehmenszielen der Akteure im Katastrophenmanagement – gewidmet.154 3.1.3 Integration und Managementaufgaben Häufig stehen nicht mehr einzelne Unternehmen im Wettbewerb zueinander sondern unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten.155 Demnach geht es bei der Gestaltung von Logistiksystemen nicht nur um die zielorientierte Gestaltung einzelner elementarer logistischer Leistungsprozesse sondern um die integrierte Gestaltung von (unternehmensübergreifenden) Logistik- und Wertschöpfungsketten. Eine Logistikkette stellt die Verknüpfung und damit die Integration elementarer logistischer Leistungsprozesse dar.156 Der Integrationsgedanke wird in der Begriffsbestimmung des Supply Chain Management (SCM) noch stärker in den Vordergrund gestellt und demnach in der Begriffsbestimmung des SCM im folgenden Abschnitt nochmals aufgegriffen. Des Weiteren befasst sich das gesamte Kapitel 5 mit Fragestellungen der unternehmens- übergreifenden Integration des Supply Chain Management.157 Durch die Begriffe „Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle“ wird durch die Definition zum Ausdruck gebracht, dass Logistik eine Managementaufgabe darstellt. Logistikmanagement umfasst sowohl die zielgerichtete Entwicklung und Gestaltung der unternehmensbezogenen und -übergreifenden Wertschöpfungssysteme nach logistischen Prinzipien (strategisches Logistikmanagement) als auch die zielgerichtete Lenkung und Kontrolle der Güter- und Informationsflüsse in diesen Wertschöpfungssystemen (operatives Logistikmanagement).158 153 Vgl. Isermann, Heinz (2008), S. 876. 154 Vgl. Abschnitt 3.2.5. 155 Zum Begriff der Wertschöpfungskette / Supply Chain erfolgen ausführliche Erläuterungen in Kapitel 5. 156 Vgl. Delfmann, Werner (2008), S. 927; Isermann, Heinz (2008), S. 876; Isermann, Heinz / Lieske, Dorit (1998), S. 405-406; Isermann, Heinz (1994), S. 26-28; Klaus, Peter (1998), S. 61-75. 157 Im einleitenden Abschnitt des Kapitels 5 findet sich auch eine Modellierung und Erläuterung zu den Begriffen „elementarer logistischer Leistungsprozesse“ und „Logistikketten“. 158 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004b), S. 16-18; Weber, Jürgen (1994), S. 45-55. 64 3.1.4 Material- und Informationsflüsse Das flussorientierte Logistikverständnis stellt Material- bzw. Güterflüsse in den Mittelpunkt der Betrachtung. Logistische Leistungen verändern insbesondere raumzeitliche Merkmalausprägungen von Gütern.159 Eine Logistikleistung umfasst mindestens eine der logistischen Kernleistungen. Hierzu zählen Transport, Lagerung und Umschlag.160 ? Transport: Der Transport von Gütern dient der Überwindung räumlicher Distanzen und führt damit zu einer Ortsveränderung des Transportgutes, das sich nach dem Transport zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort befindet. Transporte verändern sowohl zeitliche als auch räumliche Merkmalsausprägungen der Logistikgüter.161 Unterschieden wird zwischen außerbetrieblichen Transporten (z. B. von einem Unternehmen zu seinen Kunden) und innerbetrieblichen Transporten (z. B. von einem Lager zur Fertigung).162 ? Lagerung: Die grundlegende Aufgabe der Lagerung besteht in der wirtschaftlichen Abstimmung unterschiedlich dimensionierter Güterströme. Es erfüllt in diesem Zusammenhang mehrere Funktionen (z. B. Ausgleichs-, Sicherungs-, Assortierungs-, Spekulations- und Veredelungsfunktion). Durch Lagerung werden folglich ausschließlich zeitliche Merkmalsausprägungen eines Logistikgutes verändert.163 ? Umschlag: Im Rahmen des außer- und innerbetrieblichen Güterflusses findet durch Umschlag regelmäßig ein Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsmitteln statt. Hierzu zählen unter anderem das Be- und Entladen von Transportmitteln sowie das Ein- und Auslagern. Umschlagsprozesse verändern demnach – wie auch Transporte – raumzeitliche Merkmale der Logistikgüter.164 Durch Zusatzleistungen werden über die raum-zeitlichen Merkmalsausprägungen der Güter weitere Merkmalsausprägungen transformiert. Zusatzleistungen ergänzen die Kernleistungen, indem sie diese ermöglichen, zielgerichtet gestalten oder ergänzen. Zu den logistischen Zusatzleistungen zählen insbesondere Kommissionierungsund Verpackungsleistungen.165 159 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 26; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 160 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 36; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8. 161 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 28; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 162; Schulte, Christof (2005), S. 147. 162 Vgl. Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 6; Gudehus, Timm (2007b), S. 807; Schulte, Christof (2005), S. 147. 163 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 29; Gudehus, Timm (2007b), S. 583; Schulte, Christof (2005), S. 222-223. 164 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 29; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 149; Schulte, Christof (2005), S. 147 und 213. 165 Vgl. Isermann, Heinz (1998), S. 36-37; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 8.

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Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.